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Nr. 1»2. Samstag ten II Juni 1SSK

Kießener HtnMger

AWgr- uni Amtsblatt für den Kreis Eich».

Vtarrau: Schutstraße B. 18.

bescheint täglich mit Ausnahme deS Montags.

Preis vierteljährlich 2 Mark 20 Pf. mit vringerlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 P«.

Amtlicher Hheil.

Betreffend: Di« Abhaltung einer khierschau mit BiehpreiSvertheilung zu Nieder-Gemünden am 15. Juli d. I.

Bekanntmachung.

Droßherzoglichk« Mmisterium de« Innern und der Juß>z hat die «bdaltung einer V.rloofung von Vieh und landwirthfckafilichen Gerächen bei «.legenheit der am 15. Juli d«. J-. in Ni'der-Geanmden stat,findenden Thirrfchau und Viebprcisv-rtheilung, sowie den Vertrieb der Loose ä 1 .* in der Provinz Obrrhefien genehmigt.

(Siefitn, am 7. Juni 1881. Großherzeglitbeb KreiSarni Gießen.

________ Dr. Boekmann.

Die irische Frage.

Herr Gladstone dementirt zwar, daß die Auflösung der «risiben Landliga von der engliicheu Regierung bes»Ivfien sei, aber damit ist die Thatsache nicht bestritten, daß di« ZustLnde tu Irland einer fortjchrcitenden Auflösung ver- fallen find. Sine wüste Lerne folgt dort der anderen. Die Erbitterung zwi. scheu den Voiksmafien und den Behörden ist 6;8 zu einem Grade gedi.hen, der dir schlimmsten Ereignisse noch al« bevorstehend beiürchien läßt. Der jüngst verüffertlichte Briif tmefl ergliicheu Ägenlen bei einem Itafsernstamme, in dem dieser ehrenwerihe Agent sag'«, daß is ihm daS größte Vergnügen machen werde, trenn er bei den BoerS All-» niet erbrer neu und niedermeßeln könne, hat O.l in'S Feuer gegofien, denn «S ist ein Unglück Englands, daß e« ihm an solchenAgenten" niemals fehlt und die Irländer verfehl,n nicht, daraus hinzuwetsen, welcher Härte fich die englische Politik bediene, wodurch natürlich die Befürchtung rege wird, es möchten solcheAgenten" auch zur Pacification von Irland verwendet «erden Hoffe, tlich wird es so schlimm nicht werden; ind-ffeu st keimSweg« zu bistreiten, d ß die Bedenklichk.it rtr Lag« »roß Zwangsbill und trotz Landbill um ein Bebrütendes zugenommen bat. Dao kommt aber einfach daher, daß die Irländer, die nun schon seit Jahrhunderten von Snglr.n-, die schreiendsten Bedrückungen erfahren mußten, kein Zutrauen zu der Regierung, nack wem sie auch benannt sei, mehr faffen wollen. Di« Regierung selbst befind.t sich lndeffen gleichsalls in einer nicht beneidenswerthin Lag«, fie hat es üb.rnommeii, zugleich mit Repressalien und mit Risormen aufzutreten, und da liegt die Gefahr nabt, daß durch daS Eine verdoiben wird, was man mit dem Andern gut gemach, hat. Von d.n Con- seroativen wird die Regierung der Schwäche beschuldigt, weil fie vie ihr ver- liehenrn außerordentlichen Ge ralten nicht anzuwenden wifle; die L.beralen aber wachen argwöhnisch darüber, baß die Regierung diese Gewalten nicht überschreite und sie nicht mißbrauche. Wie da« noch enden wird, ist nicht ob. zusch". Daß die Bevölkerung der Insel Arian-More einen förmlichen Kamps mit einem Kanonenboot der Regierung gehabt, ist von Gladstone in Abrede gestellt worden; dagegen kann nicht bestritten werden, daß die Auftritte auf dem Lande immer heftiger und blutiger werden. Man bedenke, waS e? he ßt wenn in der Grafschaft Slare 80 berittene Polizisten aufgebo.'en werden mußten, um «inen Gerichteboten zu beschützen, welcher Exmisfionsbesehle an di« Pächier zu bestellen halte. Trotz dieser stattlichen Bedeckung kam .s doch zum Gefechte, wobei auf beiden Seiten scharf geschoffen wurde und «S Tobte und Verwundete anb. Das grenzt schon an ernt Jnsurrection. Mm hat aber beim Entwurf der Bill nicht bedacht, daß eie G un b-fitzer so zahlreiche Exmission n von Pächtern vornehmen würden, um so dem Z oang, der ihren in der Bill aus.rlegt wird, zu entgehe!,. Dabei mehren fich die unbeimlichen agrarischen Morde und Mordversuche! Um der Sxansfioi en willen kann und wird die Landbill nicht zurückgezogen werden; aber der ganze Zustand des zer> wühlten, ausgeregten und so unglücklichen Irland beweist aber, daß an einem Tage Nicht gutgemacht werden kann, was in Jahrhunderten gesündigt worden ist. Sine L'bre, die sich alle Staatsmänner wobl zu Her,en nebrnm dürsen!

AeulMand.

Darmstadt, 8. Juni. Schluß des Inhalts Großh. Regierungs. blattS (Beilage xJhr. 15):

7. Dienstnachrichten. St. König!. Hoheit der Großherzog haben aller- gnädigst geruht: am 4 Mal den Kreit bauaufseher Georg Waübott von btm Kreisbauamte WormS in gleicher Dienste,genschast au daS Kreisbauamt Gießen zu versetzen; am 6. Mai dem evang. Pfarrer Georg Werner von Llßberg die evang. Pfarrstelle zu Ober-Moffau zu übertragen.

Am 30. April wurde dem Schullehrer Johann Geibel zu Saurr-SLwa« kenbeim eine L-Hrerstelle an der GemeindesLule zu Butzbach übertragen: am 3. Mai wurden die B^uaufseher Georg Michael Willenbücker zu Grünberg und August Bolenz zu Homberg, foTte der Sergeant .m 4. Jnfant..Regime, t ^ern^llhelm Län merhirt zu Worms zu Steutraufiehern ernannt; t M 5. Mai wurde dem Geometer 2 Klasse Wilhelm Wammjer aus Vielbrunn das Patent als Geometer 1. Kl fle für den Kreis Erback erlheür; an dems. ^tagc wurde dem ^Lckullehrer Adam Spreng zu Ästheim die erl'digte Lehrer« stelle an der kath. schule zu E.ch, an dems. Tage wurde dem Schulamts« asprranten Undrear- ^binn aus Lich eine erledigte Lehrerstelle an der Gemeinde« schule zu Bondorf, an dem?. Tage wurde dem SckulamtSaspirant.n Cbr'stlan Bernhatd aus Engelstadt «tne Lehrerstill« au der Gem-indeschu?« zu Gunteis- blum übertragen; am 7. Mai wurde dem Bernhard Engroff aus Darmstadt

das Patent alS G ometer 1. Klaffe für den Kreis Groß'Gerau ertheilt; am 14. Mat wurde der Sirgeant und Hautboist im 3. Großh. Heff. Infanterie- Regiment (Leib.Regiment) Nr. 117 Heinrich Wilhelm Krenkel zum Amtsge- ricktsdiener bei dem AmtS erichke Büdingen, an dems. Tage wurde der Vtli« fildwebel im 4. Großh. Heff. Infanterie«Regiment (Prinz Kail) Nr. 118 Adam Krug zum AmtsaenchtSbiener bei dem Amtsgerichte Bingen, an dems. Tage wurde der Fuß GenSd'arm i. P. Karl Friedrich Müller zu Wörrstadt zuar Amt gerichtSd ener bet dem Amtsgerichte Wörrstadt ernannt.

8. Dienstentlassung. Am 30. April wurde die Oberhebamme an der Entbindungsanstalt zu Gießen Katharina Dtehm auf ihr Nachsuchen entlasten.

9. Ruhestandsversetzung. Am 14. Mai wurde der Schullehrer an der kath. Sckule zu Elsheim Georg Philipp Z nk aus Nachsuchen unter Anerken­nung seiner langjährigen treuen Dienste In den Ruhestand versetzt.

10. Concurrenzeröffnungen. Erledigt find: die mit einem kath. Lehrer zu besetzende erste Lchreistell« an der Gen eindeschule zu BibltS mit einem nach dem Diei stalter des betr. Lehrers sich bemessenden Gehalt von 10001300 JL !^h l'ch. Mit der Stelle ist Organistendienst verbunden. Dem Kreisrath des KreiseS Bensheim, dem Ortsgeistlichen und dem OrtSv'orstande von Biblis stehl daS Präsentationsrecht zu deiselben zu. Eine mit einem eoang. Lehrer zu besetzende Lehrirstelle (2. Mädchenschulstelle) an der Gemeindeschule zu Beer­felden, mit einem jährlichen G halt von 10001150 v4L Der betr. Lehrer kann nach Art. 48 des Volksschulgesetzes angehalten werden, event. eine andere Schulklaffe an der Gemeindeschule zu Beerfelden zu übernehmen. Dem Herrn Grafen zu Eibach«Fürstenau steht das P äsentatiorsrecht zu dieser Stelle zu. Das Concurrenz-Äusichreiben in Beilage 8 des Großh. Regierungsblatts von 1881 wird hiermit zurück,er omu en. Die evang. Psarrstelle zu Staden mit Stammheim. Das Präsentationsrecht zu dieser Stelle steht dem Herrn Grafen von Schlitz, genaimt v. Görtz, zu.

Darmstadt, 8. Juni. (LandtagsDahlen). Ferner wurden gewählt: 1) Provinz Starkenburg:

Im 1. Wahlbezirk: Wilhelm grhr. v. Wedekind, Gutsbesitzer in Hiltersklingen.

» 3. Decan Groh zu König.

8. OberlardeSgerichtSrath Franck zu Darmstadt.

, 15. August Kugler zu Offenbach.

2) Provinz Oberhessen.-

Im 2. Wahlbez'rk:

Fnedr. Weith, Gutsbesitzer zu Nteder«Wöllstadr. Johs. Haustein. Sta tverordneter zu Gießen. Karl Pfannstiel in Ha nbach.

Bergrath Tecklenburg zu Darmstadt.

Pfarrer Ellenberger in Ortenberg.

Das Gr. Regier.'Dlitt hat Li 82 Art kein die allgemeine Bauordnung publicirt: Anlage und Veränderung von Straßen und Plätzen find die Straßen und Bnlfl.chi inien vom Gemeindevorstand f<stzustellen und können zu Nesrm Zwecke Ort. bauvläne für ganze Orte und Straßen errichtet werden. Der Plan wiro zur Geltendmachung von Einwendungen offengelezt, vom KreiSaus- schuffe begutach et, durch das Mm.sterium genehmigt. Bei Festsetzung der Fluchtlinien ist auf derung des Verkehrs, der Feuerficherhe t und öffent­lichen Geiundbeit, sowie Straßer.schönheit Rücksicht zu nehmen. Neu angelegte Ortsstraßen sollen in Städten nicht unter 12,5 ML, in Ortschaften nickt unter 10 M. Breite haben. Der gruebmigte Orrs« bezw. Slraßenbauplan wird zur Ansicht offenzelegt und biltet ton diesem Momente an die Straßen- st^cktli-ne auch die Ba fluchtlinie, zu denn Einhaltung der Grundeigenthümer verpflichtet ist. Das Ortsstatut bestimmt die Doraussetzurgen zur Eröffnung und Herstellung der Srr ßen. D'e Gemeinde ist jedoch zur Herstellung der c-orge'ehenen Straßen jedenfalls bann verpflichtet, wenn an solchen zu beiden Leuen oder, wo nur eine SNaßenseite zum Btbauen bestimmt ist, an dieser Leite neue oder ältere Gebäude an bestehend- Straßen fich in solcher Weise anreihen, daß der arößere TheU der neuen Straße, bis zur nächsten Quer- str. ße gerechnet, a's b baut anzusehen ist. Sobald die Gemeinde zur Her- stelluna der Straße schreitet, kann der Gebäude-Eiae^thümer Er.tschädigung für unbebautes in den Ltrsßenzug fallendes Gelände verlangen. Die Her« stellung und Unterhaltung der im öffentlichen Jntereffe nöthigen Straßen und Plätze liegt der Gemeinde ob, insoweit nicht eine besondere Verpflichtung Dritter besteht. Das Ortestatut kann bestimmen, daß bei Straßenanlagen die Kosten des nöthigen Geländes, der Erbauung von Kanälen, der Erdarbeiten zur Herstellung des Sttaßenkörpers und der ersten Chausfirung der Fahrbahn