Einzelbild herunterladen

al- e(n Wahlmanöver selbst ist, um die Parteien davon abzuhalten, jetzt schon mit allen KrLsten in die Wahlagttatmn emzutreten. So wird jchk berichtet, daß der Reichstagspräsident Frhr. zu Fcanckenstein schon jetzt die Einziehung der Eisenbahn-Freikarten angeordvel hat, woraus man schließen will, daß die Auflösung des Reichstages unmittelbar beaorsteht, da wentgsienS aadeie Gründe für diese außergewöhnliche Anordnung des Reichstags-Prästdenten nicht erkenn­bar sind. Der Retchstags-Auflösung würde dann selbstverständlich die Bestim- mung über die Neuwahlen auf dem Fuße folgen und daß mit denselben bis zum Monat October gewartet wird, darüber wird sich schwrrlich noch Jemand einer Illusion hingebeu. Darum ist es hohe Zeit, die Agitation mit allen zu Gebote stehenden Mitteln m's Leben zu rufen, wenn die Oppositionsparteien sich nicht von den schlauen Offictösen überlisten lasten wollen.

AranLreich.

Vari», 6. Juli. Die von derMorninz Post" gebrachten Nachrichten über ein neueS Rundschretb.n des Ministers des Ausnäritgen, Brrthelemy St. Htlatre, und über die M-biltflrung von 120,000 Mann, welche nach Afrika gehen sollten, werden von derAgence Havas" für vollkommen unbe- gründet erklärt mit dem Hinzufügen, daß die gegenwärtig in Afrika befind­lichen Streitkräfte ausreichend seien, um die Bewegung in Sfax zu unterdrücken und eventuellen ähnlichen Versuchen im Süden von Tunis oder Oran zuvorzu­kommen. Graf Loris-Melikoff und General Skobeleff sind hier etngetroffen. Gerüchtweise ue.lautet, es seien im Süden von Eonstanttne Negerunruhen ausgebrochen.

In der heutigen Sitzung der Münzconferenz setzte d r italienische Delegirte Setsmit Doda die Bedingungen auseinander, unter welchen Italien einer Vereinigung zur Ausprägung von Silbergeld in beschränktem Umsange beitreten würde. Der englische Delegirte Freemantlr erklärte officiös, daß die Bank von England gern ihre Silber-Reserven vermehren würde, wenn die außerhalb Großbritanniens gebildete Vereinigung die unbeschränkte Ausprägung von Silbergeld zuließe. Der italienische Delegirte Riöconi und der Delegirte der Niederlande Pierson nahmen Akt von den Erklärungen Freemantle's. Die nächste Sitzung findet am Freitag statt.

Nußland.

Petersburg, 5. Juli. Nach hier etngegangenen Nachrichten brach am Sonntag in Minks Feuer aus. welches bis heute noch nicht gelöscht wer­den konnte. Es stnd bereits über 500 Häuser niedergebrannt.

Hriechenlano.

Athen, 6. Juli. Das KriegsschiffAdmiral Lagliffomiiöre" hat unter dem Befehle des Admiral Conrad gestern den Piräus verlaffen und ist nach Sfax abgegangen.

Amerika.

Washington, 6. Juli. Das Befinden des Präsidenten Garfield ist andauernd günstig; der Präsident hat den Tag gut verbracht und mehr Nah- rung zu sich genommen, als gestern.

lelegraphische Depeschen. tBolfFi telegr.

Koblenz, 7. Juli. Die Genesung Ihrer Majestät der Kaiserin schreitet günstig fort, doch lasten Schlaf und Appetit noch zu wünschen übrig.

Berlin, 7. Juli. Der Unterstaatösecretär im Ministerium des Innern, Starke, ist gestern Abend gestorben.

Die feierliche Ueberreichung des Ehrenbürger-Arleses an Schliemann durch Oberbürgermeister Forckenbeck und Dr. Straßmann hat heute Mittag in Sckliemann's Wohnung stattgefunden.

Kiel, 7. Juli. Das englische Geschwader wird auf seiner Rückkehr von Kronstadt am 13. Juli, Nachmittags, hier eintreffen und den hiesigen Hafen am 17. Juli, Vormittag-. wieder verlaffen. Innerhalb dieser Zeit werden Kohlen eingenommen, welche die englische Admiralität hierher sendet.

Der König und die Königin von Schweden trafen in ver vergange­nen Nacht um I2V2 Uhr hier ein und wurden auf dem Bahnhofe von Sr. Königl. Hoheit dem Prinzen Heinrich empfangen. Nach der Begrüßung be- gaben sich der König und die Königin sofort an Bord der Dampf.Aacht des Königs von DänemarkDam.ebrog", welche um 1 Uhr in See ging.

* Dortmund, 7. Juli. Wie derWests. Zeitung" aus Langendreer gemeldet wird, brach gestern in dem SchachtKaroltne". der Hirpener Berg- bau-Actiengesellschast gehörig, auf bis jetzt noch unaufgeklärte Weise Feuer aus, welches mit solcher Schnelligkeit um sich griff, daß an ein erfolgreiches Retten nicht zu denken war. Der Schacht ist vollständig ausgebrannt. Menschen­leben stnd nicht zu beklagen.

Nürnberg, 7. Juli. DerCorrespondent von und für Deutschland" veröffentlicht ein Schreiben des Reichskanzlers Fürsten Bismarck an den hiesigen konservativen Verein, in welchem er demselben seinen Dank sagt für die freund­liche Gesinnung, welche ihm in der Versammlung zur Feier des Stiftungsfestes ausgesprochen worden. Er schöpfe daraus die Hoffnung, bei den diesjährigen und anderen Wahlen auch in Nürnberg die nothwendtge Unterstützung zu finden, um der Wtrthschastspolitik Festigkeit und Dauer zu verleihen.

Wien, 7. Juli. Dr. Newald wurde mit 95 von 117 abgegebenen Stimmen wieder zum Bürgermeister von Wien gewählt.

Paris, 7. Jul,. Die Regierung hat beschlossen, vier von der Lyoner Garnison detachirte Bataillone nach Sfax zu senden. Ein Telegramm der Temps" aus Tunis meldet, daß marodwende berittene Eingeborene bet Grom- belia, etwa 30 Kilometer von Tunis. ein-Karaoane ungehalten haben und daß mehrere Stämme in dem Gebiete von Gabes im Aufstande seien. Zugleich wird die Nothwendigkeit betont, genügende Streitkräfte dorthin zu senden. DerTemps" tadelt die verfrühte Rückberufung eines Theils des Expeditions« Corpö. Die parlamentarische Commission für das Studium des Simplen- Durchstiches hat eine Resolution angenommen, die Regierung um die Einleitung von Verhandlungen mit den behelligten Regierungen wegen Herstellung einer neuen internationalen Linie durch die Alpen zu ersuchen. Die Commission hofft, die Regierung werde die Montblanc-Paffage studiren lasten. DerAgence Havas" wird auS Ragusa gemeldet, daß der Ausstand in den Bergen von Dakova andauere und Derwisch Pascha nicht im Stande sei, denselben zu dämpfen.

Konstantinopel, 7. Juli. Azariar ist mit großer Majorität an Stelle Hastun's zum armenisch.katholischen Patriarchen gewählt worden.

Washington, 7. Juli. Der Staarssecretäc Blaine hat an den Ge­sandten der Vereinigten Staaten in Berlin, White, ein Telegramm gerichtet, in welchem er mittheilt, daß die Besterung in dem Befinden des Präsidenten Garfield in den letzten 36 Stunden stetig fortgeschritten ist. Zugleich ersucht der Staatssecretär den Gesandten, Sr. K. K. Hoheit dem deutschen Kcon- Prinzen für seine Thellnahme den Dank der amerikanischen Regierung auszudrückm.

Wilhelmshaven, 7. Juli. S. M- Avisogal!e" ist heute früh mit Hochwasser ausgeschleußt und zur Aufsuchung derVandalia" in See ge­gangen, zunächst nach Tburso, Nordküste Schottlands.

Lo-aleS.

Gießen, 8. Juli. (Sitzung der Stadtverordneten vom 7. ds.?t8.] Anwesend: Herr Bürgermeister Bramm, Herren Beigeordneten Keller und Heß; von Seiten der Stadtverordneten die Herren: Batst, Gall, Grüneberg Haustein, Hoch, Hom- berger, Kauf, Lüdeking, Petri, Pfannmüller, Scheel, Schopbach, Bogt und Wenzel. In der Sitzung vom 16. Juni wurde bekanntlich von Herrn Beigeord­neten Heß ein Plan über tu Dertheilung der nach Fertigstellung der Wasserleitung aufzu­stellenden Ventilpumpen vorgelegt. Dieser Plan wurde in heutiger Sitzung mit unwesentlichen Abänderungen genehmigt, gleichzeitig die Wünsche verschiedener Interessenten zur Kenntniß gebracht, so namentlich der Bewohner des Selterswegs, an welchem später ein Brunnen auf- gestellt werden wird, dessen Speisung durch den Brunnen am Holzapftl'lchen Hause, welcher nach den stottgthadien Messungen hinreichend Wasser für mehrere Brunnen besitzt, erfolgen soll. Unter Hinweis auf den Mangel an Wasser auf dem Friedhöfe, wurde dem Wunsche um Auf­stellung einer Bcntilpumpe am Frtedbofe in der Weile entsprochen, daß man die Aufstellung einer Pumpe zwischen der Grünberger und Licher Straße bereits im Plane vorgesehen hat. In Betreff Der Geradelegung deS Bruchgrabens wurde seiner Zeit der Acttenbrauerct, deren Abfallwaffer in tcn Graben fließt, die Einsicht der Pläne gestattet. Nach einer abgegebenen Erklärung will die Acrienbrauerei auf eigene Kosten einen Ccmrntgrabcn anlegen und sich außer­dem verpflichten, alle sich etwa durch Anlegung und Benutzung des Grabens ergebenden Hebel; stände zu beseitigen, wenn man ihr die fernere Benutzung des Grabens gestatte. Dem Anträge der Bauoeputation, die Brauerei möge vorerst einen Plan zu dem projecttrtcn, in den Bruch- qraben emmündenden Graben vorlegen, wird beigetreten. Dem Gesuch des Fabrikanten Ioh. Bernhard um tauschweise Heberlaffung städtischen Geländes, welches derselbe zu Erbauung eines Hauses in der Neustadt, neben der Löber'schen Besitzung bedarf, wird unter der Bedingung entsprochen, daß Gesuchsteller JL 200 zahlt, da der Stadt durch die Verlegung des dortigen Fluth- grabens und die Hereinziehung desselben in dos Straßengebtet größere Kosten erwachsen dürften. Betr. Gesuches des Justus Bärrn um Bauerlaubniß schließt die Versammlung sich dem Gut­achten der Baudeputatton an, welches dahin geht, daß der projecttrte Neubau, obgleich an einer untergeordneten Straße gelegen, eine beffere Ausstattung erhalten müsse. Die Gesuche von Heyligenstädt L Co. (Erweiterung der Werkstätte), Peter Pitz (Erbauung eines Hintergebäudes), Ph. Lenz (Neubau), Wirth Seibel (Neubau einer Küche), L- Kauf (Anlegung einer Einfrie­digung) wurden zum Thetl pure, zum Theil nach den Vorschlägen der Poltzetverwaltung und der Baudeputatton genehmigt. Die Klageerhebung gegen die Ortsarmenverbände Braun- schweig, Levern, Ettingshausen und Nievergemünden wirb genehmigt.

DermischteS,

Butzbach, 7. Juli. Gestern Mittag gegen Vz1 Uhr zog ein schweres Gewitter über unsere Stadt. Der Blitz schlug hierbei in einen in der Nähe der Badborngaffe sitzenden, der Gerberei H. Küchel gehörigen Lohhaufen, ohne jedoch weiteren Schaden anzurtchten. Einige in der Nähe befindliche Leute wollen sofort nach dem Einschlagen das Aufsprühen von Funken aus dem Loh beobachtet haben. Wie wir weiter hören, so hat gestern Mittag auch der Blitz in den Ktrchthurm zu Bad Nauheim eingeschlagen, ohne jedoch auch dort, abgesehen von einer Dachbeschädigung, weiteren Schaden anzurtchten.

Frankfurt, 7. Juli. Der König und die Königin von Holland besuchten heute im strenzsten Jncognito, unter Führung des Herrn Dr. Dronke, die Ausstellung und sprachen sich äußerst befriedigt über dieselbe aus.

Im Laufe der nächsten Woche werden in dem unter Aufsicht des Herrn Dr. Harzer stehenden Observatorium in der Ausstellung interessante Erscheinungen zu beobachten sein. Nachmittags von 46 Uhr die Sonnenfieckcn und Sonnenfackeln. Abends von 911 Uhr Mondlandschaften, Sternläufe im Hercules und im Perseus, Nebel in der Leher und im Fuchse. Bei der Vorzüglichkeit des Instrumentes dürfte für das sich für unsere Himmelskörper interessircnde Publikum ein großer Genuß zu erwarten sein. Der Comet selbst bildet kein ge eigneteS Object für ein so großes Instrument.

Berlin. Vor dem Zuchtpolizeigerichte zu New-Fork fanden vom 15. bis 19. Iunt die Verhandlungen gegen den Buchhändler Vogel aus Leipzig statt, welcher angeklagt gewesen, in Verbindung mit einem jungen Berliner, dem Buchhändler S-, die Entführung der jungen Tochter des Kaufmanns Straßburger zum Zweck der Erpreffung von 60,000 Dollars Löseg-ld versucht zu haben. S. wurde bei dem Versuch, das erpreßte Geld zu erheben, von einem Schutzmann getödtet. Das Gericht fand Vogel für Schuldig. Er wurde wegen des Versucht der Entführung zu fünf Jahren und wegen des Versuchs bet Erpressung zu zwei und einem halben Jahr Zuchthaus verurtheilt.Die zweite Strafe ist anzutreten", fügte der Richter hinzu, wenn die ersten fünf Jahre verbüßt sein werden." V. war erst wenige Monate in Amerika, alS er sich zu seinem wahnsinnigen Unternehmen hinreißen ließ.

Opladen, 4. Juli. In der hiesigen Dhnamttfabrtk explodirtc heute kurz nach 11 Uhr Vormittags ein Waschhaus (ein Raum, in welchem das Sprengöl neutralisirt wird). Die vorherige heftige Entwicklung von Zersetzungsgasen hatte es dem Personal unmöglich gemacht länger tn dem Raume zu verweilen; es wurde deshalb die Alarmglocke gerührt und sämmt liche Arbeiter entfernten sich aus ihren Arbeitsräumen. Eine Viertelstunde nachher erfolgte die Explosion, die Niemanden beschädigte. Die Betriebsstörung ist nur eine partielle und von kurzer Dauer.

D ort n'und, 2. Juli. Ein entsetzlicher roher Mord ist hier verübt wordm. Gestern Abend gegen IC1/« Uhr war der Bahnarbeiter Ramhorst im Begriffe nach Hause zu gehen, wobei ihn sein Weg an der Marienschule vorbeiführte. In der Nähe dieser Schule standen vier junge Burschen, die etwas laut waren. Ramhorst rief nun, wie erzählt wird, den Leuten zu, sie möchten doch ruhig fein. In demselben Augenblicke stürzte eine der vier Personen hervor und versetzte ihm ohne weiteres einen Stich in die Brust, sodaß er lautlos zusammen sank und sofort verschied. Der Stich halte das Herz getroffen. Der Thäter, em junger Bursche von 17 Jahren, soll bereits verhaftet.

(Eine "abiate Wirthinj Die Dopplerwirthin in St. Zeno bei Reichenhall, wegen ihres robusten Wesens gefürchtet und von ihren Nachbarn gemitven, hat am Dienstag, den 28. Juni, einen ihrer Gäste (es soll ein Bauführer von Reichenhall Mn) mit einem Revolver nledergesckwfsen. Das Motiv dieser gräßlichen That soll maßlo'cr Zorn gewesen sein, indem der besagte Gast, deffen Verwundung eine lebensgefährliche ist, einer geringfügigen Ursache wegen mit der Wtrthin in Streit gerieth Welch rabiate Perion übrigens von jeher dieDopplerm" war, darüber' erzählt man sich in Reichenhall und Umgebung Verschiedenes. Sie prügelte manchen Gast oft windelweich, ein einziges Wort genügte oft! Ihrer großen Stärke halber stand sie bei den Burschen der Umgebung tn großem Ansehen

(Blutige Kurens. Aus Paris wird geschrieben:Jeden Morgen sieht man eine Schaar eleganter Frauen und Kinder vor dem Schlachthause zu Grenelle anlangen, um hier eine etgenthümlichc Kur zu gebrauchen, die ihren Wangen die frische Farbe wieder verleihen soll. Sobald ein Ochse geschlagen wird, sammeln d-.e Fleischergesellen das rauchende Blut tn kleinen Gläsern und reichen es ten Klientinnen bin die ohne Den mindesten Ekel die Medicin verschlucken. So ein klrines Gläschen kostet 50 Eentimes und wird per Tag ungefähr ein Liter getrunken. DaS ist das für jede Patientin ärztlich vorgeschriebene Maaß".

Mainz, 4. Juli. Der Obsttransport nach dem Niederrhein steht jetzt in voller Blüthe Die Wenigsten haben sowohl eine Idee von den Qualitäten wie von den Mafien des beförderten ObsteS. Nebst reifen Kirschen, Erdbeeren, Heidelbeeren, Johannistrauben und Stachelbeeren gehen unreife Nüfie Reineclauden. Zwetschen, Birnen u. s. w. in ganzen Waggonladungen hinab, während die Niederländer Dampfboote unausgesetzt laden.

Deutsches lleichsgerichi.

(Nachdruck verboten.) Sitzung vom 5. Juli.

II. Strafsenat. Präsident: Drenkmann, Reichsanwalt: v. Wolff. (Das Pfandrecht des Vermiethers an den Sachen des Miethers hat während der kontraktlich verabredeten Dauer deS Pachtes Geltung und bezieht sich nicht nur auf rückständige Mtethe.)