Ausgabe 
18.3.1881
 
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der Prinz von Wales und der Herzog von Cambridge nach Petersburg begeben.

London, 15. März. Nach einer Meldung aus Newcastle von gestern haben gegen Tausend Farmer den Oranje-Freistaat verlaßen, um sich den Boer- des TranSvaal-Landes anzuschlteßen. Gerüchtweise verlautet, die aus dem Oranje-Freistaat Gekommenen hätten den Müllerpaß besetzt. General Wood hat sich nach Mount-Prosvekt begeben.

Wie dieDaily News" in einer zweiten Ausgabe aus Durban vom 14. ds. meldet, ist der Waffenstillstand um 4 Tage verlängert worden.

Amerika.

Washington, 15. März. Der Senat nahm einstimmig eine Reso­lution an, in welcher er seinen Abscheu über die Ermordung des Kaisers Alexander ausdrückt und der russischen Regierung wie dem russischen Volke sein Beileid ausspricht. Sodann wird in der Resolution der sreundjchaftl chen Beziehungen zwischen Amerika und Rußland, welche der verstorbene Kaiser stets gefördert habe, gedacht. Die Legislatur von New-Iork hat eine ana­loge Resolution einstimmig angenommen, in welcher die Verdienste des Kaisers Alexander um Amerika während des Bürgerkrieges, sowie seine Verdienste als Befreier der Bauern und als Befreier Bulgariens hervorgehoben werden. Sein Tod wird mit dem Tode des Präsidenten Lincoln verglichen.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'» telegr. EOrrespoudeuz-Bureau^

Berlin, 16. März. Aus Veranlassung der tiefen Trauer, in welche der Tod des Kaisers Alexander den Hof versetzte, wird auf Befehl des Kai­sers von jeder äußeren Feier des bevorstehenden Geburtstags unseres Kaisers beim Hofe Abstand genommen werden.

DemReichs-Anz." zufolge hat der Kronprinz wegen starker Heiser' kett auf den Rath der Aerzte seine Abreise nach Petersburg bis zur nächsten Woche verschieben muffen. Der Kronprinz werde also nicht bereits der Ueber- führung der Leiche nach der Festung beiwohnen, sondern erst zur eigentlichen Beisetzung in Petersburg eintreffen.

DieProv. Corresp." bringt heute einen äußerst theilnahrnvollen warmen Leitartikel über das Hinscheiden des Kaisers Alexander als eines der edelsten und besten Monarchen, dessen ganzes Leben nur dem Glücke seines Volkes gewidmet gewesen sei. Derselbe schließt mit den Worten: Deutsch­land wird dem Heimgegangenen edlen Monarchen ein herzliches ehrendes An­denken widmen und es begrüßt den jetzigen Kaiser mit dem aufrichtigen Ver­trauen , daß auch er die Überlieferungen seiner Ahnen treu pflegen und den Werth einer ernsten Freundschaft mit Deutschland wahrhaft würdigen werde.

Berlin, 16. März. Reichstag. Der Präsident berichtet über die gestrige Audienz beim Kaiser und bemerkte, der Kaiser habe wiederholt betont, wie angenehm ihn in der Trauer die Theilnahme des Reichstags berühre, und lasse dem Hause dafür danken. Es folgt sodann der Bericht der Budget- Commission über den Etat der Zölle und Verbrauchssteuern. Abg. v. Benda beantragt Namens der Commission den Ansatz der Regierung unverändert zu genehmigen. Staatssecrerär Scholz constatirt, daß durch den Vermerk im Etat betreffs des Zollanschluffes von Altona der Rechtsfrage nicht präjuoicirt wer­den solle. Der Vermerk sei ein rein etatsmäßiger und die Regierung verfolge damit keine Nebenabsichten. Diese Erklärung wurde auf Antrag des Abg. Hänel der Budget-Commission überwiesen. Nachdem noch die Abgg. Löwe (Bochum), Retchensperger und Sonnemann von ihren verschiedenen Stand­punkten aus die Ergebnisse der neuen Wirthschaftspolitik beleuchtet hatten, wird der Titel des Etats der Zölle und Verbrauchssteuern genehmigt. Forr- setzung morgen.

Köln, 16. März. In einem Telegramm derKölnischen Zeitung" aus Berlin vom 16. ds. heißt es: An einer Stelle, deren Ansichten und Aussprachen in aus­wärtigen Angelegenheiten das deutsche Volk unbedingtes Vertrauen zu schenken pflegt, herrscht, wie wir zuverlässig wissen, die Überzeugung, daß die politischen Folgen der entsetzlichen Unthat in Petersburg nicht die Tragweite haben werden, welche man früher wohl bei einem dortigen Regierungswechsel zu erwarten geneigt war. Es gilt dies nicht blos für die Beziehungen Rußlands zum Auslande, sondern auch für Die inneren Verhältnisse. Es sind Anzeichen vorhanden, daß schroffe Wandlungen, wenigstens zu­nächst, nickt in Aussicht zu nehmen sind. Da die Einwirkung innerer Umgestaltungen und Umwälzungen in einem Großsiaote von den eigenthümlichen Veibällnissen, wie Rußland, notbwendig auch dessen auswärtige Politik mit beherrscht, hat die Annahme, daß der russische Thronwechsel das Verhältmß des Reiches nach Außen unberührt läßt, eine um so größere Bürgschaft für sich. Bekannt ist außerdem, daß die dem jetzigen Kaiser vielfach nachgesagte Abneigung gegen deutsches Wesen in neuerer Zeit, soweit Thatsachen mitsprechen, obne Belege geblieben ist.

Köln, 16. März. DieKölnische Zeitung" meldet aus Petersburg vom 16. d.: Das revolutionäre Exekutivconuts versendet heute mittelst Post an alle Redactionen der hiesigen Zeitungen und an verschiedene hervorragende Personen eine vom 13. d. datirte, am 14. d. ausgegebene Proklamation, die aus gutem Papier in der Druckerei derNarodnaja Wolja" gedruckt, an Cynismus alles bisher Dagewesene überbitet Nach zwei Jahren der Anstrengung und schweren Opfern ist die Befreiungslhat end­lich gelungen!" heißt es v der Proklamation u. AAlexander III. wird davor gewarnt, dem Beispiele seines Date' s zu folgen und Tyrann zu werden." Zum Schluß wendet sich das Comits mit der Bitte an olle Gesinnungsgenossen, die Sache der Revolution auch ferner zu unterstützen, falls der Kampf auck gegen den jetzigen Kaiser aufgenommen werden müsse Im Eingang der Proklamation heißt es, Alexander II sei gefallen in Folge eines Todesurtheils, das am 7. September 1879 über ihn verhängt worden sei.

Petersburg, 16 März. Gestern Abend fand die Einsargung der Leiche des verstorbenen Kaisers und die Ueberführung derselben nack der großen Kirche des kaiserlichen Palais statt. Der Sarg wurde zu Häupten von dem Kaiser unD dem Großfürsten Wladimir und an den Seiten von d n übrigen Großfürsten, dem Prinzen von Lcuchtenberg und dem Prinzen von Oldenburg getragen. Die in den Sälen an-

Allgemein

Bekanntmachung.

Dienstag den 22. und Mittwoch den 23. I. Mg.

dcS Nachmittags */22 Uhr anfangend

sollen in der Brawm'schen Wirthfchaft in der Neustadt die verfallenen und noch nicht veräußerten, in Nr. 60 des Gießener Anzeigers näher bezeich­neten Pfänder bis zu Nummer 5804 öffentlich an den Meistbietenden versteigert werden.

Gießen, de« 10. März 1881. (1654

A. Heu rieh.

wesenden Personen knieten nieder, als der Zug an ihnen vorüberging. In der Kirche wurde hieraus eine Todtenrnesse gehalten. Die seierliche Ueberführung der Leiche au« der Kirche des Palais in die Peter-Pouls-Kathedrale findet am nächsten Freitag statt. Dort bleibt die Leiche bis zur Beisetzung ausgestellt. Letztere findet voraussichllich am 27. März statt. Aus allen Theilen des Reiches gehen ununterbrochen Telegramme ein, welche alle die gleiche Trauer und die gleiche Entrüstung bekunden. Ueberall strömt die Bevölkerung in die Kirchen, um iu beten; nirgends zeigt sich irgend eine Spur von Aufregung Ueberall findet die Liebe zum Kaiserlichen Haufe den leben­digsten Ausdruck Unter Anderem beschloß eine Bauerngemeinde tief im Innern des Reiches auf den Antrag eines Bauern, eine Deputation hierher zu senden, um eine Blumenkrone auf den Sarg des verstorbenen Kaisers niederzulegen

Hiesigen Zeitungen zufolge hätte der Verbrecher Russakoff versucht, sich bei der Verhaftung zu vergiften, was ihm jedoch nicht gelang. Die Aburtheilung Russa- koff's war aus gestern festgesetzt, wurde aber angesichts neuer wichtiger Entdeckungen verschoben. Namentlich war für die Verschiebung die Entdeckung der Wohnung maß­gebend, aus welcher Russakoff die Sstrengbomben erhielt. Der Inhaber dieser Wohnung, der sich bekanntlich erschoß, war ein 30jähriger Mann namens Nawrotzki.

DieAgence Russe" sagt in Betreff der Erzählungen über das dem Kaiser zugegangene Kästchen mit Pillen, Folgendes sei der Thatbestand: Der Kaiser litt in den letzten Tagen an Asthma. Mit einem Kästchen mit Pillengegen Asthma" war gleichzeitig ein Brief eingegangen, der den Kaiser benachrichtigte, er möge, wenn er ein solches Kästchen empfinge, dasselbe nicht öffnen, denn bei dem Ausschneiden des Bindfadens würde dasselbe explodiren und ihn tobten. Die Prüfung, welcher das Käst­chen unterworfen wurde, ergab, daß dasselbe mit einem Piston versehen die Ingredienzen enthielt, von denen der Wsrnungsbnef sprach und mehrere Personen hätte täötcn können.

Neapel, 16. März. Nachts fand tn Caiamicciola abermals em hef­tiges Erdbeben statt, welches den E nstarz weiterer Häuser verursachte. In Laccoameno und Serrofo-ckana wurde gleichfalls ein Erdbeben verspürt. Einige Häuser wurden stark beschädigt. Verluste an Menschenleben find nicht zu beklagen.

London, 16. März. DieTimes" meldet in einer zweiten Ausgabe aus Durban vom 15. ds.: Die Boers bestehen auf der Annullirung der Proklamation Shepsto, e's, betr. die Annexion des Transvaal Landes, und auf der Forderung vollständiger Unabhängigkeit von jeder Einmischung Englands. Sie würden einen englischen Ministerresidenten acceptiren, der beauftragt wäre, die I-tereffen der Engländer und der Eingeborenen zu schützen, sie fc'en bereit, den Waffenstillstand zu verlängern und die Verhandlungen fortzusetzen, wenn der Vormarsch der englischen Streitkräfte eingestellt würde.

Lokale-.

Gießen, 17. Marz. [Sweater.] L'Arrong e's neuestes LustspielDer Kompagnon" wurde gestern Abend im hiesigen Theater vor überfülltem Hause recht brav geiptelt. Das Publikum kam aus dem Lachen fast nickt heraus und nahm das Lustspiel sehr freundlich auf. Kleinere Mißstände, wie z. der hockst originell zusammengesetzte Schreibpult, wurden kaum gemerkt. Jedenfalls dürfte das Lustspiel eine größere Zugkraft ausüben und eine öftere Wiederholung sich wohl renliren.

Wir erlauben uns, auf die morgen stattfindende Benefiz-Dorstellung für Frau Axt- mann-Braun hierdurch besonders aufmerksam zu macken Frau Axt mann bat sich uns stets als tüchtige Sckauspielertn gezeigt und verdient eine Anerkennung durch zahlreiches Er­scheinen umsomehr, als sie eine Novität von L'Arronqe und von Moser (eine Eompagnie- Arbett der besten Lustspieldichter der Gegenwart)Der Registrator auf Reisen" gewählt. Wir sind überzeugt, daß diese Wahl für das Publikum eine treffliche zu nennen ist, hoffen wir das- selbe auch für die geehrte Beneficiantin.____________________________________________________F.

Vermischtes.

Darmstadt, 16 Marz. sMilitärnachricht<>n.) Die Portcpeefähnricke Gremp v. Breitenstein und Seipp im Großh. 2. Jns.-Regi Nr. 116 Simons I und SimonS II. tm Großh. 3. Jnf.-Regt. Nr. 117, Robbe im Großh 1. Drag.^Regt. Nr. 23, Knorr im Gioßb. 2. Draa -Regt. Nr. 24 sind zu Seconde-Lieutenants befüroert worden.

Laut DivisionS Befehl wird die 11 Compagnie des Großh. 1 Inf «(Leibgarde RegtS. Nr. 115 on das 2. Großh. Jnf.-Rcat. Nr. 116 abgegeben.

S trab bürg, 12. Marz. sBetrügerische Weinhändler.] In dem benachbarten Städtchen O hat ein Wirth und Weinhändler ein reckt ingeniöses Verfahren entdeckt, um beim Wein- bandel einen artigen Extra-Profit einzuheim'cn und gleichzeitig auck einen hübschen Posten an der Verkehrs-Steuer zu sparen Wenn derselbe nämlich nach Benfeld zum AichungS-Amt mit neuen Fässern fuhr batte et vorher aus jedem Faß den Boden entfernt, an demselben ein' Anzahl aufgeblasener Schweinsblasen befestigt und dann den Boden wieder eingefügt. So kam cs denn, daß seine Fäffer stetS um dasjenige Quantum geringer geaicht wurden, welches sich als Luft innerhalb drr Blasen tn ihnen befand. Nachdem nun zu Hause die Blasen wilder entfernt waren, wurde von den Bauern der Wein eingekauft und nach der vom Aichunqs-Amt eingebrannten Anzahl Liter bezahlt, während sich thatiächltch zehn, zwölf, fünfzehn Liter mehr im Faß befanden; auch die Steuer wurde nach dem Stempel berechnet. Der Krug geht aber nur zum Brunnen bis er brickt, und die Blase so lange zu Faste, bis fie vlatzt. DaS letzte arrivtrte neulich nun bei einer neuen Aichung von Fässern, wobei der große Schwindel eridecki wurde. Der genialeBlasen-Wirth" wie ihn der Dolkeswitz getauft hat, steht jetzt den Folgen seiner epockemackenden Erfindung entgegen, die für ihn ziemlich hart ausfallen dürften. Auch hier in Straßburg schwebt zur Zeit ein Prozeß gegen einen der bedeutendsten Wein­händler. Derselbe soll, wie man erzählt, seit Jahren ungefähr doppelt so viel Wein verkauft haben, wie er versteuert hat, wobei er durch geschickte und raffinirte Manipulationen die Be­hörden zu täuschen verstand. Es bandelt sich in diesem Fall um sehr bedeutende Quantitäten und dürfte der Mann durch die zu zahlenden Geldbußen so ziemlich ruinirt werden.

Handel und Verkehr.

Frankfurt, 16. März. .Marktbericht.» Der heutige Heu- und Strohmarkt war gut befahren. Heu kostete je nach Qualität der Ctr. v*L 3.0'i- 4.50, Stroh JL 3.00 3.30,

©uttcr 50 Kilo H590 H, im Detail 1. Qualität daS Psun 1.200 00, 2. Qualität

v*L LIO0. Eier das Hundert JL 4.50 5 50. £ cksenflttfü per Pfund 6070

Kuh, Rind und Farrenfleisch 4055 H, Kalbfleisch 40- 55 H, Hammelfleisch

4065 Sckweinefleisck 65 80 H, ein Hahn 1.502.00, ein Hubn 1 502 20,

eine Ente JL 2.503 50, eine Taube 00 50 H, Gans X 0.000 00, Hasen ] das Stück 0.000.00, Feldbuhn 0.00 0.00, Rel bock das Pfd. 0000 Kapaunen

vH. 0.00 - 0, Wälscker Hahn^ 6-12 Kartoffeln 100 Rc 5.00-6.00, Kohlrabi 0- 0 Blumenkohl 1 Sr. 25- 60 H Wirsing 00 15 Gelberüben 1 Bund 0000 H, Zwiebeln 1 Bund 0 H, Sellerie das Stück 0000 H Meerrettig 1 Stück ' 000 Svargel das Pfuno 5.0000, Romain-Salat 00 00 H, Endivien 0010 H Rothkraut 2530 H, Weiß kraut das Hundert JL 1012, Artischoken 50 Erbsen daS Pfd. 00 H.

Limburg, 16 März. (Fruchtmarkt.) Rother Weilen JL 19.70, Weißer Weizen JL 19.60, Korn 16.50, Gerste JL 10.75, Hafer JL 7.40, Erbsen JL 0 00, Kartoffeln vH. 0.00. (Durchschnittspreis pro Malter.)

r Anzeiger.

1795) Meinen Ausverkauf von Möbeln, Spiegeln, Gold­leisten, Dorhangsstangen und Tapeten bringe ich tn empfehlende Erinnerung und wird das noch Vorrächiae zu auffallend billigen Preisen abqeaeben: namentlich noch fern gearbeitete Causeufsen mit gepolsterten Stühlen, Ehaiselongues, geröhnliche KanapeeS, gepolsterte Seffel, Comptoirstühle, Strohstühle und Spiegel tn oll n Größen, sowie : och einige spanische Wände urb ein gebrauchter Schreibpult. Keiber am Kreuz.

1578) Eine noch wenig gebrauchte Singer-Nähmaschine von Frisier & Rossmann siebt zu verkaufen. Näheres bet

Heinrich Arnold II., Schloßgasse.