Ausgabe 
9.2.1881
 
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um sich. Zahlreiche Meetings haben stattqefundrn, man organistrt schon jetzt den Widerstand gegen die bevorstehenden Regierungs-Maßregeln. SDie Führer rathen, stets möglichst legal vorzugehen, in der Theorie ist dies wohl annehm­bar, aber in der Praxis werden Gewaltthätigkeiten kaum zu vermeiden sein, und so bleibt die Lage, trotz aller Zuversicht der englischen Regierungsmäc.ner, eine kritische. Die Meetings haben sammt und sonders den irischen Deputirten die nationale Anerkennung für ihre patriotische Haltung votirt.

Belgien.

Brüssel, 6. Februar. Der Gemeinderath von Brüflel hat seine De­mission en bloc gegeben, veranlaßt durch die äußerst heftigen Angriffe, welchen der Gemetnderath von der klerikalen Partei in der Kammer ausgesetzt war.

Italien.

Akom, 6. Februar. In Rom ist man beunruhigt über den Gesund­heitszustand des Papstes. Der heil. Vater ist nicht nur nicht in der Lage, Audienzen zu ertheilen, sondern in Folge seines Schwächrzustandes nicht einmal fähig, die Meffe zu lesen, eine seiner täglichen Gepflogenheiten.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'- telegr. EOrrespoudeuz-Brrrran.

Berlin, 7. Februar. DieNordd. Allg. Ztg." berichtigt die irrigen Ausführungen über die Soll-Einnahmen und Ist-Einnahmen an Zöllen und Verbrauchssteuern dahin, daß die Verwaltungskosten in den ersten drei Quar­talen des Etatsjahres 1880/81 durchschnittlich 7,38 pCt., im gleichen Zeit- raum des lausenden Etatsjahres dagegen nur 6,60 pCt. der Soll-Einnahmen betrugen. Die Verwaltungskosten bezüglich der Tabakssteuer würden für daö Erntejahr 1880 voraussichtlich 11,63 pCt. der Soll-Einnahme nicht überstei­gen, pro 1881 aber sich auf etwa 8 36 pCt. derselben vermindern.

Berlin, 7. Febr. Das Abgeordnetenhaus genehmigte das oberschle­sische Nothstandsgesetz und das Gesetz, betr. die aus Anlaß des Notbstandes zu erbauenden Bahnen, in dritter Lesung unverändert nach den Beschlüssen zweiter Lesung. Im Lause der Debatte wies der Arbeitsmtnister Maybach die Angriffe der Abgg. Virchow und Büchtemann aus die vorgeschlagenen Bchn- bauten zurück, indem er ausführte, die Regierung habe keine ungeeigneten Strecken vorgeschlagen. Die Strecke Rybntk-Sohrau wie die übrigen Strecken sollten zum Ausschluß der betr. Gebiete und zur Melioration des Landes dienen. Die Strecke Rybnik-Loslau habe die Regierung nicht vorgeschlagen, weil die An­sprüche der oberschlestschen Bahn durch eine spätere Beihilse des Staates gesteigert werden würden, während später die Bahn vielleicht ohne jede Staatsbeihilfe gebaut worden wäre, da sie im Jntereffe der dortigen Grubenbesitzer liege. Das Haus erledigte darauf die erste Lesung des kurhesstschen Fideicommißge- setzes, deffen zweite Lesung im Plenum stattfindet, sowie das Vtehseuchengesetz in dritter Lesung. Es beginnt sodann die Berathung der Kreisordnung. Auf den Antrag des Referenten, Abg. v. Liebermann, wird zunächst über den § 3 der Vorlage dtscuttrt und dieser ohne weitere Debatte genehmigt. § 4 wurde in der Fassung der Commission gleichfalls angenommen. Die Anträge des Abg. v. Born, wonach im Absatz eines des Artikels 4 statt Städten über 25,000 Seelen gesetzt werden soll Städten über 20,000 Seelen und wonach der Landrath auch ferner die gesammte Polizetverwaltung des Kreises mit Aus­schluß der Städte mit mehr als 10,000 Emwohnern überwachen soll, wurde mit 158 Stimmen gegen 141 Stimmen abgelehnt. Der Minister des Innern, Graf Eulenburg, hatte sich gegen die Anträge des Abg. v. Born, aber auch gegen die Beschlüffe der Commission ausgesprochen und war für den bestehen­den Znstand eingetreten. Fortsetzung morgen.

DerReichs-Anz." veröffentl'cht einen Erlaß des Kaisers an den Reichskanzlers und den Cultusmintster wegen Uebernahme der von Schliemann dem deutschen Volke geschenkten trojanischen Alterthümer, welche in den Sälen des ethnologischen Museums, die künftig den Namen Schlwmann's führen sollen, zur Aufstellung gelangen werden, und ferner ein kaiserliches Handschrei­ben an Schliemann, worin demselben der kaiserliche Dank und die volle An­erkennung für die von warmer Anhänglichkeit an das Vaterland zeugende Schenkung und die Hoffnung ausgesprochen wird auf ein ferneres Wirken zur Ehre des Vaterlandes.

London, 7. Februar, Gestern Nachmittag fand in Trafalgar Square eine Kundgebung gegen die irische Zwangsbill und gegen das Verfahren der Regierung den irischen Deputirten gegenüber statt, welcher viele der hier be­findlichen radikalen Clubs und mehrere tausend Zuschauer beiwohnten. Die vorgeschlagencn Resolutionen, welche sich gegen die Politik der Regierung in der irischen Fragö aussprechen, wurden angenommen, von Personen von An­sehen oder Bedeutung war die Versammlung nicht besucht.

Haag, 7. Febr. Die niederländische Gesellschaft des Rothen Kreuzes hat nunmehr osficiell bekannt gemacht, daß sie, um den in Transvaal Kämpfen- den santtättsche Unterstützung zu leisten, in Wirksamkeit trete und zugleich zu Geldspenden für diesen Zweck ausgesordert. Zur Unterstützung der Verwun- deten aus dem Transvaal-Lande sind Seitens der Gesellschaft bereits 1000 Psd. Sterl. an den holländischen Consul in Kapstadt abgesendet worden, auch ist

daselbst telegraphisch angefragt, ob eine holländische Ambulanz über dort ihren Weg nach dem Kriegsschauplatz nehmen könne.

L o f a 1 e e

Glesien, 8. Februar. Ein Redner von auswärts, welcher in einer hiesigen Wirthschaft wo er in Kondition gestanden eine Partie Cigarren im Werthe von ca. 16 JL entwendet hatte, wurde gestern verhaftet

Gießen. 8. Februar. Tagesordnung für die Stadtverordneten - S'hung Donnerstag, den 10. Februar 1881.

1 Den Voranschlag der evangelischen Kirche pro 1881/82 betreffend.

2. Klage Regen den Ortsarmrnverband Saasen.

3. Die Vacanzrecknung von der ersten Klaffe der Stadtmädchenschule.

4. Dte Prüfung der Rechnung vom Jahre 1879.

5. Dte Handwerkerschule betreffend.

6. Anlage von Feldwegen und Entwässerungsgraben in der Gemeinde Gießen.

7. Gesuch wegen Ueberlaffung der Turnhalle.

8. Die Anschaffung von Lehr- und Lesebüchern auf Grund des Art. 26 des Dolksschulgesetzes.

9. Das Schäferetwesen in der Stadt Gicßen.

10. Beitrag der Stadt Gießen zu den Polizerverwaltungskosten

11. Klage der Stadt Gießen gegen Restaurateur B. Lenz.

12. Die Erhebung des Oetrols von Branntwein und Spiritus.

13. Die Abgabe von Pflänzlingen aus dem Stadtwald für städt. Zwecke.

14. Die Verpachtung der Strangswiese.

15. Die Holzversteigerung vom 31. Januar d. I.

16. Verwerthung von überflüssigen Schienen rc. von den Arbeiten an der Wafferleitung.

17. Umbau des Main-Weser Bahnhofs.

18. Gesuch des Bauunternehmers Koch um Erlaubniß zur Anlegung einer Einfriedigung.

, 19. Desgleichen des Peter König.

30. Gesuch des W. Wagner II und des H. Rusag um Erlaubniß zur Anlegung einer Einfriedigung.

21. Gesuch des Emanuel Meyer von Butzbach um Erlaubniß zur Ausstellung einer Bude auf dem Viehmarktplatz.

22 Die Anlage einer fahrbaren Straße von dem Seltersweg nach der Süd-Anlage.

23. Straßenbeleuchtung.

24. Die Anstellung eines wetteren academisch gebildeten Lehrers an der höheren und erweiterten Mädchenschule.

Vermischte-.

Cassel. Die Annoncen-Expedition von Th. Dietrich & Co. in Caffel hat soeben die neueste Auflage ihres Jnsertions Tarifs erscheinen laffen. Der Tarif enthält in Übersicht- ltcher Etntheilung und alpbabetischer Ordnung das Verzelchntß aller m Deutschland erscheinenden Zeitungen, sowie eine Auswahl der bedeutendsten Blätter des Auslandes und ein Verzeichntß der gelesensten Fachzeitschriften nebst näheren Angaben über dieselben. Auch bei Herausgabe vteser neuen achten Auflage ihres Jnsertions Tarifs war dte genannte Firma bestrebt, einen vor vielen anderen ähnlichen Erscheinungen auf diesem Gebiete sich auSzeichnenden Zettungskatalog herzustellen.

Mainz, 4. Februar. Vor den hiesigen Gerichten kommt demnächst rin intereffanter, hauptsächlich von den Juristen viel brsprochcncr Proeeß zur Verhandlung. Ein in der Um­gegend von Mainz gelegenes, nur zeitweise bewohntes kleineres Landhäuscken wurde von Obdachlosen und Vagabunden vielfach alS billiges und bequemes Nachtquartier benutzt. Diese ungebetenen Gäste begnügten sich aber nicht mit der bequemen Wohnuna und d:m Aufzehren der ab und zu vorhandenen Speisereste, sondern verunretnigten beim Weggehen am Morgen auch noch die Möbel des Häuschens in ekelhaftester Art. Letzteres ärgerte den Besitzer begreif­licher Weise am meisten und da kein Schloß den Eindringlingen zu fest war. legt er zum Schutze seines Eigenthums in das Innere des Häuschens sogenannte Selbstschüffe. Das Mittel erfüllte seinen Zweck alsbald in mehr als gewünschter Welse, indem eine Person, die sich in dem Häuschen einquattiert hatte, so unglücklich von einem der Selbstschüffe getroffen wurde, daß sie lebensgefährlich verletzt den anderen Morgen aufgcfandeir wurde. In Folge hiervon kam es, wie die ,.Fr. Z." berichtet, zu einer gerichtlichen Untersuchung, die zur Erhebung einer An­klage auf fahrlässige Körperverletzung gegen den Eigenthümer des Häuschens führte. Nun wird von den Juristen eifrig die Frage ventilirt, ob diese Anklage überhaupt haltbar ist. Auf einer Seite wird dies unbedingt verneint, indem schon um deßwillen von einer fahrlässigen Körper­verletzung nickt die Rede^ sein könne, weil der Verletzte an und für sich in dem Hause nicht- zu suchen gehabt habe. Anderseits dagegen vertritt man die Ansicht, daß eS von einem Einzelnen nicht zulässig erscheine, solch' gefährliche Mittel zum Schutze seines Eigenthums anzuwenden. Auf die gerichtliche Entscheidung darf man demnach wohl gespannt sein.

SchllFsberleht. Mitgetheitt von dem Agenten beß norddeutschen Lloy b C. W. Dietz in Gießen.

Bremen, 5. Februar. sPer transatlantischen Telegraph., Der PostdampferRhein", Capitän H. A. F. Neynaber, vom Norodeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 24. Januar von Bremen und am 26 Januar von Southampton abgcgangen war ist heute 8 Morgens wohl­behalten in Newyork angekommen. ________________________________

Handel und Verkehr.

Gießen, 8. Februar Aut dem heutigen Wochenmarkte (öftere Butter per Pfb. «X 0.90 biß 1.00 Hühnereier 1 Stück 7OH, 2 St. i'O Gänseeter 1 St. OO-OO H. Käse per Stück 59 4 Käs-mattr ver Stück 3-0 H, Erdi en 1 Liter 22 H, Linien 1 Liter 26 H, Tauben baß Pa 7 1 OO-OO A Hübner v. St. 1.201.70. Hahnen p. <St. X. 1.301.70, Gänse pr. $fb. 5060 X Enten per Stück 0 00 2 00, Ocksenfieisck 66-60 H per Pfb., Kuh. und Rindfleisch 4550 X Kalbfleisch 4550 H, Hammelfleisch 54 - 66 X Schweinefleisch 6800 X Kartoffeln per 100 Kilo ..M 4 00 O.Oo Zwiebeln v. Etr JL 100, Milch per Liter 16 und 18 Weißkraut 100 Stück JL. O.oO0 00, Enteneier per 1 Stück 00 H.

Frankfurt, 7. Februar. (Fruchtbericht.) Mehl Nr. 1 JL 39, Nr. 2 37, Nr. 3 u 32 Nr. 4 JL 28, Nr. 5 JL 25, Roggenmehl % (Berliner Marke) «H. 30 5031, do. I (Berliner Marke) JL 29.0000.00, Do. II (Berliner Marke) JL 24.0000.00. Weizen effecttv hiesiger ab Bahnhof hier JL 23.00 00.00, ab unserer Umgegend v#L 22.2522.50, do. fremder 'ie nack Qualität 22.2523.00, Roggen, je nach Qualität JL 21.5000.00, Gerste JC 17-19.50, Hafer JL 13.2515, Kohlsamen JL 27.0000, Erbsen JL 1927, Wicken JL 16-18, Linsen JL 20-40, Bohnen, weiße, JL 2325, Roggenkleie «X, Weizenkleie, grobe und feine JL, Rüböl, detail, X 63. Stimmung ruhig. Haupt­sächlich gefragt war: Dringend offerirt: Mahlgerste zu JL 14.75 und bunter Mais zu JL. 13.75-14 (Die Preise verstehen sich sämmtlich pei 200 Pfb. Zollgewicht 100 Kilo.)

Frankfurt, 7. Februar. Der heutige Viehmarkt war gut befahren. Angetrteben waren ca. 300 Ochsen und Stiere, 300 Kühe und Rinder, 280 Kälber und 300 Hämmel. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. X 6768, 2. Qual. JL 6264, Kühe und Rinder 1. Qual. JL 5456, 2. Qual. JL 4550, Kälber 1 Qual. 56 58, 2. Qual. X 4550, Hämmel 1 Qual- 6062, 2. Qual. 45- 50 per 100 Pfv. Schlacht­gewicht. Schweine das Pfund 66 X___________

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