Ausgabe 
13.3.1881 Zweites Blatt
 
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Nr. (>L Zweites Blatt Sonntag bni 13. März

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Kießener Wireige r

Ailzcigk- und Amtsblatt für heu Kreis Gießen.

Turrau : E chulsiraße B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit Bringerlohn. Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Hheil. P r v t v k v l l

der Grnrrälvkrsammlunfl des ländivirihlchasllichen Begrksvereing Gieren vom 24. Februar 1881.

Summa 1732 , w Längere Diskussionen veranlaßten:

Ausgadepvflen II, 5 Unterftützungen der Ackerbauschulen.

Es nahmen daS Wort über dielen Gegenstand Bürgermeister Zimmer von Villingen, Viccpräsident Dr. l»»ros von Gießen. Bauratd Dr. Diestenbach von Grünberg und der Herr Direktor Während von der einen Seite angegeben wurde, daß Sub­ventionen an Ackerdauschüler nicht nöthig seien und daß dem Vereine andere Dinge, y B die Obstbaumzucht, näher lägen, wurde andererseits geltend gemacht, daß Unter- jtützungen an arme intelligente junge Leute z»t ihrer weiteren Ausbildung sehr zweck, dienliw sein könnten und daß auch der Strich des vorgesehenen Ausgabepostens im Publikum falsch gedeutet «erden könne.

Der Posten wird hieraus von der Versammlung angenommen. Ausgabeposten II, 8 für eine Etutenschau.

Der Herr Direktor verliest zunächst ein Schreiben des Vorstandes des Pferde, Juchtvereinv im Großherzogth'im Hessen vom 4. Cctoba v I, wonach es sich dieser herein zur Aufgabe gestellt bade,das Stutenmotenal des Laut cs so weit thunlich gewissermaßen unter Eontrolc zu nehmen und daS Beste daraus durch systematische PrämiirunA auSzuzeichnen und hierdurch anregend aus die übrigen Züchter einzuwirken, damit sic sich entweder gute Zuchtstuten anschafsen oder nicht zur Nachzucht verwendete für dieselbe zu gewinnen-. Wenn daher in den landwirthschaftltchen Bezirken von Zeit iu Zeit Stutenschauen abgebalten werden könnten, würde man eher eine Ueber- sicht über daS vcrhandene Material gewinnen und die besten Stuten als Pereinsstuten auswählen können.

Der Präsident deS landwirtdschaftlicheu Provinzialvereins, Herr Adalbert von Aordeck Freiherr zur Aabenou, findet es zunächst nicht in Ordnung, daß der Landes­pferdezuchtverein sich mit Umgehung deS Provinzialvereins direct an die BezirkSvercine gewandt bade und spricht sich gegen eine zwangsweise Gontrok des etutenmatmald aus. Der Arme, welcher kein gutes Stutenmatertal habe und keine Luxuspserdc brauche, dürfe nicht gebindert werden, seine Pferde zur Nachzucht zu verwenden

Der Plccpräsident des ProvinzialvereinS, Herr Dr (stroS befürwortet, daß ebenso, wie über die Hengste, auch über die Stuten eine Gontrole ausgeübt werde. Eine kranke re. Stute müsse von der Nachzucht ausgeschlossen werden. Gr werde daher desfalls geeigneten Ortes Antrag stellen. daß die zur Besichtigung der Fasselochien eingesetzten Commissionen auch Bescheinigungen über die Zuchttauglichkeit der Stuten auszustellen hätten.

Baurath Dr. Diesteubach spricht sich für Abhaltung von Stutenschauen aus, da hierdurch die Züchtung guter Nasien befördert werde und unter der (Fontrolc keine Polizeiaufsicht zu verstehen sei.^

Nachdem noch der HerrDirector den Antrag des Landespferdezuchtvereins warm unterstützt und bemerkt hattr, daß er sich wegen der Ausführung des Unternehmens mit Pferdezüchtern des Vereins denedmen werde, wird der Ausgabeposten angenommen.

Ausgabeposten II, 9 für Herrichtung einer ttordweidenaulage

Der Secretär des Vereins bemerkt herzu daß Seitens der Großherzoglich<n Oberförsterei Schiffenberg ein Stück fiskalisches Diefengelände, unterhalb des Forst- baufes Baumgarten, in der Nabe des Schiffenbergs gelegen, zu einer Kordweidenanlage unentgeldlich angeboten worden sei und daß es sich jetzt vornehmlich darum handele, eine Muster-Anlage für Korbweiden im Kreise zu schaffen, aus welcher auch Stecklinge abgegeben werden könnten. Entwickle sich die Korbwerdenzucht im Kreise, was bei dem vorhandenen geeigneten Gelände angenommen werden könne, so werde man auch an Schaffung einer Korbweiden Industrie denken können. Einen hierauf bezüglichen Antrag wolle Herr Dr. Kros stellen. Der in Aussicht genommene Platz sei auch des­halb geeignet, weil von dem naben Försterbause und einem naben BadnwäNerhause Aussicht gegen Diebstahl :c. geführt werden könne. Die Anlage werde unter Lertung des Herrn Landescultur-Inspectors erfolgen.

Herr Bürgermeister Pracht von Grünberg verkennt die Nützlichkeit der Korb- weidencultur nicht, hält es aber für besser, Deidensetzlmge zu kaufen und sie an die Gemeinden abzugeben.

Herr Landescultur-Inspector Dr. Klaas: Tic Werdenzucht verdiene die Aufmerk­samkeit der Gemeindeoorstände, weil damit dir größten Erträge erzell werden könnten und weil sich auch öde Ländereien dazu eigneten. Die Weide müsse aber auch gut behandelt und gut gepflegt werden. Die Gemeinden^ könnten sofort mit der Weidenzucht vorgehen. Man vermöge aber nicht besser darauf aufmerksam zu machen, als durch ein Versuchsfeld. Es könne daran Jeder ermessen, ob ein von ihm erzielter schlechter Ertrag nicht von einer schlechten Bebandlungsweise herrühre.

Freiherr Adolf v. Rabenau hält ebenfalls die Anlage eines Musterfeldes für sehr oorlheilhast, da man im Kreise Gießen noch keine richtige Anlage besitze. Im Kreise Wetzlar seien einige Dörfer durch Weidenanlagen zum hohen Wohlstand gekommen.

Nachdem der Direktor des 2krnn», Herr Provinzial Director Dr. Boekmann, die taufte, Herren Ministerialralh Ur Joup , Dr Wkidknhamnikr und

Landescultur-Inspector Dr. Klaas, bewillkommnet halte, wurde die Rechnung für 1880 vorgeleat und nicht beanstandet.

Hierauf wurde der Voranschlag berathen und wie folgt angenommen:

1.

2.

1. Z

3.

4.

5.

8.

9.

10. 11.

(frtnnabmc. Kassevorrath (außer 102 .X Vorlagen für Landeskulturen) baar Beitrag der Aachen-Münchener Feucrversicheruntzsgesellschaft . Beitrag dc» landwirthschastlichcn Provinzialvereins

Summa

11. Ausgabe. Bureaukosten Unterstützungen zum Besuche eines Lebrcursus für Obstbaum- :i ...

Beitrag zur landw. Versuchs- und Auskunftsstation Untcistützungen zum Besuche eines LedrcuisuS für Hufschmiede Deügl zum Besuche einer .»lckerbauschule .... An den oderhessischen Bienenzüchterverein . . . .

Zur Förderung von Bodenkulturen Für eine Stutenschau bür Herrichtung einer Koidweidenanlage - Für Wandeilehrer ic ........

Reservefond

1244 X 82

125 , - 362 w 18 w

1732

20 X

347

200

200

400

200

200

60

Der Ausgabeposten wird hierauf ebenfalls genehmigt. Der msprünglich alS Neserve- fon d vorgesehene Betrog mit 147 x wird hierauf bim Posten II, 2 Obslbaumwärtcr- (5ui s, noch zugcfügt.

Der Herr Direktor legt hierauf eine Steide geschäftlicher Mittheilungen zur Ein­sicht auf und verliest ein weiteres Schreiben deS Voistondes deS LandcS-Pferdezucht- Vereins, wonach auch für die Folge die Einfuhr von Stutenfohlen norddeutscher Rasse in Aussicht genommen sei. Der Director erklärt sich zur Vermittlung von Bestellungen bereit und ersucht, ihm den Bedarf anzugeben.

ES folgt hierauf:

Vortrag über Drainage naffer (Lulturländereien.

Herr Landescultur-Inspector Dr. KlaaS: Leidet daS 'Ackerland an überflüssigem stagnirendem Wasser, so wird die Frühjabrs-Bcstellung spät, schwierig und ungünstig; im Sommer leiben die Gewächse durch Trockenheit und Nässe, ini Herbst reifen die Früchte spät und Einte wte Bestellung ist erschwert; im Winter zerstört der Frost die Gewächse. Diese Mißstände werden durch eine systematische Trockenlegung beseitigt.

Jfgnpttr, Babvlomer und Römer kannten bie Entwässerungsgräben und die verdeckten Abzüge, jedoch entwickelte sich erst in England seit Anfang dieses Jahrhunderts die Methode der Entwässerung durch gebrannte Hohlziegel und durch Röhren und verbi eitcte sich auch seit der Ausstellung in Derby (1843) auf den Eon­tinent. Die bcutfchen Beböiden und Landwntbe wendeten jedoch erst seit der ersten Londoner Ausstellung (1851) dem Gegenstände die demselben in so hohem Grade ge­bührende Ausmeiksamkeit zu.

Die Ursachen btr tchäblichcn Nässe sind Tagwasser ober Grnnbwasser unb badet unburchlassender Oder- oder Untergrund Die Kennzeichen nassen Bodens sind: dunkle Farbe im Frübjahr, Feuchtigkeit liebende Gewächse: Quecke, Schachtelhalm, Binse, Hahnenfuß rc-. die Höhe des (srundwasserftandes unter der Oberfläche u. A

Die Mittel zur Trockenlegung sind: Wasserfurchen und Beetbau, verdeckte Ab­züge von Steinen, Reisig u. s. w, sowie die Drainage mit Thonröhren.

Die Drainage mit Thonröhren ist billiger, sicherer, wirksamer und dauerhafter, als irgend eme andere Methode und gerade sie begründet einen neuen Aufschwung der Landwirthschaft

Die Fabrikation der Röhren muß sehr sorgfältig geschehen, damit die Röhren gut geformt, grade, glatt, gut gebrannt und widerstandsfL^ig sind.

Die Ausführung der Drainage ist bei einzelnen Gräben und genügendem Ge­fälle einfach; sie wird jedoch bei umfangreichen Flächen sehr schwierig, sobald es gilt, mit den geiingsten Mitteln den Zweck gut und sicher zu erreichcn. Es muß hier die Richtung der Gräben, ihre Entfernung und Tiefe, das Gefälle und da» davon ad- hängige Röhrenkaliber, sowie die zulässige Länge der Leitungen eingehend erwogen werden. Namentlich warnte Redner vor der zu flachen Drainage; unter 1 Meter Tiefe solle kein Rohr gelegt werdin

Die Kosten der Drainage hängen von der Bearbeitbarkeit des Boden-, der Höhe des Taglohnes, der Geschicklichkeit der Arbeiter, von dem Preis und Transport der Röhren u. A ab. Ter laufende Meter Grabenarbeit kauet in Lberhessen 12 bis 18 und die Röhren im Mittel etwa 12 H pro Meter, wonach 1 laufender Meter Drainage sich auf 24 bis 30 H stellt Je nachdem 500 bis 800 laufende Meter pro Hectar noth- wendig werden, entstehen also etwa 120 biS 240 X Kosten pro Hektar.

Ter Nutzen der Drainage besteht in der Beseitigung der Mißstände, sowie darin, daß der Boden durch dieselbe wärmer, thätiger und tiefer wird. Der Roherttaa nasser Ländereien wird durch d:e Drainage um 1520 P ocent, oft sogar um 50100 Pro­cent gesteigert und kann man anmbmcn, daß das Meliorationskapital in der Regel durch den Mehrenrag mindestens in 67 Jahren zurückgezahlt wird

Das Gesetz vom 2-Januar 1858 regelt die Verhältnisse bei dem Vrrfahren, wenn eine Einstimm'gkeit der Interesientcn nicht erreicht wird, und die neu geschaffene Lande»« kNltvr-Rentenkafse vermittelt die Kapitalbeschaffung in einer für die Lanbwinhe sehr günstigkn Leese.

Bei der über diesen Vorttag sich entspinnenden DiSkussion fragt Herr Adolf v. Rabenau an, warum die Mantel»ähren nicht erwähnt worden seien.

Herr Dr. Klaas erwidert darauf, daß sie, abgesehen von den erheblichen Kosten, sich als entbehrlich, mitunter sogar schädlich erwiesen hätten- Sie seien nur in Mooren und fließendem Sande gegen Verschiebung der Rohrstränge anzuwenden. Für gewöhn­lich genüge es, daß die Röhren gut schließend eingeräumt würden.

Redner erörtert sodann auf eine Anfrage von Herrn Baurath Dr. Diesteubach noch weiter, daß b<t flach gelegten Drainstränge nicht so wirksam sein könnten, als die tief gelegten. Tie Wurzel des Getteides gehe schon m eine Tiefe von 50 Cm. und die deS Klee's noch weiter

Herr Adalbert v. Rabenau bemerkt, daß die Röhren nicht weniger als 1 Meter tief gelegt w<rd n dürsten, we«l sie sonst verwachsen würden. Trainrrungen seien mög­lichst zu begünstigen, worauf von anderer Leite auf den Ausgabeposten II, 7 des obigen Voranschlags zur Förderung der Bodenkulturen, verwiesen wird.

Es spricht hierauf

über die Vtlduiig von lavdwirthschaftltchen Ereditgenoffenschafteu Herr Generalsekretär Dr Neidellhaunaer:

Früher, als die Bedürfnisse des Landmannrs geringer gewesen feien, habe er stemdes Kapital nicht gedraucLt Mst der Zeit aber, als die »Landwirthfchast mehr in­dustriell geworden sei, habe sie sich nach Kapital umiehen müffen. Der Landwirth könne sich aber nicht an einen Banauier in einer entfernten Stadt wenden, dieser auch sich auf solche kleine Geschäfte nicht ernlasien. Man sei daher auf den Wucher ange­wiesen gewesen. Emen wohlwollenden und reellen Banauier müsse sich der Landmann selbst machen durch Bildung einer Creditgenofsenschast. Wo man solche geschaffen, habe man gefunden, daß viel mehr Geld vorhanden gewesen sei, als man geglaubt habe.

lieber die Einwendung, man müsse dem Landwirth nicht so viel Gelegenheit geben, sich Credit iu nehmen, gebe er zur Tagesordnung über. Es müsse Jeder einen Bürgen haben, und für leichtsinnige Schuldenmacher gebe es kein: Bürgen Auch werde der Vorstand den Bürgen rechtzeitig auf das Verhallen des Schuldners aufmerksam machen.

Gegenüber dem weiteren Einwand, daß Credst-Einrichtungen genug da seien, wolle er einräumen, daß B-zirkssparkasien sehr nützlich seien. Allein der landwirth- schastliche Credit müsse nach Bedürfniß sofort gegeben werden können, ebenso wie die Gelegenheit, sofort nach jedem Verkaufe :c- Geld einzulegen. Außerdem sollten die Credit-Gcnoiienschasten nur den Pcrsonal-Credit fördern, die Bezirkssparkaffen vor­wiegend den Real-Credtt.