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Nr 107. Dienstag den 10. Mai 1881.
Kichcner MnMger
Avikizk- v»i> Amtsblatt für hm Kreis Gießm.
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ftarcemt eich ulstraße B. 18. Erscheint täglich mit AuSnchme des Montags. Durch dir Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pi.
Betreffend: Auibiuch der Maul- und Klauenseuche tn Geil-Hausen.
Bekanntmachung.
Unter bttn Rindvi.h bf« Otto Müller in Geilshausen ist bit Maul- und Klauenseuche ausgebiochrn.
Gießen, am 7. Mai 1881. Sroßher,»gliche« »rei«amt Gießen.
Dr. Boekmann.
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Die Wahrheit über Rußland.
Der Atel, daS Bürgerthnm, der Bauernstand in Rußland — fie find Idmmthd) Zerrbilder dieser Stände In Europa. Selbst der russische NihiliS- muß ist «in Zerrbild des westlich.europäischen SocialiSmus; allerbings ein so schrecklich«-, daß gegen die verzweifelte mo-kowitische Geheim-Revoluton die Lowmune von Pari- und die Zukunstsstaaten der Internationale alS Eldora- do- erscheinen.
Der rusfische Oeburt-adel, der sein Verdienst darin erblickt, geboren zu sein, — sagt ein Senner der russischen Verhältrnsie, — hätte ein größeres Verdienst, nicht geboren zu werden. Er lebt nicht gern aus seinen Gütern, woselbst er weder der rationellen Bewirthschaftung der Ländereien, roch dem Wohlbefinden seiner Bauern Sorgfalt zuwendet. Schwelgend und prasiend, mit asiatischem Pomp, bis all' sein Geld „oeijutft“ »ft, amüfirt er sich in den ausländischen Hauptstädten, sonnt sich daheim in ten Gnaden de- Hofes oder frißt an der lucrativen Krippe der StaatSämter. Seine Bildung schwimmt wie der Geist im Tohuwabohu auf der Oberfläche der Gewässer; sie ist eine Anwandlung zur Ecpie der Bildung des westlichen Europas, ein Iuwrlenring aus der Bärentatze. Die ganze russische Ewilisatton ist e ne europäische Tünche auf den asiatischen Rohbau. Der Adel ist nickt edel, er ist ohne Herz und Gemüth, und darum keine sittliche, keine öconomische Substanz für den Staat-Halt.
Rußland theilt serner mit der gesummten slavischen Völkergruppe die Unfähigkeit. einen Mittelstand zu bilden; e- hat von einem bürgerlichen Stande, wenn man die sremdländischen Elemente ausnimmt, nur den Schen. Wa- sich al- russisch bürgerlich ausspielt, ist entweder ein verlarvter Bauern Parvenü oder ein verlorener Adelssprößling. Für das innere Rußland gelten dre Worte W. v. Bork'- : „Die ganze rusfische Gemeindeordnung erscheint olS eine Art Lagerordnung nomadifirenden Gesindel-. al- leidiger Behelf, um aus der selbst, losen Unterordnung des Einzelnen unter die erste beste Autorität nur über« Haupt die Möglichkeit eine- kommunalen modus vivendi zu gew.r.mn."
Dem Bauernstände ist zum größten The»! die Freude am Eigenthume unb an den Früchten seiner Arbeit noch nicht aufgegangen. Die Bauern. Emanc'p Uion hat viel geändert, aber wenig gebessert. Der Bauer steckt noch In wirthjchastlicher Verwahrlosung und in moralischer Versumpfung wie zur Zeit Iwan's des Schrecklichen; er erträgt den schlimmsten Druck einer diebi. schen Verwaltung und nur der KnechtSfie.n hält »hn davon ab, den Boden zu verlasien. In seinen Liedern feiert er die Nomaden oder die Sos ten, denen daS rusfische Gesetz die alte Wildheit und die Diebereien gestattet.
Rechnet man hierzu die bestechliche Beamtenwirthschaft und die bekannte lüderliche Militäreinrichtung, so mag eS allerdings alS ein gewagter Schritt erscheine», die bunten Völkerschaften und die widerstreitenden Elemente deS ganzen großen Volke- durch ein konstitutionelle- Regiment einigen zu wollen; nicht die Eonstitution allein, sondern 50 Jahre Euliur, em halb Jahrhundert der Bildung durch die Schulen sehlen dem heutiger. Rußland.
Aeutsißland.
Berlin, 7. Mai. Die Eommisfion für da- GerichtSkostengesetz hat beschlosien, eine Ermäßigung der Gerichtekosten auch in Injuriensachen zu befürworten und einigte sich über eine Resolution, welche die ReichSregierung zur Abänderung der Gebührenordnung für Rechtsanwälte dringend auffordert.
— Die Unfallversicherung-.Eommisfion beschloß, den zweiten Absatz des $ 47 ganz zu streichen und kern ersten Absatz einen Zusatz hinzuzufüzen, welcher den Begriff deS groben Verschuldens näher erläutert und in einem Zusatz zum brüten Absatz zu bestimmen, daß bie Slage binnen 18 Monaten vom Tage des Ur.sallS an verjährt. Die SS 48—52 wurden unverändert geoehm^rttn, ? $CI Reichstag nahm in dritter Lesung bas Ratural. leistungSgesetz mit einer den Art. 9 abändemden Bestimmung an, welche die Festsetzung der Entschädigungen den Staatsbehörden und nicht den >Lelbstver« waltungs-Organen überweist. Der Reichstag lehnte sodann in jrreiter Lesung des WehrsteuergesetzeS ken S 1 deffelben einstimmig ab. Damit ist daS ganze Gesetz beseitigt. Sodann genehmigte der Reichstag einst mmiz den Antrag Ackermann betreff- Revisicn Der internationalen Reblaus-Eonvention.
Wiesbaden, 7. Mai. Se. Majestät der Kaiser machte gestern rach Beendigung der Parade in Begleitung der Frau Großherzogin von Baden eine Spazierfahrt unb arbeitete fobann mit bem Ches des Civilcabinets v. Wilmowcki. Später empfing der Kaiser den Besuch des GroßherzogS und der Prinzessinnen Victoria unb Elisabeth von Heften, welche zur kaiserlichen
Tafel gezogen wurden, an welcher auch zahlreiche höhere M.lüär- theilnahmen Abende erschienen die Herrschasieu im Theater. — Der Herzog Payl von Mecklenburg und der Eomreadmiral Prinz Wilhelm von Heffen-Philipp-thal find hier eing.troffen. , t ,
München, 6. Mai. Der Prinz von Wale- ist heute Abend 7 Uhr hier angekommen und nach einstündigem Aufenthalte nach Wien weitergereist.
Hesterreich.
Wien, 6. Mat. Der König und die Sönigin der Belgier trafen mit der Prinzesfin.Braut deS Kronprinzen Rudolf kurz nach 4 Uhr im hiesigen Westbahndose ein und wurden daselbst vom Kaiser, vom Kronprinzen, dem Bürgermeister der Stavt, dem Statthalter und dem Polizeipräfidenten empfan- gen. Die Königin verließ zuerst den Wagen, ihr folgten die Prinzessinnen Stephanie und Klementine, sodann der König. Der Kaiser küßte der Königin die Hand, der Kroi Prinz umarmte und küßte wiederholt feine Braut und stellte dieselbe darauf seinem kaiserlichen Vater vor, welcher fie herzlich willkommen hieß. Nachdem hierauf die beiden Monarchen fich herzlich begrüßt, begaben fick die Herrschaften, von der Kopf an Kopf gedrängten Bevölkerung unaus- gesetzt mit jubelnden Zurufen begrüßt, nach dem Lupschloffe Schönbrunn, wo die Kaiserin unb jämmtl che Mitglieder der kaiserlichen Familie ba- belgische Könige paar unb die Prinzessin. Braut auf daS Herzlichste empfingen. Die Prinzesfin.Braut wurde während der Fahrt nach Schönbrunn von den auf den Straßen, den Tribünen und an den Fenstern befindlichen Menschenmag-n enthusiastisch begrüßt und dankte nach allen Seiten hin für die ihr bargebrach, ten Huldigungen.
Wien, 7. Mat. Ihre königl. Hoheiten der Prinz unb die grau Prin- zessin Wilhelm von Preußen find heute früh auf bem Nordw'st'Bahvhofe ein- getroffen unb baselbst von bem Kaiser, dem Kronprinzen und dem deutschen Botschafter empfangen worden. Die Prinzessin wurde von dem Kaiser unb dem Kro Prinzen mit einem Handkuß begrüßt; Prinz Wilhelm und Krovpnvz Rudolf umarmten urb küßten sich herzlich. — Der Pr nz von Wale- ist ebenfalls heute früh hier eingetroffen. Im Schlöffe zu Schönbrunn fand gestern Aberd gauulienbiner und Marschallstafel statt.
— Der König und die Künigiu von Belgien empfingen heute eine Depu- tat’.on der Stadt Wien unter Führung deS Bürgermeisters. Dieselben dankten der Deputation in den herzlichsten Worten für den enthusiastischen Empfang und betonten die innigen Freundschaftsbande, welche zwischen Oesterreich und Belgien beständen. DaS Herz ter Prinzessin Stefanie gehöre schon heute ihrer neu.n H-imath an. — Der König und die Sö igin von Belgien nahmen ferner die Glückwünsche der Präfldie.' des österreichischen ReichSrathS und de- ungarifchen Reichstag-, sowie des gesam^ten diplomatischen EorpS entgegen. — Die Stadt ist auf da- Prächtigste geschmückt; die Vorbereitungen zur Illumination find saft beendet.
KrauLreich.
Paris, 6. Wai. Nachrichten au- Tunis zufolge hat der Bey eine neue Protestnote erlassen, in welcher er um den Schatz der Mächte bittet und (ein Sch cksal in die HLrde ter Großmächte unb ber Türker legt.
Pari-, 7. Mai. Die hieftgen amtlichen Kreise stab über ben Gang b-t Eruzn sie in Tunis höchst betrieb gt und heben stolz da- Haupt, weil die französische Armee fich bei dieser ersten Gelegenheit schon so äußerst brav benommen Habe I Nichtamtliche Deurtheiler dagegen finden, daß der ganze Krieg im Grunde genommen nur eine Promenade in'S Blaue bei Regen und Sumpf war, bei der die Truppen nirgend- auf ernstlichen Widerstand stießen. Spötter aber meinen, daß die Franzosen in Tunis den Spaziergang nachholten, den sie weiland in Deutschland machen wollten und zu dem fie damal- nicht kamen. Die R.'chrickten aus Tunis find immer dieselben und werden immer noch cenfirt. Richt- al- elende, oft geradezu lächerliche Wiederholungen. Dieselben mitzutheilen, verlohnt fich nicht; zumal man aus sehr gut unterrichten Quellen vernimmt, daß der Bev, um sich einen Theil seiner Machtstellung zu retten, sich schon bereit erklärt bat, die harten Bedinrungen Frankreichs anzunehmex und ihm alle- Gebiet, was aus der linken Seite dec Medscherda liegt, zur Verfügung zu stellen. Ter officiöse tunesische Abgesandte, der fich augenblicklich in Pan- befindet, hat, wie ich höre, das betr. Abkommen bereits vereinbart, wenn auch noch nicht ab?eschloffen. Ungeachtet deffen wird man die Operationen gegen die Khrumirs fortsetzen, da der Bey, um wegen der Abtre- tungen gegen die Wuth seiner Untertanen sicher gestellt zu werden, als ber Besieate erscheinen soll, der nur ehrm siegreichen Gegner nachgab unb fich mit ber äußersten Nothwenbigkeit entschulbigen kann.


