Ausgabe 
20.1.1881
 
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Nr. 16. Donnerstag den 20 Januar 1881.

Meßen er "Anzeiger

Am'M- unb AiMliitt für üti Kreis Gieße«.

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Amtlicher Hheil.

Betreffend: Wiesenverbefferung in Ettingshausen.

B c k a ii n r in « ch u » g.

Bet der gemäß unserer Verfügung vom IS. November v. I. (s. Anzeiger Nr. 274) am 13. l. M. vorgenommenen Abstimmung über die AuS. führung eine- Plane- einer künstlichen Bewässerungs - und Entwässerungs-Anlage in Flur VI und VII der Gemarkung Ettingshausen haben 26 Stimmberechtigte mit einem Fiächengehalte von 8593 qm dagegen gestimmt, während der Flächengehalt der dafür Stimmenden 15278 qm beträgt.

Hiernach ist die Ausführung des Planes beschlossen worden.

Das Protokoll über die Abstimmung, die Zusammenstellung deS Ergebnisses, der Plan sammt Beschreibung, Liste der Stimmberechtigten und Kosten- Ueberschlag werden vom 22. l. M. bis zum 5. Februar l. I. auf dem Großherzoglichen Bürgermeisterei-Bureau zu Ettingshausen zur Einsicht der Betbetligten mit dem Bemerken offen gelegt, daß eine etwaige Anfechtung der Zulässigkeit, oder Rechtshändigkeit der Abstimmung, oder des vorstehend angegebenen Resultates derselben, binnen der vorbemerkten Frist bet Meidung des Ausschluffes bei uns vorzubringen ist.

Gießen, am 18. Januar 1881. Großherzogliches KreiSarnt Gießen.

___________Dr. Boekmann. __________________________

Gdietalla düng.

Nachdem wider den Rekruten Heinrich Wißner aus dem AuShebungSbezt-.k deS 1. Bataillons 2. Großh. Heff. Landwehr-Regiment- Nr. 116, Akboren am 15. F'bruar 1856 zu Keffelbach, KreiS Gießen, der förmliche DeserttonSproceß eröffnet worden ist, wird derselbe aufgefordert, sich zu gestellen, spätestens aber in dem auf

Mittwoch den 18. Mai 1881

Dor dem unterzeichneten Gericht anberaumten Termin zu erscheinen, widrigenfalls die wider ihn eingeleitete Untersuchung geschloffen, er in contumaciam für fahnenflüchtig erklärt und in eine Geldbuße von 150 bi- 3000 JL verurtheilt werden wird.

________Darmstadt, den 14. Januar 1881.______________________________GroßberzoglickeS Gericht der Großh. Heff. (25.) Division.

Gdietalladung.

Nachdem wider den Rekruten Friedrich Dietz aus dem AuehebungSbezirk des 1. Bataillon- 2. Großh. Heff. Landwehr - Regiment- Nr. 116, geboren am 17. August 1859 zu Rsdhetm, KreiS Gießen, der förmliche Defertion-proceß eröffnet worden ist, wird derselbe ausgefordert, sich zu gestellen, spätester- aber in dem auf

Mittwoch den 18. Mai 1881

oor dem unterzeichneten Gericht anberaumten Termin zu erscheinen, wldrigtnsalls die wider ihn eingeleitete Untersuchung geschloffen, er in contumaciam für sahne, flüchtig erklärt und in eine Geldbuße von 150 bis 3000 JL verurtheilt werden wird.

Darmstadt, den 14. Januar 1881. GroßherzogljcheS Gericht d r Großb. Heff. (25) Division.

Deutschland.

Darmstadt, 17. Januar. Bekanntlich hat unsere Staatsregierung zu der Frage der Erbauung von Secundärbahnen noch keine seste Stellung ge- nommen und steht ihre Entscheidung in dieser Richtung noch auS, dürfte aber mit Rücksicht auf die dem nächsten Landtag dteserhalb zu unterbreitende Vor­lage wohl bald erfolgen. Deffenungeachtet kann schon jetzt mit Sicherheit an­genommen werden, daß die Jntereffrn der Provinz Oberh.ffen in erster Linie zur vollen Geltung gelangen. Dafür spricht u. A. die Antwort, welche Mini- ßerpräsident v. Starck ur.ter bim 23. Januar v. IS. dem Ausschuß erster Kammer werden ließ und die in fragliche Beziehung dah.n louht:Di- Anlage der Oberhessischen Eisenbahnen ist für bei. Localverkehr dieser Provinz und insbesondere deren Verkehr mir Franksurt a. M. und den L'.effe.rigen Pro­vinzen wenig güripig. Verbindungen der beiden Hauptlinien der Öberh'ffifchen Eisenbahnen unter einander, sowie mit der Main-Weser-Dahn, resp. auch der Friedberg.Hanauer Bahn, würden manche Wege, welche Menschen und Producte jetzt zu nehmen haben, abkürzen und den Verkehr fördern. Jndesien wird man sich von der Hebung diese- Verkeh'S keinen zu großen E.wartungin bin» geben dürfen und man wird bei allen Projecten, welche zur Vciblr.dung der bestehenden Bahnen ui.d zur Belebung deS LocalverkehrS in'S Auge zu faffen find, auf die Ihur lichst (infad) fh und und b üigste Herstellung, sowie auf den ökonomischen Betrieb, Rücksicht zu nehmen haben. (N. Heff. Dolkebl.)

. Darmstadt, 18. Januar. Der Verein der hessischen Fortschrittspartei für Darmstadt und Bessungen dielt gestern Abend im großen Saale der Böttlnger'schen '0rout.ni eine äußerst zahlr ich besuchte Versammlung ad. Herr Rechtsanwalt Metz I. eröffnete dieselbe mit der Mittheilung, daß der Vorstand des Vernr.s ihn mit der Leitung der Verelnsangelegenheuen für datz laufende Jahr betraut habe, und mit dem Wunsche, daß es ibm gelingen möge, din Verein in der Dlüthe zu erhalten, m der er unter seinem Vorgänger gesianden. In diesem Jahre, in welchem zwei wichtige Wahlen devoistebcn, werde es Ausgabe des Vereins sem, seine Lhätigkeit üb.r das Weichbild der Stadt hinaus zu erst:ecken; auch werde sich Gelegeude^t bieten, die Frage der Gründung eines eigenen Parteiorgans nährr zu treten- Die Stellung der national- liberalen Parte» so führte Herr Metz weüer aus sei im Augenblick feine günft ge Abgesehen von den vielen Anklagen, welche seit Jahren gegen sie erhoben werden, seien zwei Ereignisse aedauerlicher Art zu verzeichnen, die Secession und die Haltung der Reichsregierung gegenüber der Partei. In ersterer Bezicbung habe die nationalliderale Partei in Hessen den einzig richtigen Weg mit der Erklärung eingeschlagen. daß un­beirrt von parlamentarischen Fricnonen das große Ziel aU<r nationalen und liberalen Männer zu verfolgen fei. Was die neuere Haltung der Reichsrcgierung zu der Partei angehe, so sei letztere eine Regierungspartei gewesen, wenn auch thatsächlich die Rerchs- regierung ftüher nicht allein eine fteundliche Stellung zu ihr eingenommen, sondern auch aus die Ansicht^ihrer Führer ein wesentliches Gewicht gelegt Hütte. Dieses Ver- hältrnß habe sich plötzlich geändert und es führe dies zu der Frage, ob im deutschen Reiche eine Neaction^ in Sicht sei. Diese Frage sei theils zu bejahen, theils zu ver­neinen und man müsse die Frage trennen, ob reaktionäre Gcsetzg bungsmaßregeln zu verzeichnen seien und ob sich eine allgemeine rückschrittliche Bewegung geltend mache. Erstere Frage glaubt Redner unter spec ellem Hinweis auf die einzelnen Ges hgebungs- werke der letzteren Zeit entschieden verneinen zu müssen, während er in letzterer Be­ziehung zum Beweis des Vorhandenseins einer allgemeinen rückschrittlichen Bewegung

an die Beieindung der Simultanschulen in Preußen erinnert, sowie an die Angriffe auf die Gewerbeordnung, die Gewerbefreiheit, die Freizügigkeir und den Unterstützungs« wobnsitz, weiter aus das Institut der Civilehe. In letzterer Zeit habe man sogar an die Wuizel oller Freiheit, an die Glaubens- und Gewissensfreiheit die Axt zu legen gesucht. Von einer Resolution, welche eine Verwahrung gegen die rückläufige Strömung in unserem Vaterlande ausspreche, könne wohl abgesehen werden.

Hierauf ergriff Herr Landtagsadaeordneter W o lf s k e h l das Wort und führte aus, wie unter den Reichsqesetzen, welche m neuerer Zeit von den in rückschrittlichem Sinne arbeitenden Parteien angefemdet werden, sich auch das Gesetz Über die Civilehe befinde, e.nes der wicht gsten Gcsitze, welches die Rechtseinheit aus dem Gebiete d s privaten rind des öffentlichen Rechtes im deutschen Reiche hcrgestellt haben. Dos Ges.tz «erde von den Ultramontanen und den protestantischen ©rtbobopn um deßwillen an- gefemfcet, wr.l es sich um eine kirchliche Machtfrage handle. Rach der katholisch n Auffassung sei die Ehe ein Socrament, nach der evangelischrn ein Gegenstand des welt­lichen Rechtes. Der Redner charokterisirte nunmehr die obligatorische, die socultative und die Nothcivilede, er schilderte den Zustand m Deutschland vor Erlaß deS neuen Gesetzes und das damit verbund-n geweiene Chaos, sowie die mannichfachen Vrriuche, eine Wandlung zu schaffen, welche endlich M't dem Erlaß des neuen Gesetzes ihren glücklichen Abschluß fanden, das er als em solches bezeichnet, welches alle Freisinnlaen zu schätzen und zu vertheidigen Anlaß bobev. Hier sei es geboten, wachsam zu fein und sich nicht damit einzuschläfern, daß man den errungenen Besitz für einen unbe­dingt sicher« n halte, denn auch im Leben der Rationen fti es schwieriger, das Erwor­bene zu trbalttn, als es zu erwerben.

In Folge eines Beschlusses einer früheren Versammlung wird nach weiterer Be sürwortung durch Herrn Ghmnosiallebrer Dr. Friedrich die Abhaltung einer all- gemeinen Volksversammlung für die nächste Zeit ins Auge gefaßt, worin dos Pro­gramm brr Partei bargelegt unb die politischen Arbeiten Vorgefühlt werden sollen, welche dieselbe in den letzten l'/r Jahrzehnten im Interesse des Reiches gethan.

Herr Reallchrer Dr. Rodnagel möchte von Seiten des Vereins Stellung zu der Jndenfroge aenommen sehen, obgleich sich bieic Sache in Darmstadt bis jetzt noch nickt an die Oeffentlichkeit gewogt habe. Man habe die Worte unseres Oberbürgei- meisters, man habe die Woite des deutschen Kronprinzen gelesen, aber trotzdem habe er beobachtet, daß man vielfach Ideen theile, die man langst begraben und überwunden geglaubt habe. Er bitte den Verein, seine Ausmerksamke t dieser betrübenden, besam- merr.swertb.n Erscheinung zuzuwenden, und zweifle nicht, daß in dem Vereine Nie­mand sei, der die aufgetretenen Gelüste nicht in entschiedener Weise verabscheue. Der Vorsitzende bemerkt, der Vorstand habe aus toctischen Gründen beschlossen, diesen Gegenuand webt auf die Tagesordnung zu setzen, weil in unserer Stadt der confkss'.onelle Frieden glückl'cherweise bisher vollständig ungestört geblieben sei und Nie­mand seine Schultern stark genug erachten möge, um die Verantwortung auf sich zu nehmen, wenn durch eine Discussion in öffentlicher Versammlung dieser Frieden ge­stört werden könnte. Mit einem Hinweis auf das morgige Fest unb bet Bitte um zahlreiche Betheiligung ber Mitglreber an der Feier im Saalbau, schließt der Vor­sitzende die Versammlung.

Berlin, 17. Januar. D?rJtaUe" zufolge soll der Papst die Een- trumspartei in Deutschland ermahnt habm, Angesichts ter bevorstehenden Debatte im preußischen Abg ordnetenhause, betr. den Antrag Windthotst, die größte Btsonnenbeit und Mäßigung zu beobachten, dabei jedoch Jedem freie Hand zu loffkn, damit aus den etwaigen Deschlüffen für den Vatikan keinerlei Verbindlickkeit, urangenehme Dinge gutzuheißen, erwachse.

Ter Abp. v. Mmnig^rode hat im Auftrage der Conservativen einen Gesetzentwurf, betr. den dauernden Erlaß von Klaffen- und klassificirter Ein-