Regierung und den Boers ein directer Meinungsaustausch bezüglich der von den Letzteren von Heidelberg auS übermittelten Friedensvorschläge stattgefun« den haben.
London, 19. Febr. Unterhaus. Im Laufe dec Sitzung trat Parnell tn'S Haus ein und wurde von den irischen Deputirten mit lautem Beifall empfangen. Northcote richtete eine Aufforderung an den Sprecher betreffs Abänderung der neuen Vorschriften über die dringlichen Debatten, da anderenfalls mehrere conservative Deputirte, obschon sie den Antrag Gladftone's billig- ten, doch wegen der Abstimmung in Verlegenheit geratyen würden. Der Sprecher erklärte, daß er seine Antwort bis zur nächsten Sitzung aussctzen müffe. Die Einzelberathung der irischen Zwangsbill wurde hierauf fortgesetzt.
Oberhaus. Der Herzog von Argyll erhielt seine Anschuldigungen gegen Lord Lytton aufrecht, der seinerseits dieselben nochmals widerlegte. Am Schluß der zweistündigen resultatlosen Dtscussion erklärte Lord Lytton, er vertage seinen Antrag bezüglich Kandahars auf den 28. d. Mts.
— Unterhaus. Anläßlich der Berathung des Art. 2 der irischen Zwangsbill fand eine lebhafte Debatte über den Zusatzantrag Gray's statt, daß durch das Gesetz die alten Rechte und Privilegien der Depurirten nicht beeinträchtigt werden, noch deren Verhaftung ober Gefangenhaltung während der Session ohne Zustimmung des Parlaments gestattet werden sollen. Der Premier Gladstone bekämpfte den Antrag und erklärte, die Deputirten genössen keine Privilegien in Bezug aus Criminalvergehen. Northcote sprach ebenfalls gegen den Antrag, ist aber der Ansicht, der Vorschlag, daß dem Parlamente von der Verhaftung eines Deputirten Kenntniß gegeben werden solle, verdiene Beachtung. Der Zusatzantrag Gray's wurde ohne Abstimmung verworfen, worauf Gray denselben nach den Vorschlägen Northcote's abänderte. Das Haus nahm diesen so amendirten Antrag ohne Abstimmung an, nachdem auch die Regierung demselben zugestimmt hatte.
— Meldung des „Reuter'schen Bureaus" aus Kalkutta von heute: Ein mit einer Mission an die indische Regierung betrauter Gesandter deS Emirs von Afghanistan ist in Peshawar angekommen. Nachrichten auS Kandahar zufolge war eine Abtheilung dec Armee des Emirs in Ghazni etngetroffen.
— Nach einer amtlichen Depesche aus Newcastle vom 18. ds. ist General Wood nach Maritzburg zurückgekehrt, um die Formation und den Marsch der zweiten Truppenkolonne, die aus den Verstärkungen gebildet wird, die gegenwärtig ausgeschifft werden, zu überwachen. Der Weg ist vollständig frei.
Starten*
Nom, 19. Februar. „Popolo Romano" bezeichnet die Gerüchte über Veränderungen im Cabtnet, sowie über bevorstehende Ernennungen neuer Gene- ralsecretäre als verfrüht. Der Mmtsterrath habe nur beschlossen, die Errichtung eines Post- und Telegraphen-Mmistermms in's Auge zu fassen.
Ilrrßland.
Petersburg, 18. Februar. Die Meldung der „Daily News" aus Shelat, daß die Tcke-Turkmenen in Kandahar um Verstärkungen gebeten hätten und daß General Skobeleff durch persisches Gebiet zu marschiren beabsichtige, wird von der „Agence Russe" mit dem Bemerken dementirt, daß General Sko- beleff sich auf der Rückreise nach Rußland befinde und bereits in Krasnovodsk angekommen sei, sowie daß General Skobeleff an eine Occupation von Merw niemals gedacht habe. Dem Correlpoudenten der „Daily News" sei es übrigen- gar nicht möglich, die Absichten der Turkmenen zu kennen, weil er in dem Augenblicke verhaftet worden sei, wo er gegen das von der persischen Regierung erlassene Verbot die Grenze habe überschreiten wollen, um sich zu den Teke-Turkmenen zu begeben. — Alle Nachrichten über Rückberufung der in gewisse Provinzen entsendeten Senatoren sind unrichtig. Es werden die Berichte über diese Senatorenrevistonen von der Regierung für die beabsichtigten Reformen benutzt werden. — Der Rest der Actten der Eisenbahnlinie Kharkow-Ntcolaseff ist vom Staate angekauft worden, derselbe wird den Betrieb der Bahn selbst in die Hand nehmen.
Türkei.
Konstantinopel, 18. Febr. Der deutsche Botschafter, Graf Hatzfeld, war heute vom Sultan zur Tafel geladen.
Telegraphische Depeschen.
Wolffs telegr. ERrrespoubeuz-Bureau.
München, 20. Februar. Von den bei der Masken-Kneipe der Maler- Akademiker Verunglückten sind inzwischen noch weitere 4 Personen gestorben; das Wiederaulkommen mehrerer anderer ist zweifelhaft.
Petersburg, 20. Febr. Anläßlich der in dem englischen Parlamente erfolgten Vorlegung der Correspondenz des Generals Kauffmann und der Debatten, betr. Kandahar, sagt die „Agence Russe", dem englischen Publikum lägen gegenwärtig die Resultate von zwei entgegengesetzten politischen Systemen, demjenigen der Liberalen und demjenigen der Conservatioen, vor. Die ersteren hätten von Anfang an freundschaftliche Beziehungen in Asten im Hinblick auf die Ausdehnung des Handels und der Civtlisatton ang-strebt und stets den Frieden im Auge gehabt. Die vollständig abenteuerliche Politik der Confer- I
vativeu habe dagegen, von Feindseligkeiten und Mißtrauen beeinflußt, mit einem Kriege zischen England und Rußland ge roht und einen kostspieligen F-lvrug gegen Afghanistan provocirt, dessen Erfolg zweifelhaft geaejen fei. Zwischen den eingebildeten Gefahren einer Invasion dec russischen Armee in Indien und der Wirklichkeit der unüberschrettbaren Zwischenräume, welche Rußland und England in Asten von einander trennen und ihnen verschreien, in gutem Einverständniß mit einander zu liben, werde der praktische Geist des Volkes zu wählen wissen.
Petersburg, 20. Februar. Die „Agence Russe" meldet, daß auch die Reglements für den Einlaß ausländischer Zeitungen nach Rußland, sowie die Bestimmungen über die Cmsur derselben in liberalem Sinne Aenderungen erfahren sollen. Die unter dem Vorsitze des Präsidenten deS Minister-EomitSS Grafen Walujew bestehende Commission zur Revision des Preßgesetzes ist hiermit beauftragt. In die durch die schlechte Ernte am meisten betroffenen Gouvernements hat der Kaiser einige seiner Adjutanten abgsschickt, um an den bedürftigsten Ortschaften Geld aus seiner Chatulle zu verthetlen.
London, 20. Februar. Nach einem Telegramm des „Reuter'schen Bureaus" aus Durban von gestern werden die englischen Truppen bei dem Prospect-Berge concentrirt zu einem Angriffe auf Laigön.ck, wohin sich die Boers in großen Massen zusammenztehen. Letztere sollen entschlossen sein, bis auf das Aeußerste Widerstand zu leisten. Man erwartet dort eine Ent- scheidungSschlacht.
Lokales.
Gießen, -1. Februar. In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurde in der AUcenstraße eine Gaslaterne zerschlagen Der Thäter wurde ermittelt und wird sich demnächst wegen Sachbeschädigung zu verantworten haben. (Beiläufig sel .hier bemerkt, baß der Schaden beim Laternenzertrümmern nicht die Stadt, sondern nur die Gasfabrtk trifft indem diese die Reparaturen zu tragen hat.)
— In derselben Nacht wurden am Neuenweg abermals die Fensterläden auSoebänat* die Thäter aber diesmal abgefaßt.
— Gestern wurde eine Kindesmörderin von Odenhausen gefänglich hier eingebrackt.
— Heute Morgen stürzte an dem früheren Polizeigebäude ein Arbeiter vom Gerüst und verletzte sich derart, daß er in die Klinik gefahren werden mußte.
— Em wegen unbefugten Ausspielens von Orangen mit 10 X bestrafter Monn bekam diese Strafe, wegen Zahlungsunfähigkeit, in 3 Tage Haft verwandelt. - Ein Zauberer, welcher kein Gewerbepatent besaß, wurde dieserhalb auch vor Großb. Hauptsteueramt citirt.
— Ein Referat über das gestrige Coneeri des Coneertvereins mußten wir wegen Raummangel bis zur folgenden Nummer zurückstellen
Vermischtes.
■ w s^rbUttB'l27' 3' M* unserer Stadt ein musikalischer ©enufc
m Aussicht, aus welchen wir fdjon jetzt die Aufmer!,amkeit der Leser lenken möchten? die Auf, ’n ™ W£°n 2°h'.S-b. Bach. Dieies gtopeme.qe Werk deS unsterblich» i V" "°5 üie *n uns-«' Stadt zur Aufführung gelangt und nur wenige Städte «on dem Umfange Marburgs dürfen sich rühmen, die Darstellung oes,eiben unternommen zu haben. Seit Anfang inesed Wintersemesters ha, der UnioersitätS-Musildiieeior fiteibce« Ne Einübung der Chore im akademischen Ges-ngverem mit nie ermüdendem Elfer geleitet und bie Anzahl der in den Choren Mitwtrkenoen ist größer als jemals zuvor. Für die Uebernaüme der Solopariieen sind tüchtige auswärtige Kräfte gewonnen. Die Aufführung wird in dem ©Ml6»“ (htthnben, oa von den hiesigen Kirchen keine für die erforderliche Aufstellung von Chor und Orchester hinreichenden Raum gewahrt.
ro,,. — Der Umstand, daß im Postauftragsvcrkehr zwischen Deutschland und Belgien in der yung nach Belgren deutsche Auftiagsformulare in Anwendung kommen (wie in der andern solche mit französischem Vordruck) hat kürzlich Anlaß zu einem komischen Mißverständniß gegeben. Etn nahe an der französischen Grenze gelegenes, ziemlich bedeutendes belgisches Post- amt hatte auf Grund zweier Aufträge aus Deutschland die Beträge e.nqczoqen und über bie- elben Postanweisungen ausgefertigt. Die letzteren trugen indessen nicht die Adresse des Absenders, sondern waren vielmehr mit folgender Aufschrift versehen:
Zahlbar an Herrn Deutsche Reichspost
in Postauftrag
Natürlich mußten diese sonderbare Postanweisungen von der deutschen^Postbebörde lurütf gesandt werden. Hierbei wurde in der Eile des Betriebes und in der Annabme daß der begangene Fehler am Aufgabeort sogleich erkannt werden würde, nur angedeutet, daß Name und ?<C^lcnlmUm9nOlt 0Qn$ Das der deutschen Sprache aber offenbar völlig unkundige
belgische Postamt erläuterte nunmehr die Lage des vermeintlichen Ortis „Postaustraa" durch den allerdings noch keineswegs zum Ziele führenden Zusatz: „Zur Einziehung von Geld- betragen" und sandte die Postanweisungen von Neuem ab. ES erschien sonach den belgstchen Beamten ersvncßlicher, den am Kopfe der deutschen Antragsformulare befindlichen Vordruck auf den Postanwelsungen wtederzugeben, als die vielleicht weniger deutlichen, aber um so wichtigeren handschriftlichen Angaben des Absenders.
Handel und Verkehr.
Frankfurt, 19. Februar. (Marktbericht, l Der heutige Heu- und Strohmarkt war gut befahren. Heu kostete je nach Qualität der Ctr. JL. 3.50—4.20, Stroh 3.00 -3.40 Butter 50 Kilo JL 75—80, im Detail 1. Qualität das Pfund JL 1.10—0 00, 2. Qualität 1'00—00. Eier das Hundert JL 6—8.00. Ochsenfleisck per Pfund 65—70 A
M , Mnb Mb Farrenfleisch 45-55 H, Kalbfleisch 40-55 A Hammelfleisch 45—65 Schweinefleisch 70-80 H, ein Hahn .JL 1.50—2.00, ein Huhn 00 -2 00 «ne Ente JL 2.50-3.00, eine Taube 50-00 Gans JL 6.00-8 00, Hasen ba8A?ÄU‘fn^-00_0 00< ^ldhuhn JL 0.00-0.00, Rebbock das Pfd. 00-00 A, Kapaunen A 0-00-0, Malscher Hahn JL 6—10 Kartoffeln 100 Ko. Jt 5.00-6.00, Kohlrabi 0 -0 H Blumenkohl 1 St. 30-60 Wirsing 00-00 H, Gelberüben 1 Bund 00-00 H Zwiebeln ®unb 0«^. Sellerie daS Stück 00-00 Meerrettig 1 Stück 00-00, Spargel das Pfund 000—0 Romain-Salat 00—00 H, Endivien 00—0 A, Rothkraut 15_20 A Meiß-
kraut 15-20 Artischoken 70^, Kbsen das Pfd. 00^
Briefkasten.
N. N. Die Besprechung des fraglichen Rcchtsfalls müssen wir, wegen Raummangel, bankend ablehnen. Manuscript steht wieder zur Beifügung. Red.
Allgemein Volksbildungs - und Gewerbevercin.
Dienstag den 22. Februar, Abends 8 Uhr, im 6af<5 Äleiti (Schwtnn): Vortrag des Herrn Dr. Engelmann „zur Geschichte des TranSvaallandeS". (1194) Der Vorstand. Iandwirthschastl. Vocalverein Gießen.
Gesellige Vereinigung
Mittwoch den 23. Februar 1881, Abends 6 Uhr, 1193) im Cafv Schnell.
er Anzeiger.
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