füllung der Vertreter der Reichsregterung, Staatsminister v. Bötticher, bereils t damal- in Aussicht stellen konnte. Für die bethetligten Interventen, Reichs- tagsmitglieder, Landwirthe, Techniker u. s. w. dürste die Notiz von Interesse sein, daß die Nummer 34 dcS Centralblattes der Bauoerwaltung mit dem gesammten aufgesührten Material von der Expedition, Wtlhelmstraße 90 in Berlin, bezogen werden kann.
— Als beachtenswerth bringen wir nachstehende officiöse Meldung des „Grenzboten": „Die Regierung wird der Volksvertretung des Reichs vorerst nur den Etat des Retchöhaushaltes zur Berathung üoilegen, vielleicht auch den Gesetzentwurf über den Bau des Reichstags-Palastes. Dann wird man den Reichstag vertagen und den preußischen Landtag einberuseu und demselben den ktrchenpolitischen Ausgleich in Form von concreten Gesetzentwürfen zur Verhandlung und Beschlußfassung zugehen lasten. Hierbei wird sich zeigen, ob die Regierung im Stande jein wird, mit ihren Zugeständnisten daö Centrum zufriedenzustellen und zu gewinnen, und in wie weit. Wird eine Verständigung erzielt, so wird der Kanzler den Versuch machen, mit Hülfe des Centrums und der Conservativen seine socralpolittschen Pläne in Gesetze zu verwandeln. Wird keine erreicht, so wird ein Stillstand in der deutschen Gesetzgebung, so weit sie Hauptfragen angeht, eintreten, und der erste geeignete Moment wird benutzt werden, den Reichstag auszulösen und noch einmal an die Nation zu appelliren."
— AuS dem Etat der RetchLpost- und Telegraphen-Verwaltung für daö Jahr 1882/83 geht hervor, daß die Besoldung der Paketträger und Stadtpost- boten um je 10 Jt. — die Besoldung beträgt durchschnittlich 780 JL — erhöht werden solle. Außerdem soll der Durchschnitts-Besoldungssatz der Land- brtesträger von 560 aus 570 «A gebracht werden. — Die Postbeamten müssen sich trösten, es girbt wenig, aber herzlich.
Arankreich.
Marseille, 19. November. In verwichener Nacht wurden zahlreiche Maueranschläge angehestet, in welchen es heißt: „Es ist Zeit, den erbitterten Kamps ohne Waffenstillstand und ohne Gnade wieder zll beginnen, weil man nicht mehr gletchgilttg bei der tunesischen Greultchkeit bleiben kann, in welcher unsere Soldaten zum Ruhme und zum Besten Gambetta's, deS meineidigen Bürgers u. f. w., hingemordet werden." Der Ausruf schließt mit den Worten: „Arbeiter! laßt uns die Mittel antoeuben, welche die Wissenschaft bietet, deren sich die Nihilisten und die Fenier zum Vorbtlde bedienen. Es ist eine Handlung der Menschlichkeit, den Ausbeutern und Meuchelmördern des Volkes den Tod zu geben."
Rußland.
Petersburg. Abermals wird sich in Petersburg, wie berichtet wird, ein höherer russischer Intendantur-Beamter, der Oberintendant der Rustschuk>- schen Abtheilung, Staatsrath Makschejew, vor dem Militärgericht über Unter» schleife zu verantworten haben, die unter seiner Aegide im Feldzug vorgekom» men sind. Die gegen ihn erhobene Anklage lautet auf: „Mißbräuche bei Einkauf von Spiritus, Weizen und Gerste; Mißbräuche in dem Stmnttza'schen Verpflegungsmagazin und auf Fälschung von Documenteu betreffs Ankauf von 200,000 Pud Heu"! M.t ihm zusammen sind noch 13 Unterbeamte, sowie ein Fuhrenunternehmer dem Gericht übergeben. Der Proceß wird wahrscheinlich tm Februar zur Verhandlung kommen. Was noch besonders erwähnens- werth erscheint, ist der Umstand, daß schon seit Monaten behauptet wurde, Herr Makschejew müßte den Gerichten übergeben werden, wenn er selbst auch sich gegen die dasür angeführten Gründe auf das Entschiedenste verwahrte und nach wie vor in den Clubs rc. weiterverkehrte. Im Oktober verspielte der Herr Staatsrath noch an einem Abende tm Kaufmanns-Club 17,000 Rubel, wie u- A- „Nowja Wremja" mittheilt. — Der Proceß Mrowinskt soll bis zum 25. November (russisch) verschoben sein.
Telegraphische Depeschen.
Wolff'S telegr. Korrespondenz-Bureau.
Berlin, 21. November. Zu Ehren des Geburtsiages der Kronprinzessin fand heute Mittag die feierliche Einweihung des neuen Kuustgewerbe- Museums statt, welcher das Kronprmzenpaar nebst andern Mitgliedern des königlichen Hauses, die höchsten Hof- und Staatsbeamten, viele Generäle und Notabilitäten der Kunst und Wissenschaft, das gesammte diplomatische Corps, Mitglieder des Bundesraths und Vertreter der Stadt beiwohnten. Von London nahm der Director des Lonthkensington-Museums, Owen, Theil. Aus die Ansprache des Cultusministers erwiderte der Kronprinz, er und seine Gemahlm seien hocherfreut, in dem nunmehr fertigen Werke einen vom Prinzen Albert und der Kronprinzessin angeregten Gedanken verwirklicht zu sehen und sie hofften Beide, daß durch die Anregung, welche der vaterländischen Industrie, namentlich dem Kunstgewerbe durch etn derartiges Institut gegeben werde, durch das Jr.tereffe, womit man daffelbe in weiteren Kreisen aufnehme, dem deutschen Erwerbleben neue Gebiete des Schaffens und des gedeihlichen Wirkens und eine fernere Quelle fruchtbringender Tbättgkeit erschlossen werde. — Der Kaiser war wegen Unpäßlichkeit an der Theilnahme verhindert.
— Gegenüber einem Bericht des Pariser „Voltaire- vom 17. Novbr., betr. eine angebltche Unterredung des Fürsten Bismarck mit einem Diplomaten über den Eintritt Gambetta's in das Cabinet und die angeblichen Aeußerungen des Fürsten Blömarck über den Grafen St. Vallier, bewichnet die „Nordd. Allg. Ztg." die Aeußerungen deS Fürsten BiSmarck, daß Gambetta ein großer Redner und Staatsmann sei und sein Vaterland vie zu sehr liebe, um es tn unbedachte Abenteuer zu stürzen, als möglich und als solche, die hätten gemacht werden können, wenn eine Unterredung überhaupt stattgefunden hätte. Bezüglich der angeblichen Aeußerungen d s Reichskanzlers über Gras St. Vallier aber, daß derselbe sich zu sehr auf die Hofpartei gestützt und den Einfluß des Kanzlers nicht genügend berücksichtigt habe, sagt die „Nordd. Allg. Ztg.", dieselben seien tn allen sachlichen und persönlichen Beziehungen unwahr und aus der Lust gegriffen. Graf St. Vallier habe jederzeit sowobl die geschäftlichen, als gesellschaftlichen Beziehungen mit poltti ckem und persönlichem Takte geregelt , namentlich aber seien seine Beziehung.n zum Reichskanzler jederzeit b.ffer und intimer gewesen, als mit irgend einem seiner Vorgänger. Wahrscheinlich liege eine Verwechselung der Zeiten vor, die auf den Vorgänger des Grafen St. Vallier, v. Gontaut-Biron paffen würde, aber auf St. Vallier angewendet allen Eingeweihten die vollste Unwiff nheit des Verfasters aus's Entschiedenste bewiese.
Baden-Baden, 21. Novbr. Ihre Maj. die Kaiserin gedenkt heute Nachmittag um 2 Uhr mittelst Exrrazuges nach Koblenz abzureisen. — Der Großhrrzog hatte eine gute Nacht, meist ruhigm Schlas und beim Erwachen das Gefühl größerer Erholung. Temperatur 36,2, Puls 68.
Stuttgart, 21. November. Gestern Abend fand ein Zusammenstoß zwischen dem von hier nach Kalw abgegangenen und dem von Ludwigsburg kommenden Personenzuge statt. 5 Personen wurden schwer verwundet, viele andere erlitten Contusionen.
Pari-, 21. November Eine Depesche des Generals Saussier vom 18. d. Mts. meldet: Die am 13. d. Mts. geschlagenen Ausständtschen warfen sich in Unordnung aus den Weg nach Gabes, welchen die Colonne des Generals Logerot eingeschlagen hat. Die Aufständischen haben noch viele Stücke Vieh verloren. General Saussier traf am 18. d. Mts. in Cermtnia, zwei Tagemärsche von Gafsa entfernt, ein; d;e Notabeln der Stadt haben bereits ihre Unterwerfung angezeigt. Die Aufständischen flohen in südöstlicher Richtung. — General DÄebecque meldet unterm 19. ds. seine Ankunft in Mvghar- Fonkani, welches er verlassen fand. Der Ort soll zerstört werken.
Die Generalversammlung der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung.
Wenige Minuten nach dem Schlüsse des zweiten Congresses deutscher Armen- pfteger versammelten sich am Abend des 12. November im Bürgersaale des Berliner Nalhhauses die Vertreter der deutschen Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung aus allen deutschen Gauen, bewillkommnet von dem Stadtsyndicus Eberty, als Vertreter der städtischen Behörden und von dem ständigen Vorsitzenden Dr Schulze-Delitzsch, der in seiner Eröffnungsrede mit warmen Worten heroorhob, daß gerade in unserer politisch so erregten Zeit durch die friedliche Arbeit für Volksbildung ein Ausgleich zwischen den verschiedenen Parteidestrebungen anzubahnen sei. „Der Boden des allgemeinen Wahlrechtes, auf welchen unser politisches Leben gestellt ist, erfordert unabweisbar die allgemeine Bildung des Volkes, wenn uns die Früchte der politischen Freiheit zu Statten kommen sollen. Große Rechte schließen auch große Pflichten in sich; dafür ist im Volke das Verstä dniß zu verbreiten und darüber müssen Alle, wie verschieden auch ihr Parteistandpunkt sein möge, einig sein. Tro.l der materiellen Zeitströmung brechen sich die Humanitären Anschauungen unaufhaltsam Bahn. Der im deutschen Volke liegende Zug zum Idealen, der nach den schwersten Zeiten unseres Vaterlandes stets wieder hervorgetreten ist, wird uns auch jetzt wieder Alle zusammenbringen zur M'tmtrkung für ein glückliches Staats- und Volksleben."
Die deutsche Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung hatte sich nach dem vom Generalsecretär, Realschuldirector a. D. Dr. Lippert, erstatteten Jahresbericht im Jahre 1871 mit 158 Vereinen und 1299 p.rsönlichen Mitgliedern confiituirt. Sie hat im ersten Decenmum ihres Bestehens eine Festigung ihrer Organisation durch den kaiserlichen Erlaß vom 8. April 1876 erhalten, welcher ihr unter Bestätigung der Statuten die Rechte einer juristischen Person verlieh. Bis zum Jahre 1878 hoo sich die Zahl der Vereine auf 772 mit 4360 persönlichen Mitgliedern. Die mißliche wirth- schastliche Lage und eine der Gesellschaft ungünstige Zeitströmung bewirkten in den letzten Jahren eine Verringerung der Theilnehmer. Dennoch steht die Gesellschaft mit 748 thätigen Vereinen und 4111 unterstützenden Mitgliedern, welche ihren humanen, jedem Parteigetriebe und jeder Tagesagitation entrückten Tendenzen folgen, gerade heute als ein starkes Bollwerk gegen manche uns bedrohenden materialistischen, freiheits- und culturfeindlichen Elemente da und erfüllt eine wichtige Aufgabe unseres nationalen Lebens. —
Die am 12. November begonnenen und bis mm 14. November fortgeführten Verhandlungen betrafen hochwichtige Frageii der wirthschaftlichen, tewnischen, sittlichen und religiösen Bildung des deutschen Volkes. Gleich der erste Abend führte die stark besuchte Versammlung mitten hinein in eine der brennendsten Zelts, agen über die Schulsparkassen, worüber Justizrath Ma ko wer einen sachlich sehr odjectiven. den Gründen für und wider unparteiisch Rechnung tragenden Bericht abftattete, dem eine lebhafte Debatte folgte, in der sich nur 2 Berliner Lehrer heftig gegen die Neueiung erklärten, während alle übrigen Redner, unter denen mehrere selbst Schulsparkassen seit Jahren praktisch geleitet batten, die Bedenkm erfolgreich widerlegten, so daß in der von zahlreichen Volksschnllehrern besuchten Versammlung schließlich folgende Resolution mit großer Mehrheit zur Annahme gelangte: „Die Versammlung erkennt an, daß die Schulsparkassen eine sehr nützliche Einrichtung fein können und beauftragt den Vorstand, ein Comite einzusetzen, welches die Aufgabe hat, auf allen ihm gut scheinenden Wegen, unter Umständen auch durch Begründung eines besonderen Vereins, die Einführung der Schulsparkassen zu veranlassen und zu erleichtern und der künftigen Generalversammlung über ihre Erfolge zu berichten."
Die beiden übrigen Verfammlnngstage brachten außer dem Jahresberichte des Generalsecretärs, dem ThätigkeitSbenchte des Wanderlehrers und der Rechnungs- Ablegung noch mehrere interessante Berichte und Debatten über die Entwickelung des Volksschulwetens, über den Stand des Realunterrichts im Verhältniß zu den Bedürfnissen der Volksbildung und über die Bestrebungen zum Wohl der aus der Schule entlassenen Jugend, wobei die Frage für und gegen obligatorische Forlbildungsschulen eine vielseitige Beleuchtung fand.
Wir glauben als einen Bericht von principieller Bedeutung noch denjenigen des Fabrikanten ß. <5 et) f färbt von Erefeld über „unsere Wünsche für die fernere Entwickelung des Volksschulwesens" mit einigen besonderen Worten hervorheben ,u müssen. Der Redner forderte die Gesellschaft auf, sich mehr wie bisher mit dem Volksschulwesen zu beschäftigen, er betonte die Nothwendigkeit eines Unterrichtsgesetzes, sowie einer energischen Durchführung des Schulzwanges und verlangte Unentgeltlichkeit des Volksfchulunterrichts, Vermehrung der Lehrerzahl, Verbesserung der Lchrergehalte und Beseitigung der Institution der geistlichen Schulinspectoren. Mit einer Dotation von 30—40 Mill JL könnte unsere Volkstchule zu einer Musterschule gemacht werden. Es sei jedock kein Zustand, der einem Cullurstaat entspreche, daß immer ein Kultusminister die Schöpfungen des vorhergegangenen ohne große Mühe über den Hausen werfen könne und daß somit die Volksschule die Schwankungen in den Ansichten des jewe-kigen Cultusministers mit durchzumachen habe. Mit besonderer Schärfe verlangte der Redner, daß der Einfluß der Kirche auf die Schule beseitigt und die Schulsrage im Geiste be5 Cultuikampses und im Sinne ber Liberalen gelöst werben müsse. — Einen allerbings nur theilweise ausweichenden Standpunkt nahmen zwei nichtpreußische Redner em. Zunächst betonte Oberbürgermeister Ohlv aus Darmstadt, daß alles dasjenige, was der Referent für Preußen wünsche, in Hessen-Darmstadt verwirklicht sei, daß dort sehr viel für das Lrchulwesen gethan sei und ein freier Geist auf dem Gebiete des Unterrichts walte. Richt nur der Schulzwang sei dort vollständig durchgeführt, sondern auch der Fortbildungsunterricht vom 14 -17. Jahre sei obligatorisch In ganz ähnlicher Weife führte Dr. Böhmert aus Dresden aus, daß man sich in Sachsen nicht nach preuß schen Schuleinrichiungen und auch nicht nach einem Reichsschulgesetz und nach Reichsschuldotationen sehne. Man habe in Lachsen den Ortsschulrath als wichtige locale Behörde, in welcher auch die Geistlichen in ber Regel kraft Auftrags bes Staats Sih und Stimme haben, ferner Bezirksschulinspectoren unb auch die obligatorischen Fortbilbungsschulen. Mit biesem Schulgesetz, bas auch bie finanziellen Verhältnisse ber Lehrer wesentlich verbessert habe, sei man in Sachsen zusrieben. In Sachsen seien auch nickt allein Liberale, fonbeui auch Conservative an ben Bestrebungen ber Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung mit betheiligt unb diese solle man nicht vor den Kops stoßen, ebenso warne er, die Schulfrage vom Standpunkt der preußischen Kämpfe mit dem Centrum zu behandeln unb bie Geistlichen etwa von ber Schule auszufchließen ober sie mit Mißtrauen zu betrachten. Der Geistliche sei in ben meisten Lanbaemeinden der einzige academstch g bilbete Mann unb müsse bafjer auch selbstverstänblick für die Mitarbeit tm Schulwesen gewonnen werden. Es gäbe auch zahlreiche protestantische und katholische Geistliche, welche sich schon freudig an ben Bilbmigsbestrcbungen mit betheiligen. Wie bie Schule burch Jugenbfparkassen bie wirtbsckaftliche Persönlichkeit des Kindes erziehen solle, so müsse sie auch die religiöse Persönlichkeit in's Auge fassen, unb nicht nur bas Wissen, sonbern auch bas rechte Können unb Wollen lehren. Die neuere Päbagogik lege nickt auf Kenntnisse, bie immer Stückwerk bleiben werben, sonbern auf Ausbildung bes Willens unb Characiers unb Herausbildung ber freien selbftstanbigen Persönlichkeit eines jeben Kinbes bas
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