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Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

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Preis vierteljährlich 2 Mart 20 Pf. mit Vringerlohn Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pi.

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v- L ermittelt, ließ Herr Pickenbach an denselben eine Herausforderung auf Pistolen ergeben. Herr v L. präctstrte später seine Aeußerung dahin, daß er dieselbe mdjt aus die Person deS Herrn P, sondern auf dessen Auffassung der Ausübung Politiker Pflichten bezogen wissen wollte. Durch solche Vorgänge wird die Neigung bei den Wählern, für die Partei zu stimmen, gewiß nicht gehoben.

Hannover, 16. JuU. Die Allgemeine lano» und sotstw.ithlchaftl'.che Ausstellung wurde heute Vormittag durch den Oberpräfidenten der Provinz, v. Leipziger, in Gegenwart der Staats» und Eommunalbehörden eröffnet. Die Ausstellung ist auch vom Auslande, besonder- von Oesterreich und England, reich beschickt. Am Mittwoch werden Minister LuctuS und StaatSsecretär Stephan rum Besuche der Ausstellung Hierselbst erwartet.

Göttingen, 14. Juli. Heute ist da? Uriheil gegen die Theilnehmer an demBierkr^wall" verkündet worden. Daffelbe lautet gegen 12 Ange­klagte auf Freisprechung, gegen 10 wegen Ruhestörung aus 30 Jt Geldstrafe event. 3 Tage Haft, gegen tte Studirenden R. und N. auf 1 Jahr Gefäng- n'ß und 100 JL Geldstrafe. Dieselben wurden wegen Fluchtverdachts sofort verhaftet. Der Rest, etwa 2i, wurde wegen Auflauf- zu einer Geldstrafe von 100 je. event. 10 Tage Gefängniß verurtheilt. DaS Urtheil erregt durch feine Schärfe allgem-ines Aussehen, ramenllich die Verhaftung der wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt veruriheilten beiden Studenten. Am Sonnabend werden weitere 10 Angeklagte abgeurtheilt werden. Unter den Studenten herrscht eine leicht erklärliche Erregung.

Kiel, 16. Juli. Die Officiere deS englischen Geschwader- besichtigten heute die hiesigen Kasernen und Lazarethe. Dem Vernehmen nach wird sich Se. K. H. Prinz Heinrich mit dem Herzog von» Edinburg zum Besuch der Königin und seiner in England weilenden Eltern nach England begeben.

AuS Süddeutschland, 16. Juli, wird derKöln. Ztg." «eschrie» ben: Da die Sommerhitze und da- Herannah»n der Reichstag-wahlen hie norddeutsche Judenh'tze zu neuer Glut anzufachen scheinen, soll hier noch einmal mit Gr.mgthuung ausgesprochen werden, daß dieses Treiben ebenso wie das specifisch preußische Junkerthum hier im Süden durchaus keinen Boden gesun- den hat. Allerdings versuchen es die verschiedenen deutsch-conservattven Partei- blätter, die aber nur von localer Bedeutung sind, wenn sie überhaupt etwas bedeuten, dann und wann den Ton ihrer norddeutschen GefinnungSgenoffen nachzuahmen. Man erzählt einige Halkabschneidegeschichten und macht ärgerlich auf den großen Reichthum einzelner jüdischer Bankhäuser aufmerksam, aber die frische fröhliche Hetze nach der Art der Henrtct, Förster und Genoffen wagt man doch bei un- nicht zu empfehlen. So ist der Stand der Dinge in den vorwiegend protestantischen und gemischten Lande-theilen, wo gegenseitige Dul­dung und nachbarliches Zusammenleben auch den jüdischen Mitbürgern zu Gute kommt. In den reinkatholischen Gegenden stimmen dagegen die ultra­montanen Blätter, namentlich da, wo ein richtiger Hetzcaplan an der Spitze steht, in ca- von Berlin ertönende Hepp «Hkpp. Geschrei mit Vergnügen ein; nur hat die Sache deshalb weniger zu bedeuten, weil im Bereiche solcher Blätter, wenn wir größere Handelsstädte ausnehmen, nur wenig Juden wohnen. Vereinzelt find allerdings unter solchem Einfluß auf den Dörfern Judenver­folgungen mit Steinen, nicht blos mit Zeitungsartikeln und Volk-reden, tn's Werk gesetzt worden. Aber solche Dinge fallen doch als seltene Ausnahmen auf und b.stätigen nur die allgemeine Wahrnehmung, daß Vorgänge, wie sie z. B. in Berlin spielen, wo Gebildete an den antisemitischen Bewegungen her­vorragenden Antheil nehmen, hier Erstaunen und Entrüstung erregen. Ein Beweis dafür, daß Süddeutschland wenigstens in dieser Beziehung liberaler und christlicher ist, als manche Gegend Norddeutschlanb-, liegt auch in dem geringen Anklang, welchen die Antisemiten» Petitionen bei uns gefunden haben. Daß Ultramontane und Deutschconservative auch in diesem Punkte gemeinschaftliche Sache machen, gehört zu den Zeichen unserer tollen Zeit. Noch in einer anderen Beziehung hat die politische Bunde-genoffenschaft dieser Richtungen etwas Neue- gebracht. Bekanntlich hat der KatholiciSmuS auch in ferner strengkirchlichen Form sich mit der Etoilehe praktisch abzufinden gewußt und da- Be spiel der Rheinlande ist ja Generationen alt. Bei ve'schieden en Anlockungen zu ultramontan»orthodoxen Burde-genoffenschasten hat daS deutsch­conservative Verlangen, in erster Reihe gegen die Civilehe anzustürmen, keinen Anklang, sondern kühle Abweisung gefunden, und die klerikalen Wahlprogramwe liefen die Frage unerörtert. Jetzt dagegen taucht auch um der lieben Freunde willen in ultramontanen Wahlaufrufen da- Kampfgeschrei gegen daS unchr'st« Uche Cwilstandsgesetz auf, und Priester und Pastoren rufen dagegen die katho­lische und protestantische Laienschaft unter die Waffen. Wenn der Reichskanzler während seiner Badekur wenigsten- Zeitungen liest und etwa- von seiner Muße unseren deutschconservativen und ultramontanen Blättern zuwenden wollte, würde er vielleicht doch über die Geister erstaunen, die er gerufen hat und wovon die eine Hälfte, weil sie angeblich für ihn, die andere, weil fie gegen ihn ist, Alles zerstören möchte, waS an gesunden, gerechten Maßregeln tm neuen deutschen Reich geschaffen worden ist.

Hesterreich.

Wie«, 16. Juli. DieWiener Abendpost" sagt: Der deutsche Kaiser, der erlauchte Freund und Bundesgenoffe unseres Monarchen, weilt wieder auf österreichischem Boden. Dem erlauchten Gaste wurde wie immer ein ebenso ehrerbietiger wie fteudiger Empfang zu Theil, an welchem die ganze Bevölke» rung der Monarchie herzlichen AntheU nahm.

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Feut/chland.

Darmstadt, 16. Juli. Da- Amtsblatt Großh. Ministeriums des Innern und der Justiz. Section für Justizverwaltung, Nr. 20, enthält AuS- schreiben vom 9? b. MtS., betr. das GerichtSkoftenwesen, insbesondere das Gesetz, betr. die Abänderung von Bestimmungen des GerichtSkostengesetzeS und der G'bührenordnung für Gerichtsvollzieher.

Berlin, 16. Juli. Bekanntlich robb im bevorstehenden Herbst auf Öninb de- Gesetze- vom 6. Mai v. Js. zum erstenmal eine Ucbung der Ersatzreserve, und zwar auf die Dauer ron 10 Wochen (die späteren Uebun» gen sollen 4 Wochen und zweimal 2 Wochen bauern) stattfil.bcn. Da bie Uebungmöglichst mit ber Einstellung ber Rekruten" beendet sein soll, diese Einstellung aber bi-her in den ersten Tagen deS November erfolgte, so müßte mit der Ausbildung ber Erfotzreserve schon Ende August begonnen werden. Letzteres würde jedoch ohne Schädigung der Interessen der Lar.dwirthe, die um diese Zeit noch mit dem Einfahren der Feldfrüchte beschäftigt find, nicht ge­schehen können und auch insofern auf große Schwierigkeiten stoßen, als zu dem gedachten Zeitpunkte die Officiere und Unterosficiere in Anspruch genommen werden, e- also an Osficieren und Unterosficieren zur Ausbildung der Ersatz» reserve fehlen würde. Es liegt deshalb, wie verlautet, in ber Absicht ber Militärverwaltung, ben Termin für bie Einstellung ber Rekruten etwa- hinaus» zuschieben, so baß bie Ausbilbung der Ersatzreserve erst nach Beendigung der Manöver beginnen kann.

Berlin, 16. Juli. Graf Hatzfeld hat heute die Leitung des auswär­tigen Amte- übernommen.

Berlin. @6 ließ sich erwarten, daß die Veröffentlichung ber antifortschrittlichen V'ai didatenliste, in welcher die Anhänger des bekannten Herrn Dr. Hcnrici gar nicht . erücksichngt waren, zu einem Bruch zwischen diesen und den übrigen Antisortschrittlern rübreii würde. Der ist denn auch Mittwoch erfolgt und» war in einer so tumulluarischen und allen (besetzen deS Anstandes und der Sitte hohnsprechender Weise, daß ber nach­folgende Bericht eine« der antifortschrittlichen Bewegung -nifeeift geneigten Blattes, der .Post", nur ein sehr schwache- Bi d davon gibt. Es wird versichert, daß Herr Dr. Henrici und andere Gleichgesinnte am Kragen gefaßt und vor die Thür gesetzt woiben seien. Der Bericht selbst lautet: Der Vorstand des Vereins der Eonservativen des zweiten Reichstagswahlkreises hatte Mittwoch Abend eine außerordentliche General- Versammlung nach der Victoria-Brauerei In der Lützowstraye berufen- Auf der Tages­ordnung stand alS dritter Gegenstand der Berathung die Candidatensrage. Erst nach längerer Zeit ergriff zuerst Herr Liebermann von Sonnenberg daS Wort, der die (5anbibate"nfrage vereinfacht wssen will und eine Erörterung der Frage in diesem Augenblick für gänzlich inopportun halt. Redner verliest sodann unter ungeheurer Bewegung ber Versammlung einen Bries des Freiherrn v. Minnigerode, worin dieser seine Erklärung abgibt, die designirte Candidatur im zweiten Reichstagswahlkreis von Berlin unter keinen Umständen anjunebmen. (Hört! Hört!) Herr Pickenbach, wendet sich in febr erregter Weise gegen ben Vorsitzen en Luckhardt und interpellirt denselben über die Aufstellung Mmnigerode's In böchft schonungs- und rücksichtsloser Weise habe man alle anderen Ve, eine bei der Aufstellung der Eandidaten behandelt. (Sehr wahr! Obo!) Während man dahin einig geworben wäre, allen Parteien, mit denen man zusammengche. gerecht zu werden, habe man jetzt auf einmal nur konservative Ganbibaten aufgestellt. Heute anlifortfcbrittlid) und morgen konservativ. (Cbo!) Da­gegen erklärt Dr. Förster (Eharlottendura) im Namen des deutschen Vvlksvereins, daß der Vorstand desselben sich durchaus nicht i erleht fühlte über die Aufstellung Min- nigcrobi6 andererseits aber auch berücksichtigt zu werden wünsche, um event. einen eigenen Eandidaten ausstellen zu können Während Kaufmann Meyer nunmehr für den fallen gelassenen Eandidaten Prof Ad. Wagner aufgestellt zu sehen wünscht, schlägt em anderer Redner Professor v. Treitichke vor. Dr. Lorenz erklärt Namens des Dor- stanbeS, daß ber zweite ReichstagswahlkreiS nur Leuten gegeben werbe, welche auf anti­semitischem Boden ständen Die Erregung der Versammlung hat sich immer mehr gesteigert und bricht in einen wahren Sturm aus, als nach der Aeußerung des Dr. Henrici'S, der einen Mann aus dem Volk ausgestellt wissen will, der nicht zu weit nach rechts oder nach links steht, Herr Pickenbach die Erklärung abgibt:Meine Herren! Nach diesen Erfahrungen erkläre ich im Namen des socialen Reichsoereins, baß wir, sobald Sie nicht einen unserer Eandidaten aufstellen, nicht nur gegen Sie sprechen, sondern auch gegen Sie stimmen werden " (Ungeheure Bewegung, Tumult, Ruse: Pfui! Lump! Raus!) (Henrici: Sehr richt'g!) Nachdem die Ruhe wieder ein wenig hergestellt, erklärt Dr. Henrici, daß er mit Pickenbach und seinem Vorstand in der Eile den Beschluß gefaßt habe, aber durchaus nicht übereilt. (Abermalige Rufe: RauS!) Henrici, Pickenba Dr. Amman stellen sich tn der Nähe der Thüre auf. Z zwischen ist folgende Resolution einstimmig ang-nommen worden: ^Der conservative Verein des zweiten Reichstagswahlkreiscs beauftragt seinen Vorstand, die Interessen ber Eonservativen im Agitationscomite mit aller Kraft zur Geltung zu bringen und demnächst Bericht zu erstatt-n und den Beschluß des Vereins über bie Aufstellung eines äanbibaten herbeizuiühren." Währenb ber Abstimmung verlassen Henrici unb Genossen den Saal, ersterer kehrt zedoch halb zurück unb sucht ben Abg. Dr. Eremer, ber nun­mehr bas Wort erhalten hat unb ben .kleinen häuslichen Zwist" für nicht so gefährlich darftcllt, wie Herr v Liebermann, wieberholt zu unterbrechen. Als Eremer bavon spricht, man wolle keine Antisemiten unb Antifortschrittler, fonbern etwas Positives, ruft Henrici bazwischen: Ich constatire, baß hier ein conservativer Ring herrscht! (Rufe: Pfui! Sehr wahr!) Eremer: Jawohl! hier herrscht ein conservat'ver Ring! unb das soll er auch. Es scheint bei Herrn Dr. Henrici nur Reib zu sein, baß er biefen Ring nicht burchbrechen kann. (Sehr wahr! Bravo!) Heute seien biese Herren oben auf unb morgen kämen sie bescheiben zum Central-Eomste, um Gelder für bie Agitation von bin Eonservativen in Empfang zu nehmen. Wollen sie allerbings n'cht mehrmitspielen", so mögen sie allein wanbeln. (Rus: Gegenspielen.) Cremer: Ja, meine Herren, wer es mit seinem Gewißen vereinbaren kann, maa's thun, ich nicht. (Bravo.) Wenn ich ber Fürst Reichskanzler wäre, würbe ich aus Berlin vierunbzwanzig Wahlkreise machen, bamit jeber von Ihnen befriebigt würbe." Rebner forbert auf, m't unserem bisherigen parlamentarischen System zu brechen unb ein neues an bie Stelle des alten zu setzen. (Lebhaftes Bravo.) Nachbem sich enblich bie Wogen ber Bewegung etwas gelegt haben, schließt Vorsitz'enber Luckhardt mit einem Hoch auf den Fürsten Bismarck die letzte Versammlung vor den Ferien, die vom 13. Juli bis 25- August währen. Heber den Zwischenfall mit Herrn Pickenbach, dem manLump" zugerufen hatte, wird weiter berichtet: Nachdem ber Ruser in ber Person des Hauptmann a. D.

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