Nr. 2V1. z Samstag den 12. November 1881.
Aichener HtnMger
Amcigc- unii Amtsblatt für fern Kreis Gießen.
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Amtlicher Hheil.
Betreffend: Die im Großherzogthum bestehenden Kriegervereine. Gießen, am 10. November 1881.
Das Großherzogliche Kreisamt Gießen
an die (^roßherzoglichen Bürgermeistereien deö Kreises.
Zufolge Auftrags Großherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz fordern wir Sie zum baldigen Bericht darüber aus, ob in Ihren Gemeinden Kriegervereine bestehen und ob dieselben sich der Krieger-Kameradschast Haffia oder einem anderen allgemeinen Krieger-Vereins-Verband angeschlossrn haben.
Dr. Boekm ann.
Deutschland.
m Darmstadt, 10. November. Bezüglich der Reaulirung des Rhein stromS bat der ?lbg. Metz in der 2. Kammer folgende Interpellation etngcdracht: .Am 26. November 1880 bat die zweite Kammer der Stände an Grosth. Regierung das Ersuchen gerichtet, schleunigst eine aus an dem Strom bau nicht betbeiligten Irdinifcm, sachkundigen LandwiNhen und Schiftfab'tsmteressenten bestehende Commission zu berufen, welche unter Berücksichtigung der Stromregulirungen in Baden und unter Wnbötung der betbeiligten Techniker unsere Siromdauverbältmsse untersucht. Da bis jetzt nach nahezu elf Monaten über den Zusammentritt dieser Commission nick iS Sicheres verlautet, die Angelegenheit ober äußerst dringlicher Natur ist, wie denn inzwischen die Gemeinde Lempertheim wiederum von schweren Wasserschäden beimgesucht worden ist, so erlaube ich mir an Großb- Staatsregieiung die ergebene Anfrage zu richten: Ist jene Commission berufen und zusammengetreten? Verneinenden Falles, wann ist der Zusammentritt zu erwarten und worin befanden die Ursachen der se thcrigen Verzögerung?" Eine Beantwortung dieser am 17. Oktober «angebrachten Interpellation dürste bereits in einer Bemerkung des Vortrags gefunden werden, mit w.lchcm Minisierialprüsident Schleier machet am 20. Oktober in der 2. Kammer den Hauptvoranschlag der Staats.-Cinnadmen und -Ausgaben für die Frnanzpertode 1882—85 übergab. CS beißt da: «WaS die in Aussicht genommenen Verhandlungen über die Rheincorrectionen betrifft, so konnten diesilben bis jetzt aus dcm Gr unde noch nicht eintreten, well es unumgänglich nöthig war, für sie eine sichere Giundlage durch Vorarbeiten, insbesondere durch Ausnahme einer genügenden Zahl von Stromprostlen zu schaffen. D>e Vorarbeiten sind nahezu vollendet und die Verhandlungen werden daher ehestens beginn n können."
Auch die Regultrung der Nidder und Nidda und deren Eindämmung werden auf diesem L'anbtap wieder zur Sprocke kommen nnd zwar in Folge eines Anträge- der Abgg Ellenberger, Sckröder, Sturmfels, Frhr. v. Nordeck zur Rabenau und Scriba, welche die Regierung ersucht haben wollen, durch die Culturtechniker Pläne und Koftenvoranschläge in Betreff Regulirung der Nidder und Nidda auSarbeiten zu lasten und mit Preußen in Unterhandlung zu treten und die Maßregeln zu ergreifen, welche acognct find, die seit Jahren bestehende und schwer empfundene Calamität der Ueberschmemmungen der N'ddcr und Nidda im Interesse der Valkowoblfabrt m beseitigen- Die Antragsteller bemerken, wo durch elementare Ereigi isfe große Noibstände bervorgerufen werden — sie erinnern an d.n Bergrutsch von Saud und die Uebersckwcmmungcn bei Magdeburg und am Rhein — da seien die betreffenden Gemeinden gewöhnlich nicht im Stande aus eigenen Mitteln die Wunden zu heilen und weiteren Zerstörungen vorzubeugen, vielmehr sei es der Staat, dir in solchen exorbitanten Fällen die Initiative zu ergreifen pflege Seit einer langen Reibe von Iabren fei es eine brennende Frage, daß die Nlddir und Nidda regulirt unb dadurch die großen Sckäden beseitigt werden möchten, welche so häufig volkreiche Gegenden Oberbessrns auf's Schwerste betroffen und nickt minder beträchtlich seien, als die durch die zeitweiligen großen Ueberschwemmungen am Rhein verursachten. Die Reg erung habe bereits 1879 die Absicht ausgesprochen, mit aller Energie den liebeln zu Heuern und mit Preußen wegen der auf besten Gebiete liegenden Flußstrecken m commissarische Verhandlung zu treten. Die Antragsteller vcrkennen nicht drc Schwierigkeiten, die bet der Ausführung des Projectes zu überwinden find, zumal die Flüsse nicht allein unser Land berühren, PrrvatverHälrniste in Bettecht kommen (Müller) und die Gemeinden bei der Berschiedenhe t der Intereffen nicht le cht zur Verfolgung eines gemeinsamen Zieles zu vereinigen und. Aber gerade desw g n sei nur der Staat im Stande, eine befriedigende Lö ung herbeizuiühren. — Dieser Antrag dürfte wohl gelegentlich der Berathung deS Staatsbudgets mitberathen werden, da in diesem ein Posten von 700 J<- jährlich für die auf Staatskosten an der Nidda, Nidder und Horloff errichteten Anstalten und ein weiterer von 3000 JL für technische Unta hicbungen und Aufnahmen zum Zweck der Regulirung von Bächen, insbesondere auch für Err-chtung von Pegeln u. s. w. enthalten sind.
Offenbach, 9. November. Nach den bis jetzt etngelaufenen Nach' richten aus einer großen Anzahl von Orten unseres Wahlkreises Offe- bach- Dieburg scheint (wie schon telegr phiscb gemeldet) der Sieg Liebkneckt's über den liberalen Eand'daten Hallwachs mit einer Mehrheit von mehreren Tausend Stimmen leider nickt mehr zweifelhaft. Sämmtliche katholiscke Orte find zu Liebknecht übergegangen. Es sei rock bemerkt, -"aß d r ad hoc geschloffene Pakt zwischen Schwarzen und Rothen dabin lauten soll: daß, nehme Liebknecht nun sür hier oder für Mamz an (er hat fich aber bereits für hier gebunden), die Socialisten sich verpflichtet haben, in dem Wahlkreise, wo dann eine Neuwahl nöthig wird (also wabrsckeinl'.ch in Mainz) schon im ersten Wahlgang für den ultramontanen C^ndidaten einzutreten.
Berlin, 9. November. Aus Rom wird den „Berl. Polit. Nachr." berichtet, daß die Anwesenheit deS Wiener Erzbischofs Ganglbauer nicht blos den Zweck gehabt habe, calmirend in Betreff der Verstimmungen einzuwirken, welche die Reise des Königs Humbert nach Wien bei der Kurie hervorgerufen, sondern überhaupt mit gewissen Sondirungen in Zusammenhang gebracht wird, die sick auf das Verhältniß der Kurie zu der italienischen Regierung beziehen. Unser Correspondent schreibt uns, es wäre nicht urmöglich, daß in Rom eine Versöhnung der Gegensätze zu Stande oebracht werde, in welchem Falle dann auch, wenn für den Gegenbesuch des Kaisers bei dem Könige Humbert Rom selbst gewählt würde, dieser Wahl nichts im Wege stünde.
— Wie uns auS München mitgUheilt wird, will der Abg. Walter („Reckte") als Referent über den verlangten außerordentlichen Militärkredit im FinanzauSschuffe beantragen, daß die zum Neubau bezw. zur Vervollständigung von GainisonSbauten gifoiderten 2 177,100 JL nickt bewilligt werden.
Der Erweiterungsbau der Festung Ingolstadt ist im raschen Fortschreiten begriffen; die auf dem linken Donau Ufer gelegenen Hauptforts sind nahezu vollendet; die Zwischenräume zwischen denselben werden durch Panzerthürme ausgefüllt, die mit je zwei Geschützen des schwersten Kalibers versehen werden.
— Für die Errichtung eines Kaiserpalastes in Straßburg ist im Etat des Re chssch tzamtS pro 1882/83, wie mitgetheilt wird, als erste Rate der Betrag von 712,000 JL eingestellt. Hinsichtlich dieses in Antrag gebrachten Baues ist dem Etat eine Denkschrift beig'fügt, welche hervorhebt, daß es bei der mehrfachen Anwesenheit des Kaisers in Straßburg sich als ein erheblicher Uebelston5 fühlbar gemacht Hube, daß zur Aufnahme des Kaisers und seines Gefolges geeignete Räuwlichk.iten nicht vorhanden waren. Es ist daher diS Bedürfniß der Bescheffung eineS zur Aufnahme der Majestäten geeigneten Gebäudes in Straßßurg unabweisbar.
— Daß Schwurgericht in Cöslin wird sich in diesen Tagen mit den antisemilischen Ausschreitungen in Schivelbein beschäftigen; es kommen 29 Per- so^-n unter Ank age d<S LandfriedenSbruchs, von diesen werden sech- alS RadUssührer belrach'et. Drei der Anaekl^gten werden sich außerdem wegen ihrer bei den Krawallen begangenen Diebstähle zu verantworten haben.
Berlin, 9. Novbr. Den Unterricht in der Orthographie nach den von Herrn o. Puttkamer in den preußischen Schulen eingeführten Regeln umzugestalten, haben sick nun sämuitlicke deutsche Staaten entsckloffen. In allen Staaten wird, frei'ich hier und da mit geringfügigen Abweichungen, aber doch im Ganzen einheitlich, der orthographische Unterricht gleichmäßig ertheilt, mit alleiniger Ausnahme der Reichslande Elsaß Lothringen. Außer der Regierung der ReichSlaude verharrt auch der Rr chskanzler noch in seiner Antipathie geaen die Bestrebungen v. Puttkamer's. Der bekannte Erlaß, durch welchen die Befolgung der vcn dem damaligen Unterrichtsminister ausgestellten Regeln für d-n amtlichen Verkehr der ReichSbrhörden untersagt wurde, ist noch nicht aufgehoben.
— I. M. die Kaiserin hat in Folge der Erkrankung S- K- H. des Großherzoge von Baden ihre.i Aufenthalt in Baden-Baden auf unbestiarvite Zeit verlängert, um ihrer Tochter in dieser sorgenvollen Zeit zur Seite zu stehen. So weit bis jetzt bestimmt, beabsichtigt die Küferin am 1. Dezember in Berlin einzutreffen, wo bereits zur größeren Bequemlichkeit der hohen Frau am seitlichen Eingänge des Königlichen Pala's ein sehr comfortabler Fahrstuhl eirgeiicktet ist, mittelst welchem ihre Maj stät direct in ihre Gemächer befördert werden kann.
Die Rückkehr dcS Reichskanzlers nach Berlin ist dadurch wieder ins Un- gewiffe gerückt, daß er in den letzten Tagen von einem Unwohlsein befallen wurde, welchcs die Berufung seines HauSarztes Dr. Sttuck nach Varzin zur Folge bitte.
Leipzig, 9. November. Eine recht unverhoffte Bescheerung ist dem Königreich Sachsen nock vor Weihnachten zu Theil geworoen. In Leipzig ist eine reiche Dame, eine Frau verw'ttwete Mende, mit Hinterlaffung eines Vermögens von etwa 17 Mill. (w e die Leipziger Zeitung berichtet) verstorben und bat, da sie nur entfernte Verwandt hatte, den Staat zu ihrem Universalerben eingesetzt. Nack Abzug verschiedener Legate — worunter eins von 150,000 — für die Stadt Leipng zur Errichtung eines monumentalen
Bauwerks, sollen dem Staate, wie verlautet, noch 12 Mill. X verbleiben. Wie es beißt, ist der Erbschaft b e Bedingung beigesügt, daß die^ Zinsen zur Unterstützung von Personen verwandt werden, welche der Unterstützung durch die öffentliche Armenpflege nicht unterliegen.
Asten.
(Zerstörung durch eine Wasserhose). Der Director des Seminars der fremden Missionen zu Paris hat von dem apostolischen V-car des westlichen Tonkin, Mgr. Puainier, folgende D'pesche erhalten: „Hong-Kong, 8. Novbr. Eine furchibare Wafferhose hat sorben das westliche Tonkin heimgesucht. 200 Kirchen, 34 Psarr- und Schulbäuser. 2000 christliche Wohnhäuser sind in einen Schutthaufen verwandelt. 6000 Christen sind ruiniri und hülfloS. Die Verluste find ungeheuer und das Elend haarsträubend. Wir bitten um schleunige Hülfe."


