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Nr. 2«2

Donnerstag den 10. November

1SSI.

Meßmer Wneiqer

Aüieigc- und Amtsblatt fir bcn Kreis Gieße«.

Bureau r'ul straße B. 18.

Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS.

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Durch bte Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pf.

Deutschland.

Berlin, 7. Novbr. Prinz Karl von Preußen ist plötzlich im Jagd­schloß HubertiiSstock bei Ebei-walde schwer e krankt. Se. König!. Hoheit hatte der Jagd den ganzen Tig obgelegen und 8 Stück Hochwild erlegt. Kurz vor der Abfahrt de- Kaiser- zur Rückkehr nach Berlin wurde der Prinz so heftig unwobl. daß er im Jagdschloß zurückbleiben mußte; «s geschah dies so plötz- lich, daß nicht einmal Zeit blieb, den Kaiser und den Leibarzt, welche bereits auf der Fahrt nach EberSwalde sich befanden, zu benachrichtigen. Bekanntlich war Prinz Karl tn diesem und im vorigen Jahre leidend, batte sich aber sehr bald wieder erholt; der Prinz. Gereralfeldzeugmeister und Chef der Artillerie, steht im 80. Lrben-jahr (N uesten Nachrichten zufolge ist an der ganz»n Krankengeschichte nichts Wahres. Red.)

Ezar Alexander 111. gedenke fei'e l 5jährige Hochzritsfeier festlich zu begehen. Der Crbgroßherzog Friedrich Wilhelm von Baden soll dabei das deutsche Kaiserhaus vertreten.

(Die Oelhetmer Quellen). Es sind jetzt bereit- zwölf G»sell- schäften mrl der Gewinnung von Petroleum ui dem Hannoverschen Oeldtstricte beschäftigt, wobl ein Bewe S, daß die Industrie lebens« und cntwickelungSfähig ist.

Aus Oelhkim sind zwei Dipe^chen tn Birlin eingeqangen, deren erste besagt, daß das Freitag Abend tn Betrieb gesetzte Bohrloch 6 innerhalb t3/* Stunden 70 Barrels Oel producirt habe. Werter wird darin gemeldet, daß die Bohrlöcher 3 und 5 unverändert vorzüglich produciren und daß 7 und 8 in einigen Tagen «be-falls den Pumpbeirteb beginnen dürften. Die zweite Depesche lautete: N. 6 lieferte in voriger Nacht bet sehr langsamem Betriebe ca. 200 Bar'elS sehr seine- leichte-Oei und producirt gleichmäßig werter. Mohr.

Es ist die- nun die dritte Oelquelle von größerer Produc.ivität, welche von der Oelhetmer Gesellschaft erbohrt wurde. Brieflich«» Nachrichten zufolge steht für die nächste Zeit die Erbohrm.g dive's.r weiterer Oelquellen in Aus­sicht, betreffs deren insofern auf große Oe.'mengen geschloffen werden darf, al- die Aiueichen, die dem Erschließen stärkerer Quellen vorherzugehen pflegen, nämlich da- mit heftigem Geiüse erfolgente Auisteigen von GaSmengen, sich bet einer Anzahl im Äufsck ließen befindlicher Boh'löcher bereits bemerkbar machen. ES scheint bei der überraschend schnellen Entwickelung der Oelhetmer PetroleuM'Jndustrte der Moment gar nicht so fern zu sein, in welchem Deutsch­land -um größten Tbeil seinen Consum feit ft productren wird.

Der Reichstag ist nun durch kaiserliche Verordnung, welche im Reich- Anzeiger" veröffei tl cht ist, auf den 17. November rinbrrusen. Als Alterspräsident, welcher die nächste Session zu eröffnen berufen sein wird, wird der Abgeordnete für Mülhausen im Elsaß, der Commerzienrath und Fabr.k- befitzrr Johann Dollfus bezeichnet. Geboren am 26. September 1800, steht Herr Dollfus im 82. Leben/fahre und >st das älteste Mitglied unter den neu gewäblten Abgeordneten. Sollte Herr DollsuS das Amt zu übernehmen ver­hindert sein oder eS an daL rächstälteste Mitglied übertragen wollen, was ihm fretsteht, so würde Graf Moltke, geboren cm 26. Oktober 1800, Alters­präsident sein.

Bei Gelegenheit der allgemeinen deutschen Ausstellung cuf dem Ge­biete der Hygiene und deS Rettur g-wesens im Jahre 1882 wird auch e n Laboratorium für Untersuchung von Nahrungs- und Grnußmittcln zur An­schauung gebracht werden. ES b-stebt, wie wrr erfahre: , gleichzeitig auch die Absicht, eine Revue über den Bestand und die Verbältniff- der Ui tersuchungs- Aemker, ,esv. der Co: trol-Statio: en für NabrungS- vnv Gennßmittel da:zu- stellen, damit dieselbe allgemeire Beachtung finde. TaS Untersuchungs- Material soll in übersichtlichen Tabellen zusammcng'stellt werden, um v'.elle cht auf solche Weise zu einer einheitlichen Untersuchungs-Methode zu aelang-n.

Bemglich der nun erfolgten Veröffentlichung des östrrreichischen W hr- gefetzes für Bosnien und die Herzegowina wird denBerl. Polit. Nachr." mitgetheilt, d ß der Erlaß dieses Gesetzes und d es ist jedenfalls in hohem Grade charakteristisch und politisch bedeutsam erfolgt ist, ohne daß vorher eine Verhandlung hierüber mit der Pforte stattgefunden hätte oder eine An­frage an dieselbe gerichtet worden wäre.

Karlsruhe, 7. November. DerKarlsr. Ztg." zufolge besteht d>e Krankheit deö Großherzozs in einem gastrischen Fieber. Vorgestern und gestern Abend trat eine Erhöhung der Temperatur ein, welche auch beute anhielt. Alle übrigen Kra kheitserscheinur.gen halten sich in mäßigen Schranken.

München, 7. November. Bei der heutigen Stichwahl im 1. hiesigen Wahlkreise siegte Ruppert (Centrum) mit 7700 Stimmen gegen v. Schlör (nat.-lib.) 6400 Stimmen.

Breslau. Breslau-Osten. Im Ganzen abgegeben 15,550 Stimmen, davon für Hasenclever (Socialdem) 8455 Stimmen, für Beblo (Fortschr.) 6855 Summen.

Breslau-Westen. Im Ganzen abgegeben 16,435 Stimmen davon für Kraecker (Socialdem.) 8312 Stimmen, für Freund (Fortschr.) 7898 St.

Oesterreich.

Wien, 7. November. In der heutigen Plenarsitzung der österreichi­schen Delegation erklärte Hübner, daß es ihm, als dem ältesten Diplomaten in der Versammlung, gestattet sei, dem zu Aller Le dwesen so früh abberufenen

Baron v. Haumerle ein Wort der Anerkennung und deS Dankes zu widmen. (Beifall). Der wichtigste von dem Dahingeschiedenen zu einem g,drihlichen Ende geführte Akt sei die thetlweise Modificirung der Berliner B'schlüffe für Griechenland gewesen. Diese brennende, zu den ernstesten Besorgniffen Anlaß gebende Frage sei innerhalb weniger Monate gelöst worden, Dank der Weis­heit und der Mäßigung der Mächte, Dank dem einmüthigen Zusammengehen ter Cabiuete von Wien und Berlin. ES sei dieS etn neuer Beleg für fein (des R dnerS) Axiom, daß eS eine orientalische Frage nur giebt, wenn die Mächte es wollen, und daß, trenn ff- nicht wollen, es keine giebt. Der Auf­gabe der Berudigui g der Balkanhalbinsel, sowie der Erfüllung seiner übrigen schweren Drrufspflichten habe sich Haymerlc mit dem Aufgebote und der An- strenguna seiner geistigen, mit Zerrüttung und Erschöpfung seiner physischen Kräfte peribmet. Er sei eines frühen Todes gestorben, aber nachdem er sich wohlve,dient gemacht habe um den Kaiser ujiö das Vaterland, wohlverdient um die Erhaltung deS europäischen Friedens.

Arankreich.

Paris, 7. November. Nachrichten aus Tunis bestätigen, daß zahlreiche Stämme der Aufständischen ihre Unterwerfung angeboten haben. DoS PariS-Ioiunal" erklärt alle Gerüchte hinsichtlich der Zusammensetzung M zukünftigen Ministeriums für verfrüht mit dem Bem-rkeu, daß (Sambetta noch Niemandem irgendwelche Eröffnungen gemacht habe. Die Dinge würden daher bleiben, wie sie find, bi- Gambetta officiell beauftragt werde, ein neue- Erbtnet zu bilden. Das genannte Journal glaubt versichern zu können, daß do- neue Ministcrium am Tage nach der Ertheilung des bezüglichen Auftrag s an Gambetta imJournal officiel" publicirt werden wür e.

England.

London, 7. November Es ist Gefahr vothanden, daß der Landge- richtsbof durch die überaus große Menge der vorlie^endru Proceffe zum Still­stand komme. ES muß entweder vas Personal stark vervielfacht oder da- Verfahren abgekürzt werden, sonst wird eine Ltockuni entstehen; sehr nach­theilig ist auch der bedeutende Kostenaufwand; da dec Gerichtshof die Fälle nach ftinem B-lieben auSwählt, müssen oft GutSherre,., Sachwalter, Zeugen und theure Abschätzer wochenlang warre». Bis jetzt haben nur die Sach-valter rom neuen Zustande der Dinge Vortheil gezogen, während die Gutsherren gewalrige Schäden erleiden, da während der Schwebe Niemand Pacht zahlt.

Rumänien.

Bukarest, 7. Norbr. Der König empfii g heute in feierlicher Audienz die außerordentlich- persische Gesandtschaft, welche die Glückwünsche des Schaf- von Persien anläßlich der Ethrburg Rumäniens zum Königreiche übrrbrach'e.

Seröien.

Belgrad, 7. November. Das Gerücht, daß sämmtliche Bischöfe wegen der SuSpendirung des Metropoliten ihre Entlaffung zu nehmen beab- sichtigen, ist unbegründet. Durch den Einfluß des M nisters des Innern, GarasLani-.i, find die durch den Protest des Metropoliten heroorgerufenen Differerren ou-aeglichen worden. Die von der liberalen Partei verbreitete Nachricht von der beabfichtigten Demission des Cabinets entbehrt ebenfalls der Begründung.

Afrika.

Tunis, 7. November. Bei den Recognoscirung-n in der Umgebung des Lager- von Teboursouk stieß man auf einige Aufständische, welche ohne Müde zerfireut wurden. Die Unterwerfung aller Aufständischen im Norden der Regentschaft wird demnächst erwartet. General St. Juan ist in Rairuan wieder eingetroffen; tn Djebel-Ouffelet traf derselbe keinen Aufständischen.

Amerika.

Washington, 7. November. In feinem allgemeinen Jahresbericht empfiehlt General Sherman aus Gründen des militärischen Dienstes eine Ver­mehrung deS Heere-. Morgen finden in 12 Staaten der Union die Wahlen statt, - diesem Anlaß werden die Märkte geschloffen sein.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S telegr. Correspondenz - Bureau.

Berlin, 8. November. DiePost" enthält einen Aufsehen machenden Artikel, welcher sagt: Fürst B smarck beabsichtige im Laufe der Woche zurück- , zukehren und dem Kaiser Angesichts des B?ahlergrbniffes über die zukünftige i Gestaltung der Regierung Vortrag zu halten. Wie diePost" hört, habe der ' Kanzler geäußeN. er fd müde, das Sticbblatt für alle Bosheit, Niederträch- tigkeit, Derläumdung und neidische Verdächtigung zu sein, welche eine Bevöl- ; kerung von 45 Millionen ablagere. Der Artikel kommt zu dem Schluffe, der ! Nachfolger des Fürsten Bismarck muffe, da mit der Fortschrittspartei nicht monarchisch zu regieren sei, mit der Unterstützung der Katholiken eine regie- rungsfähige Majorität bilden, nachdem die nationalliberale Partei, auf welche gestützt Bismarck den langjährigen Kampf gegen das Cmtrum^ geführt, ihn im I Stich gelassen und deren Führung auf die radikalen Parteien übergegangen sei.