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Nr 2S8. Donnerstag den 13. Oktober 1881.
Kichener Mnzeiger
Alltkigk- uiiil Imteblatt für bcn Kreis Gießen.
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trkbemt täglich mit Ausnahme be« MontagS.
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drei» 7»ier1es|ahrlich 2 Mart 20 Pf. mit Vrmgerlohn. Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf-
Deutschland.
Aus dem Kropherzogthuru Hessen, 9. Cctofcer. (Freiwillige Versteigerung von Waaren durch GerichiSvollznher). Da die Gericht-voll- zither in nicht wenigen Fällen freiwillige Versteigerungen von Waaren abge- balten haben, bei welchen die Vermuthung nahe lag, daß e- sich um die Ver- Lußenu.g von Wanderlagern oder ähnliche Manipulationen unter Umgehung der Steuergesepe oder um Benachteiligung von Gläubigern der Versteigerung handle, hat daS Ministerium des Innern und der Justiz folgende Bestimmun- gen getroffen: Die Gerichtsvollzieher dürfen freiwillige Versteigerungen von Waaren nur dann abhalten, wenn sie sich verlässigt haben, daß der Versteigerer mit dem erforderlichen Gewerbspatent versehen ist. Sowohl bet der öffent« ltchen Ankündigung einer Waarenveiste'geruna, als auch im Beginnen der Abhaltung einer solchen ist der Name und Wohnort des Versteigerers, bezw. dessen Firma und der Ort seiner Handelsntederlasiung bekannt zu machen. Hat der Gerichtsvollzieher die Ankündigung nicht selbst besorgt, so darf er die Versteigerung nicht abhalten, wenn dir vorerwähnten Angaben in der Ankündigung fehlen. In dem über eine Versteigerung auszunehmenden Protokolle hat der Gerichtsvollzieher das Vorhandensein der fraglichen vorgeschrtebenen Vor- au-setzungen unter genauer Bezeichnung de- bezüglichen Gewerbepatents und der geschehenen Ankündigungen au beurkunden, auch den Namen bezw. Firma des Versteigerers aniugeben. Den gerichtlichen Behörden, insbesondere den dienstauffichlführenden Amtsrichtern ist die sorgfältige Überwachung der Beobachtung obiger Vorschriften empfohlen. (Franks. Pr).
Alsfeld, 11. Oktober. Von wohlunterrichteter Seite wird uns die Nachricht, daß daS hi<sij,r WahI-LomUö die Candidalur des Hrn. v. Schenk ;u WältrrShausen fallen geiasfen und an desfin Stelle Herrn Dr. Pflüger in Berlin (Secessionist) als RecchsragS>Eai.didat ausgestellt hat. — Herr e. Schenk entwickelte am verfloflenen Sonntag lein Programm; jedoch scheint solcher bei den Wählern nicht befriedigt zu haben.
Berlin, 10. Oktober. Der Re'ck.'kanzler Fürst BiLmarck wird dem Vernehmen nach seinen Ausei thalt tn Varzn. n cht länger als bis Ende dieser Woche ausdrhnrn und um diese Zeil tn die Residenz zu bleibendem Aufenthalt zurückkehren.
— Wie osficiö« witgrtheilt wird, geht dir Reichsregierung damit um, nn Statut aufzustellen, welche- für die auf Grund der §§ 97 ff. der Gewerbe» ordoung (in der Faffung des Eesrtze- vom 18. Juli 188 l) neu zu bildenden Innungen al- Muster zu dienen geeignet ist, und nach welchem ältere Innung«» ftaiuten umgearbeitet werden können. Daneben verlautet alS gewiß, daß die «etchSrrgierung durchaus nicht gewillt ist, obligatorische Innungen rinzuführen, baß ste im Gegenlhril dir fakultativen Innungen alS dir rtnzigr Möglichkeit snrben rinrr Revision der Gewerbeordnung) ansieht, um da- Handwerk zu heben-
— Betreffs der tn Aussicht genommenen Verhandliingrn wegen deS Zoll» mschluffes Bremens erfährt man, daß der Finammimster Blltrr und der Staat-lecretär d,S Schatzamtes Schot, sich hierzu auf kurze Zeit nach Bremen begeben werden. Da« Resultat der Verhandlungen selbst kann ja durchaus nicht zweifelhaft sein ; freilich wird der Anschluß rin hübsches Stück Geld kosten, btr wohl die geplante Verwendung von anderen großen Summen etwas >llu» sorisch machen dürften.
— Die EentrumSpariei scheint sich entschieden von den Lonservatwen cibwenden zu wollen. Es beweist dir« rin Wahlaufruf der Rheimschrn Sleri» lalrn, welcher ganz entschieden gegen dir conseroativen Ideen auftritt, und ein ebensolcher der westfälischen Satbolrken. Dir letzteren haben sich auf einer Versammlung am 4. ds. energisch gegen die Eonservatioen Rauchbaupt'scher Richiung ausgesprochen. Diese Strllungnadmr der westfälischen Cetium«» varlrt ist deshalb um so bedeutender, al- ihr yührer, Herr v. Schorlemer- Llst, in der letzten Session als eifrigster Anhänger eine« conleroativ-klerrkalin BündniffeS galt.
— In Stolp baben wegen dri Judenhetze eine Reihe Derurtheilungen bi- zu 11 Monaten Gefängniß stattgefunden.
— Generalfeldmarschall Graf Moltke rst am Donnerstag von der tlebungsrrise, die er mit zahlreichen Generalstabs-Osficierin in der Provinz Schleswig Holstein unternommen hatte, im besten Wohlsein hierher zurückge» kehrt. Noch am selben Tage bat der Marschall aber Berlin wieder vcrlaffen und sich auf seine Herrschaft Ereisau begeben, um dort einige Wochen zu veiwrilen.
Frankreich.
Paris, 10. Oktober. Am Sonnabend fand in St. Quentin die Sin» wethung deS zur Erinnerung an die Schlacht bei St. Quentm errichteten Denkmals statt. Die bei dieser Geleaenheit von^dem LrirgSminister Farre ge» holtene Rede hob rühmend den Muth und die Selbstverleugnung der impro» otiirten Armee von 1870 hervor und lobte den Patriotismus Grmb'tta's.
Telegraphische Depeschen.
Wolff'« telegr. borrespondenz» Bureau.
Berlin, 11. Oktober. Der Präsident der Akademie der Künste, Hitzig, ist heute früh gestorben.
Baden-Baden, 11. Oktober. Se. Maj. der Kaiser hat da« Zim» nur gestern noch nickt verlaflen und mit der Frau Großherzogin allein gespeist. Se. «önigl. Hobelt der Großherzog ist g'stern Abend mit dem Erbgroßherzog hier etngrtrcffen. Heute findet im Großberzoglichen Schlofft Fam'ltendiner statt. Mit dem Bischos Raeß von Straßburg hatten auch dir Koadjutoren Stumps und Fleck Audienz bei Sr. Majestät.
Leipzig, 11. Oktober. I, dem Hochverrathsproc-ß vor dem Reicks» grricht wurde heute dir Vernehmung der Angeklagten ter Fran'surt»Darmstabt» Befsunger Gruppe zu Ende geführt. Die meisten der Angeklagten leugneten die ihnen beigemeffenrn hockvrrrätherischen Unternehmungen und gaben mir den Bezug und dir Vrrbrritung btr „Frrihrit" und andrrer derirtiger Lchristen zu. Nur der Angeklagtr Dilltch aus Brffungrn machte nmsaff.nve Geständ» niffe. Sehr gravirend für die Angeklagten ist die Entdeckung von Kassibern.
Glogau, 11- Oktober. Gerichtspräsident und Keonsyndikus Graf Rittberg «st gestorben.
Greifswald, 11. Oktober. Seine St. St. Hoheit der Kronprinz, für welchen Cuartitr bei dem Hauptmann a. D-, Rittergutsbesitzer v. Hagenow, In Bereitschaft atbalttn war, bat ebenso wie Fürst BiSmarck die Einladung ,u der IubilauwS- fefilichkeit deS Pommcrschen JSger-BataillonS Rr. 2 aus (»esundheiisrücksiwlen ad- gclebnt. Seine Majestät der Kaiser und Se. St- St Hoheit haben indessen ihre Porträts altz Sbrengabc gespendet. Zahlreiche Festtheilnehmer sind bereits etngetroffen; bit ehemaligen Osficiere deS Bataillons wurden von den aktiven Cfficitnn m deren ffafino im „Deutschen Hause" in herzlichster Weise bewillkommnet Abends 7 Uhr findet großer Zapfenstreich und Empfang der Gäste statt; das Wetter ist prachtvoll.
Wien, ll. Oktober. Die fämmllichen Blätter geben ihren schmerzlichen Empfindungen über den frübzeifigen lod Haymerle'S Ausdruck und betonen btffcn maßvolles conciliantes Porgehen in allen Fragen der äußeren Polit f DaS „Fremdenblatt" sagt: Baron Havmerle rechtserNgtc glänzend daS in ibn gesetzte Be'wauen- In vollem Einvern-hmen mit Bismarck trat er jederzeit für die friedliche Durchführung deS Berliner BcrtragS ein; auch gelang ihm die Geltendmachung der Intereiitn Oesterreich-Ungarns. Seine versöhnliche Haltung bewirkte die Beseitigung der Mißverständnisse mit Italien. Die großen Principien unserer auswärtigen Politik werden durch den Wechsel im Ministerium keme Änderung erfahren. Du „Prene sagt: Baron Havmerle wußte das freundschaftliche Bündniß so wohl zu pflegen, daß dasselbe beute alS einzig unwandelbares, festes politisches Berhallnih innerhalb der schwankenden Haltung anderer europäischer Mächte und alS festeste FriedenSbürgschast aepriefen wirb. „ , _ , . -
— Der Kaiser stattete ber Baronin v. Haymerle heute Nachmittag emen (Zone doienzdesu^ab. btr ^Presse- aus Zara bezeichnet bit Nachrichttn übtr
den angeblichen Uebertritt landwebrpslichtiger Bocchesen auf montenegrinisches Gebiet, sowie über btt biplomattscht Intervention OefterreichrUngarns in Cettinie alS
Wom, 11. Oktober. Die „Popolo romano" schreibt: „Wir ftnb bit Tolmttscher der Gefühlt bts ttabtnifcbtn Volkes und jentr ber Bevölkerung Noms, wenn wtr unseren aufrichtigen Schmerz mtt den Völkern beS Kaiserreichs vereinigen. Baron Havmerle war einer ber bedeutendsten Staatsmänner unserer Evoche, ein bcständiger lovaler ^rtunb ItaltenS. Die Sache bts europatschen Fritdens vtrlor an ihm einen btr tifrigsttn Beschüyer. - Dit .Reforma" schrtibt: Der Tob Haymerle'S wirb em außerordentliches Echo in der europäischen polittschen Welt Hervorrufen. Auch tn staben wo der Verstorbene alS Botschafter fungirte, wird die Nachricht mtt Schmerz vernommen werben. Havmerle war allgemein gekannt^ und geachtet und trug wesentlich zur Erhalwng der guten Beziehungen beider Länder bet — „Dtritto- hebt ebenfalls den Tod Baron Havmerle's hervor und sagt, es sei ein schmerzliches Ereig- niß für Italien. . , , _ .
— Tie Nachricht vom lobe Haymerle'S rief in ganz Italien einen schmerzlichen Eindruck hervor. Ter König befahl dem Minister des Aeuheren. über den Tod diese- treuen Dieners von O-sterreichS Kaiser, dieses hervorragenden Staatsmannes und Freundes von Italien, öffentlich das Gefühl der Trauer auszusprechen. Der Unter? staatssecretär deS auswärtigen Amtes sprach sofort der österreichischen Botschaft das aufrtchliae Betleid der italienischen Regierung auS-
Rom, 11. Oktober. Dte ^Opmione" bezeichnet den Tod Haymerle'S aU einen schweren Verlust für die österreichtsch.ungarische Monarchie; tS war ihm gelungen, die Allianz mit Deutschland zu befestigen und die Beziehungen zu Rußland deffer zu gestalten. AlS Dorfchafter tn Rom hatte er sich die allgemeine Sympathie zu erwerben gewußt. Sein Verlust wird auch in Italien tief bek agt werden.
Pari-, 11. Oktober. Die „Baence Havas" besagt: Die „Jndepen- dance Btlge- spricht wiederholt von der Demisston deS Grafen St. Ballier. Weder poltttscht Convenienzen noch Gesundheits-Rücksichten geben der Bebaup. tung der ^It dependance- irgendwelche Unterlagen. Graf St. Ballier iß gewillt, auch ferner dem Lande zu bienen und selbst ein Mimsterwechstl an sich wüide eine Demission nicht Hervorrufen.
Paris, 11. Oktober. General Sausfier bat fich heute in Algier nach Tunis etngeschtfft, um den Dberbesebl bei den Operationen in Tunis effectiv ju übernehmen. — Gambetta ist gestern Abend aus Deutschland hier wieder eingetroffen. u, _
Petersburg, 11. Oktober. Heute Mittag wurde bte GeriLtsoer- Handlung wegen Herstellung der revolutionären Zeitung ^Tlcherny Bredel in öffentlicher Sitzung eröffnet. Die Anklagen Dirtrat ber Staatsanwatt Mistallof, alS Deitheidlger fungirte Turtschanimoff, Lewenson und Mistalott' ES war sehr viel Publikum anwe'end. Dor Verlesung der Anklage erklärte ber Dor- sipende, daß der Genchishof auf Verlangen des Ministers des Innern, Jgna^ Neff, vom 28 /9. (10. Oktober) die Vornahme cer Verhandlung in ntcht- öffen-.licker Litzmig beschlofien habe. Das Publikum verließ hierauf den , Sitzungssaal.


