Ausgabe 
10.9.1881
 
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Nr.210.

Samstag hcn 10 September

1881.

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Anmgc- unb Amtsblatt für bei, Kreis Men.

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Amtlicher Tyeil.

Betreffend: Gesuch der Gesellschaftttanaria zu Darmstadt um Genehmigung zur Veranstaltung einer Ausstellung mit Verloosung.

B e k a n n t m a ch u n g.

Großherzogl'cheS Ministerium deS Innern und der Justiz hat der GesellschaftCanaria" zu Darmstadt die Erlaubniß zur Vornahme einer im Februar k. I. mit einer Vogelausstellung zu verbindenden Verlcosung unter der Bedingung ertheilt, daß höchstens 4000 Loose u 50 auSgegeben und mindestens 65% deS Brutto-ErlöseS hieraus zum Ankäufe der Gewinngegenstände verr-endet werden, sowie den Vertrieb der Loose im Großherzogthum gestattet.

Gießen, am 7. September 1881. GroßherzoglicheS KreiSamt Gießen.

Dr. Boekmann.

Vcutfchland.

Darmstadt, 8. September. Seine Königliche Hoheit der Großherzog baben mittelst Allerhöchster Entschließung vom 1. 1. MtS. den Hofgerichts- Kanzlisten L P. -arl Langheinz zum Ministertal.Eanzitsten erster Klasse bet dem Staat-minfstertum Allergnädtgst zu ernennen geruht.

Butzbach, 8. September. Heute Morgen 8 Ubr 5 Mm- trafen Sc- Kgl Höhest der Großheizog nebst Osioßberzoglicher Fomiue und Gefolge, von Friedberg kommend, h er ein unb degaden sich alcbalb in dem an dem Bahnhof bereit gehaltenen Wagen durch unsere Stadt ju dem heute in der Gegend von Münzendcrg ftattfinbenbtn Manöver der Grogh (25.) Division Se. Kgl. Hoheit, welche mtt den drei Groszb. V injlssinnen im ersten Wagen Plah genommen hatte, führte etaenbänbig daS Dter- getpann. Im zweiten zwc.fpännigen Wagen folgte der Erbgroghcrzog nebst dessen Orzieber und Hofmaifchall v. Wcsterwellcr. Ter dritte Wagen war von Hofdamen und ben zwei Flüge abjutanten v fiaff unb $Bmicr besetzt. Die Hauptstraßen der Stadt und zu Ehren der hoben Herrschaften beflaggt.

Friedberg, 8 September. Am 7. September, IO1/, Uhr Vormittags, hielt toc. Kgl. Hoheit d.r Giotzber'vg nebst Familie und Grsolge unter dem Geläute der Glocken unb ben Subeiruf.n der Bevölkerung seinen Einzug in unsere Stadt- Zur Begrüßung um Bahndofe hatten sich e,ngefunoen JtreiSratb Dr. Braden, B rgei meister Scnba und Bezirktzcommandeur Major Roembeld und einige höhere Officiere aus der Provinz. Stach kurzer Ansprache feitenö deS xreidratbS Dr. Braden und Bürßcrmelstertz ecriba bestiegen die höchsten Herrschaften die Wagen und fuhren durch die (Ehrenpforte vor rem Bahnhöfe über den Haagk und die Kaiserstraße nach b<r Burg unter tortgcfetzten brausenden Hochrufen Vor dem Burgthor war die Feuerwehr aufgestellt, in der Burg zunächst die Schüler und Echülermn n der Musterschule, dann die Realschüler, die Sem naristen unb bie lämmtlidun diesigen Vereine mit ihren Fahnen: im Schloßhofe bte Jungfrauen bc Stabt nut Blumensträußen, die Beamten, die Geistlichen, die Gememderäthe ber Stadt und die fämmtlichen Bürgermeister des Kreises, iowie die Musik unserer Feuerwehr. Nachdem die alle, höchsten Herrschaften am Schloßthore die Wagen verlassen batten, überreichte Frl Köhler dem Großberzoae, Frl- Scbüfer, Röm- Held, Gärtner. Philipp! und Hirsch dem Erdgroßherzoge und den Prinzessinnen Bouquets Namen« der Frauen und Jungfrauen der S:adt. Bürgermeister Scriba brachte so­dann ein enthusiastisch aufpenomnuncS Hoch auf den Großherzo^ auS, worauf die FeuerwebrmusikHeil unferm Fürsten Heil" spielte. Die ganze etabt batte brillant geschmückt: ber (^roßherzog drück'- wiederholt seine Befriedigung und Uebenaschung Iber den überaus glänzenden Empfang aus und beauftragte Kieisrath Dr. <raden. dies den Versammeltcn mitzutheilen. sowie Bürgermeister Scriba. dleS den Bewohnern der Stadt gegenüber zu thun. Abends brachten die Gesangvereine unb der Seminarnten- Ehor den allerhöchsten Herrschaften em Ständchen unter Mitwirkung der Musik deS 117. Regiments. Dem Ständchen gmg ein Lampenzug voraus.

Berlin, 7. Septbr. Aus den energischen Erlaß des Ministers deS Innern gegen di' Rudepönmgen und Bedrohungen der jüdischen Bevölkerung tst mit einem Judenkrawall in Stolp (Pommern) geantwortet worden, be welchem das Militär, durch Steiv.würse provocirt, scharf eingehauen bat.

Don der Firma Osterboff ur.d Schmidt in Hamburg-Ottensen wird eine alS Manuskript gedruckte Schrift:Offener Brief an Herrn Profesior Ad. Wagner- versandt, die schlagende Abfertigung einiger Debauptunge i dieses Herrn über die Erträzmsfe des Tabaksmonopols ertheilt. Es heißt am Schluß:In Frankreich kostet der billigste Rauchtabak 5 JL das Pfund, in Deutschland'kauft man Rauchtab k schon für 30 \ daS Pfund. Diese That- fachen find Ihnen bs heute zweifellos unbekannt gewesen. Nachdem sie jetzt von unS zu Ihrer Kenntniß gebracht find, dürfen wir wohl hoffen, daß Sie nicht, wie S'e es in Elberfeld gethan baben. in Ihren AqitationSreden wieder behaupten, e- würden die Preise nach Einführung des Monopols wahrschein» lich nicht erhöht. Die Wahrheit ist, daß, um 160 Mill. Ertrag zu erzielen, die heutigen Preise wenigstens um da- Dreifache erhöht werden muffen und der Verbrauch wenig zurückgeben darf. Alle gezentheil'gen De« bauptungen find entweder von Unkenntniß getragen oder fie haben die Abficht, den Unwiffenden Sand in die Augen zu streuen."

Berlin, 7. Septbr. Der Minister für die öffentlichen Arbeiten hat hinfichtlich der Zugverspätungen und des Nachbringens verspäteter Anschluß. Züge eine sehr energische W-isung an die Königl. Eisenbahu-Direelionen ge­richtet. Mehrfach angestellte Erhebungen hätten erkennen lasten,bafc ein großer Theil dieser Derspätunaen Härte vermieden werden können, wenn die Manipulation zur Fertigstellung der Züge auf den Anfangs' und Zwischen- Stationen nach Möglichkeit beschleunigt und mit der erforderlichen Umficht geleitet worden wären." Den Eisenbshn.Bekriebsämtern ist zur Pfl-cht gemacht wordrn,die Stationen in der prompten Abfertigung der Züge scharf zu con- ttoliren, die vorgekommenen Zugverfpätungen energisch zu verfolgen und unmo- tivirte Derfäumniste streng zu ahnden." Auf Stationen, wo zu gewisten Zeiten erfahrungsmäßig ein großer Zugang.von Paffagieren zu erwarten, sollen vorher cQt Vorbereitungen getroffen werden, um jede Verzögerung zu vermeiden. Namentlich find auch etwa erforderliche Vorspannmaschmen rechtzeüig bereit zu

stellenunb eventuell bei ungewöhnlichem Andrang von Reisenden Doppelzüge" einzurichten. Wird trotz alledem ein Anschluß versäumt, so soll ermöglicht werden, daß bie Passagiere mit einem ber nächsten Züge, ohne erheblichen Zeit- rerlust, ihre Reise fortsetzen ober aus der Anschlußstation eine angemestene Unterkunft erhalten, anderen Falles aber soll ihre schleunige Weiterbeförderung mittelst besonderen ZugeS mindestens bis zu einer solchen Station erfolgen, auf welcher anbetweite Anschlüsse abzewartet werden können oder Gelegenheit zur Nebernacktung geboten ist.

Hannover, 7. September. Der Oberpräfident v. Leipziger veröffent- licht folgenden Erlaß Sr. Majestät deS Kaiser- an den Oberpräfidenten der Provinz: ^Indern Ich Mich atschicke, die Provinz nach mehrtägigem Ber- weilen tn derselben wieder zu uerleflen. wünsche Ich Ihnen auszusprechen, wie Ich .s wohlgefällig bemerkt habe, daß ein großer Theil der Bevölkerung so- nohl btr Stadt Hannover al- auch der näheren und ferneren Umgegend Meine Anwesenheit in ihrer MiNe mit herzlicher Thrilnahme begrüßt hat und angelegentlich bemüht gewesen ist, durch festlichen Schluck der Straßen und Plässr, 'welche Ich berührt, wie in mancherlei anderer Weise Mir Kundgebungen ihrer Anhänglichkeit entgegenzubringen. Insbesondere hat e- Mich erfreut, am Paradetage die zu MeMer Bewillkommnung zahlreich versammelten Krieger« Vereine und bte Vertreter der umliegenden Bauernschaften zu sehen. Auch habe Ich mit Befriedigung die Meldungen entgegengenommen, daß die Truppe., während der ganzen Dauer der diesjährigen großen Herbstübungen fast überall freundliche- Entgegenkommen unb eine allen billigen Anforderungen entsprecheude Ausnahme gefunden oaben. Ich gebe gern Meiner dankenden Anerkennung dafür Ausdruck und beauftrage Sie, die- in angemeffener Weise allen dabei Bethriligten zur Kenntniß zu bringen.

Hannover, 7. September 1881.

gez. Wilhelm.

Krankreich.

Pari-, 6. Septbr. Wie gefährlich nach und nach die Situation in Tunis geworden, beweist am besten der Umstand, daß Mmisterresivent Roustan, trotzdem seine Anwesenheit daselbst eine gewiß nothwendige ist, sich nach Paris begeben mußte, um der Reg'erung persönlich Bericht zu erstatten. Auch der Generalgouverneur von Algerien, Herr Albert Greoy, wird dort erwartet. Die von Roustan angeblich ertheilten Rathschläge mögen ganz verständig sein; worauf es jetzt aber fast allein ankommt, ist, den Efficlivbestand de- Expedi­tions-Corps erheblich zu erhöhen. Das scheint endlich auch der Kriegsminister begriffen zu hoben, und die Truppennachschübe dauern ununterbrochen fort. Tie Besetzung der Hauptstadt selbst durch ein französisches Detachement hätte längst verfügt werden sollen. Ueberhaupt vermißt man in den in der Regent- schäft vorgenommenen Operationen einen klaren, im Vorau- genau au-gearbei- teten Plan; tie ganze Leitung derselben ist eine schwankende, unstäte, kopflose, und spricht sehr wenig zu Gunsten der Reorganisation, welcher die Armee unterzogen wurde.

Ztußland.

Petersburg, 7. Sepibr. Ein Extrablatt desRegierungsboten" meldet: Se. Maj. cer Kaiser Alexander ist heute mit der DachtDershawa" aus Pkterhof nach Danzig zu einer Zusammenkunft mit Sr. Maj. dem Kaiser Wilhelm cbgereist.

Asten.

Bombay, 7. Srptbr. Abdurrahman hat Khelati Ghilzai mit einer großen Truppenmacht besetzt; Ajub Khan hat auf der Hälfte de- Wege- nach Khelati Ghilzai Stellung gevomv en.

Afrika.

Alexandrien, 7. Septbr. Nach hier eingegangenen Meldungen ist in Aden die Cholera au-gebrochen; bi-her wurden 37 Erkrankung-sälle oon- statirt, von denen 30 tödtlich verliefen.

Türkei.

Konstantinopel, 6. Septbr. Wenn es wahr ist, was täglich stan- zöfische, englisch- und italienische Journale behaupten, daß bei dem Großsultan tn S'ambul bie Fäden einer durch die gesammte mohamedanische Welt ver- breiteten Verschwörung zusammenlaufen, so könnte die Meldung, daß Ajub Khan den heiligen Krieg gegen die Engländer verkündete, während derselbe in