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fNircÄU : Schulfiraße B. 18.
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Wne Ärififl in Krankreicb.
Der Telegraph prophezen jchon fett einigen Tagen den Ausbruch einer iJiinifiertfifil in Puri-, aber offen erklärt ist fte noch nicht. Jedermann stehl nur die Srlfis für unoermeirlich an, man steht sie nahm w e eine Gewitter- wölke, die sich vielletcht schon heute oder morgen im Ministerrathe entladen w»rd. Und doch »st diese Minister krise nur ein Vot spiel einer größeren SrisiS, btren Herannuhrn ebenfalls jeder Franzose beobachtet, tii.er Staatskr.siS, die entscheiden muß. ob der Präsident der R.publ k, Grevy, noch selbstständig ist ot>er ebenfalls nach der Pfeife deS Herrn Gambelta tanzt. B,s jetzt wird übereinstimmend gemeldet, Grevy werde auf feit en Fall in der Frage de- Usten.ScrutwiumS nachgeben, und der heftige Ltt.it in der Preffe — „hie Drecy, hie Gambttta.'- — spricht nicht mehr von der Möglichkeit einer Vereinbarung.
DaS sog. Listen-Scrutinium ist nicht etwa eine Wahl nach Listen, in welche die Wähler eingetragen st'.d und zur Abgabe ihrer Stimmen aufgerufen werben, sondern lediglich ein Modus, welcher mit c-er bisherigen Wahlord- nung bricht. Wädiend bisher jeder Wähler in seinem Wahlbezirke, der nach der Lopszahl örtlich begrenzt war, einem Deputaten feine Stimme gab, legt da- Listen-Scrutinium 15 bi- 16 Bezirke zusammen und hat jeder Wähler 15 bie 16 Candidaten zu nomtuiien. Das ist die „Liste", von welcher dieser ModuS den Namen hat. Damit nun da- OroS der Wähler, von denen viele lausende kaum 15 bis 16 Namen selbst auSsuchen würden, eine Art Führung hat, würde der erste Name auf jeder „Liste- ein allgemein bekannter Partei- name sein, also z. B Saffagnac für die Bonaparttsten, Gambetta für die Republikaner feines Anhang-, Rochefort für die Eommunards u. f. w. Die Sumo c aller der Stimmen, welche ein solcher „Führer" im ganzen Lande "hielte, würde gewissermaßen die Stärke der Parti» im Lande charaktensiren. Xun liegt es auf der Hand, daß die Gambettrsten. indem sie überall ©im* detta ausstellten, möglicherweise diesen Dauphin der Republik nicht nur fünfzig bl- sechzig Male wählen könnten, sondern daß auch die Zahl aller Stimmen, selbst dort, wo er in der Minorität bleibt, zusammengerechnet, nach Millionen zählen würde, während tie weniger zahlreichen und schlecht organifirten Anhänger de- Ministeriums ober Grevv'S eine dürftige zersplitterte Minorität aufweifen würden. Sin solches Resultat wirb von Gambetta ersehnt, und das Wen-Lcrutinium ist ein speciell für btifen Ehrgeizigen zuaeschnittener Wahl- wodus, der mit Recht als „em Plebiscit für Gan.betta" bezeichnet wird.
Man spricht daher jetzt bereits auf den Boulevards scherzhaft vom -König der Republik-, und wie der Witz der Flaneur- oft da- R cht'ge trifft, ,o wirb der innere Widerspruch dieses im Grunde rcactionären und gefährlichen Listen - Scrutiniums mit einer natürlichen freisinnigen Wahlordnung treffend charaklerifirt. Daffelbe Scrutinium, waS heute Gambttta erhöhen kann, kann ihn em Jahr später stürzen und einem anderen Gegner, sei eS nun ein ehrgeiziger Republikaner, ober gar ein Royalist oder Jesuit, die mühsam erkletterte oberste Sprosse der Leiter zum „Throne der Republik" frei machen.
Nußland.
Petersburg 20. März, lieber die Verhaltung des gefährlichsten aller Nihilisten, Sndreij Sheljabow, bringen bie Nowosti folgende Einzelbeiten: Ein gewisser „Mvlord" war am 24. Februar aus dem Auslande nach Petersburg abgereift, was die Pol'-ei erfahren hatte. In Petersburg quartierte sich Mylord unter dem Namen .Trigonja" im Hause eines gewissen Lichatfchew, gerade Änitschernkow (Palast des Thronfolgers) gegenüber, eilt Die Behörde beauftragte zwei Geheimpolizisten, den an- gesl chen Trigonja auf Schritt unb Tritt zu überwachen. Tie Agenten Malkewitfch und Gulkew'tsch nahmen sofort im selben Logirhaufe ein Zimmer und nun wurde jeder Schritt dcs Verdächtigen überwacht. Trigonja wandte alle mögliche Vorsicht an, bei feinen Ausgängen machte er Umwege, besuchte allerlei Gasthäuser und langte zuweilen ent nach zwei bis drei Stunden an dem Punkte an, wohin er wollte Er wurde um fo beharrlicher überwacht, als bekannt geworden, daß er einer der Leiter des Erecutiv- Comstes sei und mit Sprenggeschossen gut umzugehen wisse. Trignoja war Höch und stark gewachsen, trug einen schwarzen Bart, war von dunkler Gesichtsfarbe, hatte eine stark gebogene Nase, ging stets fein gekleidet. Mehrere Geheimpolizisten überwachten Trigonja mit größter Sorgfalt und verbrachten oft ganze Nächte vor Häusern, in
legenhcit noch fehl Beschluß gefaßt ist. ES »st übrigen» zu erwarten, daß die Wahl deS Termin- nicht in den Sommer fallen wird.
Berlin, 21. März. In der am 19. d. Mts. unter dem Vorsitze des Staat-minister- v. Bötticher abgehaltenen Sitzung dis BundesrathS wurde, nach einigen geschäftlichen Mittheilungen des Vorsitzenden, der Entwurf eineelsaß-lothringischen G setzrS wegen Ausführung des Reichsgesetzes über die Abwehr und Unterdrückung der Viehseuchen in der von dem LanbeSausschuffe beschlossenen Fassung genehmigt Der Entwurf eines Regulativ-, bett, die Gewährung der Zoll- und Steuervergütung für Tabak und Tabaksfabrtkate, sowie der Entwurf eines Gesetzes für Elsaß Lothringen über die Ö ffentlichkeit der Verhandlungen und die Geschäftefpiache deS LandesauSschuffeS wurden den zuständigen Ausschüssen überwiesen. Lin zu dem Gesetzentwurf wegen Abänderung der Gewerbeordnung (Tanz-, Turn-, Schwimmlehrer, RechtSconsulenten x.) gestellter Zulatzantrag Sechsen-, welcher die obligatoeische Einführung von Arbeitsbüchern und eine Ausdehnung der Zuständigkeit der gewerblichen Schiedsgerichte bezweckt, wurde dem mit jenem Gesetzentwürfe befaßten Ausschüsse für Handel und Verkehr, ein Antrag Bremen-, bett, die Tara bet der Verzollung von Tabak, dem Ausschuß für Zoll- und Steuerwesen überwiesen. Nachdem sodann eine (5 ngabe wegen Gewährung von Unterstützung aus Anlaß de- ÄriegeS gegen Frankreich und eine fernere Eingabe, bett, die Zollbehandlung von Holzästen nach dem Anträge der berichtenden Ausschüsse ihre Erledigung aefuhben batten, erhielt der Antrag Oldenburg-, bett, die Ermächtigung deS Hauptzollar' »S Brake zur Abfertigung von Zucker mit dem Anspruch auf Zoll- und Steuer-Rückvergütung, die Zustimmung. Die Versammlung trat sodann in die Berathung des Gesetzentwurfs über die Bestrafung der Trunkenheit ein u*b ertheilte demselben in der von dem Ausschüsse für Iustizwesen vorgeschlaqenen Fassung die Genehmiguung. Mehrere auf das Etat-« unb Rechnungswesen der Landesverwaltung von Elsaß - Lothringen bezügliche Vorlagen wurden nach den Anträgen der Au-schüffe erledigt; von der Denkschrift über die Ausführung der Anleihegesetze wurde Kenntmß genommen. Der Entwurf eine- Gesetze- für Elsaß.Lothringen über die Unterstützung von dienstunfähigen Forst'chutzbeamten gelangte, nach dem Berichte deS IX. Au-schuffe-, ohne wettere Debatte zur Annahme. Den Schluß bildete die Ernennung von Eommiffanen zur Berathung von Vorlagen im Reichstag, sowie die Vorlegung der neu -tng-aa, genen Eingaben.
Müncden, 21. März Der Äonig hat dem Staat-secretär im Reichsamte de- Innern. Staat-mii ister v. Bötticher, da- Großkreuz de- Verdienstorden- vom heiligen Michael uib dem Staat-secretär im Reich-schatzamte, Wirkl. Geh. Rathe Scko z, da- Großcomthurkreuz des Verdienstordens der bavertscken Shore verliehen.
Stuttgart, 21. März. Der „Staat-.Anz. für Württemberg" meldet au- Eannes: Jyre Majestäten empfinden schmerzlich den Verlust des vielge- liebten B uder- u d LchwraerS; dieselben empfingen von den befreunbeten Souveränen urb m deren fürstlichen Personen, sowie von einer Reihe Gemeinde- Eollegien bie rührendsten Beweise der Theilnahme. Hervorragende Fremde aller Nationalitäten thaten chr Beileid und ihre Entrüstung über die schreck- licke Begebenheit kund.
Deutschland.
Berlin, 21. März. Fürst Bttmarck wird durch bie Folgen einer Parken Erkältung noch immer von der Theilnahme an den Reichstagsarbeiten serngehalten; man hat aber Grund zu der Annahme, daß er zunächst bei den Debatten über den Zollanschluß Altonas anwesend sein wird; es liegt dies »venigstens, wie in Rrichstagskreisen verlautet, in seinen e genen Wünschen. NSbenfo hat der Fürst Abgeordneten gegenüber geäußert, daß er den ersten Lesungen d?r Vorlage über die Steuergesetze, sowie über da- Innung-Wesen enb da- Arbcuer-Unfall-Verficherung-geietz beiwohnen werde.
— JTic „Nordd. Allg. Ztg.^ bestätigt, baß die RcichStagswahlen erst für Herbst zu erwarten find. I-, Bezug auf den wahrscheinlichen Termin der Neichstag-wablen wird aus ein Wort des Herrn v. Manteuffel hmgewiesen, vonach die Wahlen im Sommer statt finden sollten. Dieses Wort ist im Eivne des Sprechers nicht mehr als etne Veimuthung gewesen, da N.emand leffeT al- der Statthalter der Reichslande gewußt hat, daß über diese Ange.
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