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Nr. 288. Samstag den 10. Decembcr 1881.

chießener Wnrelger

APkigk- unö Amtsblatt fit den Kreis Gießen.

~ ~~ " " greift oierleljahrNch 2 Mark 20 Pf. mit Vrmgerloh,-.

Bureau i Cchulstraße B. 18. erschein» t»oli<h mit Aufnahme des Montagd. Durch bie Post bczogen rterteliLhrlich 2 Merk 50 P'.

Amtlicher Hheil.

Bet ress end: Die Schasräude im Großderzo thum Hessen. Gießen, nm 8. Deckender 1881

Das Großherzogliche Kreisamt Gießen

an die (^ro^herzoqlicden Bürgermeistereien des Greifes.

Sie wollen binnen 8 Tagen berichten, ob in den zu Ihren Amtsbezirken gehörigen Gemarkungen reine Lcbafe oder f. g. LcbmiervieK gehalten wird.

Dr. Boe krnonn.

A n f f ord erung.

Bet dem dahier wegen Widerstands, Diebstahls und Landstreicherei verhafteten Schnetdergesellen Wilhelm Ullrich aus Marquattowitz wurde ein Bund mit 8 kleinen Schlüsseln in einem stählernen Ring erhoben, welche höchst wahrscheinlich Jemanden gestohlen wurden. ES ergeht die Aufforderung an denientgen, dem die Sch'üstel abhanden gekommen sind, oder der sonst Auskunft zu geben vermag, mich schleunigst hiervon in Senntniß zu setzen.

Gießen, am 8. December 1881. Der Untersuchungsrichter I am Großh. Landgericht der Provinz Oberheffen.

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Telegraphische Depeschen.

Wolff'- telegr- Correspcmdeuz - Bureau.

Maivz, 8. December. Stichwahl zwischen PHUipps und Bebel erfor­derlich. Philipps hat 900 Stimmen mehr alS Bebel.

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Z)eutfchkand.

m Darmstadt, 8- Decembr,. Von (Selten Großh. Ministerium« der Finanzen ist der zweiten Kammer unterm 25. v MiS ein GesetzeSentwmf in Betreff der Gewann, und P a rz ellcn o erme s sung nebst Motiven zur Eitdeilung der ver- saffungtzmäßigen Zustimmung zugegangen. Der Eingang de« Entwurf« lübrt au«, da« sich daS Bebürfniß berauÖgefteUl habe, wegen Beförderung der in vielen Gemeinden deS Gioßherzogldumü noch iücknändigen Gewann- und Paic.Uenverm.sjungcn Maß. nahmen zu ergreifen. Artikel 1 des Gesetzesentwurfs bestimmt -D-e Vornahme der Gewann- und ParceUenvermeffungen .st von iiner oorauSgegai genen zustimmenden Erklärung der betbedigtn Glmemden oder Besitzer btfonbercT (*Vmarfungen nicht abhängig. Die noch >m Rückstand befindlichen Aideiten sind planmäßig nach Anordnung UnitTe« Ministeriums der Finanzen m Angriff zu nehmen und tum Ende zu tührin.' Art 2 hebt die entg gensteh.nde Bestimmung in Art. 34 deS Gesees, die Vollendung deS Jmmobiliaikatastertz beti , vom 13. April 1824 und da« Gesetz, d.e Parcellrn Vermessung betr, vom 11 Januar 1831 aut D'e dem Entwurf bergegedenen Motwe bemerken, baß derselbe zur Erfüllung einer im LandtagSabtchied vom 26. März d. I gegebenen landesherrlichen Zusage bearbeitet worden fei und saaen n Bezug auf die Ausführung '.Bei der Auffiellung deS Planes über die Ausführung wird darauf Bedacht genommen werden müssen, die weniger wohlhabenden Gemeinden in der Auf- drmgurg der Kosten nach Thunlichkeit zu erleichtern. ES kann dies einerseits durch izurückftellung der Bermeffungen Nr den betreffenden Gemarkungen geschehen, weiche deinem Anstande unterliegt, da zur Vollendung der Arbeiten eine größere Reihe von Zähren erforderlich und daher hinreichender Spielraum gegeben ist, die wohlhabenden Gemeinden zuerst m den Vermessung-plan einzustellen, und <S wird andererseits dem gedachten Zw.ck in bei Weise entsprochen werden können, daß den betreffenden Ge­meinden zur Rückerstattung der von bim Staate vorzul^g nden Kosten längere Fristen bewilligt werdin und die Möglichkeit geboten wird, allmählig einen Fond« zur Be­saitung der Kosten onzusommeln. Donr>1 übrigen« die dernnächstige planmäßig Aus­führung der ParccUer Vermessungen nicht durch den Mangel an qual'fieirten Geometern, welche zur Uebirn.'hn.e der Arbeiten sich bereit finden, gehindert wnb, ist auch eine Erhöhung der für die Ausführung bestimmten Taxen, welche rn rbrcr derrnaliacn Festsetzung den Geometern keinen ang messenen Verdienst gewähren, absolut forderlich. ES liegt daher in der Absicht, neue, dem Bedürfmß entsprechende Tax- bestimmungen 'm Berordnungswege zu erloffen *

Berlin, 7. December. Ihre Mas. die Katserln hat bekanntlich einen Preis für die beste Arbeit über das Wesen und d e Bekämpfung der Dtphtbe- titis ausgesetzt. Bis fetzt hat fick Memcnd gefunden, der in erfchöpfender Weste d,e PreiSoufaobe behandelt und gelöst hätte- Inzwischen re-gt es fick immer deutlicher, daß im Interesse der öffentlichen GesundheltSpflege etwas wird geschehen müffen, um dieser vetberrer den Krankheit propbvlakt'sch ent- aegei treten zu können. Wer die Wochen, und Monatsberichte unseres statistt» scken Bureaus über die Erkrankurgs. und Ste-blickkeits.Z ffern aufmerksam liest der wird finden, daß die Zahl der an Tipbth eritis gestorbenen Sinder in erschreckender We se im Wachsen begriffen ist. Wir haben m diesem Augen­blicke Zahlenreihen der letzten 5 Jahre vor unS- Da ergiebt fich, daß rn Berlin in den Jahren von 1877 biS 1880 nicht weniger als 5314 Sinder bis zu 10 Jahren an Divhtheritis gestorben sind. Noch höher stellt sich die Sterblichkeits-Ziffer für die 11 Monate des Jahres 1881, He dmt hstr solgm losten.- Januar 135, Februar 98, Märt 123, Avril 101, Mai 09 Juni 121 Juli 124, August 91, September 144, Oktober 159, November 471, also in lUonaten bte hohe Zahl von 137 6. Aber nickt in Berlin allein ist bie schreckliche Krankheit im Wachsen, auch Hamburg, München, Dresden, Breslau, Königsberg, Stettin und Danzig melden ähnlich lautende Berichte. Namentlich in den beiden letztgenannten Städten hat die DiphtheritiS besorgniß- erregende ForlschrÜte gemacht. Kein Vergleich aber soll mit den Verheerungen ,u ziehen sein, die auS Rußland berichtet werden, wo man augenscheinlich der Krankheit noch rathloser gegenüberstebt, wie in Deutschland.

Heber den Stand der Cholera liegen zur Stunde folgende zuver- läsfige Nachrichten vor. In Hegjas hat die Kral-kheit durch den Zuzug von 60 000 Pilgern, die ohne jede Aufsicht und Einschränkung auf der Rückkehr aus der heiligen Stadt" Dseddah zuströmten, zugenommen. In letztgenannter Stadt waren bei Abgang der letzten Berichte die Einwohner wenig berührt von der Epidemie, In Mekka selbst ist eine Abnahme der Todesfälle zu ver- zeichnen gewesen; während am 7. November roch 267, am 8. noch 168, am 9. noch 129 Todesfälle vorgekommen, sank die Zahl der letzteren biS gegen Mitte November stetig bis 47. In Dseddah wurden am 13. Novbr. 8 Todes­fälle an Cholera constatirt.

Hesterreich.

Wien, 7. December. Im österreichischen Abgeordnetenhause ist es zu sehr hestigen Austritten gekommen. Am 3. dS. hatte der Justizminister die Unterzeichner deS Manifestes der deutsch, böhmischen Abgeordneten an die Deutschen in Böhmen aus Anlaß der Prager Deutschenhetzen Gesetzübertreter genannt und war auf stürmisches Verlangen eine Commission gewählt, welche diesen Austruck prüfen solle. Am Dienstag erstattete die Commission nun ihren Bericht, und Dank der deutsch. feindlichen Auffaffung der Mosori'ät, hatte man an der Aeußerung nichts auSzusetzen. Nach längerer Dtbalte, in welcher Abg. Kronawetter fich gegen den MinoritäS-Antrag, dem Minister Prarak dte Mißbilligung deS HauseS auszusprechen, wendete, weil keine Belei. digung, sondern nur der Vorwurf einer politisch strafbaren Handlung vorliege, wurde der Minorität- Antrag mit 161 gegen 113 Stimmen abgelehnt. Die deutfch-böhm.schen Abgeordneten hatten vorher den Saal verlosten. Da- sind die Folgen der Deutschenhitzen, und kommen noch schlimmere Früchte zu Tage, so solls urs nicht wundern. Der Kampf gegen daS Deutschthum wird nicht nach Recht und Gerechtigkeit, sondern systematisch gesührt.

Arankreich.

Pari-, 7. December. Der Unterrichts Münster Paul Bert hat in einem Circular bekannt gemacht, daß in den Mittelschulen die Eltern volle Freiheit hinsichtlich deS Religionsunterrichts ihrer Sinder haben. S'e können nach Belieben gänzlich von dem Religionsunterrichte obsehen. Bisher war näml'ch in den französischen Mittelschulen der Religionsunterricht ein obliga- torischer Gegenstand.

Aus Pari- wird der Tod des Generals Langiewitsch gemeldet. Der bekannte polnische Jnsurgentenführer hatte sich im Jahre 1862 nach Frankreich geflüchtet, wo ihm der Kaiser LouiS Napoleon aus seiner Privatkaffe eine Pension von 6000 FrcS. zahlte- Nach dem Zusammenbruch de- Saiserreich- lebte Langiewitsch im tiefsten Elend und verbarg seine Armuth hinter dem Namen Langls; als er erkrankte, brachten ihn seine Freunde im Hospital Dubois unter, wo er auch starb.

IlaNe«.

Now, 6. Decbr. Der Papst hat den Wunsch ausgesprochen, die ihm zu überreichende Adreffe der Blscköfe möge Angesicht- der Schwierigkeiten der gegenwärtigen S tuation möglichst gemäßigt lein. Man glaubt, der Papst werde die Adreffe in gleichem Tone beantworten. Die Ueberreichung findet am Eorntog statt.

Recht erbauliche Zustände herrschen wirklich im italienischen Parla­ment. Der sicilian'sche Teputirte Camminecci hatte den StationS-Chef einer ficilianischen Eisenbahn e nfach geprügelt, weil er daS Reglement auch für die Herren Deputirten in Kraft halten wollte. In der Appell-Jnstanz wurde vom Ger-cht gegen den verklagten Deputirten sehr glimpflich auf drei Monate Relegation an einen bestimmten Aufenthaltsort erkannt. AlS der Präsident Farini die Verz'chlle'stung deS Deputirten Camminecci in der Sammer anzeigte, beschloß die letztere, die Entlastung nicht anzunehmen. Die Sammer hat fick damit über daS Gerickt gestellt und besten Spruch thatsächlich getadelt und zerstört. Wundem sollte man fich allerdings über diese Art von Moral nicht mehr, wenn mau fei Monaten die italienische Preste vergebens vom Präsi­denten der Sammer, Farini, verlangen sieht, daß gegen den Deputirten de To- minic's (alle Blätter nennen den Mann beim Namen) ein Proceß wegen Diebstahls von 100 Lire eingeleitet werde, welchen derselbe an einem Collegen in der Garderobe deS Parlaments begangen haben soll.

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