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Karlsruhe, 7. Juni. Die allgemeine deutsche Lehrerversammlung wurde heute unter sehr zahlreicher Betheiltgung des Publikums in der Fest. Halle mit dem Gesänge des Liedes „Großer Gott, wir loben Dich" eröffnet. Eö waren gegen 2000 Lehrer und Lehrerinnen auS allen Theilen Deuschlands, Oesterreichs und der Schweiz erschienen. Im Auftrage der französischen Regie- rung ist Schultnspector Joste aus Parts etngetroffen. In das Präsidium wurden Schulrath Hoffmann (Hamburg), Director Heinrich (Prag) und Rector Specht (Karlsruhe) gewählt. Die Versammlung wurde von dem Bürgermeister Schneller (Karlsruhe) und tm Auftrage der badischen Schulbehörden vom Oberschultnspector Armbruster begrüßt. Gegen halb 11 Uhr Vormittags erschien Se. König!. Hoheit der Großherzog von Baden und wurde mit einem stürmischen Hoch empfangen.
— Die allgemeine deutsche Lehrerversammlung faßte folgende Resolu- ttonen: 1) Zur Hebung des Schulwesens sind die freien Lehrervereine und Lehrerversammlungen ein ebenso nothwendtges als erfolgreiches Mittel. 2) Die Versammlung erklärt: a) Religiös-sittliche und nationale Erziehung gehört zu den vornehmsten Aufgaben der Volksschule, b) die Versammlung erblickt in der Stmultanschule keine Gefahr für die religiös-sittliche Bildung des Volkes und keine Schädigung des nationalen Gedankens.
Fkentzburg, 7. Juni. Auf der Flensburger Förde kenterte gestern ein Boot. Von den daraus befindlichen 16 Personen, fast sämmtlich Familienväter, wurde keine gerettet.
London, 7. Juni. Einer Meldung der „Daily News" aus Tunis zufolge seien sämmtliche tunesische diplomatische Agenten und Consuln in Europa angewiesen worden, ihre Archive und die Leitung ihrer Bureaus den in denselben Staaten residirenden französischen Consuln zu übergeben.
Kiew, 7. Juni. In dem Proceffe gegen die Hauptanstifter der letzten Judenhetze hat das Kriegsgericht nunmehr das Urtheilt gefällt. Einer der Angeklagten wurde zu 20, einer zu 10 und einer zu 6 Jahren Zwangsarbeit verurtheilt. Zwei Angeklagte wurden nach Sibirien verbannt, drei erhielten unter Zubilligung von Milderungsgründen Gefängntßstrafen. Das Urtheil wurde dem Generalgouverneur Drenteln zur Begutachtung zugestellt.
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Lokales.
8. Juni. Die von einer Anzahl Wähler auf gestern Nachmittag nach G r ü n b e r g «tnverufene Versammlung behufs Besprechung über die demnächsttqe Reichstagswahl, war von Gikßcn S!erwteS sich der Saal des Gasthauses „zum Hirsch" zu klein für die Zuhörer. Punkt 2 Uhr eröffnete Herr Bürgermeister Pracht von Grünberg die Versamm- lung und hieb die Wähler auf dem grünen Hügel von Grünberg herzlich willk<7 men. Es ^Urde zur Wahl des Bureaus geschritten und mittelst Acclamatton Herr Bürgermeister Pracht alS Vorsitzender und Herr Lehrer Reis als Schriftführer bestimmt. Herr Pracht übernimmt ben u,nb b<trtct um Nachsicht bei Uebernahme, da er noch Lehrling in diesem Fache sei. nbutauf unserem seitherigen Abgeordneten Freiherrn von Rabenau daS Wort 2?1 Berich^rstattung. Zu Beginn seines Vortrags wendet sich Redner nun aeg-n seine politischen «egner. Er krtnsirt die Wahlverhandlungen hinter verschloffcnen Thüren, protestirt gegen das "her die Vertrauensmänner-Vecjamlung am 29. Mai im „Prinz Carl", welches die „Oberhesi. Nachr. brachten, als nicht zutreffend und bedauert, daß em College von-thm Herr Prof. Gareis solche Unrichtigkeiten, wie geschehen, über ihn gesagt habe. In dem Referate sei er als frcleonservatlves Mitglied des Reichstags bezeichnet worden. Er gehöre nicht zu der fretconservativen Partes Gr sei liberal und gehöre dem nationalen und liberalen V reine i? „Ä? r?”lt9Uet> ?n‘ 1fRcDn<t ffV nun ^f seine Thätigkeit im Rc.ckSlagc
über, stellte feine Stellung zu den einzelnen Arbeiten im Reichstage klar und virtheidigt solche gegen das Manchesterthum und die Manchestermänner. Er kommt auf ein Referat im „©iepenet Anzeiger" über eine Vereins-Versammlung der Fortschrittspartei »u- 5**' welcher eine Candidatur Wetdenhammer in's Auge gefaßt worden. Er habe ursprünglich eine Candidatur aus Gesundheitsrücksichten nicht annebmen wellen, habe ,7er auf vielseitiges Anrathen seiner Wäh er wieder dazu entschloffen. Rach anderthalb-- punbiflem Dortrage, welcher dem entfernt Sitzenden zum Theil fast nicht hörbar war, stellte sich Redner feinen Wählern und dem Vaterlande wiederum zur Verfügung. Es erdieit KikR ° ’n? ‘ ^8 Gießen Vorsitzender des Vereins der deutschen Fortschrittspartei
T^IidTtc auf den Vortrag des Herrn von Rabenau m klarer deutlicher Weise; nach feiner unb feiner politischen Freunde Ansicht könne ein wirklich liberaler Mann eine Candidatur Rabenau nicht unterstützen. Herr v. Rabenau gehöre ,einem Ver halten nach zur konservativen Partei des Reichstags und ein liberaler Wahlkreis könne ferner hm einem konservativen Abgeordneten seine Stimme nicht mehr geben. Zum Schluß empfahl n, ^Ernigten Liberalen zu Gießen aufgestellten Reichstaas Caadidaten Herrn
1r. Gutfleisch zu Gießen. AlS nächster Redner trat nun Herr Dr. 2Bciffenbaefa aus 4 ro/V“ ' ? Es» legte den Standpunkt des Vereins der nationalen und liberalen Partei in ©leben zu der Candidatur v. Rabenau dar. Auch seine Parte, könne diese Candidatur unterstützen und habe sich dieselbe mit dem andern liberalen Verein m Gießen auf ßanbibatui l>r. Guts le l s ch geeinigt. Herr Dr. Engelmann verrheidigt hierauf iein Referat m ten „Oderhe'sikchen Nachrichten" als vollständig korrekt und hält dasselbe aufrecht nun auf die verschiedenen Angriffe betv. sein Verhalten als ReichStags-Abgeordneter. Es sprachen sodann noch die Herren Baurath D i e f f e n b a ch für U.eJnQn^at,yT ab enau ferner Herr Güngerich von Groß Buieck swelchcr von zwei Uebeln daS kleinste, nämlich die Candidatur v. Rabenau, aufgest llt wissen will) Herr
Dr. Pattison’s
Gichtwatte.
k'fteS gegen (856
Gicht und Rheumatismen all-r Art -ls: Gesichts-. Brust-, Hals- und Zahnschmerzen, Kops-, Hand- und Mbgicht, Gliederreißen, Rücken- u. Senken« roci>, m . [’3. 6300.]
Jn Dacketen zu 1 m. und halben zu 60 b-i Hch. Wallach.
Tafel gezogen worden. — Zahlreiche Deputationen aus allen Theüen Bul- gariens treffen hier ein, um dem Fürsten da? Vertrauen und die Ergebenheit der Bevölkerung auszudrücken.
Afrika.
Tunis, 6. Juni. Ali Bey, Thronerbe des Bey, hat dem französischen Residenten Roustan einen Besuch abgestattet.
$o22) Die frühere buller s'sche Besitzung bin ich geneigt zu verkaufen. Liebhaber wollen sich an mich wenden. ___Georg Jäger.
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SDi^el toon Grünberg und zu guter letzt Herr Mögen bürg aus Gießen, welcher vom zweiten Feiertag zum brüten aus ein-rn fortschrittlichen Saulus zu einem konservativen PauluS H umgewandelt hatte. Die Ausführungen dieses Herrn erregten einen solchen Sturm der toie Ew Redner schon bemerkte, die Versammlung eher einem polnischen J, Wahlerveriammlung ähnlich sah. Der Vorsitzende schien augenscheinlich
dem Tumulte und der Aufregung nicht mehr gewachsen zu sein, so daß gegen 6 Ubr nach baünrin^fi*tH*lnnQ^rf®erfaTmIini9 auSeinanderging wie daß Hornberger Schießen, obm toorben toäTe öin Extrazug brachte sodann die Wähler aus Gießen wieder nach ihrer Heimath. Lange noch werden aber die Besucher dieser Der fammlung an diese selbst denken. '
Q, , ~ ®cl bc5 Mutigen in Sich stattgehabten Landtagswahl wurde für den 4. Wahlbezirk Lich-Hungen Hen Oberförster Theobald von Jugenheim mit allen gegen eine wiederqewahlt. — Desgleichen wurde im 5. Bezirk Staufenberg der seitherige Landtagsabgeordnete Herr Fabrikant I Honstein aus Gießen einstimmig wiederqewöhlt n n A"ßen, Juni. Samstag Abend wurde die eleetrtsche Eisenbahn auf dem AuS- stellungsplatze zu Frankfurt a M dem Betriebe übergeben. Dieselbe fährt von ihrer Einsteige ^ussichtsthurm abgehend durch den von Herrn Gartendireetor SieSmav^er meisterhaft der Natur abgelauschten Berggarten (Schweizergegend), pasfirt auf ihrer ca. 200 ^Weter langen Bahn verschiedene Tunnels, um schließlich wieder bei der Sinsteigestation an»u fommen. Die eleganten Waggons nebst Loeomotive und die ganze electrifcke Anlage wurde bet^ar®iemfle,!?c & ^al8fc tn Berlin unter Leitung des PhvsikerS Herrn wie' Pflfen Ve? t Die ganze Anlage läßt erwarten, daß Fachmänner sowohl,
wie Laien der Mlniatur-Eisenbabn ganz ungeteilten Beifall nicht versagen werden 9 29 ®‘eW b<r Todesfälle während der Woche vom
,b*8 4- 3uoni. betrug dahier im Ganzen 7. Unter den Gestorbenen befanden sich 2 Kinder im ersten Lebensjahre, von denen das eine einer Bionchienentzündung erlag das o" ^gemeiner Abzehrung zu Grunde ging. Von den 5 Erwachsenen starben 2 an Lungenentzündung an Kindbcttfieber, Brighttscher Krankheit, Lungenschwindsucht je 1 Person G rr t rr unsere Leser aus dem Jnseratentbeile ersehen, gedenkt am Freitag Nachmittag bie
^n^b^ Heischen Pionier-Bataillons Nr. 11 aus Castel unter Leitung ibreS Capell- B r e ch r ein Concert imPhilosophenwaldezu veranstalten. Der Capelle geht su guterJRuf, wie derjenigen des Brandenburgischen Artillerie-Regiments Nr. 3, welche
die Feiertage über tn Wenzels Garten concertirte, voraus und darf man erwarten daß X"1'Publikum sich einfinden wird, um im schönen grünen Walde den Klangen der Musik zu lauschen.
“ Do* einiger Zett wurden in der „ßinbenburg" auf der Heuchelheimer Chaussee eine gr^ere Anzahl Cigairen (6 Kistchen) gestohlen. Der Dieb ist endlich ermittelt und zwar in der Person eines Soldaten des hiesigen Regiments. 8
m Am -weiten Feiertag wurde in Heuchelheim, Nachts gegen 1 Ubr ein uon Kln ien b ach von, wie man uns mittheilt, Atz b ach e r Burschen, dermassen hnübh?A°P geschlagen, dass der Verletzte gestern Mittag gestorben ist. Nicht zu begreifen ist daß die Kameraden des Kmzenbacher diesen auf der Straße liegen ließen und nach' Klnzenbach eilten um der Schwester des Geschlagenen Mittbeilung zu machen Unte?- ln^-uch-?he°m°^ 6erdtS 6£Ute ™°r0Cn ba8 G-r-cht zur Äug-nsch-mnahm-
DermifchtrS.
Halle a. S., 2. Juni. In der Frequenz der diesigen Universität ist seit dem vergangenen Semester wiederum ein Wacksthum zu konstatieren. Im Wintersemester 1880/81 ftann incl. einiger nachträglich Jmmatrikulirten inSgesommt 1232 Studirende immatrikulirt 317 gingen hiervon ab, wahrend 378 binzukamen. so daß gegenwärtig zusammen 1293 Studirenoe «l»ö°nic nuDleren Theologie 359, Jura 111, Medizin 190 und Philosophie (einschließlich Landwirthschaft^ 6,3. Außerdem besuchen noch 12 Hospitanten die aSorlcfungen. Unter den Studierenden befinden sich 1108 Preußen, 134 den übrigen RetckS- lanben Angehörige, 11 Oesterreicher, 4 Engländer, 3 Niederländer, 12 Ungarn und Siebenbürgen, 11 Russen, 1 Schwede. 5 Schweizer, 1 Türke und 3 Asiaten fl ,, Wiew Ueber ein erschütterndes Ltebesvrama wird aus Strakonitz berichtet: Bei einem Äen ^Nd die in der Blütbe ihres Lebens befindliche Marie Wendler auS
Nusle ols Erzieherin in Diensten Das Mädchen unterhielt mit einem Professorskandidaten, Gustav Natal aus Prag eine Bekanntschaft Da jedoch eine eheliche Verbindung bei Abgang hur* CnRmateTm?e5 Stellung nicht zu realisiren war, vergiftete sich Marie W'ndle? durch den Genuß von Phosphor, welchen sie von Zündhölzchen abschabte und Narb am 21 Mai Vor dem am Montag stattgehabten Begräbnisse begab sich Nata! mit einem Kranze tn das ^rauerjjmmer zu der aufgebabrten Leiche seiner Geliebten, verrichtete ein kurzes Gebet unb schoß sich nnttelst eines Revolvers die Kugel durch die Brust. Der junge Mann Rünte *u- lammen unb blieb besinnungslos liegen. Nach ärztlichem Ausspruche ist das Aufkommen desselben zweifelhaft.
r, 7 l.Theerbacksteine.1 Gewöhnliche Backsteine, welche mit Theer getränkt find, haben siw vorzüglich zur Herstellung von Mauern, ausgemauerten Gefäßen u. s. w. bewährt welche daß Wasser nickt durchlaffen sollen. Sie haben vor den Gementarbeften den Vorzug ' daß fie bei vlovlickem T-mperaturwechsel nicht springen oder sonst leicht zerbrechen^ auch find fie den Einwirkungen vor. Säuren und Basen weniger unterworfen. Sind die Steine vollNändig trocken gewesen, als sie mit Theer getränkt worden, so wird ihre Druckfestigkeit bedeutend erhobt und die Backsteine sind daher tn diesem Zustande auch gegen Schlag oder Stoß dauerhafter; sind sie aber naß gewesen, so werden die mit Theer getränkten Schichten sich natürlich von den andern ablösen.
., . — Zerstörung der Wälder in den Vereinigten Staaten von Nord Amerika schreitet immer bedenklicher vorwärts. Nach dem „Northwestern Lumberman" find von 26 Staaten den Neu England, Mittel-, westlichen unb Nordweststaaten bi« an die Fel'engebirge nur vier' vamltch Maine, Michigan, Wisconsin und Minnesota, welche mehr Holz haben alS sie se'bst bedürfen. Die Weißtanne, welche jetzt noch die bedeutendsten Massen liefert, ist fast- gänzlich auf die drei letztgenannten Staaten beschränkt. Die genannte Zeitung schätzt den gejammten Vorrath an Tannenholz auf 73% Milliarden Fuß in diesen drei Staate; ,8 werden aber jabrlid, dort nicht weniger als 8 Milliarden abgehauen. Jetzt fieht sich selbst Canada gezwungen, Holzlieferungen in den Wäldern von Michigan und WiSconsin für den ena'ikcken Markt zu suchen.
_ Schifl^berfehl. Mltgetheilt von dem Agenten de« norddeutschen Llövd W. Dietz in Gießen.
_ „ Bremen, 4. Juni (Per transatlantischen Telegraph.j Der Postdampfer Rhein Capt H A F. Nevnaber, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 22. Mai von Bremen und am 24. Mai von Southampton abgegangen war, ist h-ule 6 Ubr Morgens wohlbehalten tn Newyork angekommen.
Bremen, 4. Juni. sPer transatlantischen Telegraph.j Der Postdampfer Baltimore Capt. H. Hellmers, vom Norddeutschen Lloyd tn Bremen, welcher am 18. Mai von Bremen abgegangen war, ist beute wohlbehalten in Baltimore angekommen.
Bremen, 7. Juni. sPer transatlantischen Tklegraph.j Der Postdampfer Salier Capt. C. Wiegand, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 25. Mai von Bremen abgegangen war, ist gestern 4 Uhr Nachmittags wohlbehalten In Newyork angekommen


