Ausgabe 
21.10.1881
 
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darunter viele von deutschen Fürsten, betrug mehrere Hunderte. Der Feld- marschall antwortete auf jede einzelne der an ihn gehaltenen Ansprachen in vollster Getstesfrische und Rüstigkeit. Abends fanv ein Diner bti dem Jubilar statt.

IranLreich.

Paris, 16. Oktober. Gambetta erntet jctzr den Dank der Comaiu- narden für die Durchsetzung der Amnestie in einer nur allzu gefügigen optimt. stischen Kammermehrheit. Die Begnadigten, denen die Kammern mit Zustim­mung Gcevy's noch dazu die Pfade durch Beseitigung der gesetzlichen Schranken ebneten, haben ihn und die Minister für vogelfrei erklärt und der erste beste Fanatiker,das französische Volk in seinen Comtrten", um die Sprache dieser Bürger Republikaner" zu reden, oder in prosaischem Französtich: die Ver­sammelten in der Halle des Ttvoli-Vauxhall haben das mit den Bourbonen gemein, daß sie nichts lernen und nichts vergessen; ihr Wahlspruch in Numea war:die Commune ist tobt, es lebe die Commune!", und ihr Programm in Paris heißt: die Herstellung der Commune bei erster günstiger Gelegenheit. Diese zu bestimmen, hat der Ausschuß unter desGenerals" Eudes Vorsitz vomVolke" sich Vollmacht ertheilen lasten, und so hängt das DamokleS- oder vielmehr das Eudes-Schwert über den Häuptern der Gambetta, Ferry u. s. w., und die Wetterwolke des Aufruhrs kann sich in P.ris, in Lyon und in den übrigenComitien" desVolkes" jeden Augenblick ent­laden. Die Regierung begnügt sich, durch die officiösen Blätter zu vcrkündi- gen:Kein Zudrang, keine Unordnung!" Nun, wenn das Ordnung ist, wennetwa dreitausend Personen" nach den heftigsten rednerischen Guiüoii- naben die Minister und den Präsidenten der Kammer für Spitzbuben und LandeSverräther erklären und die Depuiirten, die zu ihnen stehen, als deren Spießgesellen behandeln, so hat das Wort Ordnung im officiösen Französisch der Republik seine Bedeutung verloren. Diesouveränen Bürger" steifen sich auf die Menschenrechte der ersten französischen Recolution; die Mordbrenner von 1871 nennen die Leute von der Regierung der Nationalvertheidigung Ver- räther und Diebe. Man mag sagen: Pack schlägt sich und Pack verträgt sich, aber ein Communardeustreich, und wenn er auch am nächsten Tage schon nie­dergeschlagen würde, ist denn doch kein Kinderspiel für eine (Stabt, in der es an verlorenem Gesindel nicht fehlt. Und man befürchtet für die eisten Wochen der nächsten Session Versuche des Eindringens desVolkes" in die Versamm- lung derVerräther", wie sie bei den Franzosen der ersten Republikin der Ordnung" waren.

Paris, 18. Oktober. Der Kriegsminister General Farce hatte, ohne den Ministerrath zu befragen und nur, weil ihm dies Gambetta anrieth, die Truppen nach Unterzeichnung des tunesisch-französischen Vertrages vom 12. Mai nach Frankreich zurückbefohlen, und trägt somit die Hauptschuld, baß Tunesien heute in Feuer und Flammen steht. (Köln. Ztg.)

Paris, 18. Oktober. Nach hier eingegargenen Nachrichten aus Tebeffa vom 18. b. Mts. würbe bie unter bem General Bonie nach Haydra behufs Recognoscirung abgefanbte Kavallerie-Brigabe gestern von etwa 300 feindlichen Reitern angegriffen. Der Angriff wurde abgeschlagen; doch erfolgte ein neuer Angriff von etwa 1500 Reitern, welcher 3 Stunden bauerte. Die Abtheilung beö Generals Bonie hatte 5 Tobte und mehrere Verwundete- Der Verlust der feindlichen Abtheilung wirb auf 50 Tobte und zahlreiche Verwundete ge­schätzt. Die ganze Division des Generals Forgemol wird voraussichtlich mor­gen in Haydra eintreffen.

England.

London, 18. Oktober. Drei Regimenter haben Marschbefehl nach Irland erhalten. Auf Anordnung des Lordkanzlers ist der Name Parnell's von der Liste der Friedensrichter der Grafschaft Wicklow gestrichen worden. Nach weiteren Nachrichten aus Irland haben gestern in Dublin neue Ruhe­störungen stattgefunden. Die Volksmenge warf die Fenster einiger mißliebiger ZeitungS-Rebactionen ein und zwang bie Polizei durch Steinwürfe zum Rück- zug. Nach Mitternacht wurde Militär aufgeboten.

Dublin, 18. Oktober. Heute Abend wurde hier eine Proclamation veröffentlicht, in welcher alle loyalen und friedlichen Bürger aufgefordert wer- den, bis zum Erlaß einer neuen Ordre nach Sonnenuntergang zu Hause zu bleiben; wenn sie ihre Wohnungen verließen, würden sie es auf ihre eigene Gefahr thun.

Die Agrarltga hat bei ihrem letzten Meeting ein Manifest beschlossen, in welchem die Pächter aufgefordert werden, bis zur Wiederfrcilaffung oer Führer der Liga keinerlei Pachtgeld zu bezahlen.

Italien.

. ^Rom, 18. Oktober. DerDiritto" sagt anläßlich des heutigen Gc- burtstagsfestes des Kronprinzen des deutschen Reiches: Italien hat besondere (»runde, seine Glückwünsche dem als Freund Italiens erprobten Prmzen zu senden, welcher bei dem Tode des Königs Victor Emanuel die Betleidsbezeu- gungen deS deutschen Reiches überbrachte. Zwischen den beiden Herrscher- ÄrnJ cleno Aschen den beiden Völkern Freundschaft und eine Solidarität der Znteresfen, welche durch Nichts ab^eschwächt werden kann.

Wußland.

bürg, 18. Oktober. Ein heute veröffentlichter kaiserlicher Ukas enthebt d-n Wirk Geh. Rach Grafen Waluj-ff, auf seine Bitte wegen zer- 'u"-ter Gesundheit seiner Posten als Präsident deS Minister-Comitös, deS Kaukasus-Comitös und der Bittschnften-Commission unter Belassung alS Mit- glied deS Reichsrathes, als StaatSsecretär und Ehrenvormunb. Seine Stelle alS Präsident des Minister-Comitös erhält der Wirkt. Geh. Rath v. R-utern Zum Vorsitzenden der Bittschnften-Commission ist der Wirkl. Geh. Rath ftürft Dolgoruki ernannt worben.

KftiLa.

Tunis, 18. Oktober. Der Eisenbahnverkehr ist vollkommen wieder hergestellt. General Japy Hai eine Freischaar in bet Stärke von 200 Mann orzantsirt, welche bestimmt ist, die Umgegend von Tunis zu überwachen.

Amerika.

Washington, 17. Oktober. Der Senat hat die am 13. ds. von £amore eingebrachte Resolution angenommen, welche anfragt, ob die Regierung Schritte zum Schutz der Rechte und Jntereffen der Union im Panama,Canal

«greifen würde. Der Ausschuß, welcher nieberg,setzt aurbe, um über eine Weltausstellung in Boston zu bcrathen, hat sich zu Gunsten des Planes ge- äußert, vorausgesetzt, daß eine Summe von 3 Mill. Doll, für ben Zweck auf- g'bracht werden könne.

Telegraphische Depeschen.

Wolff's telegr Correspoudenz-Bureau.

Baden-Baden, 19. Oktober. Der Geburistag Sr. K. K. Hoheit des Kronprinzen ist bei erwünschtem Wohlsein Ihrer Muj. des Kaisers und der Kaiserin gestern im Allerhöchsten Familienkreise festlich begangen worben. Ihre König!. Hohstte.a der Großherzog und die Frau Großherzogin speisten mit Ihren Majestäten allein. Außerdem fand Marschalltasel von 27 Gedicken fiatt. Am Nachmittag machte Se. Maj. der Kaiser eine Spazierfahrt.

Stuttgart, 19. Okwber. Der Präsident der Kammer der Abgeord­neten, v. Hoeldw, ist zum Staatsminister des Innern ernannt und sofort im Auftrage des Königs durch ben Ministerpräsibentkn v. Mittnacht vereidigi worden. Der Departements-Chef ter Justiz, v. Faber, ist zum Justizminister ernannt worben.

Belgrad, 19. Oktober. Der Minister bes Aeußern und der Finanzen, Mijotovic, hat seine Entlaffung genommen.

Dublin, 19. Oktober. Gestern Abend fanden hier neue Ruhestörungen statt; der Pöbel zertrümmerte Laternen und Schaufenster und beraubte die Läden. Der angerichtete Schaden wird auf 2000 Pfd. Sterl. veranschlag!. Schließlich wurden die Ruhestörer van der Polizei zerstreut. Das Schloß Hawarden ist unter permanenten Schutz der Polizei gestellt worden. Die Liga hat ein von Parnell, Davitt, Bieanan, Dillon, Sexton und Egan unter­zeichnetes Manifest an das irische Volk gerichtet, in welchem erklärt wird, die Krisis sei dem Lande aufgedrängt worden, die Landbill sei noch nicht erprobt, die einzige Macht, welche im Stande gewesen wäre, aus diesem Gesetze solide Vortheile für die irischen Pächter zu erwirken, sei niebergebrüdt. Die Regie­rung sei zum Terrorismus geschritten, um die Landbill den Pächtern auizu- drängen. In Folge der Einsperrung der Führer und Hauptbeamtea der Liga sehe sich letztere gezwungen, ihre Absicht, bie Landakte zu erproben, auszugeben, und ertheile den Pächtern ben Rath, keine Pacht zu zahlen, bis bie Regierung ben Terrorismus aufgiebt und sonach bie constitutionellen Rechte des Volkes wieder berstellt.

Yorktown, 18. Oktober. Präsident Arthur hat heute unter sehr großer Theilnahme der Bevölkerung den Grundstein zu dem Denkmal gelegt, welches zur Erinnerung an ben vor hundert Jahren erfochtenen Sieg von Aorktown errichtet werden soll.

Vermischtes.

Wies eck, 20. Oktober. Gestern Abend hielt Herr Dr. Gutfleisch von Gießen im Dörfel d'schen Saale, welcher von wett über 200 Personen besucht war, seine Candtoaten Rede. Herr Karl Kümmel eröffnete die Versammlung und schlug Herrn Philipp S ommcrlad zum Vorsitzenden vor, welches einstimmig genehmigt wurde. Herr Sommer- lad wteö in kurzen Worten auf die hohe Bedeutung der Neichstagwahlen hin unv ganz besonders auf die gegenwärtige Wahl. Herr Dr. Gutfletsch entwickelte hinauf in einem IVr'stündigin Vortrag seine Ansichten, welche wiederholt durch stürmischen ApplauS i,te «n erkennunq fanden und schloß mit dem Wunsche für friedliches Gedeihen und Entwicklung des deutschen Reiches. Nachdem sich noch Herr Fabrikant Adolf Noll für die Eandidatur des Herrn Dr. Gutfleisch ausgesprochen wurde durch allseitiges Erheben von den Sitzen Herr Dr. Gut fleisch als Candidat für die bevorstehende Reichstagswahl aufgestellt. Herr Ph. Sommerlad schloß die Versammlung mit einem Hoch auf Herrn Dr. Gutfleijch.

London, 15. Oktober. [Sturm.] Im ganzen Lande wüthete in dcr Nackt vom Donnerstag und gestern fast d°.n ganzen Tag hindurch ein entsetz! cher Sturm, begleiter von heftigen Regengüssen, der besonders an der östlichen und nordöstlichen Küste große Verheerungen anrichtete In London nahm der Sturm zuweilen den

Character eines asiatischen Cyclone an und wurde durch Niederwehen von Schorn steinen, Mauern, Bäumen, Gerüsten u. s. w. nicht allein bedeutender Schaden an- gerichtet, sondern auch Verluste an Menschenleben verursacht. Die Themse glich stellenweise einer bewegten See und entsandte dichte Wasserstrahlen über Brücken und ankernde Schiffe, während an manchen Punkten der Wasserstand so niedrig war. daß der Dampfbootbetrieb einaestellt werden mußte. In Old-Burlingtonstreet warf der Orkan eme Schankwirthschaft um. In verschiedenen Th'ilen der Metropole stürzten Neubauten mit großem Gekrache ein. Ein Droschkenkutscher wurde durch einen von der Macht des Windes plötzlich entwurzelten riesigen Baum auf der Stelle getödtet. Eine Menge Häuser wurden ihrer Dächer beraubt und durch die fallenden siegel trugen viele Personen mehr oder weniger erhebliche Verwundungen davon. Aus den Pro vtnzen liegen ähnliche Berichte vor. Die Tclegraphenveroindung mit den Provinzen unb dem Auslande wurde gestört und in bis zur Stunde noch nicht völlig wieder heraestellt. Ern so heftfger Sturm ist, wie allseitig versichert wird, in diesem Jahre noch nicht dagewesen.

London', 17. Oktober, lieber den letzten Sturm liegen weitere ausführlichere Berichte vor, aus denen hervorgeht, daß derselbe zu Lande wie zu Wasser von ver­heerender Wirkung gewesen ist. In Stockton-on-Tees entführte der Sturm das Dack emer Eisengießerei, in welcher 100 Personen arbeiteten. Fünf verloren ihr Leben und viele andere wurden schwer verletzt. Von der Küste werden mehrere mit beträchtlichem Verlust an Menschenleben verknüpfte Sch'ffsunfälle gemeldet. Während der Orkan am heftigsten wüthete, scheiterte der auf der Fahrt nach Genua befindliche Liverpooler Dampfer .Eyprian" unweit Nevin, und von seiner 30-40 Köpfe starken Mannschaft retteten nur 8 ihr Leben. An der Küste von Northumberland ging das Schiff3ant* undHannah" aus Middlesborouqh mit einer Ladung von 600 Tonnen Noheisen unter. Die Mannschaft sand ein Wellengrab. Aus Berwick meldet eine Depesche den Untergang von 50 Fischerbooten und ihrer aus etwa 200 Personen bestehenden Mann- sckaft. In Eyemouth ertranken zum Mindesten 70 oder 80 Fischer. An der schottischen Küste haben ebenfalls mehrere von Verlust an Menschenleben begleitete Schiffbrüche stattgefunden. Viele Schiffe werden vermißt und sind ohne Zweifel mit Mann und Maus untergegangen.

[Fataler Geldbeutel ] Es war ein distinguirter Herr von auswärts, welcher dieser ^age am Billctschalter des Bahnhofs zu Nürnberg zu fernem groß en Schrecken die Entdeckung machte, daß sämmtliches in seinem Geldbeutel enthaltene Geld glänzend weiß geworden wie es sich hernach herausstellte, mit Quecksilber amalgamirt war. In der Meinung, daß die Münzen Falsifikate seien, wurde die Verhaftung des ver­meintlichen Falschmünzers durch anwesende Detectives veranlaßt. Die Untersuchung der Münzen stellte indeß deren Echtheit alsbald außer jeden Zweifel und entriß den Verhafteten der fatalen Lage, in welche er durch die Benutzung des kurz vorher ge­kauften Lederbeutels versetzt worden war. Die Prüfung ergab einen hohen Gehalt von Quecksilber, welches die Poren des Leders füllte. Ein Goldstück, schwach am Leder des Geldbeutels gerieben, wurde sofort weiß. Weitere in dieser Richtung an- gestellte Nachforschungen ergaben das Resultat, daß die meisten Geldbeutel dieser Art, wie sie von Hausirern zum Preise von 50 H verkauft werden, quecksilberhalttg sind, weil sie aus den schafledernen Beuteln gefertigt sind, in welchen das Quecksilber die Reise von Spanien zu uns gemackt hat.

[Wie Du mit, so ich 5)ir.J Ein Atzt zu Elgin im Staate Illinois macht betreffs det Bestrafung Guiteau's folgmden Vorschlag, den wir nur mittheilen, um zu zeigen, wie seht damit bet Culturanschauung dieser Zeit ins Gesicht geschlagen wirb:Man schieße Guiteau gerade so in bieselbe Körpetstelle, wie er ben Präsibenten geschossen hat, und bann übergebe man ihn ben Aerzten, bamit sie an ihm herumoperiren, bie Kugel entfernen und alles, was

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