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5<> Freitag den 11. März 18M.
Gießener Anzeiger
Anskigk- nnb Amtsblatt für den ßms 6ic6tn.
■ ' ...... ■ """ "' '--------- ” firrit vierfeljLhrfich 2 Warf 20 Pf. mit «ringrrlohn.
V«re»«r Schvlfiraße B. 18. Erscheint täglich mit Au-nahme brt Montag». Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Warf 50 Pt.
für die 2tablirung de- Rothen Kreuze« in Tran-vaal Sorge getragen hat. In gleichem Sinn« find die Unterzeichneten zusammengetreien, um Gelbsamm- lungen zu veranstalten und die eingegangenen Beiträge eben dahin ahzusühren- Wir richten an Alle, welche ein Her, und eine Gabe für die armen Verwundeten haben, die dringende Bitte, uni ihre Beiträge rasch zu spenden- Fließen dieselben reichlich, so ist in «u«flcht genommen, deutsche Aerzke und Kranken- Pfleger nach dem Kriegsschauplatz zu senden. Da« Schatzmeisteramt hat der miiunterzeichneie Herr Lonsul C- Gärtner gütigst übernommen und bitten wir all« Gaben und Zuschriften an seine Abreffe, PotSdamerstrahc 86 A, zu richten.
Berlin, 4. März 1881.
Da« Somit« zur Unterstützung der Verwundeten in Transvaal: Annecke, Generalsekretär te« deutschen Hanbel-tages; Arndt, Geh. Lommer- zienrath; Dr. DiiboiS-Reymond, Geh. Rath und Proseffor; Darmer, Sapitän- Lieutenant; Dr. Gustav Fritsch, Prof.ssor; S- Gärtner, Lonsul a. D; Dr. R. Hartmann, Professor; Dr. R- Jannasch, Vorsitzender de« Lenttal- verein» für Handels-Geographie; Dr. Otto Kersten; Dr. Heinrich Kruse; B- v. Langend.ck, Geh- Ober-Medicinalrath; Dr. G- Rachtigal, Vorfltzender der Gesellschast für Erdkunde; Frhr. v. Schleinitz, Sapitän zur Lee; William Schönlank; Dr. Schuber», Generalarzt; Dr. Virchow, Geh. Rath und Pro- feffor; Vowinkel, Reich«lag».Abgeordneter; Richard Wagner (Bayreuth);
Ernst v. Weber (Dresden).
England.
London, 8. März. Di« ärmliche „Gazette" veröffentlicht di« Sehe- bung de» diesseitig«» Botschafter« in Berlin, Lord Ruffell, in den Pairtstand mit dem T't'l Baron «mpthill zu Ampihill.
Dublin, 8. März. Außer Walsh sind noch zwei weitere Mitglieder der Landliga verhaslet worden, darunter Michael Boyion, welcher am meisten für die Orgamsaiion der L.ga Ihätig war. Boyion legte Namen« der ameri- k-mischen Republik Verwahrung gegen seine Vrrhastung «in.
Atalicu.
Rom, 6. März. Die Katastrophe von Casamicciola auf der Insel Ischia stellt sich immer fürchterlicher heraus. Von 500 Steinhäusern würben 200 zertrümmert und die Übrigen sind ganz unbewohnbar. Alle Einwohner sind auf da« offen« Feld geflüchtet. Lebensmittel fehlen und es mußte au« Neapel Brod requirirt werden. Palmieri'« A -sicht von einer Unterwaschung de« Bodens durch Waffer wird al« nnb'ltbar betrachtet, da h ute Laccamento ebensall« von «inem Erdbeben arg beichädigt wurde. Der Schaden ist unbe- rechenbar. Die Baulichkeiten d.r Thermen sind fast alle eingestürzt. Bisher wurden 102 Tod!« ausg«graben. Die Regierung wird dem Parlamente einen Gesetzentwurf Über die Unterstützung der D-rnnglückten vorlegen.
Portugal.
Lissabon, 8. März. Gestern fanden hier eii.ige Manifestationen gegen da« Mw'stirrum statt, wobei e« zu unbedeutenden Volksansammlungen kam, welche ohne besonderen Zwiichensall zerstreut wurden. Die Demonstrationen richteten sich g-g«n einige Personen in öffentlichen Stellungen und gegen Journalisten. Abend« fand eine andere Demonstration zu Gunsten de« Mini- I sterium« statt. Heute ist Alle« ruhig.
Stlkgraphischt Depeschen.
Wolff'« ««legt, or.rrespoudenr-vureau.
Berlin, 9. Mär,. Deutscher Reichstag. Ls ist eingegangen da» Unsall- Ltersicherunas-O^esetz für «rbeiirr. Sei der fortgesetzten «crathung des Gesetzentwurfs, betrenenb imeuäbngt Sudgctper oden, erklä r Abg. Freiherr o. Lerchinfeld, nur oter- täbnae Le« slatw perwden, nicht aber zweijährige Äudgewerioden aeceptwen m können. Sraoissecrelär Schot, vvlemfirl gegen die aeftrigtn Ausführungen de« Ab,. Lasker, als ob die Vorlage einen ScheincvnftimnonalwmuS schonen werde. MN besonderem Nachdruck trttt ecooh für zw.-iahnge Liaisverioden ein, welche allerdings 2 Säten bätten wobei indeh die Cortbeile weit üderwicgend ftttn. Der Abg. Hanel bekampst dre Vorlage, welche wichtige »olitisch. Rechte des Reichstags preis,ebe und der nationalen $olirf des Reichskanzlers nicht enlsprechc. Ltaalssecretär Schol, weist auf bit zweifellosen Dortbeile btn, die sich aus dem nicht mehr gleichzeitigen Tagen des Reichslags und der Landtage ergäben. Ter nürN-mbergrsche BundesrathsdevollmachNgle Schmid bemerkt die Abb lie von der übermäßigen parlamentarischen Last könne nur crntrctcn wenn "auch die Lin,il'iaa,-n ohne Ausnahme mehrjährige Ltatsperioden e>n- sübrlcn der Bundesratb würde der Vorlage n.cht zugestimmt haben, wenn sieern Attentat aus die nationale Sntwicklung bedeutete. Auch der baierische Gesandte, Gras Lcrchcnseld beiürwortet cneraisck, die Vvilage und bebt die günstigen Resultat« der zweijährigen Finanzperioden tn Lagern hervor. Ter Abg. WindtHorst bringt manche rechniiche und politische Bedenken gegen di- Vorlage vor, wünscht aber erne nngehende comm-siarisch- Vorberathung. Staats,ccrelär -. «öttichtr erNärt, wenn das Haus dem An 13 der Verfassung (alliahrlrche Einberufung des Reichstags) nicht abanbtrn wolle, würben die Regierungen erwägen, inwieweit auf die Vorlage verzichtet werden könne, wenn dre jädrl-de (?tnberuhing des Reichstags ousrrcht erhalten werde; um die Initiative beffelben zu wahren, würden die Regierungen demselben mit voller Loyalität Vcrlag.n mach n Aba. v Kleist-Retzow b'grünbel nochmals den Standpunkt der Sonfeivaliven Rack einem Schlußwort drs Abg. Rickert folgt die «bsttmmung über den Antrag Stumm, die Vorlage an eine Commission zu verweisen. Die Abstimmung ergibt die Beschlußunsähigkett des HauieS. — Kortsetzung morgen.
Pari», 9. März. Ta« „Magasm au prmtemps“ ist heute ftüb voll- ständig niedergebrann», nur die Kaffe ist getutet, auch gelang es, die Neben- Häuser zu schützen.
Deutschland und der Orient.
Die preußischen Osficiösen belehren die Welt darüber, daß die deutsche Diplomatie in Stambul eine speclelle .Mission" nicht habe, somit auch die englische Nachricht von dem Scheitern der Mission des Grasen Hatzseldt unrichtig sei. Auch di« Wiener .Gutunterrichteten" haben sich diesem Dementi angeschloffen, und so müffen wir aus Treu und Glauben annehmen, daß I Deutschland und Oesterreich von einer „orientalischen Mission" nichts wiffeii I wollen. Die Ehamäleons-Natur der Balkansr«ge motivirt am besten da« vsficiöse Dementi, denn in der Thal träte «« unmöglich, eine Diplomotie für alle wechselvollen Entscheidungen und Sptüng« bet Psotte mit ganz bestimmten Instructionen zu versehen. Nirgend« mehr al« am goldenen Horn lehrt der Tag den Tag, und „carpe diern" — nutze den Tag au« l — war von jeher I di« Rrgrl für bi« auswärtig«» Botschafter, welche vom Sultan oder seinen Rathgebern etwa« erreichen wollten. Kommt nun noch, wie jetzt, hinzu, baß jeder Tag de« „da unten" eben erwachenden schönen Frühling» dem überraschten Europa di» Nachricht vom griechisch-türkischen Kriege bringen kann, der gleichzeitig die Meldungen vom neuen „Königreich" Rumänien, einem Aus- I stände der Bulgaren, Rnmelioten und sonstiger unzufriedener, Vergrößerung«, süchtiger Vöikerichafien folgen würde, so liegt e» auf der Hand, daß eine gute Diplomatie — und schlecht ist sicher die deutsche Vertretung tn Stambul nicht — so klug und weise sein wird, zu behaupten, daß sie eint I bestimmte Mission nicht besitzt.
Richtrdestowtnlgtr btsttht bitft „Mission", odtr, wenn man will, so iestthen vtrschitdtnt Misfiontn ber beut(4en wit btr cooperirtnbtn östtrreichi- I sch«n Diplomatie. Di- vornehmste Mission ist btzeichnet burch jent große allgemtint Mission, bit Deutschland in Folge seiner centralen Machtstellung in Europa naturgemäß zusällt. 2« ist jene Mission zur Erhaltung de» con- tintntalm Frieden«, btn man, obwohl zur Ztit in Südamtrika, in Sübafrrka und in Miftlafien bit Wafftn klirrt», Welt f rieb en zu nennen beliebt. Diese Mission wird zunächst am besten erfüllt, indem die Diplomatie zwischen den weitgehenden Ansprüche» ber Griechen unb bem zu geringen Maß bet Loncessionen bet Türken ju vermitteln sucht. Vollständig gelöst wird aber bit orienlalischt Fragt trst werbtn, wenn bitft Vermittlung nicht gelingen wirb, denn alle Kenner btt orientalischen Frag« stimmen bann übrr«m, daß auf die Dau«r Ehristenihum unb J«lam, orientalische unb europäisch« Politik „ichi paktir«» könnrn, unb w«nn auch L«it«n« bet Großmächte triebet einmal I etwa« Sympathie für btn „atmen Türken" laut wird, bei oeränberten I Verhältviffe», bei einem neuen Attentate auf btn Rest bt< Befitzstanbe» btt tutopäischtn Tütkti erlischt bit gtgtnwärtigt Missto» btr Tlplomatit. E« hantelt sich in letzter 8mtt darum, daß die Türken rach Kleinasien zurückge- drängt werden, und der Über kurz ober lang bevorstthenbe neue orientalische Krieg, ben man möglicherweise, aber kaum wahrscheirliL localtftrtn kön- nett wirb, bringt bie Mission bet Theilung bet Türkei aus « Tapet, unb zwei- ftlSobne wird man bann mehr von einet beutsch-österreichischen Mission hören. I
In Wien kltibet sich diese Zukunfirmissiou in die beiden Worte: Rach Salomchi! — tn Petersburg und in London tivalisitend in btn Ruf: Nach Konstantinopel! — unb selbst ter Grieche hofft auf eine Erbschaft vom alten Byzanz. Deutschlm.b freilich hat zunächst keine „Mission", bie sich auf Län- bererroetb erstreckt, aber burch bie beutsch-österrtichifche Allianz, wie durch die Nothwendigke.t ber «urdehnung seine» Hanbtl» nach bem Südosttn Europa«, burch bie SBiebertrringung de« alten Hanbtlswtge« nach ber Levante ist e» an der t nbgültigen Lösung ber Drientfrage birect taterefftrt. E« mag gegenwärtig keine bestimmte diplomatische Mission haben, sein« Sultur- mission im Orient besitzt t« dennoch, unb sie wirb zu rechter Zeit auch zur Geltung gebrawt werben.
Deutschland.
Maiuz, 7. März. Die AuSwanberung nach Amerika, besonder» von Bayern. Baben unb Württemberg au», scheint bieseS Frühjahr ganz bebeutenb ju werden. Schon jetzt treffen säst täglich über Hundert dieser Europamüben mit den Dampsbooten, von Mannheim kommend, hier ein. Die weiteren Transporte werbe» so bebeutenb sein, baß biefet Tage von der Nieberlänbischen DampsschifffahrtS-Gesellschaft ein eigene» Schiff nut jum Zwecke bet Aus- wandtrctbesötbetung in Dienst gestellt werden wird. Ta« Schiff »irb_bie Au»wanbetir in Mannheim aufnehmen und dieselben direkt dem nächste» Lee- Hasen -usübreo.
Berliu, 7. März. Die Zeitungen veröffentlichen nachstehenden Ausruf: Der in Transvaal entbrannte Krieg wird in der ganzen gebildeten Welt mit der größten Theilnahme verfolgt. Die blutigen Zusammenstöße der letzten Zeit haben gezeigt, daß e- sich um ein Ringen auf Leben und Tod bandelt. Da Engländer und Boers an persönlicher Tapferkeit wetteifern, so wird die Zahl der Opfer eine ungewöhnlich große sein. Aber die BoerS entbehren drr geordneten militärischen Sanitätseinrichtungen, und es ist daher Pflicht der Menschlichkeit, ihren Verwundeten nach Kräften Hülse und Pflege zu brmger- Berens hat das Zentral« Somit £ der deutschen Vereine vom Rothen Kreuz zu diesem Zu ecke einen Beitrag dem niederländischen Eomit6 im Haag überwiesen, welches durch Vermittlung des königlich niederländischen Konsulats in Capstadt


