Ausgabe 
17.4.1881 Erstes Blatt
 
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^anfiurterfii. lU und Bode» Igebkn werden. « mit 8ab:ntt JamÄreuj. eljnunft ju vtr- ter find), 'eu der mittlere il- Juli an

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Jlu verm elden rchützenstrabe m SellerSberß, per 1. Juli iu der Exp. d Ä. 7 ist der obcrfie vermielhm.

bllrte§ Zlmmn machrr Bö,lN. itnbant Waltba eit juoennitlbin Carl Leib nlogitz zu vn-

Wnbossirap. gehende Zimmer, ober auch rinjdn S. Elsoffer.

u cermietben bet Wehstenigasie ck meines Mbcr: i Zimmern, nedst li an eine nid'ge

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dkr. 90. Crrfleo Blatt. Sonntag oen 17. April

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Kichener Anzeiger

Aussige- uub Amtsblatt für bcu Kreis Cieftu.

vwreeet vchulstraße R 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme bet Montag».

Preis vierteljährlich 1 Mart 20 Pf. mit vringerl.hn.

Durch die Post bqogen vierteljährlich 2 Mart 50 p'.

Amtlicher HKeil. Bekanntmachung.

Nachdem die Maul- und Klaue, seuche unter dem Virbstand der Wtttwe Wagner in Bollnbach (Caasen) erloschen ist, find die Sperrmaß- regeln wieder aufgehoben worden.

Gießen, am 14. April 1881. Großherzogllckes Kreisamt Gießrn.

Dr. Boekmann. ____

Gefundeue Wegeustände:

1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Brocke, 1 weiße- Taschentuch, 1 seidene- Halstüchelchen, 1 Taschenmesser, mehrere Schlüssel, 1 Paar Glacehandschuhe. Gießen, den 16. Apr>l 1881. Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.

FreseniuS.

O st e r u.

Die Aufetstedung de- Heilands ist nicht allein ein erhabenes Wunder der Religion, so, dein sie »st auch zum sinnigen Gletchniß geworden für den Triumph dr- H.mmclS über die Hölle für den Sieg d,s L chie über die Fit.» fielni^. deS Gebens über den Tod, und olljöhr.tch ergärzt die Alin utter Natur durch den Steg deS Frühling- über den starren Winter die Re he erhebender B.lter, welche u, S gleich der heiligen Legende lehren, daß Tod und Derwefurg nur eine Stufe find zu höherer Vollendung. Tie E, twicklung des Planet«', den wir bewohnen, die Geichichte des Me, scher geschlrchtS, die Lebenslausbahn des Irdiuiduum- sie lehren uns allesammt die göttliche HeilLwahrheit er kei­nen, daß der ewige Kreislauf in der Natur niemals zurück ühit zum Uncoll- kommenen, so, dein zu höheren Stufen der m teriellcn und geistigen Entwicklung. Tie Macht des W siens und die Freiheit der G>danken, sie führen zurück zu Gott ui d zum Glauben, die rerlorene ui b abtrünnige Seele, der zrgende und zweifelnde Geist, sie firden wieder den reinsten und edelsten Trost in der schönen Lehre der Religion ron der Auferstehung und von dem ewigen Leben.

Der hehre Klang der Lsterglccken mahnt zu innerer Einkehr, das fiou.mt Wert fir der eine £,uu Ctä>te im Herzen, und der Iubelgesang im Gotieshause erquick: die Seele gleich dem Frühlmgsson'er strahl und dem Loblied der gesie- dertrn Sänger im grünenden Wald. Die Lfferbarung reuen Lebens läßt mue Hoffnungen erblühen auf eine rechte Flühlingszeit rm Leben unsere-Volkes, aus s»ire Auferstehurg au- Trübsal und Noth, auf seine Rettung au- der Gefahr der Versumpfung und Verdi.v nrung, und der Segen, der dem frommen Sange und der sröbl chen Arbeit folgt, der Kerne sprefien und die Blüthe zur Frucht werden läßt, kann nicht au-blerben, wenn im öffentlichen und geisti­gen Leben de: Natron die Sonne das Ei- der Herzen schmilzt, die Nächsten­liebe über die Noih, die Duldsamkeit über die Perrolgung, die Lrebe über den H ß triumphirt. In allem Stre te ».ersshnt die Zeü, siegt die Liebe, denn sie ist unsterblich gleich dem Allmächtigen, der sic in die Brust deS Menschen al- köstliches Erbgut gelegt hat.

AlleidingS liegt noch in weiter Ferre da- Dstern, da- ein Auferstehungs- fep der Liebe genannt werden könnte. Ncch stehen sich die ersten EuUur.ölker der Welt, seufzend unter der schurren Last, alS feindliche Brüder gegenüber, noch ist der Haß der Erbfeind, welcher Siaoen, Germanen und Romanen trennt und alle zwingt, sich mit Kanonen und Gewehren vor einander tu schützen ; noch dräuen alljährlich neue Corflicte, wie jetzt n Tunis und an der griechisck-türk sch<n Grenze, die Rude Europas zu eiichüttern. Roch ticnren Schlagbäuv e die Völker und Hilden den freien Verkehr noch kehren Hundert- tausende dem Vaterlande den Rücken, um über dem fernen Cetan das alte Vaterland zu vergeffen, noch dauern dir alten Klagen fort über schlechte Zeiten, niedrige Löhne und traurige G'schäf slage, mb eS fehlt nicht an den Hetzern, welche dafür ungerechter We.se einseitig den Staat, einzelne Parteien oder gar einzelne Männer verantwortlich machen wollen. Die alten Fehden imMen Kirche und Staat, die alten Klüfte zwischen R'ich und Ärm, zwischen B ldung und Rohheit find i och nicht geschloffen, vielmehr reißl ein mtttelaltrr'.icher Zwist in Glaubenssochen verharschte Wunden im friedlichen Dölkerleben auf, mit wildem Haß droht in einer neuen Wahlbewegui g jeder alte Streit mit Vergrößerung des Zwiespalts, und das deutsche Volk kann trotz der Einheit nicht die Einigkeit im Innern erringen, die es im Kamvfe gegen den äußern Feind unüberwindlich gemacht. So mahnt da- heilige Cllerfest denn dringend zur Versöhnung, zur Liebe und auS dem Klange seiner Glocken tönt die Mah­nung : Seid einig. einig, einig! dann wird auch Gott dem Volke geben eine beffere Zeit, die rechte Erkenntntß im Fortschritt und ein fröhlich Auserstehen l

Berlin, 14. April. Griechen'ard bat die Beschlüsse der Botschafter- Konferenz in Konstantinopel angenommen, und das ist wen wichtiger als die Vorbehalte, womit es die Annalmr eingeschränkt hat. Was die Rechte der Griechen iu den nicht abgetretenen Gibletttherlen betrifft, so schweben diese Rechte ganz in der Lust. S'.e können nur mit der Nationalität begründet werden, und die Mächte sind weit davon er.tfernt, den Grundsatz der Natio­nalität unbedingt anzucrkcnnen. Was soll denn auS denRechten" der Mohamedaner werdet, die jetzt unter griechischesJoch" kommen? Was den

Votbehalt Gtiechenlands betrifft, daß die Türkei die bete. GebtetStheile sofoit und wirklich übergeben solle, kann man nur natürlich finden nach den Erfah­rungen, die mit Montenegro gemacht wurden. Indeffm treffen mehrere Gründe zusammen, die eS wchrscheir.ltch machen, daß die Tüiket bei dieser Räumung keine Schwierigkeiten machen werde. Tie Unterhaltungtkosten ihrer Truppen lasten schwer auf dem erschöpften Staatsschatz und die Türkei will entweder lo-schlagen oder abrüsten. Sie zieht gewiß die Abrüstung dem Kriege vor; wollte sie letzteren, so hätte sie Larissa nicht abgetreten. Cbgleich man hier den fltedlichen Au-gang seit einiger Z«it erwartete, so herrscht doch allerseits Befriedigung darüber, namentlich auch in der Geschäftswelt. Die erhitzte Stimmung in Athen wird tn den Provinzen großemheil- nicht getheilt, und so darf man hoffen, daß die großen Worte, keine Regierung dürfe wagen, die Kriegs lüft des hellenischen Volke- zu zügeln, nur klingende- Erz und eine tönende Schelle gewesen find. (Köln. Ztg.)

Der Landrath Baumback in Meiningen, der Freund des Hrn. Lasker, batte einen Strafantrag gestellt gegen den Baron v. Swaine, weil dieser ihn der Wahlbeeii fluffurg beschuldigt hatte. In erster Instanz war Baron v. SiMhe zu 150 JL verurtheilt, aber da- Re chSgericht in Leipzig cassirte da- Uriheil mb verw'e- die Sache zu nachmaliger Verhandlung, und jetzt Hot das Landger'cht den B'ron Swaine freigesptochen. Tie Meiringen'sche Zei­tung brachte bei Gelegenheit deS Erlasse-, wodurch der Reichskanzler alle Regierungen anwieS, darauf zu achten, daß sich die gerichtlichen und Derwol- tungebeamten in keine Wahlumtriebe e-nließen, einen Artikel von beißender Ironie, den man in Meiningen von der herzoglichen Regierung eingegeben glaubt. ES wird in diesem Artikel dem preußischen Ministerpräsidenten sehr unverhohlen gesagt, daß er wohlthun würde, In dieser Angelegenheit vor seiner ftflenen Thür zu fegen.

Selegraphische Depeschen.

Wolfs'» teltflt. (L»rrespo»dr«t-Vv«ao.

Petersburg, 15. April. DerRegierungSbote" m-ldet, daß der Zeitraum zur Emr.ichung der Eafiatior skloge von den lum Tode Derart heilt eu unbenutzt gelosten worden sei. Wohl aber hätten Rustakoff und Michailow Gnadeuaesnche eingereicht. Ter Gerichtshof habr in Anbetracht des schreck­lichen Ve-.brechenS erk nut, daß b:e Begnadigte. gSgesuche ur berücksichtigt zu losten seien, habt büselben aber dem Kaiser unterbreitet Die Antwort des Kallers laute dchin, daß dem Beschluste des Senat.'Gericht- gemäß zu verfah­ren sei. Temroch seren alle Derurtbe lten in Gemäßheit deS UrlHeils Hinzu­rick en, die Hinrichtung der Derurtheilten Jeste Helfmann jedoch in Ar betracht deren Schwangerschaft biS nach ihrer Er.tbindl.ng aukeuschieben. Die Hinrich­tung findet laut Straßenanschlag he.te Vormittag 9 Uhr statt.

Die Tcdecstrufe dur^. den Slrang ist heute Vormittag gegen die Veruttheilten Rustakoff, Micha loff, Kibclischitsch, Sophie Perowskajr und Ieliabow auf dem Semenoff'schen Platze vollstreckt worden. Bei Michailow war der Strick zweimal ger>sten. Auf dem R chtplatze und in den angrenzen­den Straßen batten sich große Menschenmaffen angesammelt. Die Crdnung ist nraenr- a-siört worden.

Lokales.

Gießen, 16. 8t>nL Urtn die am iRonta^ H,erselb8 ihre Vorstellungen gebende Kinstler-SeielljrLsfl Dippel & Seigmann ber-Lten Taimkiäcter Blätter unlerm 29 MLrz:

Tie frfcen seit ewiger Zeu im .SLüzenbo^' dabier sich producirende Künstler-Eesell- skbosr Dippel ät Veitzman bot gestern tn ;wet Vorstellunaen den Besuchern derselben einige reckt genußreiche Stunden. Die Salr-morraleb der Herren Witzmann und Dippel jun. gehören mir ;u den besten Leistungen, besonders wenn man den knaxp zvgemefienen Raum dabei in Betracht zieht; die Leiterpprarniden, au-gerübrt von 5 Personen wurden von dem Publikum mit vielem Beifall auf-enornrnen und ist hierbei besonders die Ruhe und Sicherheit des Herrn Lee ar ins in feinen Stellungen lobend zu erwähnen. Hnrn Bögler gehört unstreitig alle Äneikennung in seinen Uebungen am Trapez, sowie durch seine mit eminenter Fertigkeit und Kraft auSgeftitrten und selten gesehenen Uebungen und laffen sich dem für derartige Künste inreresstrten Publikum bestens empfehlen.

Gestern Abend gegen 7 Ubr entleibte sich ein hiesiger Einwohner mittelst eine» Revolver^ckusies durch die reckte Schläfe. Eine schon tangere Zeit wahrgenommene Melancholie mag wohl die Ursache des unseligen Entschlofies gewesen sein.

Einem in der Statt eirculirevben Gerückte zufolge soll ein in der Nähe von Gießen domicilmer Oberförster von einem Wilderer erschossen worden fein.

Richt zwei, sondern fünf Wäschertebstähle wurden auf dem Selterßberg in der Nacht vom 13. auf den 14. dss. ausgeführt. Es fern nicht genug davor gewarnt wrrden, daß die Hausfrauen die Wäsche über Nacht tn den Gärten liegen laffen.