Nr. 147. Erstes Blatt. Sonntag den 10. Juli 1881.
Kichmer "Ameiger
Jlnyigt-- vst Amtsblatt fit bea Kreis Gießen.
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Amtlicher Theil.
Nr. 15 des Reichs-Gesetzblatts, ausgegeben den 2. d. M., enthält:
(9ir. i 430.) Handelsvertrag zwischen Deutschland und Oesterretch-Ungara. Vom 23. Mai 1881.
(Nr. 1431.) Handelsvertrag zwischen Deutschland und der Schweiz. Vom 23. Mar 1881.
(Nr. 1432.) Verabredung zwischen Deutschland und der Schweiz, betreffend den gegenseitigen Schutz der Rechte an literarischen Erzeugnissen und Werken der Kunst. Vom 23. Mai 1881.
(Nr. 1433.) Übereinkunft zwischen Deutschland und Belgien wegen weiterer Regelung der gegenseitigen Handelsbeziehungen. Vom 30. Mat 1881.
Gießen, am 8. Juli 1881. Großhenogliches Kretßamt Gießen.
Dr. Boekmann.__
Betreffend: Die Einführung deS Turnunterrichts in den Volksschulen. Gießen, am 8. Juli 1881.
Die Großherzogliche Kreis-Schul-Commission Gießen
(in die Schulvorstande des Kreises.
Wir sehen der Einsendung der rückständigen Berichte in rubr. Betreff, cf. Amtsblatt Nr. 3 vom 9. Juni 1881, unfehlbar innerhalb 8 Tagen entgegen.
Dr. Boekmann.______
Bekanntmachung.
Gefunden: 1 Lesebuch, 1 Perlenkette, 2 Stallketten, mehrere Schlüssel.
Zugelaufen: 1 gelber Sp'tzhund.
Gießen, den 9. Juli 1881 Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen.
^reseniuS.
Speyer, 7. Juli. Die königliche Kreisregierung hat für die Volks schulen aus Rücksicht auf die Gesundheit der Schüler Folgendes angeordnet, welche- auch wir ter Beherzigung Derer, die e- angeht, empfehlen: 1) Die Hausaufgaben find jederzeit mit Rücksicht auf da- Alter und Geschlecht der Schüler und auf die örtlichen Verhältnisie auSzuLählen, der mittleren Besäht' guug der Lchülerabihetlungen anzupossrn, sorgfältig vorzubereiten und regel, mäßig und gewissenhaft zu controliren. Für die Zeit zwischen dem vor- und nachmittägigen Unterricht düifen Hausaufgaben nicht gegeben werden. Vor einem rachmittägigen Unterrichte biS zum vormittägigen Unterrichte des folgen« den TagrS darf die Fertigung der zu gebenden Hausaufgaben hückstens tine Stunde, über einen schuljreün Nachmittag oder einen ganzen schulsreien Tag höchsten- zwei Stunden in Anspruch nehmen. 2) Der Körperhaltung der Schüler beim Lesen, beim Zeichnen, bei schriftlicher Beschäftigt!, g und in der Ruhe ist zur Deihütmg körperlicher Nachtheile überhaupt und zur Schonung und Erhaltung der Sehkraft insbesondere dre vollste Aufmerksamkeit zuzuwen- den. Die zum Schutz gegen schädl ches Licht vorhandenen Vorrichtungen, als Rouleaux, Blendlädrn und dergl., find entsprechend in Anwendung zu bringen. Die Kinder find vor Zugluft im Schulzimmer sorgfältig zu bewahren. Eine allzudichte HülSumhüllung ist selbst tu« Witter während des Ausenthaltes in den Schulräumen nicht zu gestatten. 3) D.e in § 9, Zisf. 5 der pfälzischen Lehrordnung festgesetzten Unterricht-pausen sind pünktlich etnzuhalten. Während derselben, sowie rach Beendigung de- vor. und nachmittägigen Unterrichtes sind nach dem Weggang der Schüler die Lchrzimmer durch Oeffnen der Fenster und Thüren entsprechend zu lüsten. 4) Der Reinlichkeit in den Schullocalen und Aborten iß erhöhte Aufmerksamkeit zu widmen und der Sinn für Reinlichkeit bei den Schülern in jedmöglicher Weise zu fördern.
ieirgraphlschr Depesche«.
Wolff'- telegr. <l»riespo»sevz-B«rrau.
Koblenz, 8 Juli. Ihre Majestät die Kaiserm hat gestern auf einige Stunden da- Bett mit dem Rollstuhl vertauscht und konnte so das Kranken- zimmer auf kurze Zeit verlaffen. Schlaf und Appetit waren bester, überhaupt schreitet die Reconvalescrnz in erfreulicher Weise fort.
Berlin, 8. Juli. Der Aundesrath hm am 7. d- M. unter dem Vorsitze des StaatSmmisiers v. Bötticher seine letzte Sitzung in dieser Session abgehalten. Der Entwurf eines Gesetzes wegen des Beittages des Reichs zu den Kosten des Zoll-Anschlusses von Hamburg wurde nad)_ den Regierungsantragen angenommen Ferner wurden die Modalitäten der beschlostenen Einbeziehung der Unterelbe festgeftellt. Die vorgcschlagenen Abänderungen der Vorschriften über die Verwendung von Wechsel- ttempelmarken gelangten zur Annahme. Der .ollfreie Einlaß von Eisen zur Herstellung von auszufühienden Hufnägeln, sowie von Stanzblechen für den Fall der Wiederausfuhr der daraus hergeftcllten Waaren, wurde unter gewissen Bedingungen zugestand en. Bezüglich der Denaturirung von Branntwein durch Holzgeist, sowie der Statistik über die Branntwembesteuerung wurden anderweite Bestimmungen getroffen. Behufs Vo.bereltung des Zollanschlusses von Hamburg wurde beschlossen, eine Commission von 6 Mitgliedern einzusetzcn. Sodann gelangten die Ausführungsvorschr.ften zum Gesetz über die Reichsstempelabgaben zur Verhandlung und Feststellung. Auf den Eintrag Bayerns wurde die Durchfübrung von Tyroler Vieh durch Bayern nach Salr- burg unter Kautelen gestattet- Weiter wurde die Aufnahme der Anftalte zum Jm- prägmren von Holz mit erhitztem Thecröl sowie die Kalifabriken unter die genehmig- ungspstichtigen Gewerbsa- lagen und endlich die Entlastung des Reichskanzlers in Bezug auf die allgemeine Rechnung über den Reichshaushalt für 1875 ausgesprochen. Auf Grund Kaiserlicher Vollmacht schloß der Vorsitzende alsdann die gegenwärtige S'tzungs- periode des Bundesratbs.
Berlin, 8. Juli. Nach einer Meldung, welche dem Auswärtigen Amte vom deutschen Consul in Stornoway (Insel Lewis, Hebriden) durch Vermittlung deS Kaiserl. (Heneral- evosuls in London zugegangen ist, hat der enal. Schleppdampfer „Conguerror" das Hamburgische Ewigranten- Dampfschiff „Dandalia" mit gebrochenem Schaft, 13 Meilen von der Küste von Lewis aufgefunden. Der „Con. querror" hat die „Bandalia" in'S Schlepptau genommen und beide Schiffe find auf dem Wege nach dem Fluß Elyde. Paffagiere und Mannschaften wohl.
London, 8. Juli. Der Dampfer „Dandalia" ist, von einem Schleppdampfer geführt, in die Nähe deS HafenS von Stornoway auf den Soebriden gekommen. Mannschaft und Paffagiere der „Bandalia" befinden sich wohl.
Elberfeld, 8. Juli. Gegenüber den wiederholt in verschiedenen Zeitungen erwähnten Gerüchien von der bevorstehenden Verstaatlichung der Berglsch- Mäikischen Eisenbahn verstchert die „Elberfelder Zeitung", daß an hiesiger maßgebender Stelle von Negierungs-Propofitionen bezüglich der Erwerbung der Bergiscb-Mäikischen Eiftnbahn nichts bekannt ist.
Kiel, 8 Juli. Die „Kieler Zeitung" veröffentlicht einen Erlaß de- Kriegsministers vom 2. Juli er. des Inhalt-, daß durch Allerhöchste Cabinels- Drdre vom 3. März er. die Befestigung von Kiel nach der Landseite und die demnächstige Entfestigung der Werke von Sonderburg-Düppel genehmig wor- den ist. Der Zeitpunkt des Beginns der letzteren steht noch nicht fest.
Pari-, 8. Juli. Nach auS Sfax hier eingelangten Nachrichten haben Vie französiichen Panzerichiffe diese Stadt bombardirt. Die Forts, eine große Moschee und ein Theil t es muselmännischen Stadtviertels wurden zerstört. Die Jnjurgemen leisten Widerstand.
— Die Deputirtenkammer nahm heute nach Ablehnung aller Amende- ments das HeereSbudget an. — Berichten auS Tunis zufolge erhielten neue Truppen Befehl, nach Sfax abzugehen. ES geht das Gerücht, daß der Auf- stand im südlichen Theile der Regentschaft tm Zunehmm sei.
— Die internationale Münzeonferenz nahm heute, nachdem die Dele- giTten Magmn und de Normandie für die Vertagung der Eonferenz gesprochen hatten, einstimmig einen von den Delegirten Frankreichs und der Vereinigten Staaten von Nordamerika begründetrn Antrag an, in welchem der Wunsch ausgesprochen wird, daß Unterhandlungen zwischen den auf der Eonferenz ver- trennen Staaten ei öffnet würden und wonach die Eonferenz den 12. April 1882 wiederum zusammenberufen wird, um die Einzelheiten der, wie gehofft wird, alSdann zum Abschluffe kommenden Münzconvention zu regeln.
Rom, 8. Julf. „Diritto" sagt in einem Artikel, in welchem er die Ausführungen des „Journals ted D^bats" über die Finanzlage Italiens be- spricht, daß Italien vollständig vorbereitet sei, den ZwangScours abzuschaffen. Der herrschende Fri-de, die reichliche Ernte, dos Angebot inländischen und ausländischen EopttalS lösten den Erfolg deS Anlehens gesichert erscheinen.
— Em großer Theil der slavischen Pilger hat Rom verlassen, 8 Pllger find erkrankt, jedoch nicht bedenklich.
Washington, 8. Juli. Die Bisserung in dem Befinden des Präfi- denten Gaifield schreitet andauernd fort. Der heute Morgen veröffentlichte ärziliche Bericht äußert fich sehr günstig. Die Wunde beginnt &ter aus- zusondern.
Konstantinopel, 8. Juli. Die Psort« wird BorauSftdbtlf^ die an


