Hchimmung begangen, seine strafrechtliche Verurtheilung zur Folge haben würde, wird nach den nachfolgenden Bestimmungen bestraft: Die Strafe ist nach demjenigen Gesetz festzusetzen, welches auf die in freier Willensbestimmung begangene Handlung Anwendung finden würde; an die Stelle einer hiernach angedrohten Todesstrafe oder lebenslänglichen Freiheitsstrafe tritt Gefängniß nicht unter einem Jahr; in den übrigen Fällen ist die Strafe zwischen einem Viertheil des Mtndestbetrages und der Hälfte des Höchstbetrages der ange- drohten Strafe zu bestimmen, wobei an die Stelle einer Zuchthausstrafe @e* fängnißstrafe von gleicher Dauer tritt. Soweit bei Freiheitsstrafen das Vier- theil des MiudestbetrageS 6 Monat und soweit die Hälfte deS Hüchstbetcages 5 Jahre übersteigt, tritt eine Ermäßigung auf die angegebenen Beträge ein. Die Vorschrift deS vorstehenden Absatzes findet auf fahrläsfig begangene 'Handlungen, sowie auf Übertretungen keine Anwendung; im Gleichen bleibt fie außer Anwendung, wenn der Thäter in der auf Begehung der strafbaren Handlung gerichteten Absicht sich in den bezeichneten Zustand versetzt hat. S 3. Die aus Grund des § 1, Abs. 2, erkannte Haftstrafe ist durch Schmälerung der Kost zu schärfen. In den Fällen des $ 2 kann bet der Verurtheilung zu einer Gefängniß. oder Haststrafe auf eine solche Schärfung erkannt werden. Die Schmälerung erfolgt in der Weise, daß die Kost auf Wasiec und Brot beschränkt wird. Die Schärfung kommt am vierten, achten, zwölften und demnächst an jedem dritten Tage, nach 6 Wochen überhaupt in Wegfall; sie wird nicht vollstreckt, insoweit der körperliche Zustand des Verurlheilten die Schmälerung nicht zuläßt. Auf die vorbezeichnete Strafschärfung kann auch außer den Fällen dieses Gesetzes erkannt werden, wenn der Verurtheilte die That, wegen welcher er bestraft wird, in einem nicht unverschuldeten Zustande von Trunkenheit begangen hat. $ 5. In denjenigen Fällen, in welchen nach den Bestimmungen der §§ 3 und 4 eine Schärfung der Strafe vorgcschrleben oder zugelassen ist, kann der Verurtheilte zu Arbeiten, welche seinen Fähig, leiten und Verhältnissen angemessen sind, außerhalb und innerhalb der Straf- anstatt angehalten werden; auch kann erkannt werden, daß die verurteilte Person nach verbüßter Strafe der LandeSpolizeibehörde zu überweisen sei (Strafgesetzbuch § 362). An Stelle der Unterbringung in ein Arbeitshaus kann in diesen Fällen Unterbringung in eine zur Heilung oder Verwahrung von Trunksüchtigen bestimmte Anstalt eintreten. $ 6. Mit Geldstrafe bis zu 100 v«/. oder mit Haft bis zu 2 Wochen wird bestraft, wer bet Verrichtungen, welche zur Verhütung von Gefahr für Leben oder Gesundheit oder von FeuecS- gefahr besondere Aufmerksamkeit erfordern, sich betrinkt oder solche Verrichtun- gen betrunken vornimmt.
Rußland.
Petersburg, 16. März. In einer an der Ecke der Newsky- und kleinen Gartenstraße im Hause Mengden im Erdgeschosse gelegenen Käsebude ist heute ein ausgegrabener Mtnengang entdeckt worden. Derselbe geht von dem Wohnzimmer des Inhabers der Bude aus, die Oeffnung des Ganges war unter einem Divan versteckt. Der Inhaber der Bude hat sich mit seiner grau geflüchtet und Bude und Wohnung im Stich gelassen. Der Dioan war mit Schutt angefüllt. In der Wohnung wurde eine Brechstange vorgesundsn. Die Mine ist in der Richtung der kleinen Gartenstraße, welche zur Manege führt, gegraben. Gegenwärtig arbeitet eine Abteilung Pioniere an dem aufgefundenen Gange.
Telegraphische Depeschen.
Wolff's telear. E»rLespoubenr-«»reau.
Berlin, 17. März. Im Reichstag fand die Berathung der Tabaksteuer statt. Gegenüber dem Abg. Sonnemann, welcher sich gegen das Tabaksmonopol aussprach und das Verfahren der Straßburger Tabaksmanufaktur einer scharfen Kritik unterzog erklärte Staatssecretär v. Bötticher, die Beschwerdeführer über die Manipulationen der Straßburaer Tabakmanufaktur hätten den Jnstanzenzug noch nicht erschöpft gehabt als sie sich an den Bundesrath wandten. Der Bundesrath habe daher die Beschwerden an den Statthalter der Reichslande verwiesen und sich seitdem nicht wieder mit der Frage beschäftigt, lieber das Tabaksmonopol sei er nicht in der Lage Erklärungen abzugeben; seit dem Jahre 1879 habe die Frage, wie aus dem Tabak höhere Erträge zu erzielen seren, den Bundesrath nicht wieder beschäftigt. Auch gegenwärtig liege kern Anlaß vor, der Frage näher zu treten Unterstaatssecretär Mayr nimmt für das Vorgehen der Straßburger Tabaksmanufaktur die vollste Loyalität in Anspruch. Die Verwaltung thue nur ihre Pflicht, wenn sie das Staatsinstitut möglichst nutzbar zu machen suche, der Bundesrath und der Landesausschuß hätten dies durch wiederholte Bewilligung der Mittel für die Erweiterung des Betriebes anerkannt. Der württemberaische Bundesrathsbevollmächtigte Schmid weist auf den den Tendenzen Süddeutschlands entsprechenden jüngsten Beschluß der Württembergischen Kammer betreffs des Monopols bin und rechtfertigt das Verfahren der Manufaktur als legal und correct. An der weiteren Debatte nehmen noch Theil die Abg. Buhl und Blum, welche sich gegen das Monopol aussprechen, sowie der Abg. Richter, welcher das Vorgehen der Manufaktur scharf kritisirt und auf die dadurch und durch die offfztöse Presse in weiten Kreisen erzeugte Beunruhigung hinweist. Der Abg. v.Kardoff beschuldigt die Fortschrittspartei der Beunruhigung, das Tabaksmonopol sei nicht unpopulär, wenn sein Erträgniß die directen Steuern mindere. Der Reichstag bewilligte sodann die Einnahmen aus der Tabak,teuer mit 4,578,000 at unverändert. Der Äbg. Windthorst betonte die letzte Erhöhung der Tabaksteuer habe zur Voraussetzung gehabt, daß eine weitere'Erhöhung auf eine Reihe von Jahren hinaus nicht eintteten sollt-, an diesem in namentlicher Abstimmung erfolgten Beschlüsse halte das Ccntrum auch heute noch fest. Abg >^ürst Hohenlohe trat für das dem Monopole günstige Votum der württembergiichen Zkammer ein, deren Mitglied er sei. Darauf werden die Einnahmen aus der Rüben- Sal, Branntwein^ und Braustcuer genehmigt. Bei der Position „Zollaversen" von Hanibma ftrf; Sreitfctte gegen die JsoUrung der beiden Scesiädte'von der deutschen Gemein,chaft aus Staatssecretär o. Bötticher constailrt, es liege im Bundesrath knn Antrag im Sinne des Derfassungsartikels 34 vor. Der Hamburgische Bevollmächtigte V-rsmann rechtfertigt die ablehnende Haltung der Senate der freien Städte gegen die Zolle,noerleibung, die nicht auf politischer Antipathie sondern auf sachlichen Gründen beruhe. — Fortsetzung morgen.
London, 17. März. Gestern Abend wurde in emer Nische der Mauer des Manston- House, der Risiken, des Lord-Mavor, eine Kiste mit 40 Pfund Pulver und einer angezündeten Lunt« gefunden. Die Lunte wurde von einem Polizeibeamten ausgelöscht und somit eine Explosion verhindert. Die Anstifter des geplanten Verbrechens sind noch nicht entdeckt wo'den. Das Banket, welches gestern Abend in Mansion-House stattstnden sollte, war wegen deS Todes des Kaisers Alexanders abgesagt worden.
.. „ Petersburg, 1^ März. W'i der „Regler.'Anzeiger" meldet, findet die Ueberfuhrung der Leiche deS Kaisers nach der Peter - Pauls. Kirche am i9 d. Mts Mittags 12 Uhr, statt. - Der ,,Golos" erhielt die erst" „Tirana" die zweite Verwarnung. — Das Individuum, welches bei seiner Verhaftung in der Wohnung Nawrotzk.'s der Polizei bewaffneten Widerstand leistete, heißt Michailoff. Derselbe war an dem Attentate beiheiligt, be, ihm vorgefundene Schriften weisen auf gewiffe Vorbereitungen am Katherinen Kanal
und an der kleinen Gartenstraße hin. — Der Großfürst Alexis und die H.r' zogin von Edinburgh sind gestern hier eingetroffen.
Petersburg, 17. März. Die „«gerne 3Lffee theilt über den b.-trn Betreten der Wohnung Nawrotzk.'s verhafteten M-chailoff mit, daß derselbe ein Bauer aus dem Gouvirnement S nolensk sei. Bei demselben vorgefundene Papiere deuten auf gewiffe Vorbereitungen io vohl am Katherinen-Kanal, als auch in der kleinen Gartenstraße hin, durch welche letztere der Kaiser Härte passiren muffen, wenn er den Weg über den Newski-Prospekr genommen hätte Di- Polizei tnformirte hierauf den Untersuchungsrichter, daß der Mann und die Frau Kobazew, welche in dem Keller deS HauseS 56-58 der kleinen Gar. tenstraße ein Milchgeschäft hatten, verschrunden seien und Spuren von unter» 'rächen Arbeiten zurückgelaffen hätten. Die Jnfpicirung der Localitäten constatirte eine Vertiefung mit einer Mine, welche bis zur Mitte der Straße geführt worden war. Die Untersuchung über alle diese Entdeckungen dürfte demnächst beendet werden, alsdann werden die Gerichte sich mit der Angelegen» heit beschädigen. — Die Trauer ist auf 6 Monate angeordnet worden mit den gewöhnlichen Abstufungen. — Aus allen Theilen des Reichs treffen fortgesetzt Telegramme bei dem Kaiser ein, in welchen der Treue und Ergebenheit Ausdruck gegeben wird.
--fioltt, 17. ÖZitj. Die „Köln. Ztg." läßt sich aus Petersburg melden, d'ß das von Kaiser Wilhelm an Kaffer Alex,aber III. gerichtete sehr herzliche i Beileids-Telegramm die Stelle enthalten habe: „Getreue Nachbarn haben Die, das wiffen Sie." — Diese Nacht ist die Mine in der kleinen Garten- i siraße völlig blosgelegt. Man fand eine Uamaffe von Dynamit, genügend : um die ganze Straße in die Luft ju sprengen. Der Sprmgstoff wurde aus der Mine behutsam herausgenommen. Die Pioniere arbeiteten die ganze Nacht, die Straße ist abgesperrt. Der Minengang war mit einer qalgant» scheu Batterie verbunden, welche in der Bude des angeblichen Milchoer» käufers stand.
Karlsruhe, 17. März. Der Kronprinz von Schweden ist in Folge -er Erkrankung des Königs heute Nacht 2'/, Uhr nach Stockholm abgeretst. Der Großh.-rzog und die Großherzogin nahmen gestern die Glückwünsche der Abgeordneten verschiedener Gemeinden, sowie die der polytechnischen Hochschule und des polytechnischen Vereins entgegen.
Rom, 17. März. Die Encykltka des Papstes, durch welche daS außerordentliche Jubiläum verkündet wirs, datlrt vom 12. Mär» und ist gestern veröffentlicht worden.
London, 17. März. Nach einem dem „Reuter'schen Bureau" aus Newcastle vorn 16. ds. zugegangenen Telegramm sind die militärischen Opera» ttonen wieder aufgenommen worden. Englische Truppen haben im Laufe des Tages den Fluß überschritten. Es werde" Pontons gebaut.
Petersburg, 18 Mär,. Ein gestern erlassene» Rund- schrerben an btc Vertreter Rußlands im 'Auslande hebt hervor: Rußland nach Außen confolidirt, müsse im Innern seine materiellen moralischen Kräfte durch Fortschritt entwickeln. Rußlands Politik sei dcßhalb wesentlich friedlichst, es werde den traditionellen Freundschaften und Sympathien treu bleiben, es werde auf de» ihm ge- bührenden Platze unter den Mächten nicht verrichten, aber soltdarisch haftbar bleiben für einen allgemeinen auf Ber- tragsrecht beruhenden Frieden. Rußland werde von den inneren Arbeiten fich nur abbringen lassen, wenn es die Ehre und Sicherheit des Lande» schützen müsse. Da» Ziel des Kaisers sei die Forderung der Macht und Wohlfahrt Rußlands zu dessen Besten, zu Niemanden Schaden,
'Verwischte ».
Darmstadt. Heute Freitaq wird die oom hiesigen älteren Verein für Vögel, und Geflügelzucht ins Leben gerufene erste große Musterausstellung von Vögeln, Geflügel u. s. w. für die Dauer von 5 Tagen e,öffnet und darf man sicher behaupten, daß eine ähnliche Ausstellung, weder in unserer Nähe noch in weiter Ferne bis jetzt in so reichhaltiger Auswahl Gleiches geboten hat. — Wenn an und für sich schon für daS Arrangement, wozu die großen und prachtvollen Räumlichkeiten des hiesigen Saalbaues, wie geschaffen die beste Sorge getragen und das Ganze den Besuchern einen überraschenden Anblick gewährt so findet sich auch das gefiederte Völklein reichlich in seiner Mannigfaltigkeit vertreten. Nabe an 300 Stämme Hübner gegen 500 Paar Tauben, ebeniovtele Kanarien und Knoten werden gewiß Laten wie Liebbaber und Kenner befriedigen In Hühnern sind sämmtliche Racen vertreten, an Wassergeflügel sind Peckmg Enten, japanische Wildenten, Quadlerenten, schwane Schwäne rc rc uno to??elne8 zu weit führen, das Alles zu erwähnen, was hier in den prachtvollen Räumen ausgestellt ist Angesichts des so herrlichen Wetters sowie der Retsegelcgenheit, fnoim sämmtliche daher mundende Bahnen bei Lösung einer Eintrittskaite, freie Rückfahrt gestatten - wird voraussichtlich der Besuch ein überaus zahlreicher sein. Angenehm ist es übrigens schon heute constalirrn zu können, daß auch das Ausland das Unternehmen sehr begünstiate rndem von den hervorragendsten Hühner und Tauben-Züchlrrn u. s. w. die Ausstellung nlcht nur beschickt wurde, sondern auch von den Freunoen unserer kleinen Geschöpfe auch zahlreiche Auftrage für Loose eingegangen sind, so daß solche, tote wir Gelegenheit hatten zu erfahren, schon jetzt vergriffen und somit auch nickt, wie man am Anfänge projektirte, in den Ausstellung?- lokalitäten zum Verkaufe aufl.egen Ss ist dieses Resultat um so erfreulicher, da man biSher gewohnt war allerdings nur hier Loose zu zwanzig Pfennige auszugeben. - Man siebt «in, daß bei so kleinem Preise, nichts geboten werden kann, wäbrenv hier Gewinne tm Werthe von JL 6500 bestimmt sind.________________
Irischbäcker in Glichen.
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Kirchliche Anzeigen |
der evangelischen Gemeinde zuGietzen.
Gottesdienst:
Sonntag, d>n 20. März.
Morgens 9J/t Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.
Nachmittags 5 Uhr: Dr. Buchhold.
Dienstag den 2 2. März: Feier des Geburtstages Se. Majestät deS Kaisers.
! Morgens 9 Uhr: Pfarrer Schlosser.
Mittwock, den 2 3. M ärz, Abends 6 Uhr, in der Sradtkirche:
4. PasfionSgotteSdienst: Pfarrer Dr. Naumann.
Näcksten Sonntag, den 27. März, wird daS heil. Abendmahl gefeiert werden.
I Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 20. bis 26. März besorgt
Pfarrer Dr. Naumann.


