Ausgabe 
22.6.1881
 
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dtr. 141. Mittwoch den 22 Juni 188L.

Kichener Anzeiger

___ AMigk- und Amtsblatt für Örn Kreis Gießen.

'Bureau: Schulstraße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme de« MontagS. Prei» vie^eljährlich 2 Mark 20 Pf. mit vnngerlohn.

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Gießener Anzeiger, Anzeige- unö JlmlsßliiU für Öen Mreis fließen.

Der(Gießener Anzeiger erscheint, wie gewohnt, täglich, mit Ausnahme der Tage nach Sonn- und Feiertagen, incl. der BeilageGießener Familienblntter", welche dreimal wöchentlich dem Anzeiger beigelegt werden.

Der Abonnemcntspreis für den Anzeiger, frei ins -Haus geliefert, beträgt 2 Mark 20- Pfg.; in der Expedition abgcholt 2 Mark; für auswärtige Abonnenten, welche nur bei der Post abonniren können, beträgt derselbe 2 Mark ercl. Postgebühr.

Den seitherigen Abonnenten in der Stadt Gießen werden wir, wenn vorher keine ausdrückliche Abbestellung erfolgt, den Anzeiger auch im III. Quartal 1881 zusenden und den Abonnementsbetrag durch Quittung erheben lassen.

Wir bitten die neuen Abonnenten, namentlich auswärtige, ihre Bestellungen baldgefälligst aufgeben zu wollen, um vollzählige Exemplare liefern zu können. Die ^zpedition.

Amtlicher I h e i l. Bekanntmachung.

Wir sehen uns veranlaßt, darauf hinzuweisen, daß nach § 2 deS Localreglements vom 10. November 1879 die Straßen und Plätze vor dem Kehren zur Vermeidung des Staubes genügend mit Wasser begossen werden müssen. Da vielfach gegen diese Bestimmung verstoßen wird, haben wir die Ezecutiv- Beamten angewiesen, jede Zuwiderhandlung unnachfichtlich zur Anzeige zu bringen.

Gießen, den 17. Juni 1881. Großherzogliche Poltzeiverwaltung Gießen.

Fresenius.

Deutschland.

Darmstadt, 18. Juni. Se. König!. Hoheit der Großherzog nahmen heute militärische Meldungen entgegen und empfingen den Obersten und Tom- Mandanten der Residenz Frhrn. Röder v. Diersburg, den Oberstlieutcnant v. Klüber vom Garde-Dragoner-Regiment, den Major Frhrn. v. FolleniuS vom Posin'schen Ulanen«Regiment Nr. 10 (Züllichau), den König!. Großbri­tannischen Oberstlieutenant Delme - Radclieff, din Kaiser!. Russischen Minister- refideiten, Wirklichen Staatsrath v. Höltzke, den König!. Großbritannischen Geschäftsträger Mr. Nassau-Jocely i, den Mimstertolrath v. Werner, den Postrath Bennezet den Postdnector Ritsert von Gießen, den Kammerjunker Frhrn. v. Bellersheim, den Professor Dr. Tasche von Gießen, den Lehrer i. P. Würth von BtbliS, den Hauptstaatskasse-Eonzlist Meyer, eine Deputation aus Nierstein und Echwabsburg, bestehend aus den Bürgermeistern Reichhardt und Kessel, sowie den Gemeinderätben Schlamp und Gcssert; zum Vortrag den StaatSminister Frhrn. v. Starck.

Darmstadt, 20. Juni. Seine König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:

Am 11. Juni den Oberförster der Obersörsterei Mainz JuliuS Fabri- cius auf sein Nachsuchen biS zur Wiederherstellung seiner Gesundheit und mit Wirkung vom 1. Juli d. Js. an in den Ruhestand. sowie

an dems. Tage den Oberförster der Obersörsterei Hirschhorn Peter Eickemeyer in gleicher Diensteigenschaft, mit Wirkung vom 1. Juli d. Js. an, in die Obersörsterei Mainz zu versetzen.

Seine Königliche Hoheit der Großherzog reisen beute Nachmittag, begleitet von dem Major und Flügeladjutant Wernher, um 5 Uhr 20 Min. über Brüssel und Ostende nach London. Nach einem etwa dreiwöchentlichen Aufenthalt bei Ihrer Majestät der Königin in Windsor-Castle und bei J.J. K.K. H.H. dem Prinzen und der Prinzessin von Wales in Marlborough House werden Se. König!. Hoheit mit J.J. Gr.Gr. H.H. den Prinzessinnen Victoria und Elisabeth zurückkehren und sich nach dem Jagdschloß Wolssgarten begeben.

Berlin, 20. Juni. Der Ueberficht über die geschäftliche Thätigkeit des Reichstages in seiner letzten Session entnehmen wir Folgendes: Es haben in derselben stattgefunden 61 Plenarsitzungen, 37 Sitzungen der einzelnen Ab- theilungen und 173 Commissions-Sitzungen. Dem Reichstage wurden vorge- legt 25 Gesetzentwürfe, 8 Verträge, 5 allgemeine Rechnungen, Ueberfichten rc., ein Antrag des Reichskanzlers wegen strafgerichtlicher Verfolgung gegen eine Zeitung wegen Beleidigung deS Reichstages, 14 Denkschriften, Berichte und sonstige Uebersichten. Von den Gesetzentwürfen find 20, von den Verträgen 7 genehmigt. Die allgemeinen Rechnungen find durch Ertheilung der Decharge erledigt worden, 3 Gesetzentwürfe wurden abgelehnt. 2 bleiben unerledigt. Von Mitgliedern des Reichstage- wurden eingebracht 4 Gesetzentwürfe. 1 In­terpellation und 16 Anträge. Die Zahl der eingegangenen Petitionen Beträgt 3940, darunter 1686 bezüglich des Civilebegesetzes, 259 wegen Abänderung der Gewerbeordnung, 409 betreffend die Brausteuer und ebenso viele betreffend hie Unfallversicherung der Arbeiter. 180 endlich in Betreff der Herabsetzung her Gertchtskosten. Davon sind 20 dem Reichskanzler überwiesen, 2 durch Uebergang zur Tagesordnung, 890 durch die Reichstagsbeschlüffe für erledigt

erklärt, 279 für die Plenarberathung ungeeignet erachtet; 2390 Petitionen, welche in den Commissionen bereit- erledigt sind, kamen nicht mehr zur Be- rathung. 359 Petitionen haben wegen verspäteten Eingang- auch in den Com­missionen nicht mehr berathen werden können. Die letzteren haben 25 schriftliche und 32 mündliche Berichte erstattet. Sämmtliche vorgelegenen Wahl- prüsungen sind erledigt, 21 Mandate für gültig, 1 für ungültig erklärt wor­den. Am Schluffe der Session waren 6 Mandate erledigt. Nock in der letzten Stunde der abgelaufenen ReichStagssesfion beschäftigte man sich mit Gerüchten über die Neuwahlen, d'e Einberufung des neuen Reichtag- u. dgl. m. Wenn man bedenkt, daß bei der Wiederaufnahme der ReickstaoSarbeiten nach Pfingsten in allen betheiligten Kreisen, namentlich aber im Lchooße der^Regte- Tung, mit voller Bestimmtheit behauptet wurde, es sei unmöglich, die Session vor cem 23. d. Mts. zu schließen, daß ferner über den Schluß im Laufe be­setzten Sitzungs-Tages noch völlige Ungewißheit obwaltete, fo wird man ermessen, wie unsicher derartige Angaben über künftige Entschließungen der Regierung sind. Vorläufig har die meiste Wahrscheirllchkeit jedenfalls die Angabe, daß die Wahlen nicht vor der zweiten Hälfte deS September stattfinden werden. Von den übrigen Gerüchten sei der Vollständigkeit wegen registrirt, daß der neue Reichstag vor dem preußischen Landtage (5r.be November oder Anfangs December berufen werden solle und daß man damit umgehe, das Etatsjahr vom 1. April auf den 1. October zu verlegen. ES ist dabei zu bemerken, daß bie Ausführung solcher Abfickten zunächst Abänderungen der preußischen Verfassung (wegen Einberufung des Landtages bis 15. Januar) und der Reicksverfaffung (wegen des EtatSjahres) zur Vorbedingung hat. Jedensalls meiben bie Entschließungen brr Regierung erst in einiger Zeit getroffen wer­ben können.

Berlin, 20. Juni. Nachdem nunmehr die Zustimmung der Hambur­ger Bürgerschaft zu dem Zollanschluß erfolgt ift. wirb zunächst ber Bunbes- rath fich mit ber Angelegenheit zu besckäftigen haben. Die Kostenbewilligung burch den Reickstag wirb indessen in keiner Weise dazu führen, den Reichstag früher einzuberufen, als eS sonst aeschehen würbe. Dagegen wirb man, sobald bie Hamburger Angelegenheit in Ortnung gebracht ist, ben Zollanschluß Bre­mens lebhaft betreiben unv unter allen Umstänben bafür sorgen, daß der neue Reichstag ben Kostenpunkt nach Selben Richtungen hin bei seinem Zusammentritt sofort regelt. Es ist nicht uninteressant, zu erfahren, baß sich bie Dinge Be dem Bremer Anschluß weit schwieriger gestalten, als man anfänglich ange­nommen hat, und daß namentlich ber Kostenpunkt ernsten Bebenken begegnet.

DieNordb- Allg. Ztg.^ erklärt bas UnfallverfichrrungS - Gesetz in seiner jetzigen Gewalt für unannehmbar.

Leipzig, 19. Juni. Ein überraschendes Verhältniß hat fich, wie das Leipz. Tagebl." mittheilt, bei den sächfischen Sparkassen herausgestellt, indem in den ersten 4 Monaten dieses JahreS 2,000,000 X weniger eingezahlt und 3,700,000 v4L mehr zurückgenommen wurden, als in dem gleichen Zeiträume deS Jahres 1880. Ein wirthschastlicher Aufschwung läßt fich hiernach auch in Sachsen nicht behaupten.

Hesterreich.

Wien, 19. Juni. Nach hier eingegangenen Nachrichten ist in dem