Ausgabe 
16.9.1881
 
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Nr. 21». Freitag den 16 September 1881.

Eichener Müieiger

Amigk- Mi Amtsblitt fit itn Kreis Gieße».

Sure«« r Schul st raße B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme de» Montags.

Preis vierteljährlich 2 Mart 20 Pf. mit Bringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 1 Mark 50 Pf.

Betreffend: Die Quart ierlristung für die bewaffnete Macht tm Frieden. Gießen, am 15. September 1881.

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die Grossberzoglichen Bürgermeistereien des Kreises.

Nachdem nunmehr die Herbstübungen beendigt find, beauftragen wir Hie, sofort die Liquidationen über Fouragelieferunaen und geleisteten Vorspann auf» zustelleu und mit den Bescheinigungen der Truppentheilen belegt in dreifacher Ausfertigung an uns etnzusenden. Da die Liquidationen über gestellte Quartiere von un- aufgestellt werden, so find die Bescheinigungen hierüber k. H. hierher vorzulegen.

Das erforderliche Formularpapter kann von unserer Registratur bezogen werden.

_______________ Dr. Boekmann. ______

Bekanntmachung.

In Gemäßheit des $ 9 des Gesetzes vom 13. Februar 1875 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden werden hiermit nachstehende Durchschnitt-Marktpreise vom Monat August 1881 veröffentlicht:'

Hafer JL 18,, Heu JL 8,, Stroh JL 7,80 per 100 Kilogramm.

Gießen, am 14. September 1881. GroßherzogltcheS KreiSamt Gießen.

Dr. Boekmann.

Veut/chlaud.

Darmstadt, 14. September. Seine Königliche Hoheit der Grußherzog haben Allerqnädlgst geruht:

Am 6. Septbr. den Oberförster der Obersörsterei Heusenstamm Heinrich Müller auf sein Rachsuchen unter Anerkennung seiner treugeleisteten Dienste und u, ter Verleihung de- Charakter- alS Forstmeister, sowie den Oberförster der Obersörsterei Griesheim Ludwig Erdmann auf sein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner treugeleisteten Dienste, beide mit Wirkung vom 1. Oktober d. J-., tu den Ruhestand zu versetzen.

Berlin, 12. September. DiePost" veröffentlicht den Wahlauft 1 der deutschen Reich-» und sreiconservativen Partei. Derselbe lauter nach den ersten einleitenden Sätzen:

w ... Zu der Begründung eine- au-giebigen indirecten Steuersvstems ist in der letzten Legi-laturperiode ein glücklicher Anfang gemacht worden; unserer früheren Politik folgend, werden wir bestrebt sein, diese- große Reform- werk zum Abschluffe zu bringen, um dem Reiche seine finanzielle Unabhängig, fett zu sichern, und die erst in unvollkommenem Maße ermöglichte Entlastung der Einzelstaaten und (Kommunen von drückenden direkten Steuern in größerem Maßstäbe herbeizuführen. Wir nehmen den regsten Antheil an der Abänderung unserer Zollgesetzgebung, welche der leitende Staatsmann herbeigeführt hat und dürfen mit Genugthuung daraus Hinweisen, daß wir gegen den Strom schon ankämpsten, als die Theorie des laisser faire et aller roch ihre üppigsten Blüthen trieb. Die unzweifelhaftesten Erfolge für die Gesundung des wirth» schaftlichen Leben- der Ration, welche die neue Zollgesetzgebung bereit- zeigt, werden un- im Beharren auf dem eingeschlagenen Wege stärken. Der ReichSregierung haben wir unsere Unterstützung geliehen in der Bekämpfung der umstürzenden Bestrebungen der Sccialdemokratie durch strenge Ausnahme- gesetzt andererseits haben wir aber mit voller Sympathie die Versuche be­grüßt, durch gesetzliche Reformen in erhöhtem Maße für das Wohl der arbei» unten Klaffe Fürsorge zu tragen. Wir verkennen nicht, daß die Rücksicht auf da- Gedeihen der Gewerbethätigkeit und auf die übrigen großen Aufgaben des Staates einer solchen socialen Gesetzgebung Schwierigkeiten bereitet, wir unter- schätzen nicht die Gefahren einer verfehlten Gestaltung derselben, gleichwohl müffen wir es als unsere Pflicht erkennen, zu einer positiven Lösung dieser hochwichtigen Fragen nüch Kräften mitzuwirken. Die lebhafte Bewegung, welche unter den Gewerbetreibenden zu Gu, sten einer Rcubelebung des Innung-- wesen- und der Bildung corporativer gewerblicher Verbände sich geltend macht, legt uns die Aufgabe nahe, zu weiteren Revisionen der bestehenden Gewerbe- Ordnung, soweit solche mit dem Grundsätze der Gewerbefreiheit irgend verein­bar erscheinen, die Hand zu bieten. Das Zunebmen deS Vagabonden» unwesenS ist zu einer ernsten Calamität geworden, welche es als ein Bedürfmß erscheinen läßt, unsere Heimaths- (Unterßützungswohnfitz-) Gesetzgebung einer Revision zu unterwerfen. Wir find überzeugt, daß eine solche sich auf dem Boden der vollen Freizügigkeit erhalten und gleichwohl den schwersten Uebel- ständen Abhülfc gewähren kann. Weiter behalten wir uns vor, auf eine Reform unserer Actien-Gesetzgebung, sowie eine weitere Ausbildung der Steuer auf die mobilen Eapitalsumsätze (Börsensteuer) hinzuwirken. Die Genug- thuung, welche die deutsche Radon üb:r die gewonnene Rechtöeinhe'.t empfand, wird beeinträchtigt durch die Höhe der Gerichtskosten, welche das Maß der Billigkeit weit überschreitet; wir haben bereit- in der letzten Reichstagssession auf Herabminderung dieser Kosten bingearbeittt und werden bei dem Erreichten nicht stehen bleiben. Als einen schweren Schaden erkennen w,r es, daß stets wachsende Züge von Auswanderern dem Vaterlande verloren find, sobald sie die deutsche Erde verlaffen baben, wir werden unser Bestreben darauf richten, Mittel und Wege zu finden, um diesen gewichtigen Therl deutscher Volkskraft und deutschen Nationalvermögens mit der He.math in nutzbringender Verbin­dung zu erhalten. Wir verschließen uns nicht der Erkenntlich, daß gegenwärtig

in Deutschland ein Uebermaß parlamentarischer Thättgkeit vorhanden ist, welches den Gang der Verwaltung tm Reiche, wie in den Etnzelstaaten, vtelsach stört und die Gründlichkeit der Arbeit in den Parlamenten, sowie deren Ansehen tm Volke mindert. Wir verlangen daher Maßnahmen, welche, ohne die vei- faffungSmäßigen Rechte der Volksvertretungen zu beeinträchtigen, auf eine Ver- einsachung des parlamentarischen Apparates hinwirken. Wir begrüßen mit Genugthuung die sich mehrenden Anzeichen der Wiederherstellung eine- fried­lichen Verhältnisses zwischen Staat und Kirche und hegen das volle Vertrauen zu den Lenkern de- Reiches, daß sie, auf dem begonnenen Wege fortschreitend, unter Währung der Rechte des Staate- Mittel für Wiederherstellung der Ein­tracht in der Ration finden werde. Die Partei theilt nicht die pesfimistt- schen Auffassungen derjenigen, welche in der gegenwärtigen Zeiiströmung beson­dere Gefahren für unsere politische und nationale Entnickelung erblicken, und wird, getreu der von ihr bislang eingehaltenen Haltung, radicalen und parti- kularisttsch-reactionären Bestrebungen mit gleicher Entschiedenheit entgegentreten. Wie es unserer Stellung al- der einer vermittelnden Partei ost gelungen ist, streitende Gegensätze zu vereinen, werden wir in der heutigen Lage mehr all je an dieser Aufgabe festhalten, denn nicht aus dem Streite extremer Parteien, fordern aus der Verständigung patriotischer Männer erwachsen im Leben der Völker große und dauernde Schöpfungen von segensreichem Erfolge. Entstan­den auf dem nationalen Boden des deutschen Reiche-, werden wir es immerdar als unsere höchste Pflicht eifennen, Religion, Vaterland, Monarchie, Familie, E'genthum gegen alle Angriffe zu vertheidigen und die unschätzbaren Güter deutscher Eultur zu wahren und zu mehren."

Berlin, den 11. September 1881.

Eentral-Ausschuß der deutschen Reich-- und freiconservativen Pattei.

Altona, 13. Septbr. Die Ankunft Sr. Maj. deS Kaiser- erfolgte Abend- 7 Uhr 55 Min. unter dem Tücher- und Hüteschwenken und unter den begeisterten Hurrabrufen der Kopf an Kopf gedrängten Bevölkerung. Auch Se. K- K- Hoheit der Kronprinz und General-Feldmarschall Moltke wurden mit jubelnden Zurufen begrüßt. Der Kaiser wurde, nachvem er den Salon- waaen verlaffen hatte, vom Stadtcommandanten v. Flöckher bewillkommnet, welcher die ihm zurächststehenden. zum Empfang erschienenen Herren vorstellte, unterhielt sich kurze Zeit mit Bürgermeister Adicke- und dem Probst Lilie, begab fich sodann in daS reich mit Blumen und exotischen Pflanzen geschmückte Kaiserzimmer, und darauf zu Wagen auf dem nächsten Wege nach seinem Ab- steigequattier im Hause des Generals v. TreSkow. Auf dem ganzen Wege dahin begleiteten den Kaiser d e unausgesetzten Hurrahruse der Spalier b^ldeii- ben Mitglieder der Kriegervereine und der dichtzedlängten Menschenmenge. Der Bahnhof strahlte in dem tazesgleichen Lichte von Tausenden von Gas­flammen. Tie Illumination, namentlich in der Palmaille, war eine äuße ft glänzende.

Hamburg, 13. September. In Erwartung des morgen bevorstehenden Besuchs Sr. Mai- des Kaisers gab sich schon vom Nachmittag an eine außerordentliche Be­wegung der Bevölkerung kund, aroße Menschenmassen durchzogen die auf das Reichste geschmückten Strafen oder begaben sich nach Altona, um der dort bevon'tehenden An- funft des Kaisers beizuwohnen. Durch reichen Schmuck tritt ganz besonders die Große Bletche dervor, woselbst eine Via triamphalis aus 34 haushohen mit Tannenguirlanden geschmückten Maftdäumen errichtet ist. Tie Straße bis zum Iemsch'schen Haute, wo morgen das Diner ftattfindet, ist mit Guirlanden vollständig überdacht, am Haus- emgang rft em kostbarer Baldachin von Seide errichtet. Die Lombardsbrücke ist mit Blumen, Laubguirlanden. vier koloffalen Basen, Blumenschalen, iZahnen und Bannern geradezu teenhait geschmückt. Rundum an der Außenalster sind an vielen Stellen pompöse Ehrenpforten und Blumenpyramiden errietet- Bon Harvestehude nach der Ublenborft ist eine auf 76 Schuten rubenbe Brücke über die Alster erbaut^ welche im reichsten Blumenflor darunter 16,000 Georginen prangt. Auf der Sierichbrücke ist em von einer mächtigen Kaiserkrone überragter Triumphbogen in Kuppelsorm er­baut, welcher durch vier vom Bildhauer Pfeifer hergestellte Figuren in mittelalterlicher Tracht geziert tft. Auf der Schwaneninsel in der Alster ist ein Springbrunnen angelegt, welcher armdicke Wanersttablen 60 Fuß hoch empörtendet. Ter Schmuck des Hafens und der angrenden Sttaßen macht einen geradezu überwältigenden Eindruck.