Ausgabe 
12.11.1881
 
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Kriechenland.

Athen. Wle auS Arta und dem gejammten griechisch gewordenen Epirus berichtet wird, wandern bie Muselmänner in Masse aus, um sich jen- setts der Grenze auf türkischem Gebiete ntederzulafien. Besonders ist es tie im Entstehen begriffene Stadt Hamitiö, welche auf das moslemische Bevölke runzs-Element eine eigenartige Anziehungskraft ausübt. Man muß gestehen, daß die griechische Regierung kein Mittel versäumt hat, um die Anhänger de? Propheten mit dem neuen Regime zu versöhnen. Aber sie bleiben gegen all- ihnen gemachten Concesstonen taub. Wie tief der Haß gegen Alles, was nickt türkisch, eingewurzelt ist. erhellt am besten aus dem Attentat, das eine türkische Frau in Karditza aus König Georg verübt hat. Gerade in dem Augenblick, als der Monarch vorüberritt, suchte sie ihn durch einen schweren Feldstein zu verletzen. Hätte der Königs nicht selbst energisch intervenirt, so wck.e sie sicher der Volkswuth zum Opfer gefallen. Natürlich ist sie wegen dieses Attentats , unter Proceß gestellt worden, allein ihre Begnadigung ist mehr als wahr scheinlich. So generös solches Verfahren Seitens der Regierung sein mag, so wenig ist es geeignet, den eingefleischten Fanatismus der Muselmänner zu tie* schwtchtigen. Die Auswanderung hat nach diesem Vorfälle eher zu. als abge nommen. Der Grundbesitz, an den die Muhamedaner nur in sehr geringem Grade attachirt zu sein scheinen, wird von ihnen an hellenische Untertanen um einen wahren Spottpreis verschleudert. Emiffäre, die, reichlich mit Geld Mitteln versehen, aus Konstantinopel angelangt sind, thun das U-brige, um den Fanatismus noch mehr zu entflammen. Für die Ausfüllung der Lücken, die durch die massenhafte Auswanderung entstehen, ist übrigens bereits gesorgt. Aus allen Thetlen der Levante, sowie auch aus Deutschland und der Schweiz ' sind bereits Colonisationsanträge eingelaufen.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S telegr. Correspondenz - Bureau.

Baden-Baden, 10. November. Die Krankheit Sr. Köuigl. Hoheit ' des Großherzogs hat mehr und mehr den Charakter eines typhösen Fiebers angenommen, zeigt in ihrem Verlause aber mehrere günstige Momente. Der Erbgroßherzog ist gestern Nachmittag von Potsdam hier eingetroffen. Ihre Majestät die Kaiserin begiebt sich täglich mehrere Male zum Besuche in das Großherzogliche Schloß.

Danzig, 10. November. Die auf der hiesigen kaiserlichen Werft ge. baute eiserne Glattdecks Corvette, ein Schwesterschtff derOlga" undCarola", ; ist heute Mittag glücklich vom Stapel gelaufen. Bei der Taufe, welcher die ' Spitzen der Behörden und viele andere Gäste beiwohnten, wurde der Corvette ; vom Contreadmtral Livonius im Namen des Kaisers der NameSophie" ? beigelegt. , j

Karlsruhe, 10. November. Nach dem über das Befinden des Groß» : Herzogs ausgegebenen Bulletin find die Krankheits-Symptome weniger stark, [ doch sei der Zustand besorgnißerregend.

Erfurt, 10. Novbr. Stichwahl. Bis jetzt sind für Stengel (Fortschr.) j 11,581, für Minister Lucius (Retchspartet) 7300 St. gezählt. Die Wahl | deö Elfteren ist gesichert.

Paris, 10. November. Der Ministerpräsident Ferry überreichte heute Vormittag die Demission des CabinetS, Grevy nahm dieselbe an. Das Journal osfictel" wird morgen die Demission der Minister veröffentlichen. Dieselben bleiben mit der Leitung der Geschäfte bis zur Neubildung des Mini- steriums betraut. Präsident Grevy beschloß, Gambetta zu sich rufen zu lasten, und wird heute Nachmittag eine Unterredung mit demselben haben.

Gambetta ist heute Nachmittag in's Elys6: berufen worden und con- serirt augenblicklich mit dem Präsidenten Grevy.

Paris, 10. November. Gambetta hat in Folge der mit dem Präsi­

denten Grevy gehabten Conferer.z sofort die einleitenden Schritte zur Bildung \ deö neuen CabinetS gethan.

London, 10. November. DieTimes" bespricht die Eventualität der Demission des Fürsten Bismarck und sagt, der natürliche Nachthetl einer solchen Größe, wie der des Kanzlers liege darin daß die Nothwendiakell einer Position wie die seintge sich nicht durch freien W-llen aufhebe.i laste. Diese Position hat ihn nicht allein zum ersten Mann Deutschlands gemacht, sondern auch zum einzigen, in den ganz Deutschland Vertrauen setzen könne. Während der ganze Continent sortfährt, sich zu bewaffnen, wäre es eine der wichtigsten Ausgaben für Deutschland, seine Bündnisse zu befestigen. Bismarck allein besitze die Klugheit, Geschicklichkeit, Wachsamkeit und Macht, Oesterreich und Italien an der Seite Deutschlands zu bewahren, Rußland in Ruhe zu halten und aus jedem Jrrthum Frankreichs Nutzen zu ziehen.

Konstantinopel, 10. Novbr. In Folge des Zwischenfalls mit dem DampferVulkan" werden alle nach Konstantinopel kommenden Schiffe ange­wiesen, in den Dardanellen ihre Ladung zu deklariren. Die türkischen Behör­den verlangten auch die schriftliche Erklärung des CapttänS, daß das Schiff keine explodirbarm Stoffe mit sich führ.'. Da jedoch einige Capitäne dies verweigerten, nahmen die Behörden von dem Verlangen Abstand.

Kassel, 10. Novbr. Bei der hier stattgehabten Stichwahl sind b s jetzt für Schwarzenberg (Fortschr.) 4824, für Krauß (conf) 1598 Stimmen gezählt.

Hadersleben, 10. Novbr. Bei der stattgehabten Stichwahl wurde HanS Lasten, Däne (gemäßigt) fast einstimmig gewählt. Die Deutschen ent­hielten sich der Abstimmung.

Dresden, 10. Novbr. JBet der hier stattgchabten Stichwahl wurden bis jetzt für Oberbürgermeister Stübel (conf.) 14,129 unb für Bebel (Soc.) 10,822 Stimmen gezählt.

Lokales.

Gießen, 11. November. Das nächste Concert unseres Eon certvere in 8 ist aus dem Grunde dem ersten so nahe gerückt, weil es sonst wohl unmöglich wäre, Herrn Karl Heymann, der ipäter im In- uno Ausland fortwährend beschäftigt sein wird, biet zu hören (58 ist überflüssig, auf einen Künstler von der Bedeutung Heymanns aufmerksam zu machen. Wir haben i'-n biet gehört unb bewundert. 66 sind beinahe zwei Jahre seitdem verstricken unb der berühmte Mann ist noch berühmter geworden. Welcher Musikfreund hat nicht die Wiener Kritiken gelesen? Vielen ist gewiß der Ausspruch eines unserer bedeutendsten Kritikers, des Herrn H. Ha ns lick tn Wien, bekannt: »Seit Liszt hat mich kein Pianist so bezaubert, als Heymann."

Herr Fridrtch Grützmacker aus Dresden ist einer der berühmtesten Vertreter seines Instrumentes.

Frau L ed ärer-Ubrtch aus Wiesbaden, die durch die Weichheit ihreS Organes, durch !

ihren unübertrefflichen Coloratur-Gesang so hoch geschätzte Künstlerin, steht bei unS aus früheren Zeiten in angenehmster 6rinnerung. Eine Recension aus der jüngsten Zeit rühmt an ihr neben derbrillanten Kunstfertigkeik ihreS GesangeS, den seelischen Hauch, welcher alle Hörer ansprach nnd entzückte. Die verständnißvolle Vertiefung in die Composition und die wunder­volle, klare und glockenreine Tongabe machte bie Leistungen der Sängerin zu vollendeten und wirkten begeisternd auf die Zuhörerschaft."

Mir Spannung und freudiger Erwa'tung seh-n wir einem Concerte entgegen, das uns dres Dreigestirn der gediegensten und hochbedeutendcn Künstler bietet. a.

Gießen 11. November. Mocgen, am 12. ds., ist im Wahlkreis Wetzlar-Alten­kirchen, zu welchem auch ein Theil des Landrathsbezirks Biedenkopf gehöre, Stichwahl zwischen dem liberalen Gewerken I. A. Waldschmidt, einem geborenen W-tzlarcr, und dem conservativen Prinzen Hermann zu Solms-Braunfels. War bei uns in Oberhessen bie Wahlausregung eine hochgradige zu nennen, so dürfen wir doch dreist behaupten, daß der Gegner in seiner Person geachtet war und keine Perfidien gegen diese angewandt wurde. Anders scheint cs bei unseren Nachbarn in Wetzlar zu sein. Nachfolgendes Pamphlet kam uns gestern zu Gesicht Es ist darin geleistet worden, was man nur von einem verbisienen Gegner ec- warten kann. Das Machwerk lautet:

Auf zur Reichslagswahl!

Wer nicht hören will, der muß fühlen!

Wer keinerlei Steuerermäßigung, auch keine beffere Vertheilung der Steuern und be­sonders keine Börsensteuer für die reichen Börienfürsten will, der wähle

I. A. Waldschmidt.

Wer die nothwendigsten Lebensmittel, Brot, Licht u. s. w. durch Wucher ynd Specu- lation vcrtheucrt haben will, der wähle

I. A. Waldschmidt.

Wer sich^durch das WortTabalsmoncpol" will .rrc machen unb fangen lasten, der wähle I. A Walbschmidt.

Wer sich und seine Familie, fern Hab und sein Gut, sein Volk und sein Land, seine und seiner Nachkommen Freiheit unter die Wucherer und HalSabschnetder^bringen will, der wähle

I. A. Waldschmidt.

Wer seine deutschen, christlichen bürgerlichen Rechte drangeben, aber das Laubhütten­fest mitfeiern wtll, dec wähle

I. A. Waldschmidt.

Wer da will, daß die Geistlichen nur für die Fortschritller stimmen, sonst aber still­schweigen sollen, der wähle

I. A. Waldschmidt.

Wer einen Abgeordneten will, der Alles verspricht unv nichts hält als den Mund (Betz­dorf), der wähle

I. A. Waldichmidt.

Wer einengänzlich unannehmbaren" Volksvertreter (laut Aldefeld) will, einen selten bescheidenen Mann, der bie Sorge für das Volkswohl gepachtet unb bie Garnison aus Wetzlar mit vertrieben hat, der wähle

I. A Walbschmibt.

Wer aber dieses Alles nicht, sondern einen richtigen Reichstagsabgeordneten will, der wähle

den Prinzen Hermann zu Solms-Braunfels.

Viele Wähler des Wahlkreises Wetzlar Altenkirchen Biedenkopf.

Unseren Lesern in Rooheim, Krofdorf, Gladenbach rc. glaubten wir einen Dienst zu er­weisen, wenn wir Sie, freilich noch in allerletzter Stunde, auf dieses wüste Blatt aufmerksam machen.

D-frraifcbte-.

Uebe^ Militärdienst-Versicherungen. Wenn man die Reihen unserer jungen Soldaten mustert, so findet man darunter Viele, denen eS trotz ihrer Ke.intniste nicht vergönnt war ihrer Militärpflicht als einjährig Freiwillige zu genügen, weil bi# Eltern bie bamit ver- bunbenen enormen Ausgaben für Equipirung und Verpflegung Nicht bestreiten konnten. Nun lcuchtets Jedem ein, welch eine p attische Einrichtung dir von der Bremer Lebensversicherungs­bank eingeführte Abthetlung für Militärdienst Versicherung ist.

Einsichtsvolle Eltern, denen es nicht gleichgültig ist, ob ihre Söhne den gewiß nicht leichten Dienst als Soldat drei volle Jahre mitmacken muffen , ober mit einem Jahre davon kommen, legen bei Zeiten die mäßigen Versicherungsprämien zurück unv sichern ihren Löhnen dadurch ein Capital, bas ihnen bei ihrem Eintritt ausbezahlt wirb.

Eine solcke Militärdienst Police gilt den Bel'ördrn zugleich als der beste Nachweis, daß der Betreffende im Srandc ist, die Kosten für den Dienst alsEinjähriger" zu bestreiten.

Die Militärdienst Ve'sichcrungen können tn verschiedener Weise abgeschlossen werden, l Die Bank erstattet u. a. die cingezah ten Verträge zurück, wenn der versicherte junge Mann ? nicht eingestellt wird die Abzüge besch'.änken sich auf eine Jahresprämie, die Bank verzichtet [ auf fernere Prämienzahlungen, nenn der Vater eines versicherten Knaben stcrben sollte, zahlt I diesem aber bei seinem Eintritt die Versicherungssumme zum Vollen aus re.

Allen Eltern möchten wir daher empfehlen die Pryspecte der Bremer LrbenSverstche- rungsbank, welche bei allen Bankvertretungen gratis zu haben sind, einzusehcn. Sie werden dann zur Ueberzeugung gelangen, baß sie für ihre Söhne am besten sorgen, wenn sie ein« Milt tärdienst-Versicherung für dieselben abschlicßen.

Harrdel und Verkehr.

Die äußerst glänzende Entwicklung, welche einerseits das Kohlen- unb Eisengeschäft in Schlesien, andererseits der Getreideverkchr aus Rußland in neuerer Zeit genommen haben, kommt in den Einnabme-AuLwetsen der jenen Vcrk.hr vermittelnden Eisenbahnen deutlich zum Ausdruck. Soweit die Betriebs.usweise für Oktober vorliegen, konstatiren sie fast durchgängig eine ganz außerordentliche Steigerung der Einnahmen. Im Vergleich zu dem Monat des Vorjahres haben u. A. mehr vereinahmt von der ersten Gruppe: Die Obersckl-sische Bahn JL 432,000, die Rechte Oderuferbahn JL. 122,1100, die Posen-Kreuchurger Bahn 40,000, von der zweiten Gruppe: Die ostprcußische Südbahn X 272,000, bie Marienburg-Mlaw bahn X 175,000.

Nach vorliegenden Depeschen aus Westphalen ist brr Preis für Gießerei-Eisen heute abermals um 2 X p. To. erhöht worben.

Frankfurt a. M., den 11. Novbr., Nachmittags 2 Uhr Mtn. (lelegr. CourSbertcht. Mitgetheilt durch das Bankgeschäft Albert Kaufmann in Gießen.) Credtt« actten313i/4, Staatsb.-Actien282, Galizier 266^, Oest. Silberrente 66%, 4% Ungar. Goldrente 771/4, 4% 1880er Russen 745/e, 2 Orient-Anleihe 60V2, 5% Rumänische Rente 883/4, LombardenI26V4. Tendenz'schwach.

Kirchliche Anzeigen

der evangelifchenGemeinde fuGiehen.

Gottesdienst:

Sonntag, den 13. November.

Morgens 91/, Uhr: Professor Dr. Weiffenbach. Nachmittags Z Uhr: Gymnasiallehrer Stamm.

Donnrrstag den 17. November:

Im Gymnasium Bibclstunde, Nachmittags 6 Uhr: Pfarrer Schlosser. (Dir G:eichnisie vom Schatz im Acker, von der köstlichen Perle, vom Fischernetz.

Matth. 13, 4452.)

Nächsten Sonntag den 20. Novembcr: Feirr des Todtenfesteß. An demselben Tage wird Nachmittagsgottesdienst in der Friedhofskapeüe um 2 Uhr gehalten.

Die Pfarrgeschäfte für die Woche vom 13. bis 19. November besorgt Pfarrer Dr. Naumann.

Die den EI zur $ W hörigen, nach motilie«. ® @(riä*el1 auf 20230 J am 23. mittag l® d,r Weißbrot werden

Alle diejenis ftnten, welche ©egenftänben e ein Vorkaufsi wf einem pi ruhendes bim nähme von 9 fpruch nehmet oder spätester telmin anzum ihrer Re^lrech verlustig werde nur noch aus deren Veriheil

Gläubiger, dem Hypothek Realsorderung Besriedigung Vermeidung ihrem Ansprucl Gericht zu mt

Katastralg Flur 2 Nr. l

Hosraum Nr. 2, S Nr. 6, zw Backhaus Nr. 7, Nr. 14,2 80, 81, Nr. 85,7 Flur 9 N Flur 2 9,

Wetzlar, de 7430)

Arbeite

^Nächsten I Mts., Bo,, «lopsen von 2 aus hiestger l Wenigstnehmer Wieseck, der

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