Ausgabe 
8.12.1881
 
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Nr. 28«. Erstes Blatt. Donnerstag den 8. December 1881

Kiehener Anzeiger

Aaicige- uni Amtsblatt für den Kreis Oiekkn

Erscheint täglich mit Ausnahme brt Montags.

Bureau r Schulstraße B. 18.

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Durch bw Post bezogen viertel jährlich 2 Mark 50 Pf.

Amtlicher Ttzeil.

Gießen, am 5. December 1881..

Betreffend: Die Ausführung des Gtfitzes vom 10. September 1878 über den Schutz der In fremde Verpflegung gegebenen Ähbet unter 6 Jahren.

Das Großhcrzogliche Krnsamt Gießen

an die (^roßberzoglicben Bürgermeistereien des Kreises (mit Ausnahme von Gießen).

Wir erinnern Diejenigen von Ihnen, welche noch im Rückstände find, an die alsbaldige Einsendung der UeberwachungSbogen betreff« der oben bemerkten Sinder, oder der «meige, daß keine solche Kinder vorhanden find.

Dr. Boekmann.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'-telegr Sorrespoudeuz - ««rea».

Dresden, 6. December. In der heutigen Sitzung der zweiten Kammer setzte der Minister des Innern, v. Nostiz-Wallwitz, auseinander, daß gegen- wärtia wenig Aussicht aus eine Abänderung deS Unterstützungs'Wohnfitz-Gesetzes vorhanden sei und daß es bS dahin nützlich sein werde, das Landarmenwef-n

Abg. Rickert Veranlassung, den Kriegsminister zu ersuchen, bte Dienstzeit bei der Fahne soviel als möglich, soweit es mit der Sicherheit des VaterlanbeS unb der Kriegs- tuchtiqkeit deS Heeres vertraglich fei, zu kurzen.

Bunbesbevollmüchtigter Kriegsminister v. Kamele verspricht, daß bte tzeerevverwat. tun9 in dteser Frage stets ein Entgegenkommen zeigen würbe.

Hieraus wirb die ermäßigte Summe bewilligt.

Kap. 25, Tit. 4 (Naturalverpflcgung 49,618,479 Ml.) beantragt bte Kommission aus 49,549,798 Ml. zu ermäßigen.

Äbg. Richter macht darauf aufmerksam, daß tm Etat doch eine Scheidung zwischen den Erfayreserviftrn mit zehnwöchentlicher und denen mit vierwochenUicher Dienstzeit zum Ausdruck gelangen mußte unb bittet dies zu thun. «... ,rr.

Nachdem sich der Krtegsmintster v. Kameke, der Referent der Bubgetkommifswn Frhr. v. Malvahn Gülz unb Abg. Rickert hiermit einverstanden erklärt haben, wird diese im Grunde nur redaktionelle Aenderung auf die dritte Lesung verschoben, die ermäßigte Position über jetzt schon bewilligt.

Im Uebngen werden sammtUche aus der Verminderung der Ersatzreservistenzahl resultirenden Ermäßigungen in einzelnen Theilen des Etats ohne Debatte vom Hause g< nehimgt^^ preußischen Etat, so wurden auch in dem sächsischen unb württembergischen Etat die Positionen für die Mannschaften verhältnißmaßig ermäßigt unb für Sachsen statt der vorgeschlagenen Ersatzre'ervisten in der Zahl von 4228 Mann nur 329IL^ann' für Württemberg statt 3190 Ersatzreservisten nur 2472 Mann bewilligt. Die von dir Budgctkommission vorgeschlagene Streichung der PositionRiubau einer Garnifonbäckertt in Altona 130,000 Mark" in den einmaligen Ausgaben des Etats für Preußen wirb ohne Debatte beschlossen. . . a, .

Bei bem außerordentlichen Etat hat Abg. Sonnemann Namen» seiner Partei zu erklären baß sie gegen sümmtliche Neubauten, welche in bem außerorbentlichen Etat ge­fordert wurden, stimmen werde, b,e Militarlaft scheine ihm auf die Dauer unerschwinglich.

Abg Richter fragen) kann sich den Prinzipien de« Vorredners nicht anschließen. Wenn man überhaupt nicht das Land durch eine Miliz vercheidigt wissen wolle, so muffe man den Soldaten Kasernen bauen, denn sonst müßten die Soldaten be, den Bürgern einquartiert und diese dadurch noch mehr belastet werden, als sie es schon sind.

Abg. v. Buhler Lehringen stellt seinen Abrüstungsantrag, wenn er auch letzt auf einen solchen verzichte, für die nächste Session in Aussicht

Bei TU. 5a (Unteroffizier Vorschule in Neu-Brcisach) weift Abg. Richter auf daS bedenkliche Prinzip hin, welches durch bte Unteroffizier Vorschulen hervorgerufen würbe. Emesthrils würbe burch solche Schule der Beruf des Kindes antecipirt, denn es wurde stets viele Eltern geben, die ihre Pflicht der Erziehung an den (Staat übertrügen, anderer­seits würbe auch die Schule im Elsaß nicht so großen Anklang finden, wie man erwarte. Denn der frühere Unteroffizier habe doch einen ganz anderen Stand im Elsaß gebildet, als der heutige deutsche, jener sei beliebt gewesen, ob es dieser sei sei doch höchst unge­wiß Außerdem weift Redner noch auf die Höhe der Forderungen hm, welche ganz gut zu anderen, als militärischen Zwecken verwendet werben könnten.

Bundeskommifsar Haberling vertheidigt bie Institution der Unteroffizier-Vorschulen und weift hauptsächlich daraus hm, daß das Bedürsniß hierfür so groß fei, baß viele Eltern mit ihren Auf nähme wünschen für ihre Kinder abgewiesen werden mußten. Der Knabe würbe übrigen« drei Monate in der Schule gehalten unb wurde dann, wenn er keine Neigung oder Anlage habe, ohne Kosten entiafftn. In bet Unterosfizierschmle sollten flnaben von 11 Jahren ausgenommen werden unb ihnen namentlich Kenntnisse beigebracht werden, bie ihnen später im Civildienste nützlich sein sollten. Auch seien noch 3000 Man- quements zu beteiligen.

Abg. Simonis verwahrt sich gegen bie «eußerung des Abg. Richter, daß bte Elsäßer nur für bw unhrgeerbneten Stellen bet Unteroffiziere geeignet seien. Er fei aber auch aegen solche Unteroffiztcrvorschulen: wolle man Elsaß'« Schulwesen helfen, so möge man es wieder so Herstellen, wie es bei der Einziehung durch Deutschland gewesen sei.

Abg Richter lonftatirt, daß er nur gesagt habe, es sei im Elsaß eine größere Vor­liebe für den früheren sranzösifchen Unteroffizierstand vorhanden gewesen, als für ben letztgen vreußtschen. Wenn aber im Elsaß eine Vorliebe für ben Unterosfizierstand herrsche, weshalb brauche man dann noch to besonderer Reizmittel. Die 3000 bestehenden ManquementS würden sich bald decken lassen. ,

Es erhebt sich über die Breisacher Schule eine längere Ttsku'swn, tn der Aog. Lasker bittet, bie Position abzulehnen; Abg. v. Benda sie nochmals an die Budgetkommission zu Überwerfen.

Der Antrag v. Benda wird angenommen. .

Aus 3ntraq der Kommission werden lit. 34 (Neubau einer Kaserne m Rudolstadt 55 000 MI 3 Zit 35 (Neubau eines WohnkasernementS in Stendal 50,000 Bit.) und Zit. 4?' (Neubau eines «asernemenls in Echwenn 300,000 Wt.) gestrichen dl- -"deren Titel gemäß den Kommissionsbeschlüssen genehmigt und einzelne Petitionen für erledigt erklärt.

Hierauf vertagt sich das Haus aus Mittwoch 1 Uhr (Fortsetzung der Etats-Berathung).

Schluß 41/2 Uhr. '

Aeulschkand.

m. Darmstadt, 5. December. Der den Ständen zugegangene und bereits kurz erwähnte Gesetzesentwurf in Betreff der Hinterlegung von Depositen, Cautionen und Privat. C apita lien bei der Haupt. staatSkas se bchandtlt folgenden Gegenstand. DaS Staatsschulden-Tilgungs» gesetz vom Juni 1821 enthält in § 6 die Bestimmung, daß zur allmältgen Abzahlung der Staatsschuld u. A. auch alle fernerhin baar eingehenden Dienst, und andere Eautionen bestimmt und angewiesen werden. Ein Gesetz vom 20. Oktober 1821 enthält nähere Bestimmungen über die Anlegung der Depo- fiten bei der StaatSschulden-Tilgungskaffe. Nachdem die in den beiden genann. ten Gesetzen gegebenen Bestimmungen, soweit fie bie gerichtlichen Hinterlegungen brtriffen, bereit- durch Art. 3 deS Gesetzes nom 4 Juni 1879, die Ausführung der deutschen Eivilpioceb-Ordnung und EoncurS'O'dnung betr., und durck Art. 3 deS Gesetze- vom 9. Juni 1879, die Ausführung der deutschen Straf- proceh-Ordnung betr., eine den gegenwärtigen Verhältnissen entsprechende Ab' änderung erlitten haben, verfügte der neue Ges'tz'sentwurf die Aushebung der oben genannten Bestimmung des StaatSschulden-Dlzul gsgesetzeS, sowie deS Gesetze- über die Anlegung der Depofiten bei der Staatsschulben-Tilgung-kafie. Dem Finanzministerium bleibt nach Art. 1 deS Entwurfs Vorbehalten, Bestim­mungen zu treffen, nach welchen für die Folge die entweder auf Anorvnurg von VerwaltungSbeböiden oder fteiwillig bei öffentlichen Behörden zu hinter- legenden Baarbeträge btt der HauptstaaiSkafie hinterlegt, verzinst und zurück^ erhoben werden können- Die Depofiten, welche zur Zeit au Grund.der früheren gesetzlichen Bestimmungen hinterlegt find, sollen thunlichst bald zur Erledigung gebracht werden. Soweit diese letztere nicht bts zum Schluß deS Jahres 1882 geschehen kann, gelten für die fernere Verwaltung, Verzinsung und Rückzahlung auch solcher Depofiten die von dem Finanzministerium zu erlafienden Bestimmungen. Nach S 2 des GesetzeSentwurfeS hüt auch die weitere Bestimmung des StaatSschulden-Tilgungsges.tzeS, nach welcher eS den Staatsangehörigen gestattet war, Eäpitalien in Beträgen von nicht weniger al- 500 fl. bei der StaatSschulden-TilgungSkafie rentbar anzulegen, außer ölrI|d.eambura, 5. December. Rach einer Privatdepesche auS Queerstown ist der Hamburger Packetdampfer .«llemann.a^ heute Wittag daselbsti besLä- digt eingeschleppt worden; derselbe hatte Hamburg am 13. v. MtS- verlassen unb war nach Rew'Iork bestimmt.

Hesterreich.

Wien 5. December. Die Wiener Zeitungen veröffentlichen ein Schrei» btN ter deutschen Raifmn an den Erzherzog «arl Ludwig, mit w'lch'm 1000 Gulden zur Stiftung «ine- Srankenbeites für das neu zu gründende Elisabeth-Krankenhaus In Pesth übersendet wurden.

tznglaud.

fiueenetPW«, 5. December. Der Hamburger Packetdampfer ,»lle. mannia ist vom DampferOlami« Castle" hier -tnbugfirt worden. Der Hauptschaft 'st gebrochen An Bord befinden sich auch einig« Blatternkranke.

Deutscher Reichstag.

11. Sitzung vom 6. December.

Am Bund-srathstifch-; r. Sam*, Z^lz und «ommissare.

Präs. t>. Sroeyro eröffnet die «chung um P 4 Uhr.

Dtae »«batte6wert 6«^" und Ausgaben

>-r ^V^7ndUch- ^cht"^ T

Die L-rsUb-n zur Lo-b-ra-hung üb-rn-i-i-nen Th-Ue des Etats der Verwaltung des Rerchs- t6' _ o. Tit 7 (Mannschaften 52,479 775 Mark) beantragt die Kommission auf Md-r^-fmdnt-n M04^ C^atzreservisten'w^hretw d«Hll^ung "nur^29700 d-es-r «ann^ bes --rh-rg^t-n B-schluff-s aus 2,325,735 Mark zu ermäßtgen .st, n,mmt