Ausgabe 
21.5.1881
 
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srr. 117. Samstag den 21. Mai 1881

Aichener WnMger

Anikize- und Amtsblatt für ben Kreis Gießen.

v . - Prei» vierteljährlich 2 Mar? 20 Pf. mit vrmgerlohn.

Bureau: Cchulftraße B. 18. Erscheint täglich mit Ausnahme bcs Montag». Durch die Post bezogen merteljährlich 2 Mark 50 P<.

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Stillstand in Rußland.

Wer im kaiserlichen PalaiS daS WortWcrfafluiifl" au^spricht, gilt für einen Nihilisten, meldete kürzlich ein deutsches Blatt au- Petersburg und was man nach diesen Worten vermuthen konnte, hat stch rasch bestätigt durch dae Manifest de- Czaren, daS vor Kurzem erschienen ist. Man w-, daß üortS- Melikoff im Deren mit der Kaiserin, die alS dänische Prinzessin auf dem Lzarenthrone immer conpitutionelle Neigungen hat, tie größten Anstrengungen machte, um den Czaren zum Einlenken m constltutiorrelle Bahnen zu bewegen Alle diese Versuche find alS definittv gescheitert zu betrachten, denn In seinem Manifest betont der Ezar geradeten Glauben an die Kraft der sclbstherr- l'chen Gewalt", die er vor jeder Anfechtung bewahren und befestigen will. Mit anderen Worten: Abermals wird daS Zugeständntß von conftttutiomllen Reformen verweigert und Rußland den alten verderblichen Zuständen über- lasten. Der Hoffnungsstrahl, der über Rußland aufgegingen war. ist erloschen und die Finfterntß ist dichter denn zuvor. Man braucht sich jetzt nicht mehr den Kopf zu zerbrechen, wie die neue Verfassung auSsehen soll, sie wird nicht kommen. Im kaiserlichen Palast soll große Verwirrung geherrscht haben; der Monarch selbst, der eine rein militärische Erstehung genosten hat, konnte lange zu keinem Entschluste kommen. Und schließlich, nachdem man large hin und her ge> schwankt, nachdem die Zusage zur Berufung von Vertretern der Städte schon halb und halb erthetlt war, bat mau wieder den umgekehrten Weg betreten und sich ensch'osten, daS alte System beizubehalten, von dem jeder nur halb- wegS Einsichtige in Rußland weiß daß eS die gegenwärtigen unheilvollen und unheimlichen Zustände deS Reict.eS herbeizuführen fern weidlich Theil mit be«. getragen hat. Sogar die früher geplanten Erleich.erungen für die Bauern, womit man offenbar ein Gegengewicht gegen die Intelligenz der Städte schaffen wollte; sollen nun nicht auSgeführl werden, um i lcht den Adel unzu­frieden zu machen und dadurch die Opposition zu verstärken.

Man steht arrS diesen Dingen, daß die Regierung M Ezaren stch in völliger Rathlofigkeit befindet und nicht weiß, was sie thun soll. Haltlos schwankt fie zwischen den Parteiungen. Da hat man in Rußland zunächst daS ganze liberale Bürgerthurn m den großen Städten und namentlich den deutschen Provinzen und der Ostsee. daS eine Constitution in modern.liberalem Geiste will. Ihm gegenüber stehen die Altruffen, die Panslavisten. welche den Jaulen Westen" Haffen, von Aksakow und Katkow geleitet werden und eine Verfassung verlangen, wie fie Rußland im 16. Jahrhundert, in der Glanz­periode deS BojareuthurnS, besaß. Zugleich find dieser Partei die Vorrechte der einzelnen Provinzen ein Dorn im Auge. Zwischen diesen beiden Parteien steht die ungeheure Masse deS russischen Landvolks, bornirt, unwissend, trotz der Reformen Standers II. einem reißend um sich greifenden PauperiSmuS ver- fallen. Diese Bauern hängen nothwendiger Weise ebenso sehr an der Person deS Czaren, wie fie seine Minister, seine Pottzei und seinen ganzen bureaukra. tischen Apparat Haffen. Und während diese Parteien und Klaffen sich tm Vor­dergrund befehden, spinnt im Verborgenen der NihiliSrnuS (eine dämonischen Pläne mit Revolver, Gift, Dolch und Dynamit.

Diesem ChaoS gegenüber ist zunächst eine feste Hand und ein sicherer Blick erforderlich wenn in Rußland geordnete Verhältn-ffe wieder hergestellt werten sollen. Dann aber ist dazu unerläßlich der gute Wille, der den Be- dürsnlffen und Anforderungen der Zett Rechnung trägt, und der nicht unter- tenummt, Veraltetes, UeberflüsfigeS unb Unbeliebtes aufrecht zu erhalten gegen den ganz deutlich ausgesprochenen Willen der Gesammihett oder der Majori äi. Denn wie verschieden auch die Ziele der russischen Parteien fein mögen darin find sie alle einig, daß es nicht so sortgchen kann, wie bisher und daß die allen Mißbräuche endlich abzuschaffen find. Dem stellt die leitende Ge­walt den Grundsatz entgegen, daß sich nichts so leicht fortsetzen laffe, a!S uaS man einmal erprobt habe, ein Grundsatz, der schon so Manchen getäuscht hat. DeShalb bleibt man bei dem alten Absolutismus und glaubt, dies System, das durch mehrere Jahrhunderte gedauert, werde auch noch länger dauern. Daß man sich einer besseren Erkenntniß verschließt, ist zu bed -.nein, denn nach dem übereinstimmenden Zeuzniß Aller werden sich nui mehr die Gegner t er herrschenden Gewalt mehren urb Rußlanb wird der Tummelplatz eineS erbit­terten Kampfes werden, deffen Ausgang noch nicht abzusehen ist. Diejenigen, welche die Regierung des Czaren bestimmt haben, so hartnäckig auf dem Alten zu beharren, werden vor der Geschichte die Verantwortlichkeit tragen muffen für daS, was kommen wird.

ztertlschland.

Au- feem Grostberzogtbuw Hessen, 17. Mai. Das neueste Regierungsblatt enthält eine Uebereinbnft mit Preußen wegen Herbeiführung übereinstimmender Maßregeln zum Schutze und zur Hebung der Fischerei mit ergänzenden Bestimmungen für das neue F'schereigesetz. Hiernach wird dem­nächst durch Verordnung das Fangen von Fischen, welche nicht ein bestimmtes Minimal-Längenmaß besitzen, verboten und erstreckt sich die Vorschrift auf fol­gende Fischgattungen: Stör (IOC (Sm.), LachS (50 Cm.), große Maräne (40 (Sm.), Aal, Zander, Stapfen (35 (Sm.), Blei, Lachsforelle. Maifisch, Finte (28 Cm.), Hecht (25 Cm.) Alard, Barbe, Sche<pel, Döbel (20 (Sm.), Karpfen, Schlei (20 (Sm.), Forelle, Asch (18 Cm ), Karausche, kleine Maräne, Rothfeder (15 Cm.), Barsch, Rothauge (13 Cm.), Krebs (10 Cm.). Alle

nicht geschloffenen, der Binnenfischerei unterworfenen Gewässer unterliegen einer wöchentlichen Schonzeit von 24 Stunden, nicht geschloffene Binnengewäffer einer jährlichen Schonzeit (vom 15. October bis 14. December ober vom 10. April bi- 9. Juni) Alle nicht geschloffenen Gemässer sind entweder einer Frühjahrs- oder einer Winterfchonzett zu unterwerfen, die Regierungen können jedoch für daffelbe Gewäffer »ine doppelte Schonzeit festsetzen. Die hessische Regierung bat sckon seit Jahren darauf hingewirkt. daß der Fischereibetrieb durch StaatSoerttäie aller Einzelstaaten geregelt werbe und ist durch die vor­liegende Urbminfunft ein allgemeines Fischereirecht angebahnt.

Berlin, 18. Mai. DerNat.-Ztg." zufolge soll auch die Regierung nach Rucksprache mit den Fraktionen sich überzeugt haben, daß der Reichstag nach Pfingsten nicht mehr zusammevzuhrlten sei.: der Präsident werde die noch zu erledigenden Vorlagen bis Pfingsten zur Abwickelung bringen, und zwar das Ur.faUverficherungSgesetz, die Stempelsteuer, daS Gerichtskosten- und daS TruvksucktSgesetz.

DieProv.-Corresp." wend't sich in einemFürst BiSmarck'S Pläne ui.b die Nationalliberalen" betitelten Artikel gegen die Behauptung, daß Fürst Bismarck erst durch die Steuerreform und den neuen Zolltarif daS vorher bestandene Einvernehmen gestört habe. Die L beralen hätten gewußt, was Fürst B Smarck unter der Steuerreform ve'stand und de.ß die Steuerreform in seinem Sinne ohne einen anderen Zolltaris gar nicht möglich war. Ueber die beabsichtigte Ausdehnung ter Steuerreform habe stch der damalige Finanz- Minister Hvbrecht am klarsten urb bündigsten ausgesprochen. (Folgt die betr. Rede). Hobrech: sei heule einer der Führer der Nationalltberalen, umsomehr sei zu erwarten, daß diese Partei, indem sie die von der Regierung elnge» schlageuen Mittel und Wege verwerfen zu müffen glaube, doch für eine ander­weitige Verwirklichung jenes Programms ihren ganzen Einfluß verwende.

Berlin, 18. Mai. Wie die ^Nat.-Ztg." verlauten hört, stände die längere Anwesenheit deS rrürttembergischen Ministers v. Millnacht und deS elsässischen UulerstaatSsecretärS v. Mayr mit Vorbesprechungen zur Ausarbei­tung eines Entwurfs, betr. die Einführung deS Tabakmonopols in Verbindung, ter möglicherwe se dem Reichstage in feiner neuen Zusammensetzung im nächsten Jahre vorgelegt werben würde. ES ist nicht unwahrscheinlich, daß man den ersten Schritt zur Einbringung eineS bezüglichen Anträge- im BundeSrath der württemberg'schen Regierung überläßt, die schon früher dafür eingetreten ist unb damit auch einem von der württembergischen Abgeordneten-Kammer ge­äußerten Wunsche Nachkommen würde.

Betreffs der Haftpflicht für Gewicht und Stückzahl bei Der- unb (intlabung ber in der Eisenbahnbetriebs-Ordnung (§ 50, Nr. 2) bezeichneten Güter durch Arbeiter der Eisenbahn hat der Minister der öffentlichen Arbeiten durch Rundschreiben vom 30. v Mts. die deshalb erstatteten Berichte, sowie eine vom ReichSeisenbahnamt ihm miigelheilte Zusammenstellung der in den Localtansen ber beutschen Eisenbahnen über Auf- unb Abladen der Güter ent­haltenen Bestimmungen den Sta tsbahn-Directtonen übersandt, damit fie ersehen, daß in dieser Hinsicht ein übereinstimmendes Verfahren bei den deut- schen Eisenbahnen sich n'cht herauSzebildet hat. ES erscheint dem Minister sowohl tm Interesse ber Eisenbahnen, alS deS Publikum- erwünscht, bte sach­lich nicht begründeten Verschiede-heiten bei Behandlung dieser Angelegenheit zu beseitigen und auf eine übereinstimmende Regelung derselben hinzuwirken. So lange eine solche nicht erfolgt ist, soll in allen Fällen, in welchen die Ver- unb Entlobung ber in Rede stehenden Güter durch Arbeiter der Eisenbahn erfolgt, die Haftpflicht für Gewicht und Stückzahl derselben übernommen werden.

Hesterreich.

Wien, 18. Mai. Tie Judenhetzen in Südrußland ziehen Galizien stark in Mitleidenschaft. Die Zahl der über die Grenze Geflüchteten beläuft sich, mäßig gezählt, bereit- auf 5000. Gestern Nacht wurden sämmtliche Häuser um den Woloczy-ker Bahnhof (russische Grenzstation) kemolirt. Im PodwolczySkaer Bahnhof (galizische Grenzstation) find 600 Kinder unter 6 Jahren mit ihien Müttern untergebracht, 1500 Flüchtlinge kämpften dort im Freien. Die Karl - LudwigSbahn bat een Güterverkehr nach Rußland fast ganz eingestellt In der gestrigen Besprechung der Botschafter in Sonstan- linopel wurde die Convention b'.S auf bte Modalitäten deS Abzug- der türki­schen Truppen eilebigt Auch hierüber herrscht bereits volle Einigkeit. Dir formelle Abschluß der Convention wird spätestens am Samstag erwartet.

Außland.

Petersburg, 17. Mal. Der »Köln. Ztg." wirb berichtet: Gestern wurde endlich die Mme in der Eibsenstraße, über die ich Ihnen früher mel­dete, gefunden. Sie enthielt V/i Pud Dynamit, welches an der linken Seite des Brückenbogens unter Der steinernen Brücke gefunden unb durch Taucher gehoben wurde. Die Erbsenstraße führt nach dem Bahnhofe von Zarskoje- Selo, an welchem Orte Alexander II. immer den Sommer zu verbringen pflegte. Wenn die Brücke aufgeflogen wäre, wäre die Equipage in den ziem­lich tiefen, etwa 30 Schritt breiten, Katharinenkanal gefallen. Das Dynamit war in zwei P-cketen verpackt und befand sich in mit Tuch umwickelten Metall- kisten. Nach anderer Angabe wäre das Dynamit von verfolgten Nihilisten in den Kanal geworfen worben, es hätte sich also nicht um eine Mine gehanbelt.