Fuhrleute, Kanoniere und Pferde der Batterie verwundet, kurz nachdem Der Kampf begonnen hatte. Die Kanonen verstummten gänzlich für einige Stundrn; dann wurden einige Infanteristen als Bedienung herangezogen. Ein Geschütz blieb während des ganzen Tages in Action, allein es war ein gefährlicher Dienst und mußten die Leute fortwährend abgelöst werden. Die Kanonen waren über und über mit weißen Punkten besäet, welche von den Kugeln der Boers herrührten; aufrecht neben einer Kannonc zu stehen, war sicherer Tod. Der Feind näherte sich ab und zu bis aus 200 Meter, ging aber nie zum Angriff über. Der größte Theil des Kampfes fand in einer Entfernung von 6—700 Meter statt. Die Taktik der Boers wird als bewunderungswürdig geschildert. Sie bewegten sich von Flanke zu Flanke und begannen jedesmal von Positionen aus zu feuern, wo man sie nicht erwartete. Es war unseren Leuten ganz unmöglich, vorzurücken und den Feind mit dem Bajonnett anzugreifen; sie würden bis zum letzten Mann niedergeschossen worden sein, ehe sie den Feind erreicht hätten. Es war ein Kampf der Gewehre, in deren Gebrauch die Boers unseren Truppen bedeutend überlegen sind- Bei Sonnenuntergang schien unsere Stellung eine verzweifelte. Die Truppen hatten keine Rationen; ein höchst schwieriges Terrain lag zwischen ihnen und dem Lager und der Feind war sicherlich in unmittelbarer Nähe. Um 9 Uhr Abends erteilte General Colley den Befehl, so still als möglich nach dem Flusse hiuabzu- marschiren. Die noch vorhandenen Pferde wurden vor die Kanone gespannt und alle verließen die Position, ohne daß der Feind die Bewegungen gewahr wurde. Es kostete große Mühe, den Fluß zu überschreiten, der bei dem beständigen Regen rasch ange- schwollen war. Schließlich gelangten alle an's andere Ufer, mit Ausnahme der Verwundeten und Munitionswagen. Die Leiden der Verwundeten werden als herzzerreißend geschildert; es fehlte an Wasser, und Wind und Regen dauerte die ganze Nacht hindurch fort. Gegen 12 Uhr kamen einige Wagen vom Lager mit dem Befehl, die Verwundeten nach Newcastle zu schaffen. Viele Boers kamen von den Höhen herab und sprachen mit den Fuhrleuten. Sie widersetzten sich der Abführung der Verwundeten nicht und beklagten den Ausbruch des Krieges, erklärten aber, daß es ihre Pflicht sei, jeden Soldaten niederzuschießen, der ihr Land betrete. Wäre es dem General gestern nicht geglückt, zu entkommen, so würde seine Uebcrgabe heute unvermeidlich gewesen sein. Die Boers waren entschlossen, bei Tagesanbruch anzugreifen, hatten aber keine scharfe Wacht gehalten, da sie geglaubt Hütten, daß der Regen den Fluß unpassirbar gemacht habe.
Türkei.
Konstantinopel, 15. Febr. Der österreichische Botschafter, Calice, folgte gestern einer Einladung des Sultans zum Diner.
Telegraphische Depeschen.
Wolfes telegr. E-rrefpoudeur-Bureau.
Berlin, 16. Februar. Reichstag. Präsidentenwahl. Zum Präsidenten wurde mit 147 von 274 Stimmen Graf Arnim-Boitzenburg gewählt, 91 Stimmen erhielt von Seydewitz-Rothenburg, 31 Stimmzettel waren unbeschrieben, die übrigen Stimmen zersplittert. Graf Arnim war im Hause nicht anwesend und wird von der auf ihn ge sallenen Wahl benachrichtigt werden. Bei der Wahl des ersten Dicepräsidenten wurden 270 Stimmzettel abgegeben, es erhielt v. Franckenftein 149, Dr. Stephany 101, ö. Benda 4 Stimmen, 16 Stimmzettel waren unbeschrieben, o. Franckenftein erklärte dankend die Annahme der Wahl. Zum zweiten Vicepräsidenten wurde mit 172 von 256 Stimmen Ackermann gewählt, die übrigen Stimmen zersplitterten sich ober waren ungiltig. Ackermann erklärte ebenfalls die Annahme der Wahl. Schriftführerwahl morgen.
Berlin, 16. Febr. Im Abgeordnetenhause begründete Windthorst seinen Antrag auf Aufhebung des Sperrgesetzes. Für den Antrag waren fünf, gegen denselben kein Redner zum Wort gemeldet. An der weiteren Debatte nahmen Theil die Abgeordneten Reichensperger und v. Schorlemer-Alst, welcher letztere den Abg. Bennigsen wegen dessen neulicher Culturkampsrede angreift. Der Antrag Windthorst wurde schließlich abgel. bnt, dafür stimmten nur das Centrum, die Polen und einige Conservatioe.
— Herrenhaus. Berathung des Gesetzes, betreffend den dauernden Steuererlaß v. Tettau begründet den Antrag der Commission auf Ablehnung des Steuererlasses damit, daß ein dauernder Steuererlaß die Reform der Klassen- und klassifizirten Einkommensteuer hindere. Graf zur Lippe findet den dauernden Steuererlaß durch die Finanzlage des Staates nicht gerechtfertigt, es sei ein fortschrittliches, von ben Confer- vativen aufgenommenes Wahlmanöver, mit den vorhandenen Deficits sei ein dauernder Erlaß unertäglich, er sei Anhänger der Reichssteuerreform, aber gegen eine Besteuerung der Lebensbedürfnisse. Ob diese Reform die Finanzverhältnisse dauernd bessern würde, wisse man noch nicht. Frhr. v. Mirbach erklärte sich gegen ben Antrag der Commission und bemerkt, die Ablehnung des Gesetzes sei gleichbedeutend mit dem Widerspruch gegen die Wirtschaftspolitik des Reichskanzlers. Fürst Bismark bittet, die Vorlage im Zusammenhänge mit anderen davon untrennbaren Dingen zu beurteilen, die Vorlage stelle sich dar als ein kleiner Theil des mühsamen Wegs, den er seit fünf Jahren betreffs der Steuerreform zurückzulegen suche. Haben Sie zu dem Reformwerk kein Vertrauen, so verliere ich den Muth, dasselbe fortzusetzen. Ich kann deßhalb nicht umhin, davon Zeugniß abzulegen, daß Sie mit der Ablehnung der Vorlage das ganze Reformwerk schädigen. Versagen Sie mir die Unterstützung auf meinem Wege, so muß ich meinen Gegnern überlassen, denselben weiter zu verfolgen. — Das .fiauS vertagte sich daraus.
Paris, 16. Februar. Wte es heißt, würde sich General Caillot, begleitet von dem Oberst Rau, im Auftrage des Präsidenten der Republik zu den Verwäblungsfeerlichkeiten nach Berlin begeben.
Zante, 16 Februar. Die Pacht „Miramare", mit dem Kronprinzen Rudolf von Oesterreich an Bord, ist wegen ungünstigen Wetters noch nicht ausgelaufen. Die Reise soll im Lause der heutigen Nacht fortgesetzt werden.
Belgrad, 16. Februar. Die Skupichtina bewilligte ^em Minister- Präsidenten Pirotschanaz die Summe von 100 000 Frcs. behufs Pensionirung ungeeigneter Richter. Man glaubt, daß dieses Votum die Stellung des Cabt- netS wesentlich festigen werde.
Bukarest, 16. Februar. Der deutsche Botschafter, Graf Hatzfeldt, ist gestern Abend hier eingetroffen und beabsichtigte heute Vormittag die Reise nach Konstantinopel fortzusetzen.
München, 16. Februar. Sicherem Vernehmen nach ist die bayerische Regierung bis setzt in Berlin mit einer Aeußerung über die Einführung eines Volk^wirtbstbaftsratbS im Reich noch gar nicht hervorgetreten.
London, 16. Februar. Den „Daily NewS" zufolge hätte General Colley am Montag Abend eine Anfrage der Boers wegen des Fueden- über- miiteil, der Mmisterrath hätte biefe Anfrage gestern berathen und die SLuroort daraus abgeftrtigt. — Die Königin hat dm Empfang der holländischen Depu- tation, welche eine Bittschrift zu Gunsten der Wiederherstellung der U.abyän- gigkeit des Transvaal-Landes überce chen wollte, abgelehnt; die Bittschrift wurde dem Staatssecceiär des Aus.väriigen, Lord Granville, mitgethetlt.
— Der „Standard" eiblich in den Aeußerungen der deutschen Thronrede über die griechische Frage ein hoffnungsvolles Anzeichen für deren friedlichen Austrar. Wenn der deutsche Botschafter, Graf Hatzfeldt, dahin instruirt sei, dem Sultan klar zu machen, daß von der Tü fei nicht mehr erwartet werde, als das, was ihr der Berliner Vertrag zu thun gebiete, und daß die Jrrthümer und Uebertreibungen der Conferenz den neuen Verhandlungen nicht hindernd im Wege stehen sollten, dürfte man füglich einer friedlichen Lösung der Schwierigkeit entgegensehen.
London, 16. Februar. Oberhaus. Lord Lytton vertheidigte sich gegen die letzten Angriffe des Herzogs von Argyll, indem er erklärte, die Schiffs- brücke über den Indus habe nichts mit den Feindseligkeiten gegen Afghanistan z i thun gehabt, sondern sei gegen den Zaworr-Stamm gerichtet gewesen; auch habe seiner Zeit keine Concentrirung von Truppen stattaesunden, sondern es sei nur eine Grenzpolizei zum Schutze der Dörfer ausgestellt worden. Argyll glaubt, das Gedächtniß Lytton's führe denfclben über die Thatsachen irre. Lord Beaconsfield vertheid'.gte Lytton und betonte die Nothwendigkttt, die Kaudahar-Frage vor der Discusflou von persönlichen Fragen freizumachen.'Der S aalsftcretär des Auswärtigen, Grranville, erkannte diese Nothwendigkeir an, bob aber hervor, es wäre erwünscht gewesen, daß Lord Lytton seine Absicht,' e persönliche Erklärung abzugeben, dem Hmse vorher angekündigt hätte'. Der Gegenstand war hiermit erledigt.
Lokales.
Gießen, 17- Februar. Am 15. dS. Mts. wurde im Walde der Gemarkung Unter: Sckmitten der Occonom Johannes Bipp von der Hrubenmüble bei Rabertshausen ei hängt aufgefunben. Da derselbe an Geistesstörung litt, so ist die Annahme eines Selbstmordes gerechtfertigt.
Gistern Abend ertönte am Neuenweg reip. Kreuz mehrmals der Ruf „Feuer". Sofort waren ea 150 Menschen, worunter auch schon Feuerwehrleute in Uniform und Leut? mit Feuercimern, versammelt, abrr man fragte sich nur gegcnfeuig: wo brennt es? Ein i nzuge kommener Schutzmann ging der Sache auf den Grund und es (teilte sich heraus, baß ein junger Mensch, welcher wahrscheinlich von anderen eine Tracht Prügel bekommen, „Feuer" gerufen batte.
• — In einer Wi'thsciwft am Walltbor kam es in vergangener Nacht zu einer Lernen Keilerei. Die Hauptbetheiligten wurden nottrt.
— Heute Morgen wurde bei einem Milchvrrkäufer gefälschte Milch vvrgefunden und eonfiscirt.
Eingesandt.
Dem Thierschutzverein und der Polizei möchten wir die beiden halbverhungerten Pferde vor dem Gepäck-Postwagen zur befferen Versorgung empfehlen.
Verwischtes.
— Lebensvrrsicherungs und Ersparnißbank in Stuttgart. Die im Jahre 1880 bei diesem Institut sich funbucgebenc Betheiligung bat die Erfolge der früheren Jghrgänw all- übertroffen. Es wurden 4292 Anträge mit X 23 44i,0-n) eingereicht und davon 3458 Anträge mit X 18,224,50u angenommen. Die weiteren Anträge wurden zurückgestellt oder abgelebnt und em kle-ner Theil davon dem Jahre '8*1 zur Erledigung überwiesen. Durch diesen Zu gang waren im Lause des Jahres 1880: 35691 Personen mit X 169 270,000 versichert. Der Abgang durch Sterbefälle und in Folge Erlöschung wegen unterlasiener Prämienzahlung ist rerbäitnißrnäßig sehr niedrig. Aus der Zahl der Lebensversicherten sind 374 Personm mit X 1,853,800 gestorben durch Selbstmord fielen 13 Personen mit X 43,200 an, wegen Ablaufs waren die Versicherungen von -3 Personen mit X 111,800 einzulö'en und in Folge Rückkaufs, unterlassener Prämienzahlung, Umwandlung und Reduetton gelangten 595 Perionen mit X 3 039 500 zur Löschung. Von den Aussteuerversicherunoen kamen 210 Personen m l X 381,700 wegen Ablaufs der Versicherungen re. in Abgang. Am Schlüsse des Jahres waren im Ganzen versiche-t 3 :,456 Personen mit X 163,837,000 und zwar in der Lebensversicherung 30,730 Personen mit X 158 414 209, in der Aussteuerversicherung 3726 Personen mit X 5,422,800 und ergeben sich demnach als reiner Zugang im Jabre 1880: 1893 Personen mit X 12,791,400; ein Resultat, das als äußerst günstig zu bezeichnen ist und den NeweiS liefert daß die segensreichen Wirkungen der Ledensversicheruna in immer weiteren Kreisen Anerkennung finden, insbesondere ist wahrzunehmen, daß der Zutritt in stetig gesteigertem Maße aus den besitzenden Klasien siattfindct.
Handel und Verkehr.
Frankfurt, 16. Februar. 'Marktbericht. ^Der heutige Heu- und Strodmarki w r gut befahren, h-u kostete se nach Qualität der Etr.' 3.00—4.20, Stroh 3.00 3.40 Butter 50 Kilo JL 80—85, im Detail 1. Qualität das Pfund J( 1.10-1.15, 2. Qualität X 1 00—00. Eier das Hundert JL h—8.00. Ochienstcnch per Pfund 65—70 Kuh, Rind uno Farrenfirisch 45—55 H, Kalbfleisch 45 -55 H Hamm..lieisw 44—6j H, Schweinefleisch 70 80 H, ein Hahn X 1.09—2.00, ein Huhn X 1.50 2.00, eine Ewe X. 0.09 - 0.00, eine Taube 50-00 H. G ns X. 6.00 8 00, Hasen das Stück X 0.00—0 00, Feldhubn X. 0.00-0.00, Rehbock das Pfd. 00-00 Kapaun.n
VH. 0.00 0, Wälscher Hahn X 6—10 Kartoffeln 100 Ko. X 5 00-6.00, Kohlrabt 0- 0 Blumenkohl 1 St. 00—09 H, Wirsing 00-00 Gelberüben 1 Bund 00—00 Zwiebeln 1 Bund 0 H Sellerie das Stück 00—00 Meerrettia 1 Stück 00—00, Spargel das Pfuno 000—0 Romain-Salat 00 00 Endivien 00— 0 Rothkraut 00—90 H, Wech.
kraut 8—9 Artisckoken 00^, Erbsen das Pfd. Ou
Limburg, 16. Februar (Fruchtmarkt.) Rother Weizen X 19.00, Weißer Weizen X 00.00, Korn X 16.30, Gerste X 10 45, Hafer X 7.25, Erbsen X 0 00, Kartoffeln X 0.00. (Durchschnittspreis pro Malter.)
Atlgeweiner Anzeiger.
ans Lebensversicherungen: durch Tod durch Ablauf der Versicherungen durch Rückkauf, Umwandlung, Reduction 595
Lebensversicherungs und Ersparnis i Bank in Stuttgart
Gang und Stand der Versicherungen im Jahre 1880.
Anträge wurden eingereicht: 4292 mit..... m ^3444 000
Hievon angenommen: 3458 mit ...... ' 18224500.
Zur Löschung kamen^ toQrCn öcrfl^crt 35691 Personen mit . . "169,270,000.
387 „ „ . . „ 1,897,000.
13 o - „ 111,800.
aus Aussteuerversicherungen: ,auu*
durch Ablauf, Tod und Rückkauf rc. 240 „ „ 384 700
DerficherungSftand 31. Dec. 1880 : 345156 Personen „ x 163,837,000
Reiner Zugang »m Jahre 1880: 1803 „ „ „ 12,791,400
Diese Resultate sind durchweg günstig; besonders ist hervorzubeben, daß der neue Zugang alle blsherigen Erfolge übertroffen hat. Das Rechnungs - Ergebnis welches noch nicht fertig gestellt ist, wird später bekannt gemacht.
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