Die Polizei hatte jedenfalls Kunde von dem Vorhandensein der Dynamit- ' ladurig an der genannten Stelle, welche durch gefangene Nihilisten oerralhen war. Trotz der eifrigsten Taucherarbeiten konnte dasselbe aber nicht entdeckt werden, bis endlich gestern um 5 Uhr, nachdem ein Verhafteter ganz genau die Stelle bezeichnet hatte, das Dynamit gefunden wurde.
Kiew, 18. Mai. Die Unruhen in Smela find durch die von hier dorthin gesandten Truppen unterdrückt worden. Die Untersuchung ergab, daß die Ruhestörungen hauptfächlich durch eingewanderte Elemente heroorgerufen worden find. Die einheimische Bevölkerung betheiligte sich an denselben in Folge falscher Vorspiegelungen Seitens übel gesinnter Leute. Es wurden sogar Proklamationen verbreitet, In denen das Volk zur Judenhetze, als etwas der Regierung Genehmem, aufgefordert wurde.
Türkei.
werden sollte. Die Versammlung wurde am 17. dS., Abends 8 Uhr, aufgehoben ; fämmtliche Anwesenden wurden verhaftet.
Stuttgart, 19. Mai- Die würitembrrgische Landes-GeDerbeaus- stellung ist heute bei prachtvollem Wetter durch den König, welcher sich unter jubelnden Zurufen der Bevölkerung mit der Königin und den hier anwesenden Prmzen und Prinzessinnen nach der Ausstellungshalle begeben hatte, feierlich eröffnet worden. Der Minister des Innern, v. Sick, hieß in semer Ansprache den gestärkt aus dem Süden zurückgekehrten König in der Ausstellung willkommen und sprach sodann der. Ausstellern Namens der Regierung lebhafte Anerkennung aus. Weitere Ansprachen hielten der Oberbürgermeister Hack als Vertreter der Stadt und Dr. Jobst als Präsident der Ausstellung. Hierauf besichtigte der König die Ausstellung, welche in ihrem durchaus fertigen Zustande ein glänzendes Bild der Industrie- und Gewerbthätizkeit des Landes darbletet.
Konstantinopel, 18. Mai. In dem Rundschreiben, welches die Pforte am 16. ds. in der tunesischen Angelegenheit an ihre Vertreter im Auslande gerichtet hat, erklärt sie den zwischen Frankreich und dem Bey von Tunis abgeschloffenen Vertrag für null und nichtig, da er unter außerordent- lichen Bedingungen und im Widerspruche mit den Rechten des Sultans abge- schloffen worden sei. Weder der Bey von Tunis noch die Tunesen, welche ottomanische Unterthanen sind, seien verpflichtet, sich diesem Vertrage zu unter» werfen. — In der bereits fignalisirten Depesche Said Pascha's vom 17. ds. an den Bey von Tunis hüßt eS: „In Folge Ihrer Depesche, bctr. die erzwun- gene Unterschrift unter dem Ihnen von Frankreich ausgenöthigten Protectorats- vertrag hat die Regierung der Pforte offictell energisch gegen be,i Vertrag protestirt; die Souzeränetätsrechte der Pforte aus Tunis werden gewahrt. Ich erkläre im Namen der Pforte, daß der besagte Vertrag für null und nichtig angesehen werden soll." — Dem Vernehmen nach hat der Sultan eine Prüfung des von Musurus Pascha beantragten Finanzprojects angcordnet. Dieses mit dem Tabakssteuer-Projecte in Wioerspruch stehende Project bastrt auf der Note der Pforte vom 23. October 1880.
Telegraphische Depeschen.
Wolff'» telegr. <rOrrespo«be»z-B«reau
Berlin, 19. Mai. Der Reichstag nahm in britterßefung das elsaß-lothringische Eisenbahnanlethegesetz und das Aichgesetz an und in zweiter Lesung der Gewerbe- orvnungsnooelle die $ 97—99 nach den Commissionsanträgen, den $ 100 mit einem Zusatzantrage Bötticher's, wonach die vor einer Innung bestandene Meisterprüfung vor einer anderen Innung nicht wiederholt zu werden braucht. Der § 100a wurde in der Fassung genehmigt, daß nur gegen solche der Ausschluß aus der Innung zulässig sei, welche rechtskräftig die Ehrenrechte verloren haben. — Fortsetzung morgen.
— Wie die „Norbb. Allg. Ztg." meldet, haben der ArbettS- und der Finanzminister beschlossen, die Convertirung der 4V2procentigen Prioritäten verschiedener Bahnen, insbesondere der Berlin-Anhalter Bahn, zur Zeil nicht zu genehmigen; hierbei seien Erwägungen allgemeiner Natur maßgebend gewesen, insbesondere daß durch die Convetttrung ein außergewöhnlich großer Capital-Betrag flüssig werde, der dann dem Geldmarkt zur anderweiten Verwendung zufließen, eine bedenkliche .Verschiebung der bestehenden Zustände herbetführen, eine tiefgehende Erregung des Geldmarktes Hervorrufen und die wirthschaftltchen Verhältnisse empfindlichst berühren würde. Aus den gleichen Erwägungen habe auch die Finanzverwaltung bisher davon abgesehen, von der Ermächtigung zur Kündigung der Prioritäten der verstaatlichten Bahnen Gebrauch zu machen.
Paris, 19. Mai. Deputirtenkammer. Bei der Vorlegung des mit dem Bey von Tunis abgeschlossenen Vertrags erklärte der Ministerpräsident, der Vertrag werde, wenn er loyal ausgesührt werde, alle Ursachen zu einer Uneinigkeit zwischen Tunis und Frankreich fortan aus dem Wege räumen, er werde Tunis und Frankreich nützlich sein, denn er beruhe auf einer billigen Basis. Frankreich werde die Sicherheit seiner Grenze in Algier gewinnen, Tunis gewinne die Wohlthaten der Civllisauon. Wenn Tunis sich dessen erinnere, was Frankreich für Tunis getban habe, werde es auch einsehen, was Frankreich noch weiter für dasselbe thun könne. Frankreich habe nur Gefühle des Wohlwollens für den Bey und sei gewillt, ihm dies auf's Neue zu beweisen, wenn er in seiner legitimen Autorität und m seiner Unabhängigkeit bedroht werden sollte. Nach den von der Regierung der Republik abgegebenen feierlichen Erklärungen könne über Frankreichs Absichten weder für Europa, noch für den Bey, noch für die Bevölkerung von Tunis irgend ein Zweifel bestehen. Frankreich könne sich befriedigt fühlen durch den Abschluß des Vertrages und habe nicht minder ein Recht, nolz zu fein auf die Bravour und Disciplin seiner Armee.
— Bei der Berathung des Bardoux'schen Antrages über die Wiedereinführung der Listenwahl trat Gambetta für die Listenwahl ein, indem er zugleich die Beschuldigung zurückwies, daß er ehrgeizige Ziele verfolge. Er habe niemals daran gedacht, das Ansehen der Exekutivgewalt zu verringern. Die Listenwahl gestatte es, das Land auf einer viel ausgedehnteren Basis zu Rathe zu ziehen, wogegen die Arrondissementswahl jede Reform unmöglich mache. Die Listenwahl werde die Käuflichkeiten und Bestechlichkeiten beseitigen, welche eine Folge der Arrondissememswahl feien. Gambetta schloß seine Rede mit der Aeußerung, heute handle es sich darum, zu entscheiden, ob die Republik fruchtbar ober unfruchtbar sein werbe. Hieraus begann bie Abstimmung, die noch fortbauert.
P-sth, 19. Mai. Der Kronprinz und bie Kronprinzessin empfingen heute eine Deputation der Hauptstadt, welche prachtvolle Schmuckgegenstände überreichte. DaS kronprinzliche Paar antwortete auf die Ansprache der Deputation in ungarischer Sprache; daß auch die Kronprinzesfin Stefanie in ungarischer Sprache antwortete, ries begeisterte Eljenruse hervor. Der Deputation der Akademie stattete der Kronprinz seinen Dank ab für seine Ernennung zum Mitgliede derselben und stellte gleichzeitig seinen Besuch in der Akademie in Aussicht.
London, 19. Mai. Das „Reuter'sche Bureau" meldet aus Tunis vom 17. d. Mts.: Gestern hat bei Souk Arba zwischen den Franzosen und den Eingeborenen ein Gefecht stattgefunden, bei welchem beide Theile starke Verluste hatten. Die französischen Truppen marschiren auf Mater. Mehrere verwundete Franzosen wurden nach Tuniv gebracht. Eine Meldung eer „Times" aus Tunis besagt: Das Gefecht bet Souk Arba dauerte 10 Stunden ; in Biserta sind französische Verstärkungen gelandet worden.
Petersburg, 19. Mai. Durch einen kaiserlichen Ukas vom 18. ds. Wird der Finanzminister Geh. Rath Abaza aus Gesundheitsrücksichten seiner Bitte gemäß seine- Postens enthoben und der Gehülfe deffelben, Ged. Rath Bunge, zum Verweser des Finanzministeriums ernannt. — Anläßlich des Ablebens des Prinzen Peter von Oldenburg ist eine dreimonatliche Hoftrauer «ugeordnet worden.
— Das vor Kurzem verhaftete Frauenzimmer, welches den Hausknechten behufS Jdentificirung vorgeführt wurde, wurde als eine Genosfin des hinge« richteten Jeliaboff recoqnoscirt. In ihrer Wohnung wurden eine geheime Druckerei, verschiedene Waffen, Sprengstoffe und Proklamationen aufgefunden. — Der Zeitung „Porjadok" zufolge hatte die Polizei Kenntniß erhalten von einer Versammlung von Anarchisten, welche am 17. ds., Abends, in einem kleinen Hause an einem abgelegenen Orte außerhalb der Stadt abgehalten
Lokales.
Gieße«, 20. Mai. Heute Morgen stürzte ein Weißbtnderlehrltng von einem an einem Haufe in ber Wetdengasse aufgestellten Gerüste. Er trug eine nicht unerhebliche Verletzung am
verwischte».
Offenbach, 16. Mai. Der hiesige Ruderverein feierte gestern die Einweihung feinet» neuen Bootshauses, sowie sein 7. Stiftungsfest. Zu diesem Feste hatten sich auch Abgeordnete Der Rudervereine von Frankfurt (Rudergesellschaft Germania und Ruderverein), Heidelber.r, Mannheim, Gießen, Hanau, Oberrav und Höchst eingefunden. Am Vorabend des Festes wurcc im Veremslokale ein Commers veranstaltet, bei dem cs selbstredend recht gemüthlich herging. Am Sonntag Morgen vergnügte man sich beim Frühschoppen, an welchen sich im Saal „Zu den drei Königen" das Festesten reihte. Rach Beendigung destelbrn bewegte sich der Lerne Festzug nach dem Bootshaus, dessen Einweihung gegen 4 Uhr erfolgte Dasselbe ist einfach gehalten, recht schön und geräumig und kostet ca 6000 Jt Herr Kreisrath v. Marquard uno mehrere andere cingelaknne Herren beehrten da« Fest mit ihrer Gegenwart. Der BootShauS- piatz war dicht besetzt und das Publikum lauschte den Klängen der trefflichen Feuerwehrcapelle Die Corsofahrt mit .-'uffahrt, an welcher sich acht Boote, darunter zwei Frankfurter, berhei ligten, erfolgte gegen 5 Uhr und fiel recht schön auS; eine große Menschenmenge wohnte dem interestanten Schauspiel bei. Am Abend war noch gemüthllcheS Zusammtnsern im Saale „Zu den drei Königen". Der hiesige Rudervcreln besitzt 8 Boote, darunter zwei neue Skiffs, uno zählt gegenwärtig gegen 260 Mitgliede..
Mainz, 17. Mai. Der Großherzog stattete vor längerer Zeit der Stadl Alsfeld in Oberhesten einen Besuch ab, bei welcher (Gelegenheit auch der hohe Gast die dortige Kirche besichtigte. Bei dieser Gelegenheit bemerkte der Großherzog in einem abgelegenen Winkel eine Bildschnitzerei, die unter einen dicken Staubkruste, welche sich im Lause der Jahrhunderte darüber gelagert hatte, als Theile einer Darstellung der Kreuzigung Christi erkennen ließen. Dem Großherzog fielen einzelne Schönheiten dieser Trümmer auf, er äußerte den Wunsch, die. selben zu besitzen, worauf der Gemeindcrath in der nächsten Sitzung die Schenkung beS Trümmer Haufens beschloß. Der Großherzog ließ die Theile von dem Domschreiner Gill in Mainz wieder zusammenfügen, Fehlendes ergänzen, und so zeigt sich, daß Se. K. Hoheit ein Meisterwerk der Bilbschnitzerei aus früheren Jahrhunderten vor sicherem Untergange gerettet hat. Zu dem Bilde fertigt Herr Joh. Gill nach der Zeichnung des Herrn Domdaumetsters LucaS einen Rahmen, welcher eben seiner Vollendung entgegen geht. Ueber die Aufstellung des ganzen Werkes ist noch kein endgültiger Beschluß gefaßt, wahricheinlich wird dastelbe einen Schmuck der Schloßkirche in Darmstadt bilden.
London, 13. Mai. Der Herzog und die Herzogin von Connaught eröffneten gestern Nachmittag ein in Gordon House, 8 Endsleigs Garbens, Tavistock Square, gegründetes Heim für deutsche Dienstmädchen, die nach London kommen, um daselbst cm Unterkommen zu finden. Unter den Anwesenden befanden sich ber deutsche Botschafter mit seinen beiden Töchtern, der österreichische Generalconsul, Frau und Fräulein Goeschen, Lord und Lady Aberdeen (oie sich für das Unternehmen besonders interessiren) und verjchleoene andere Mitglieder der britischen Aristokratie. Ein ähnliches Heim soll demnächst im Ostende von London, wo eS ganz besonders Roth thut, errichtet werden.
— (Ein Bonmot des Kaisers.) Aus Nordhausen schreibt man der „Magdeb. Ztg." ein hübsches Bonmot. Bei Gelegenheit der Anwesenheit des Kaisers Wilhelm hier fragte derselbe den den Zug begleitenden Eisenbahn Directions-Präsidenten Hendel aus Frankfurt über die Rentab.lität der neuen Berlin-Wetzlarer Bahnlinie. Herr Präsident Hendel antwortete, daß anscheinend die Route bisher noch nicht beliebt gewesen sei. Der Kaiser sagte darauf: „Ach so, dann bin ich wohl ber Lockvogel geworden?"
— sAusstcllung deutscher Pferdes Bei den neulichen Verhandlungen über LanveS- pferdczucht ist von dem Commissionsmitglied von Saucken-Tarpuischen ber Antrag gestellt worden, im Jahre 1886 in Berlin eine Ausstellung deutscher Pferde zu veranstalten. Dieser Antrag »st von ber Commiiston mit großer Majorität angenommen woroen.
— In U'. m erhielt am vorigen Samstag em Soldat des 5. Infanterieregiments beim Scheibenschießen einen Schuß in den Oberschenkel; er starb am Mittwoch Abend.
Schweiz In einem Dorfe des Cantons Graubünden fraß kürzlich ein Schwern ein ganz kleines Kind fast vollständig auf.
Handel und Verkehr.
Limburg, 18. Mai (Fruchtmarkt.- Rother Wetzen JL 20.60, Weißer Wetzen JL 20.50, Korn JL 17.00, Gerste JL 11 45, Hafer JL 8.00, Erbsen JL 0.00, Kartoffeln ä 50 Kilo 0.00. (Durchschnittspreis pro Malter.)
SehlfTaberlehl. Mitgetheüt von dem Agenten de« norddeutschen Lloyd (£. W. Dietz in Gießen.
Bremen, 18. Mai. Der Postdampfer Salier, Capt. C. Wiegand, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 7. Mai von Newyork abgegangen war, ist heute 11 Vr Uhr Morgens wohlbehalten in Southampton angekommen und hat nach Landung der für dort bestimmten Passagiere und Ladung 2 Uhr Nachmittags die Reise nach hier fortgesetzt.
Bremen, 18. Mai sPer transatlantischen Telegraph.] Der Postbampfer General Werder, Capt. H. Christoffers, vom Norodeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 4. Mat von Bremen abgegangen war, ist gestern 1 Uhr Nachmittags wohlbehalten in Newyork angenommen.
Bremen, 18 Mai. Der Postdampfer Rhnn, Capt. H. A. F. Neynaber, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 7. Mai von Newyork abgegangen war, ist gestern 8 Uhr Abends wohlbehalten in Southampton angekommen und nach Landung der für Dort bestimmten Passagiere, Post und Ladung 9 Uhr Abends die Reise nach hier fortgesetzt.
Zrifchdiirker in Hieben.
Sonntag, den 22. Mai Wilhelm Loder, Wallthorftraße. Heinrich Klemmrath, Ncuenweg. Hermann Vogt, SelterSweg.
Kirchliche Anzeigen der evangelischenGemeinde zuGießen. Gotte-dienst:
Samstag, den 21. Mai, Rachm. 2 Uhr, Beichte: Pfarrer Dr. Naumann.
Sonntag, den 22. Mai:
Morgens 9V* Uhr: Pfarrer Schlosser.
Feier deS heil. Abendmahls.
sNach dem Gottesdienste KatechiLmuSlehre für die männliche Jugend.s Nachmittags 2 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.
Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 22. bis 28. Mai besorgt Pfarrer Schlosser.


