Ausgabe 
24.11.1881
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 274. Donnerstag den 24. November ISNi.

Kichener Mniciger

Avffigk- und Amtsblatt für den Kreis Kirßcn.

Bureau r ELulstraße B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montag-.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen r'erteljährlich 2 Mark 6

Amtlicher Th eil.

Bekannt m o ch n n g.

Betreffend: Die Beschädigung der Telegraphenanlagen.

Die Reichs - Telegraphenlinien sind häufig vorsätzlichen oder fahrlässigen Beschädigungen, namentlich beim Fällen von Bäumen in der Nähe von Leitungen, durch Zertiümmeiung der Isolatoren mittels Steinwürse K. auSgisetzt. Da hierdurch die Benutzung der Telegraphenanflalten verhindert oder gestört wird, so wird aus die durch das Strafgesetzbuch für das Deutsche Reich festgesetzten Strafen wegen dergleichen Beschädigungen aufmerksam gemacht.

Gleichzeitig wird bemerkt, daß demjenigen, welcher die Thäter vorsätzlicher oder fahrlässiger Beschädigungen der Telegrophenanlagen derart ermittelt und zur Anzeige bringt, daß dieselben zum Ersätze yiiD zur Strafe gezogen werden können, Belohnungen bis zur Höhe von fünfzehn Mark in jedem einzelnen Falle aus den Fonds ber Reichs - Post - und Telegraphen-Verwaltung werden gezahlt werden. Diese Belohnungen werden auch dann bewilligt werden, wenn die Schuldigen wegen jugendlichen Alters oder wegen sonstiger persönlicher Gründe gesetzlich nicht haben bestraft oder zum Ersätze herangezogen werden können; desgleichen wenn die Beschädigung noch nicht wirklich ausgeführt, sondern durch rechtzeitiges Einschreiten der zu belohnenden Person verhindert worden ist, der gegen die Telegraphenanlage verübte Unfug aber soweit feststeh', daß die Bestrafung des Schuldigen erfolgen kann.

Die Bestimmungen in dem Strafg'setzbuche für das Deutsche Re ch lauten :

S 317. Wer gegen eine zu öffentlichen Zwecken dienende Telegropdenanstalt vorsätzlich Handlungen begeht, welche die Benutzung dieser Anstalt verhindern oder stören, wird mit Gefängmß von Einem Monat bis zu drei Jahren bestraft.

§ 318. Wer gegen eine zu öffentlichen Zwecken dierende Telegraphenanstalt fahrlässigerweise Handlungen begeht, welche die Benutzung dieser Anstalt verhindern oder stören, wird mit Gefängntß biS zu Einem Jahr ober mit Ge dstraie bis zu neunhundert Mark bestraft.

Darmstadt, den 17. November 1881. * Der Kaiserliche Ober-Postdirector.

Deutschland.

Darmstadt, 22. Novbr. Das heute ausgegebkue Großh. Regierungs­blatt Nr. 25 enthält die Allerhöchste Virordnung, den Geschäftsgang bei der Ober-RechnungSkammer betreffend.

Berlin, 21. November. DieBerl. Polit. Nachr." melden: Nach Ausführung deS FlottengründungS-Plancs wird unsere Marine 64 Schiffe und Fahrzeuge b.sitzen, für welche nach den, heutigen Stande der Technik und den militärischen Anforderungen eine Torpldo.Armirung erforterlich ist. Von diesen Fahrzeugen sind 6 Sch sfe bereu- fert'g armirt, 2 SchiffeZieten" und Ulan* als Torpedoboote gebaut, 18 Schiffe zu en em Dr.ttel armirt, d. h. mit der Grundlage für die weitere Torpedo-Armirung versehen und 12 Tor- pedcbovte sind aus dem Baufonds zu armiren. Es verbleiben noch 38 Schiffe mit Torpedo-Armirung zu versehen. Vom Ausfälle eines noch schwebenden Versuches wird es abhängig sein, ob die bisherige vom Dick aus wirkende Armirung vorzuzrehen sein wird. Die Kosten hierfür sind aus 4 750,000 JC. veranschlagt, doch dürften dieselben, wenn die vom Deck aus wirkende Ärmi- rung beibehalten wird, sich niedriger stellen. Von dem Bau eirer Anzahl kleiner Torpedoboote kann nicht Abstand genommen werden, da dieselben für die Abwehr von Glokaden, die Pete Beunruhigung und Gefährdung feindlicher Geschwader an den heimischen Küsten, den Wach- und Sicherheitsdienst und in vielen Fällen auch für die Unterstützung der eigentlichen Schlachtschiffe im off.nen Seegefecht Bedeutung haben. Für den Angreifer haben sie dieselbe Wichtigkeit im Küstenkricge wie für den Vertheidiger, weil fie eminent für den RecognoscirungSdienst geeignet und Geschwader nur mit ihrer Hülse im Stande find, sich einigermaßen gegen nächtliche Torpedo-Angr-ffe eines unternehmenden Gegners zu schützen. Der Gesammtbedarf für die Torpedo-Armirung stillt fick aus 11,150.000 v4L, waS gegen den R.st der Anschlagsumme des Flotten­grün: unaS-Plar.es um 2,814,000 JL weniger auSmacht, für das Etatjahr 1882/83 sollen 2,100 000 JL verausgabt werden.

Seitens der Polizeibehörden werden schon fitzt d'e Jntereffe.'ten des Oesteren darauf aufmerksam gemacht, daß mit dem Inkrafttreten deS Gesetzes, betr. den Raumgehalt der Schankgefäße, am 1. Januar 1884 die Verwendung von Schankgefäßen, welche den Bestimmungen diese- Gesetzes nicht entsprechen, strafbar sein wird. Den Jnteresienten wäre zu empfehlen schon jetzt bei Neu- beschaffung von Gefäßen nur solche in Gebrauch zu nehmen, welche auch nach dem Inkrafttreten des Gesetzes verwendet werden können.

Wie denBerl. Polit. Nachr." aus München mttgetheilt wird, be- reit.t man sich in den Kreisen des Ministeriums Lutz auf eine Katastrophe vor, die fick leider als unvermeidlich herausstellt. Die Majorität der Kam- mer bat bekanntlich den Malzausschlag statt auf zwei Jahre nur auf drei Monate bewilligt. Bleibt die Majorität b-i ihrem Entschluß stehen dann wird kaum ein Ersatz für den bezüglichen Entaang zu finden sein eine ent­sprechende Erhöhung der direkten Steuer ist geradezu unmöglich und wir stehen vor einer Katastrophe. Darauf steuert man los; man zwingt das Ministerium, zu wählen zwischen seiner Entsagung auf dss Portefeuille und einem Eretgniß, deffen Bedeutung und Folgen zur Zeit Niemand zu berech­nen vermag.

In dem Etat des Reichsamts des Innern erscheint wieder die For­derung von 85,000 JL für den deutschen VolkswirthschaftSrath. Beigefügt ist eine die vorgeschlagene Institution empfehlende Denkschrift, welche irgend neue Gesichtspunkte nicht enthält. Die Körperschaft soll nach dieser Denkschrift lediglich ein technischer Beirath der Regierung in allen die wirthschaftlicheu Jntereffen von Handel, Gewerbe und Landwirthschaft betreffenden Fragen bilden. Es wird versichert, daß eS sich nicht um die Begründung einer neuen Institution politischen Charakters, namentlich auch nicht darum handle, zwi­

schen den Bundesrath und den Reichstag eine neue Körperschaft mit politisckin Befugniffen emzuschteben oder der Thätigkeit der parlamentarischen Vertretungen Eoncurr,nz zu bereiten.

Arankreich.

Paris, 20. November. Das neue Ministerium Gambetta bat einen großen Doriheil England dadurch gebracht, daß es ihm die Derlä'-fle- > v. g des bisher so hartnäckig verweigerten Handelsvertrages bewilligen dürfte. Der neue Handelsminister Ruvt»r ist ein ebenso enragnter Freihändler, wie sein Vorgänger Ttrard ein Schutzzöllier.

England.

London, 20. November. Während seit dem Inkrafttreten de- Land- gesrtzeS die Zustände in Irland einige Wochen hindurch eine Wendung zum B, fieren bekuicketen, ist neuerdtngS wieder eine Reihe von Verbrechen zu ver­zeichnen, die an die schlimmsten Zeiten der Schreckensherrschaft derRorys cf Ihe IliU erinnern. In Hogboy, unweit BallyhanniS, wurde dieser Tage an Gursverwalter Namens Divon tobt auf der Straße gesunden. Zwei Kugeln b-dten seinen Körper durchbohrt. Am Freitag Abend wurde auf einen Herrn Digby, den Neffen von Lord Dtgby und Agenten der Charleoiller Hüter, ge^chvfien, als er sich von seinem Bureau nach seiner Wohnung in Vrcckoille bei Tullamore begab. Er ist schwer verwundet Die Thäter sind n beiden Fällen unbekannt. Mißlieb gen Pächtern oder Gut-Herren ist in etzter Zeit wiederholt in die Wohnungen geschossen worden; ein PächtelhauS vurde angzündet und bis auf den Grund medergebiannt und unweit Ros- ommon wurden wiederum über 100 Cttfen, die einem Viehhändler NamenS )ohn Slanagan angehörten, die Schwänze abgeschnitkrn. Mittlerweile erhält das Gefängniß in Kilmamham täglich neuen Zuwachs anVerdächtigen." Parnell ist von seinem jüngllen Unwohlsein wieder hergestellt, allein er lehnt es ab, Besuche zu empfangen, ausgenommen in wichtigen Geschäften, da ihm die Ueberwachung Seitens der Gefängnißwärter nicht bebagt. Dillon's Ge- sundhritszustanb bleibt mißlich. Dor einigen Tagen besuchte ihn da- Paria- mentsmttglied Gray und überreichte ihm Namens der Frauen-Landliga von Dungarvan einen Schlafrock und ein Schlafkäppchen.

Die Bergleute m den Nord-Staffordshtrer Kohlengruben, welche erst vor drei Wochen die Arbeit zu 5 pCt. Lohnerhöhung wieder ausnahmen, legten am Samstag die Arbeit abermals nieder, um die ursprünglich geforderte Lohn­erhöhung von 10 pCt. zu erlangen. Der Snike in den Staffordshirer Töpfe­reien dauert noch immer fort und es find jetzt mehr als 30,000 Arbeiter ohne Beschäftigung.

Italien.

Rom, 21. Novbr. Deputirterkammer. Während der Budgetberathung fiel von der Tribüne em Revolver in den Saal vor die Bank der Commission, ohne loszugehen. Der Präsident ordnete die sofortige Verhaftung des Schul­digen an. Die Derathung wurde fortgesetzt.

Das verhaftete Individuum, welches in der heutigen Sitzung der Deputirtenkammer einen Reoo'ver in den Saal warf, ist ein einige dreißig Jzhre alter Sicilianer, Namens Macaluso, und bereits wegen Mordversuchs verurtheilt.

Rutzland.

Petersburg, 20.'November. Der Proceß gegen die Mörder des Czaren Alexander II., der imsApril er. verhandelt ward, wird in dieser Woche (in Nachspiel erhalten. Auf der Anklagebank fitzen der General Movrmski, der Ingenieur Fursoff, vormals Chef der geheimen Polizei, und der Polizei-