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Ne. 87. Mittwoch den 13. April 1881.

Meßmer "Anzeiger

Aniche- ui) Amtsbktt fit Öen Kreis Hießen.

Fnr«mi Schulstraße B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme brt Montags.

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Preis vierteljLhrlich 1 Mart 20 Pf. mit vringerlohn.

Durch die Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Das Lrunkfuchtsgesetz.

Di« Debatte über daS TrunksuchtSgefetz im Reichstage zeigte ein JanuSantlitz ; am ersten Tage war der Humor derTräger- der Verhandlung, am zweiten Tage der bitterböse Ernst und bie strenge Moral. Die Perjühnung übernahm die Wiffenschast, von Virchow glänzend repräsentirt. Die Strafe cafür, daß das hohe Haus dir Socialdemokraten verhinderte, zum Worte zu gelangen und ein fachoerständtge- Unheil überden Trunk* um den unparlamentarifchen Ausdruck dem parlamentarischen, an Luther'- deutschen TeufelSauf" erinnern» den vorzuziehen abzugrben, folgte auf dem Fuße, denn wie einst Schweißer drantiagle Hasencleverau- Bosheit" die Auszählung de- Hause-, und stehe dal der beschlußunfähige Reichstag mußte in die Ferien gehen, ohne von den Socialisten gehört zu Huben, daß fie sich tn einer Beziehung ver­gleiche Tacitus, de Germania doch noch al- ächte Deutsche fühlen.

Merkwürdig genug war e-, daß gerade die juristische Beurtheilung der Trunksuchl'Frage den Humor zum Mitkämpfer erwählte, aber tn der viel» fach angefeindeten Rede de- RechiSanwaltS»TrägcrS ist doch neben allerlei Larka-men ur.d guten Wißen der erste Grundgedanke entwickelt, daß die geseß» licke Regelung der Frage eine höchst schwierige fei. Mit Recht verwies der geistvolle Redner aus die Thatsache, daß bi- jetzt fast keine Legislaturperiode vergangen fei, ohne daß der Rttchstag nicht eine auf da- Strafrecht bezüg­liche Vorlage erhalten hätte, die gewöhnlich in die Spiße de- Mißtrauens gegen die Richter verlief, daß diese nämlich eine krankhafte Neigung zu einer allzu milden A:weucung der Gesetze Härten. Bezüglich der juristischen Be» denken war übrigens der bedeutende R<chtskenner Dr. v. Schwarze, wenn auch der Meinung, daß die Gesetzgebung einem überhandnehmenden Uebel gegenüber nicht die Äugen schließen dürfe, der Änsicht, daßdie sehr schwierige Frage eine tiefere juristische Äuffastung und Durcharbeitung verdiene, als sie in dem Gesetzentwürfe gefunden habe." Vom Standpunkte des Pathologen gab Virchow <in verurthrilende- Verdick ab, indem er nachwirS, daß die angeblichen Beob­achtungen sämmrlich individuelle feien und die erforderlichen statistischen Ruchwnse unmöglich erbracht werden könnten.

Da- Trur.kfuchtsgesrtz geht von der Anficht au-, daß Polizei und Straf» geseß da- Volksleben in bester« Bahnen, zu größerer Sittlichkeit lei Ln können, und bei der Enticheidung, welche der Reichstag später zu fällen hat, tritt die große Zeitfrage wieder in den Vordergrund, ob dasselbe Ziel nicht tn der» ».ünstiger Freiheit durch die fortschreitende Bildung und sittliche Llästtgung der Nation erreicht werden könne. Hier Reglemenr und Beschränkung, dort Freiheit und Vertrauen auf die wachsende Sittlichkeit, so lautet der Gegensatz bn nicht bloS bezüglich der Trunksucht zu versöhnen ist.

Z>eutschlaud.

Darmstadt, 9. April. Da- Großherzogliche Regierungsblatt (Bei­lage Rr. 9) enthält:

1. Bekanntmachung Großherzoglichen Ministeriums de- Innern und der Justiz, betreffend die Errichtung bezw. Umgestaltung des von Lersnertschen FamilrewFldeicommistes ui Niever-Eilenbach.

2. Orffentliche Anerkennung einer edlen That. Seine Königliche Hoheit der Großherzog haben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 9. I. Mts. dem einjährig-freiwilligen Pharmaeeutrn Karl Daudt vom 2. Grcßh. Juf.-Reg'ment (Großverzog) Nr. 116. au? Gießen, für die mir Much und eigener Lebens­gefahr vollbrachte Errettung eine- Ku-de- deS Bahnasfistenten Hahn zu Gießen von dem Tode deS Ertrinkens das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift: Für Rettung von Menschenleben" allergnädigst zu verleihen geruht.

3. Bekanntmachung Großherzogltcher Provinzial»Direction Oberste ffen, die Aufbringung der Mittel zur Bestreitung der Bedüriniffe der Landjude, schäft der Provinz Oberhefsen für das erste Quartal 1881 und daS Etats- jahr 1881/82 betreffend.

3. Ueberficht der von Großherzoglichem Ministerium des Innern und der Justiz für das Jahr 1881/82 genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Communal-Bedürfnissen in den Gemeinden des Kreises Bmgen.

5. Ueberstcht der für das Ekatsjahr 1881/82 von Großherzoglichem Ministerium des Innern und der Justiz genehmigten Umlagen zur Bestre: tung von Communal-Bedürfnissen in den Gemeinden des Kreises Lffenbach.

6. Ueberficht der von Großherzoglichem Ministerium des Innern und der Justiz für das Jahr 1881/82 genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Sommunal Bedürfnisse in den Gemeinden des Kreises Mainz.

7. Ueberficht der von Gioßherzozl^chem Ministerium deS Innern und der Justiz genehmigten Umlagen zur Bestreitung von Eemmunal-Dedürfnifien in den Gemeinden des Kreises Erbach für 1881/82.

8. Bekanntmachung Großherzoglich-n Krersamts Alzey, die Erhebung der Umlagen zur Bestreitung der Cou Munal Bedürf iffe in den Gemeinden des Kreises Alzey für daS erste Quartal 1881 betreffend.

Darmstadt, 9. April. Das Großh. Regierungsblatt Nr. 7 enthält:

Gesetz, betr. die Errichtung einer stehenden Brücke zwischen Mainz und Kastel. Daffclbe lautet:

Ludwig IV. von GotteS Gnaden Großherrog von Heffen uud bei Rhein rc. rc-

Wir haben mit Zustimmung Unserer getreuen Stände verordnet und verordnen hierdurch wie folgt:

Art. 1. Die StaatSregierung wird ermächtigt, auf Staatskosten eine stehende Brücke über den Rhein zwischen Mainz und Kastel au-zuführen und zur Ausführung diese- Bauwerk- den Betrag von 3,600.000 zu verwenden.

Art. 2. Die StaatSreaierung wird ferner ermächtigt, die Mittel zur Deckung dieser Summe im Wege deS Staat-credit- flüssig zu machen und zu diesem Zweck'- in demjenigen Nominalbeträge, welcher zur Beschaffung de- an­gegebenen Betrags erforderlich fein wird, eine zu 4 pEt. verzinsliche Anleihe in solchen Zeitabschnitten, wie deren Verwendung erforderlich werden wird, aufzunehmen.

Urkundlich Unserer eigenhändigen Unterschrift und beigedrückten Groß- herzoglichen Siegel-.

Darmstadt, den 2. April 1881.

(L S.) Ludwig.

v. Starck. Schletermacher.

Frankfurt a. M, 10. April. Die aus allen Theilen Hessens besuchte LandeS- versammlung von Vertrauensmännern der hessischen Fortschrittspartei, welche heute Vormittag hier in der RestaurationZur Rosenau" tagte, beschloß nach längeia Debatte, an welcher sich u. a. die Herren Dr. Osann, Dr Metz, vergsträßer, Dr. Rcinach, Tr. Görz, Dr. Manier, Präsident Kugler, G. Böhm, E. Pirazzi, Al. Weimann, Dr. Muhl, Grünewald, Guntrum, Lautz, Dr. Marx, Seubert, May ic. be- theittgten, demnächst einen Wahlausrui an die hessischen Wähler für Ifanb- und Reichs­tag zu erlassen, welcher gleichzeitig sestgestellt wurde. Die Reichstagswahlen werden noch zu einer besonderen Ansprache Veranlassung geben. (D- Ztg

AranLreich.

Paris, 9. April. Die Befehlshaber des 4. Armee-LorpS haben Befehl erhalten, alle Vorbereitungen zur Mabtlmachung zu treffen, die im gegebenen Falle nach Empfang einet telegraphischen Befehl- au-zuführen fein würde. DieRepubltque grancatfe" sucht heute darzuthun, daß die tunefische Sache ohne allen Ernst" fei, da der Zweck, welchen die Regierung verfolge, nur die Züchtigung der Krumirs sei. DaS 19. Eorps, da- sich in Algerien be­finde:, besteht auS 2487 Officteren, 42,528 Unterofficieren und Soldaten, 15,738 Pferden und Mauleseln.

Kngtand.

London, 10. April. Von den Socialisten war für heute Nachmittag ein Meeiing nach Peckham Rye (London) etnberufen, das gegen da- Verhalten der Regierung in Sachen der Verhaftung Most'e und der gerichtlichen Ver­folgung derFreiheit" Protest einlegen sollte. Das von etwa 8000 Per­sonen besuchte Meeting wurde durch Antisocialisten gestört u .d von der Polizei aufgelöst. Bet dem entstandenen Handgemenge wurde em Polizeimann schwer verwundet; Verhaftungen wurden nicht vorgenommrn.

Nach einer Meldung aus Bloemfonietn von gestern ist der Präsident des Or^nje-Fretst^ats, Brand, von Natal zurückgekehrt und enthusiastisch em­pfangen worden. In der Antwort auf die von den englischen und von den holländischen Einwohnern an ihn ger.chieten Adressen betonte Brand seine Utberzeugung, daß der Friede zwilchen England und dem Transvaal-Lande em Mittel fein we de, alle südafrikanischen Namen in Eintracht und Freund­schaft zu einigen.

Außland.

Petersburg, 9. April. Ein eigenthümlicheS Drama hat sich in der russischen Katsersamil e abgespielt. In der N^cht vom 5. auf den 6. bl. wurde in Sablino, einem kleinen Orte an der Moskauer Bahn, ungefähr 32 Werst von Petersburg, der Großfürst Nikolai Konstantinowitsch (der Diamantendieb unglücklichen Andenken-), dem dieser Ort zum Wohnsitze angewiesen war, ver­haftet ur.b unter der Bedeckung von einem Major und zwei Unterofficieren nach dem in der Nähe deS bekannten DergnügunzSorteS PawlowSk bei Peters­burg gelegenen Lufischloffe seine- Vater- in strengen Gewahrsam gebracht. Wichtige Gründe, über u elche man Genaueres erst wohl später erfahren wird, muffen m diesem Schritte Anlaß gegeben haben. Daß der Sohn deS Groß­fürsten Konstant n in die nihilistische Bewegung mit verwickelt sei, ist schon vor zwei Jahren mitgetheilt; heute erscheint eS überall unzweifelhaft, daß der junge Großfürst auch an neueren Vorgängen auf diesem Gebiete nicht unbe* theiligt ist. Konstantin Nikolajewitsch erb eit vor mehreren Tagen ein Tele­gramm seines Lohne-, m dem es ungefähr wörtlich hieß:Komme sofort an die und d e Stelle, wir find Alle versammelt und erwartrn Dich." DlLses thörickte Telegramm veranlaßte den Telegraphen-Director Lüders dem Stadt- Hauptmann Baranow Anzeige zu machen, es fanden Nachsuchungen statt, in Folge deren zuerst m Petersburg ein Obrrst und dann in Sablino der Sohn des Grvßiürsten Konstantin verhaftet wurden. Nikolai Konstantinowitsch scheint einen Putsch zu Gunsten seines Vaters habe unternehmen wollen, em geradem lächerliches Wagniß.

ikeiraraphische Depeschen.

®o!fFi telegr. d>rrtfpptt>exi*1$nrtau.

Zürich, 11. April. Die angesehensten Männer des Santons Zürich haben einen Aufruf erlafferr, in welchem zur Unterzeichnung einer Petition an