Ausgabe 
23.6.1881
 
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-tr 112 Donncrstaq den 23 Juni INS1.

Aasige- uni Amtsblatt für btu Kreis Kießen.

Barrau: Schulstr-». B. I». «rf^eint täglich mit «»«nähme brt Montag». Durch d^Post^ogen m^irilährUch alutarf"»» Pi.

Amtlicher Hheil.

Betreffend: Das Gesetz über den Bau und tu Unterhaltung der Kunststraßen. Gießen, am 20. Juni 1881.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die (YroßberjvqlicKen Bürgermeistereien des SlrcifcS.

Wir empfehlen Ihnen, binnen 14 Tagen zu berichten:

1) Welche Straßenstrecken nach dem Anträge deS Gemeinderathes vom 1. April 1882 an durch den Kreis zu unterhalten wären (s. Art. 6 deS Gesetzes vom 27. April l. I, Regierungs-Blatt S. 35);

2) WrS die Gemeinde in den Jahren 1871 b,S 1880 einschließlich für die betreffenden Straßenstrrcken an Unterhaltungskosten ausgewendet hat. Der Betrag ist in einer runden Summe in Markwährung für jede- einzelne Jahr anzugeben. Wenn Straßenstricken erst nach 1871 auSgcbaut worden fein sollten, ist die- besonder- hervorzubeben und sind alSdann die Unterhaltungskosten von dem Jahre an anzugeben, welche- aus da- Jahr, in welchem der Ausbau vollendet^wurde, folgt.

Dr. Boekmann.

Gießen, am 20. Juni 18&1.

Betreffend: Die Voranschläge der israelitischen Reltgionsgemeinden im Kreise Gießen für 1881/82 bezw. 1881/84.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Vorstände der israel. Religionsgemeinden des Streife».

Unter Verwnfung auf unsere in Beilage Nr. 15 mm ffirofjf). Regierungsblatt erschienenen Bekanntmachung vom 3. v. MtS. beauftragen wir Sie, die Rechner Jbr.r Gemeinden anmweisen, sofort mit Lrbebung te8 5. Ziel« Umlagen zur Bestreitung der Bedürfnisse im I. Quartale d. I. zu beginnen, damit den Kassen die nStbigen Mittel zngeführt weiden. Da em besonderer AuSjchlag für daS genannte Quartal. wie bekannt, nicht stattfindet, werden auch keine weiteren Steuerzettel ausgegeben und können deßh^Ib die Quittungen auf ben Zetteln für das Jahr 1880 ertheilt rnrrttn. Die im Nuckstan^ e verbleibenden. Steuerpsttchtigen sind nicht sofort zu mahnen, sondern vorerst durch Zustellung eine- Anforderung-zettel- an ihre schuld zu erinnern. Sie wollen hiernach die Rechner bedeuten.

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Entscheidung der allgemeinen technischen Streitfrage warten, um zum Bau von Secundärbahnen zu ermuntern und ihn zu fördern. Man darf auch bal Rentabilität-.Princip nicht zum Maßstab de- JntereffeS an ben Rebenbahnen machen, denn beren Ausgabe ist eS ja, bit Grunblagen einer möglichen Ren« tabtliiät erst badurch zu schaffen, baß sie den Verkehr Hervorrufen, indem sie die Production anreizen und aufmuntern Secundärbahnen dieser Art könne» und sollen keine Speculation-.Unternchmungen sein; sie müßen zunächst ledig­lich als öco: ow.ischt Wohlfahrtsanllalten betrachtet werden, die den Gewinn allein in der durch ihre Wirksamkeit geschaffenen Wohlfahrt der Bevölkerung suchen. S>e können darum in der Regel schon gar nicht der Privat-Jattiative und dem Privatkapital überlasten werden, sondern müsten, wohl ober übel, von dem bergestellt werden, welcher den Nutzen der Wohlfahrt der Bevölkerung zieht und der darum etwaige Opfer aus diesem Nutzen decken kann vom Staat, von den Gemeinden und arberen politischen Derbänben, denen ein WachSthum btr Nutz, unb Steuerkraft ber Distncte zu Gute kommt.

Zn neuerer Zett scheint insofern tine Wenbung in den Anschauungen maßgebender Kreise eingetreten zu sem, al- sie sich zu Eoncessionen zu Gunsten eine- billigen Betrieb- der Secundärbahnen berbeüasten, wie der Lircular- Erlaß vom 8. März 1881 de- preußischen Minister- für öffentliche Arbeiten mi beweisen dient, welcher bie Mitbenutzung von Straßen und Chausseen zur Anlage von Rebe, bahnen unter gewisten liberalen Bedingungen gestattet. In Oesterreich ist im M l 1880 ein Localbahngesetz erlassen worden, besten erster Artikel lautet :£ie Regierung wird ermächtigt, bei Concefflomrung neuer Localbahnen (Secundärbahnen, Dicmalbahnen u. bergt) nicht nur in Bezug auf bie Vorarbeiten, den Bau und die Au-rüstunz aller thunlichen Erleichte­rungen zu gewähren, sondern auch in Bezug auf den Betrieb von den in der Eiserbabn.Betrieb-ordnung vorn 16. November 1851 ur.b ben einschlägigen NachtragSbeflimmungen vorgeschrlebenen Sicherheit-Vorkehrungen insoweit Um­gang zu nehmen rc. Unb die bann specificitten Erleichterungen und AuS» nabmebewilligunzen find riemlich weitgehend und durchaus sachdienlich. Mit solchem Vorgehen ist, wenn e- fortgesetzt wird, schon viel gethan, aber lange noch nickt genug. Der Staat muß auch Mitwirken zur Beschaffung der Mittel für den Bau eines reichmaschigen Secundärbahnnetzes, da ohne diese Mitwir­kung bei der notorisch geringen Einsicht der Bevölkerung mancher Gegenden, derselbe nur langsam und mckt im VerhLltniß zu der aut höheren Gesicht-, ^untren erblickten winhschastlichen Noch vendigkeit fortschreiten würde.

Hoffen wir, daß die erörterte größere Willigkeit der Staatsregierung gegenüber den Srcundärbahnen sich auch in dieser Beziehung äußern werde.

Z>eUtschla»d.

Darmstadt, 20. Juni. Seine König!. Hoheit der Großherzog habe» Allergnädigst geruht:

Am 15. Juni den OberdornLnen.Ealculator 1. Klaffe Wilh. Melchior zum Cvntrolevorsteher bei der Main-Neckar-Eisenbahn zu ernennen, sowie

an dems. Tage dem Krei-bau aufseh er bei dem Krei-bauamte Al-feld Karl Snel! die Stelle einet Straßenmeisters für ben Baubezirk Gießen, mit Wirkung vom 1. Juli L IS. ab, zu übertragen.

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Lecundärbabnen.

Im Jahre 1874 schrieb ber kürzlich verstorbene Frhr. M. M. v. Weber, eine wohlberufene Autorität auf dem Gebiete btt Eisenbahnwesen- :Die Zeit ber Haupteisenbahnen ist in den Eulturlänbern fast ooiüber Durch schwere Zücktigungen von Vergehen bes Eisenbahn BörsenschwiiibelS geheilt, loSgesagt von ber hohlen Phrase bergoldfühienbe: Weltstraßen- unv btt ^VölkeiwegeS", wirb eS jetzt bas Amt ber Eisenbahn.Jnbustrle sein, tu weiser Beschränkung bat Netz ber Bahnen nack Innen fettig zu weben. Die Ver- binbungen zwischen ben Hauptlinien entstehen btm Provinzialbebürsniffe, dem Erfordcrn einzelner Städte wird bereits Recknung getragen, Forsten. Zentren der Industrie unb Agrikultur, Heilquellen, ja selbst, in neuester Zeit, Haupt- punkte bet Naturgenuffes werden durch Schienenwege mit den Hauptbahnen in Verbindung gebracht. So entsteht ein Gewebe von Schienenstraßen, bte nach Art und Maffe der Verkehre, Form der Betricbe, Al forderungen an Schnellig­keit unb Comsort der Fahrt, Leistungsfähigkeit für ben Maffentransport u. f. w. fast nicht- mehr alt den NamenEisenbahn" gemeinsam Haden". Ter wett- sichtige Sachversiändige hatte klar tat Bedürfnis erkannt, das ber Weiterem« n ickelung bet Eisenbahnwesent bie Richtung voneichnet, allein über die Rasch- beit, mit ber diese Weiterentwickelur-g dem Bedürfniß folgen würde, hat er sich bamalt wohl in einer optimistischen Täuschung befunden. Tie Wichtig« feit des Secundärbahnwesens ist heut zwar allgemein anerkannt, allein feine Äu-führung schreitet, trotzdem bte Projectetote Pilze out ber Erbe" hervor« schießen, trotz ber Bemühungen zahlreicher Comu6s unb ber bet 1b<6 in Berlin gegründeten Vereins für Localbahnen, nur langsam vorwärt- unb ins­besondere da ungemein stockenb, wo nicht eir. entwickelter mbustrieller unb Bergwerk-bktrieb, sondern ber barnteberligenbe und zu hebende Landwinh. schaftsbetrieb die Secundärbahn forbert und sie in chrer billigsten Form braucht^^ Secundärbahnen, deren mir heute mit Rücksicht auf die

Lage der Landwirthschaft und auf bie argen Eomraste in der Höhe der wirch- schaftlichen Entwickelung in ben verschiedenen Gegenden unsere- iBaterlanbet bedürfen, ist es: die Arbeit gereifter Dtftricte, die, weil sie vom großen ^er- kehre abhck gen, noch relativ unvollkommen ist, gleichwohl zur Concurrenz mit d?r gleichend culturell höher stehenden zu befähigen, resp. durch Contac mit derselben unb mit dem offenen Markt zu heben. Dazu bedarf es der billigsten Frachlsätze, bie überhaupt zu erreichen finb, und ber weitgehenb- sten Ai-poftung im Dau unb Betriebe der Bahnen an bte speciellen enttorialen unb wirthschaftlichen Verhältnisse. Diese Hülfe muß bald unb rasch kommen eben weil unter bem Zusammenfluß einer Reche ungünstiger Einflüsse b ch aufs Aeußerste gestiegen ist unb mit einer geschäftlichen Degeneration ber öc vomischen unb socialen Verhältnisse in jenen Gegcnben droht. .

Die Streitfrage, ob schmalspurige Bahnen oder Bahnen mit Normal« spur, verliert ber Thatsache gegenüber chre actuelle Vebeutung, daß der Nutz­effect jeher Art von billig functionirenben Bahnen in ben abgelegenen Gegenden ber einer Steigerung ber wirthschaftlichen Kraft unb Ergiebigkeit sein wird, welche dazu befähigt, späterhin den Kostenaufwand der Eonectur ctreaiger Sefcler in der Anlage, bie sich im Laufe des Betriebe- herau-stellen, leicht zu ertragen und im Voraus auszugleichen unb zu bezahlen. In Rücket darauf braucht man unb In Rücksicht auf die Nothlage darf man nicht bis zur