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^r. 2tt8. Donnerstag den 22. Dccembcr 1881.
Kichener Wyeiger
AWge- uiih Amtsblatt für heil Kreis Gießen.
Bureau r Echutstraße B. 18.
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Der Proceß Roustan Rocbefort.
Em fenfat.oneQer Proceß i|t in den iepicn Tagen der vergangenen Woche in Paris durch einen nicht minder sensationellen Urtheilsspruch beendet. Roche fort, der berüchtigte Laternenmann, der wegen Theilnahme an der Commune nach Neu-Ealcdonien verbannt wurde, von dort entfloh und nach Erlaß der allgemeinen Amnestie nach Frankreich zurückkehrte, um in seinem Blatte, dem ^Intranflgeant-, von dem die ganze Partei der Unverfödnlichen jtfct den Namen „Intransigenten" angenommen hat, von Neuem gegen die herrschenden -kreise zu Felde zu zteh.n, ist von dcr denkbar schwersten Beleidigung, welche er gegen einen hochgestellten Beamten der Republik, den bekannte.» sranzösischen ehemaligen Generalconsul und jetzigen Ministerresiventen Roustan in Tunis, in seinem Journal veröffentlicht hatte, freigesprochen und sein Gegner in die -kosten deS ProcesieS verurtheilt worden. Der gräfliche Pamphletist (fei;, wahrer Name, von dem er mit Rücksicht auf feit e communistischen Anhänger natürlich nichts totff en will, lautet Henri Dicomte de Rochefort und de Lu^ay) hat Roustan schwerer Vergehen in der möglichst beleidigenden Sprache beschul- digt, seine sensationellen Anklagen haben ein ungeheures Echo gefunden und vielfach ist ihnen Glauben geschenkt; abrr während er factisch keinen für Rou» stan gravirei den Beweis aufmführen vcrmoch e, har trotzdem das Geschworenengericht, vor dem in Fra> kreich die Preßproc<sse verhandelt werden, ein die Schuldfrage verneinenteS Votum ausgesprochen. Es ist daS ein Umstand, der -u denken giebt und zwar um so mehr, als unter den Zeugen sich die früheren Chefs Roustau'S, die beiden früheren Minister deS Auswärtigen, Waddington und Bcnthelemy St. H'laire, bcsanden, und beide zu Gunsten Roustan's, den sie als einen sehr fähigen Beamten priesen, auSsagten. Rochefort hat in seinem Blatte Roustan und m Verbindung mit ihm auch Gambetta einer Interessen- polu k geziehen, da diese beiden Staatsmänner, Roustan sollte hauptsächlich der Anstifter d s ganzen PlaneS gewesen sein, die tunesische Affaire nur dis' halb infeemrt hät'en, um ein großes Börsenmanüver daraus herzuleiten. Dt^ rief gesunkenen und fast gar nicht beachteten tunesischen Papiere, von denen daS Jnteresien Consorrium eine ungeheure Summe zu enorm niedrigem Preis' angekaust hätte, sollten von Frankreich übernommen und die vollgiltigen Preise garantirt werden. Natürlich würde der Verdienst der Geld männer in diesem Falle ein kolosialer gewesen sein. Diese Strleumbunp, die zunächst Roustan, dann aber auch daS ganze herrschende Regime traf, hatte den Ministerresidenten bewogen, den Proceß gegen Rochefort einzuletten, und man hatte ndch den für Roustan günstigen Zeugenaussagen fo sicher an eine schwere Bestrafung oe« Angeklagten geglaubt, daß der Staatsanwalt sogar die Unklugheit beging, seine Rede mit den Worten an die Geschworenen zu schließen: „Wenn Sie Rochefort freispreckcn, werde ich meine Pflicht thun uno Roustan wird morgen aus der Bank der Angeklagten sitzen." ÄUe Welt ist natü lich auf dos Höchste überrascht und nicht zum mind.sten Gambetta, der Ministerpräsident, der seinem Todfeinde Rochefort recht wohl eine gehörige Lection gegönnt hätte, und zwar um so mehr, als sein eigenes Ansehen durch die Rochefort'schen Artikel geschädigt war. Freilich sucht sich Gambetta, beffen gehorsames Werkzeug Roustan in der That war, wie alle Freunde des Letzteren aus der Ver- legenheit dadurch zu helfen, daß sie sagen, sie hätten niemals an diesem Wabrspruche der Geschworenen gezweifelt (gerade das G gentbeil war aber öer Fall) denn Pariser Geschworene seien in einem Preßproccsie niemals zu einem verurtheilenden Etkenntniß zu bewegen. Es mag einigermaßen richtig sein, daß in PariS die Preßp^oceffe wenig ober gar nicht belicht sind, das ist aber auch Alles, und es sind durchaus keine weiteren Momente vorhanden, die zu Gunsten Rochefort's sprechen. Es haben keine Demonstrationen zu seinen Gunsten stattgesunden, die Zeugenaussagen waren ihm entschieden un- günstig und ebenso die Zusammenf.tzung der Geschworenen. Wenn Rochefort trotzdem also freigesprochen ist, so müssen tiefere Gründe vorliegen, und zwar wird man diese hauptsächlich in der liefen Abneigung der Pariser gegen die tunesische Expedition suchen muffen, die Frankreich bereit- enorm viel gekostet hat Daß^Roustan diese Expedition hauptsächlich berbeigesührt hat, wenn auch in ft nem -Sinne zum Dortheile Frankreichs, läßt sich nickt wegstreiten, ebenso wenig, daß der Regierung dieses „Mißtrauensvotum" etwas ungelegen kommt. Gambetta hat sich freilich aus der ersten Derlezenheit durch Vertagung der Sammern, von deren Mitgliedern Interpellationen zu befürchten waren, gezo- gen, aber trotzdem wird es ihm schwer gelingen, den unangenehmen Endruck, -en der ganze Proceß macht, gänzlich zu beseitigen. Roustan denkt übrigens nicht daran, aus dem Staatsdienste zu scheiden, und ebenso die Regierung nicht daran, ihn zu entlassen; in keinem Falle wird er freilich nach Tunis zurückkehren. Es soll ihm der Posten als französischer Gesandter in Athen zugedacht sein, wo es ja für den schlauen und gewandten Diplomaten reichlich Beschäftigung gehen mag.
Deutschland.
m Darmstadt, 20. December. Dem von dem Abgeordneten KugUr in der zweiten Kammer eingebrachtcn und bereits mitgetheiltcn Antrag auf alsbaldige Einführung des Secundärbctriebs auf den Oberhessischen Eisenbahnen sind eingehende Motive beigegeben, an deren Schluß sich der Antragsteller dabin refumirt: 1. Es erscheint nicht gerechtfertigt, m:t einem Omer von beiläufig 45,0(0 X jährl'ch einen vierten Zug im Winter auf den Oberhessischen Bahnen bei oerbaltnißmäßig schwacher Benutzung dieses Zuges fahren zu lasten. Sollte die jetzige Betriebsweise
' beibehalten werden, so müßte dieser vierte Zug voraussichtlich zur Ersparung des großen Opfers wieder misfallen. 2- Die Einführung d-.s vollständigen Sekundär-
etriebs nach dem Muster ber Thüringischen Felda-Balm ermöglicht, daß im Winter 4 Züge, im Sommer sogar 5 Züge (also je ein Zug mehr als bei Bollbetrieb) in stber Richtung auf beiden Bahnen fahren, und würde dadurch den Verkehrs Interessen Oberhest'ens bester gedient sein. 3. Rach Einführung dcs Secundarbetriebs können jährlich Mindestens 280,000 (anstatt jetzt 27,630 M als Reinertrag in dem Haupt- voranschlag eingestellt werden. 4. Um die Doithefle des Sccundärbetriebs zu erzielen, muß die Reduction in der Beamtenzahl, trotz der dadurch nötbig werdenden Ausaabe für Pensionirung eines Theils der Beamten, früher oder spater doch oorgcnommen werden. Es liegt deßhalb kein Grund vor, diese Pensionirunaen nicht sofort mit dem Vorbehalt eventueller Reactivirung vorzunehmen. Tie durch solche Pensioniruiigen entstehende vorübergehende Ausgabe wäre unter Rubrik „Pensionen" im Haupt- Voranschlag einzustellen insoweit dieselbe nicht aus dem Pensionsfond der Oberhestischen Bahnen zu decken 'ft. 5. Die Beschaffung des nötigen Fahrmaterials zum Seclindär- betrieb kann durch Verkauf von Überftüfsigem ^ahrmaterial, welches nur im Baubetrieb Verwendung finden kann, gedeckt werden. Es bedarf dah" ke nei ('tfonbmn' Eap'talausgabe hierfür. Tie Anforderung von 90,000 v*L für n ue Betriebsmittel wäre deßhalb abzulehnen. 6 Da für den Stcundärbeirieb eine geringere Anzahl von Beamten und beschranktere Erneuerung der Bahnanlagen nölhig Ist. auch das jebige Betriebsmaterial als tbe'lwelse künftig wegfallend geringerer Unt-rhaltung bedarf, so ist durch Reduction der Betriebsausgaben auf die im Jahre 1880—81 verausgabte Gesammtsumme (einschließlich etwa nöthiger Ausgaben für Bahnhof Gießen) für das Zahr 1882 - 83 die Summe von 100,000 JL, welche beiläufig auch dcm Ertrag der Jahre 1879-80 und 1880—81 entspricht, als Reine trag e.nzustellen Da ferner mit Beginn des Betiilbsjahrs 1883—84 spätestens der Secundärbttrieb eingeführt sein kann, so ist für die zwei letzten Jahre der Finanzperiode die gebotene Pachtsumme von 280,000 vH. jährlich als Reinertrag einzustellen, einerlei, ob die Großh. Regierung die Bahnen an einen- Unternehmer verpachtet oder den Secundärbetrieb in eigener Verwaltung cmführf. Dadurch wird sich ein durchschnittlicher Reinertrag von 220,000 X pro Jahr für die nächste Frnanzperiode ergeben. 7. Die etwa nöthigen Ausgaben für den Bahnhof Gießen sind mit d>n laufenden Betriebsausgaben zu bestreite:', daher die besondere Anforderung von 47,500 x für denselben abzulehnen.
Der Finanzausschuß der zweiten Kammer wird seine nächste Sitzung Mittwoch den 28. d. M. abhalten
Berlin, 19. December. SBerlm hat auch bei dem großen Unglück, welches bie Stadt Wien betroffen, feinen altbewährten Wohlthäti kettssinn bewiesen. Die Sammlung, welche ber österreichisch-ungarische HülfSverein „Kronprinz Rudolph" zum Brsten ber Hinterbliebenen der beim Theaterbrondc Verunglückten vor 8 Tagen eingeleitet Hot, eraiebt bis zum heutigen Tage ein, u 60 000 JL weit übtrfleigenben Betrag. Obenan steht bie Berliner Börse, bie biS Montag Nachmittag 3 Uhr ca. 44 000 x. gezeichnet hatte; ber Polizei-Präsident Herr v. Madai hat über 4000 gesammelt und ber öfter» reichlsch'ungariscken Botschaft übermittelt, während auf Dem österreichisch.urga- rischen General-Consulate birect noch ca. 6000 JL eingeqangen find. Fräulein Tagliani hat bekanntlich ebenfalls eine Sammlung von Beiträgen veranstaltet, welche ein erfreuliches Resultat haben soll. Außerdem ergiebt noch bie in Wien publicirte Liste ber dort eingelaufenen Spenben, baß eine Anzahl Berliner sofort nack dem Bekanntwerden des Unglücks namhafte Beträge an die dortigen Behörden eingesandt hatten.
— Aus Bukarest geht den „Berl. Polit. Nachr." unter dem 16. Decir. eine Mittheilung zu, welche erkennen läßt, daß man daselbst doch Repressalien von Seiten Oesterreich'Uvgarns befürchtet, welche allerdings eine lehr empfin'- licke Seite Rumän'ens treffen würden. Man schreibt dorther: Wie voll man auch hier den Mund nimmt, vielleicht um sich selber Oesterreich gegenüber m einigen Muth hineinzudeklamiren, so kann es T eferblickenden doch nicht entgehen, daß man, besonders in den commerciellen Kreisen, ernstliche Besorgniß hegt, es könnte Oesterreich müde werden, sick die fortgesetzten Außerachtlaffun- gen des österreichisch-ruwäntschen Handelsvertrags, bie sich Rumänien notorisch seit ceraumer Zeit zu Schulden kommen läßt, länger gefallen zu lassen und zu für Rumänien empfindlichen Maßnahmen auf diesem Gebiete schreiten. Es fehlt daher hier nickt an besonnenen Leuten, welche ber rumänischen Regierung ai.rathen, auf der Hut zu sein und die Dinge nicht auf die Spitze zu treiben.
— Sehr starke Einbuße hat die Socialdemokratie seit dem Jahre 1877 in Sachsen erlitten. Im letztgenannten Jahre sti^imtcn 38,04 pEt. ber Wähler socialbemokratifch, 1878 37 58 pCt. und 1881 28,19 pCt. Es entspricht dies einem Rückgang ber Stimmenzahl um 10 pEt.
— Aus Fürth in Bayern erhält das „Berl. Tagebl." folgende sensationelle Nachricht, die wir unter aller Reserve wiedergeben: Gegen den extrem- ultramontanen Landtags-Abgeordneten für den zweiten Würzburger Wahlkreis, Prof. Lampert, wurde eine strafrechtliche Untersuchung eingelötet. Derselbe wird beschuldigt, in seiner Eigenschaft als DereinSsecretär dem Frauenvere-n „Zum rothen Kreuz" ca. 20,000 JL unterschlagen zu haben, welche Summe übrigens von Parteigenoffen bereits wieder gedeckt wurde. Lampert war bei den letzten Wahlen Hauptagitator der Ultramontanen und erhielt als Anerkennung ein Landtagsmandat.
Hesterreich.
Wien, 19. December. Im Ringtheater ist die Heransförderung deS Schutt s fistirt worden, weil die Dachgiebelmauer einzustürzen droht. — Dom Dienstpersonal des Theaters find 7 Billeteure und Garderobiers. 3 Orchester- Mitglieder, 3 Theaterarbeiter und der Chef der Claque verunglückt. — Das spectell mit ber Unterstützung des Theaterpersonals betraute Subcomits brachte heute ca. 40,000 Fl. an 180 Personen zur Dertheilung.


