Ausgabe 
23.9.1881
 
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Freitag den 23. September

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Erscheint täglich mit «u»nahmc deo Montags.

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Se't dem 2. Juli, dem Tage, an welchem der kürzlich gewählte Präfi- deut der Vereinigten Staaten Nordamerika- durch einen Flintenschuß ton dem verkommenen französischen Advccaten Guiteau in meuchklmördeiischrr Absicht verwundet wurde, blickte ganz Deutschland unverwandt mit innigster Theil- »ahme hinüber über den Ocean nach der Krankenstube des We ßen Hause- zu Washington. Bald mit Sorge und Bangen, bald wieder mit Hoffnung wurden die ärztlichen Bulletins über daS Befinden deS Präsidenten verfolgt. Autoritäten der Wiffenschaft hielten von vornherein die erlittenen Verletzungen für rödtlich und hatten rdtmalß rechten Glauben an das Wunder, auf welche- die treutieber.de, tapfere Gattin deS Verwundeten gottergeben mit ganzer Zu- verficht thre Hoffnungen gesetzt hatte. Drüben in Amerika tauchte die Mei- uung auf, die Urbersiedelung nach Long-Branch hätte dem Kranken geschadet, e- wäre bester gewesen, ihn im Weißen Hause zu lasten und die Strapazen einer Reise zu vermeiden. Ter Wechsel des kliu.aS hatte sich indeß als noch- wendig herausgrstellt, btt Ueberführung geschah mit gröhlmöglchster Vorstcht, wie überhaupt Alli-, was die Schmerzen lindern konnte. traten Erholun- gm rin, dann jähe und plötzliche Rückfälle, Fieberschauer und Erbrechen wur» dm häufiger und intensiver, der zum Scelett abgemagerte Patient war nicht mehr im Stande, seine Qualen zu ertragen. Noch ein letzte- Mittel, die BluttranSsusto*', wurde versucht, adern vergeblich. Nach 2J/2 Monate langen unausgesetzten heftigen Schmerzen erlolgte Montag Abend um 10 Uhr 50 Min. der Hintren de- Präsidenten, an dessen Lager sich die Minister Wmdom, Hunt, JameS, B'aive und Lincoln etngesunden hatten und jetzt ihren Chef betrauern. Sanft ruhe der Todte!

Kehren wir zu den Lebenden zurück. Die Zügel der amerikamschen Regierung liegen jetzt in den Händen de- ersten Vicepräsidenten Arthur. Er ist ein Mann jener Partei, der Grantpartei und specirll der New Porker Clique Ra-coe Conklma, welche fest an dem Principe hält, bet einem Stege rücksichts­los die pvlittsche Beute zu vertheilen. Da- amertkanische Volk hat also zu fürchten, daß während der Amtsdauer Arthur'-, welche den Rest der vierjährt. gen Amt-dauer de- verstorbenen Präsidenten umfüht, nach diesen verderbltchen bisherigen Grundsätzen verfahren wird und ferner zu erwarten, daß wahr- schetrlick die jeweiligen Machthaber mit allen Mitteln dahin streben, für die künstige Präsidenlschaft-wahl sich und ihrem Principe den Sieg zu sichern. Ernsten Zetten geht da- awerikanische Volk unter solchen Umständen entgegen, wenn e- nicht selbst sich entschließt, mit Eifer und Energie Reformen zu be- treiben, namentlich die Reform deS öffentlichen Dienste-. ES muß jedes Staat-Wesen in seinen Grundfesten erschüttern, wenn bei jedem Umschlag im Parteikamps der gesammte öffentliche Dienst im Partei-Jntercffe umgewandelt wird, wein nicht mehr Tüchtigkeit und Fähigkeit, sondern die trügerischen an- geblichen Verdienste im Streit der Parteien bei der Besetzung aller Staats- pellen, die den Ehrgeiz reizen können, den Au-schlag aeben. Es steckt viel Kern und urwüchsige Gesundheit in dem amerikanischen Volke, so daß der end­liche Erfolg sicherlich auf Setten der Reformer zu finden sein wird und viel- leicht schneller al- dte Pessimisten dieffrit- und jenseits de- großen Waffers fich träumen laffen.

Jwtnüba der drohenden Gefahr eine« immer engeren Bündnisse« der knchUcken und potitiscken keactton mit anderen liberalen Ricktungen fest zufommen stehen in der entfchiostenen Abwehr klerikal-konservativer Angriffe auf unsere Verfassung und Gesetzgebung." Unterzeicknet ist der Aufruf ton den Herren: R. v. Bennigsen, v. Benda. Dr. Böttcher. Dr. Buhl. Büsing. Dr. v. Lunv. Forkel. FrtrS. Dr. (Bene«. Dr. Hammacker. Hobrecht. Äufn Dr. War. auardsen. Dr. Miauet. Pogg».Blankenhof. Pogge > Roggow.'öttler. Dr. Stephani. Dr. Wackler. Dr. Wach«.' Dr. Friedrich Weber. Dr. Mar Weber. Dr. Weigel.

Dr. Wolffson. Da der vorstebende Wahlaufruf auf die nationalliberale Erklärung vom

29. Ma, Bezug nimmt, so se, r« un6 gestaltet, einige bezeichnende Sätze jener Erklärung hier zu wiederholen. Zum Verhäitniß zwischen Staat und Kirche bemerkt die Erklärung: Den nothwendlgen und unveräußerlichen Rechten dr- Staate« gegenüber der Kirche wird Vit Partei keinen Abdruck grsckehen lasten, namentlich auch nicht auf den Gebieten der Schule und der Ehegesetzgebung, wo Urberg,iffe kirchlicher Reaktion gerade in Deutschland stet« am peinlichsten empfunden sind und am unheilvollsten gewirkt haben. Ueber da« Tabak-monopol sagt die Er- Närung vom 29 Mai. Gegen da« Projekt de« LabakSmonopol« hat dte Partei au« wirth- fchastlicken wie politischen Gründen entschieden Widerspruch erhoben. Vor dem Eingeben auf weitere umfostende Pläne, welch, dte Steuerkraft de« Lande« in höherem Maße in Anspruch nehmen, muß zunächst da« volle und nachhaltige Ergebniß der vom Reichstage im Jahre 1879 bewilligten Zölle und Verbrauchssteuern obgewartel werden. Zn der Erklärung heiß es ferner: Gegen eine übermäßige Eentraltsatton der Staatsgewalt werden wir d,e Selbstständig, kett und die Selbstverwaltung der Gemeinden verthetdigrn und wette, entwickeln. ttnilef? betont dte Erklärung vom Mai dte Nothwendigkeit einer starken liberalen Partei-

Ausland.

Petersburg, 20. Stptbr. Die rusfische Regierung scheint nun nach langem Schwanken endlich die Nothwendigkeit eingesehen zu haben, den fortge­setzten Ausschreitungen gegen die Juden mit Ernst und Strenge Einhalt zu gebieten. Den Gouverneuren jener Distrikte, in welchen die Bewegung noch nicht zur Ruhe gekommen, wurden, wie derPest. Ll." meldet, Ordres erhetlt, die Agitationen rasch zu unterdrücken und den Behörden wurde ihre Verant­wortung ui dieser Hinsicht auf das Eindringlichste zu Gemüthe geführt- Gleich­zeitig hat die Regierung zum .rsten Male seit dem AuSbruche der scandalösen Hetzen in offener Weise ihre Mißbilligung Über dies Treiben kundgegeben. Sie that die- aus Anlaß der Beantwortung einer jener unsinnigen Petitionen, welche die Austreibung der Juden forderten. DaS Städtchen Perje-law hat fick in der Slera der Judenverfolgungen einen gewifien Ruf errungen. Die Häupter der Gemeinde fühlten das Bedürfnis zur Bethätigung chres Juden- Haffes eine Petition an den Chef der Provinz abzusenden mit der Bitte, daß alle Juden, die nicht die besondere Berechtigung genießen, in Perje-law zu wohnen, aus der Stadt au-gewiesen werden mögen. Die Petition hat jedoch eine unerwartete Antwort erhalten. Aus Anoidnung der Regierung wurde sie der Gemeinde zurückgesendet mit dem Bedeuten, daß die Unterzeichnung einer solchen Bittschrift Demjenigen, die sich ihrer schuldig gemacht haben, leicht die Anklage wegen HockverrathS zuziehen könne. Die Gemeindebäupter von Per- jeslow verhalten sich seitdem still. Man sieht, die russische Regierung hat eS m der Hand, den Judenhetzen ein Ende zu machen, wenn sie nur will.

Deutschland.

Berlin. Der Wahlaufruf der natton alliberalen Partei lauter In seinen Havpt'äecn uie* felgt ,Dte nationolliberale Partei hat ihr Programm erst vor wenigen Monaten m der SrNLrung vom 29. Mai d. I. ni.dergel.gt Wir weisen auf dusr Kund a.buna zurück welche wir in ibrem vollen Umfange bestätigen und aufrecht erhalten. An der Spitz, unsere« Programm« w»rd immer die Betieuerung der unverbrüchlichen Treue zu Kaiser und Reich steben. Je m.br in den Parte,kämpfen unterer Zeit der national, Gedank« oft getrübt erschrtnt, um Io mebr halten w.r ,« für unsere Aufgabe, die schwer errungene Srnhiit uoieres Reiche« und Volke« gegen alle Anfechtungen zu schützen und unter Achtung der ver- fastungSmaßtgrn Rechte die Bundesstaaten weiter zu entwickeln. Do es die Sicherbnt und Festigkeit dc« Reiche« galt, ist nie vergeblich die Hülfe der natronalliberalen Parte, angmifen worden. Ebenso werden wir jede Verkürzung unveräußerlicher und unentbehrlicher Rechte de« Hkaate« in seinen Beziebunaen ,ut Krrcke und Sckule abwehren. Für die Dieder- herfiellung ein,« friedlichen Verbältmffe« zwischen Staat und Krrcke sind wn bereit mtt- ziwirken, wenn dasselbe ohne PreiSg.bung der In bartem Kampfe errungenen Stellungen de« Eteate« herbklaeführt werden kann. Die neue GeietzgedungSperiode de« RerckSrag« wirb wieder in ganz bervorragendem Maße m,r wirtbsckaftSpolitr'chen Fragen fick zu beschäftigen haben. Unsere Partei wird auck in Zukunft den Grundsatz persönlicher Freihnt in Erwerb und Pnkedr festbalten und gegen r,aki,onäre Angriffe vertheidlgen. Immer von Neuem de- (tätigt die ürfabrung. daß Zollfrogen nicht zur Grundlage po',t,scher Parterbildung gemacht werden dürfen und daß die Pe^fl'ckrung auf nne einzige bandelSpelitisLe Richtung nickt zum Erfordernrß liberale, Gesinnung gebört. Weiteren «e.forderunaen an die Steuerkraft des Volke« werden wir nur im Falle des dringendsten nackgewieseven Bedurfnisie« oder bei einem vollrrerthigen Ersätze durck gleichzeitig« Steurrerle,chterun?.en und Steuerreformen, unter Au» reckt«,baltung eine« gesunden Dr,bältr.,ffe« zwischen der dtreeten und mdirrcten Besteuerung und unter Wabrüng der ec-rstitutionellen Reckte der Volksvertretung zuftimmen. Den sonal- Pvl'Nschrn Fragen werden w,r unsere volle TheUnabme widmen und alle auf die geistige und rraterielle Wohifabrt der arbeitenden Klaffen abzielenden Dorsckl-ge auf's Sorgraltigste und mit dem ehrlichcn Streben positiven Sckaff-ns prüfen, getreu de, übernommenen Derpflickruna, al« wir der LtaatSgewa t die Waffen giwälirlen. gewaltsame AuSbrücke der socialdemokratischcn Bewegung niederzuhalten. Wir verlangen aber, vah Fragen welche an Ernst und folgen- ßtwerer Bedeutung alle anderen überragen, nickt zum Gegenstände unübersehbarer, finanziell unausführbarer Experimente gemacht, sondern mit ruhigster Prüfung m stetem Hinblick auf tea« Erreichbar« und Möslicke in Ang, ff genommen und ihre, Lösung zugeführt werden, obr.e RIeberlastung Les Staates mit Aufgaben, welcke nur unter ernstlicher Gefährdung des Gemein-

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Ameige- unb .Amtsblatt für btn Kreis Gießen.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'- telegr. Korrespondenz - Bureau.

Berlin, 21. Septbr. Der Gesandte v. Schlüzer hat sich heute nach Varzin begeben.

In einembte Gegner des Fürsten Bismarck und unsere auswärtige Politik" betitelten Artikel sagt dteProv.-Corresp.", das Ministerium Bis- marck, welches da- unmöglich scheinende Ziel erreichte, 10 Jahre nach dem Frankfurter Frieden den poetischen Horizont für ur6 von dem kleinsten Wölk­chen frertumachen, ist eine Garantie unsers Friedens und der Friede die Vor­bedingung einer schaffenden inneren Politik; gegen daS Ministerium Bismarck wählen und die Einführung einer parlamemarischm Regierung verlangen, hieße an dem Frieden des Landes rütteln.

Karlsruhe, 21. Septbr. Heute Vormittag 11 Uhr fand in Gegen­wart biT Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften der feierliche Kirchgang des neuvermählien kronprinzlichev Paares statt.

Karlsruhe, 21. Septbr. Se. Maj. der Kaiser, welcher, wie bereit- gemeldet, heute Vormtttag dem Kirchgänge der hohen Neuvermählten Unge­wohnt Latte, besichtigte Nachmittag- mit dem Grvßherzoge in heiterster Stim­mung die Säle des Schlaffes, in denen um 6 Uhr die Galatafel stattfinden wird. Heute Vormittag um 10 Uhr war Se. Majestät bei einem Spazier­gang, den Allerböchstderselbe allein im Schloßzarten unternahm, ausgezlitten, ohne sich dabei den allergeringsten Schaden zuzufügen.

- Ihre Maj. die Kaiserin ist heute Nachmittag 2 Uhr 15 Min. nach Baden-Baden zurückzereist, indem sie wiederum auf dem Mühlburger Bahnhofe einst eg, wohin sie der Eibzroßherzog von Baden begleitete. In den letzten Tagen haben Se. K. L- Hoheit der Kronprinz, Ihre K. K. Hoheit die 5tron- Prinzessin, der Großherzog von Sachsen-Weimar und der Erbzroßherzog von Baden wiederholt die hiesige Kunstgewerbe-Ausstellung besucht.

Wien, 21. Septbr. TiePolit. Correso." meldet: Der Kaiser ließ sofort nach dem Eintreffen der Nachricht von dem Ableben des Präsidenten G arfieid sowohl der Umons-Regierung als auch der Wittwe de- Präsidenten durch den Geschäftsträger in Washington seine Theilnahme ausdrücken.

London, 21. Septbr. Der Vicekönig von Irland ist zum Besuch

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