Wiesbaden, 4 Juli- Nachstehende Warnung, unterzeichnet ton dem hiesige» Direc- torinm cd Vereins nafiautscher Land und Fersiwteihe, tfi In sämmtttchm «teil und tmtfc blättern tum Abdrucke und weiter noch durch Anschlag an den ötmdnbebäuiern zur öffentlichen Senntmß pedracht worben: „Bei der hittlden Vag« der Landwirthe ,m Allgemeinen und ,ns- besondere der k eine« Orundbtsiger in unserem Vereins-,biete gtedt do« Ueberbandnehmen des Wuchers veranlasiung zu sehr ernsten Befürchtungen, Eines der bkquemsten Mittel zur Ausdeutung der Landleute ist bet Wechsel, welcher für den Unkunrigen zur giftigsten Waffe br| Wucher rt> wird, iobalb dieser eist die Schwäche seines Opfer» entbeckl har. Viele Landwirthe bedienen sich o<e Wechsels, um stch ous einer auzendlickttcven verleaenbeit zu reiten und stürzen sich und die Ihriaen, bie Wirkungen und die Lragweite e.ner anscheinend io harmlosen Unterschrift vorher nicht berechnend, daduech in Noth und üleno. Sie befinden sich auf einer schiefen Ebene auf welcher sie nicht selten dem Abgrund deS Verderbens rettungslos zueilen. Tas unterzeichnete Tirec orium glaubt daher eine Pflicht zu erfüllen, wenn d auf die Le fahren aufmerksam macht und den wohlgemeinten Rath ertbeilt: ,Ihr Landleute hütet Euch vor dem Wechsel und seid vorsichtig mit Euerer Namensunter,chrift'
Marburg, 4 Juli Do» „M Labl - schreibt. Nach einer hier eingetroffenen Tepeiche des General-Insptt'tturs v. LeSzinski ist definitiv bestimmt, daß am 1. April k. I unser Jager- Bataillon nach Hagenau verlegt werden wird.
Darmstadt, 4. Juli Die Exkaiserin Eugenie von Frankreich trak am Samstag Abend auf dem hiesigen Bal nbofr ein und nahm im Hotel „Ludwigsbahnhof- Absteig'quartier. Dieselbe besichtigte deute vormittag das llsroßberzogl. Palais und soll auch die Absicht hegen, dem -'lausoleum auf der Roienhöhe einen Besuch adzustatten. Die Weiterreise wird voraussichtlich noch deute im Laufe deS Tages erfolgen. Don der, der Kaiserin zur Verfügung gestellten Hof-Squipage batte dieselbe keine« Gebrauch gemacht.
veuischcs ikidjsgtridjl.
(Nachdruck verboten.) Sitzung qom 2. Juli.
III. Strafsenat. Präsident: Dr. v. Beyerle, Reichsanwalt: An gern. (Betrug.)
R.-C. Der Viehhändler St au3 Großwiederitzsch ist beschuldigt, im September 1880 die verwittwete L. bestimmt zu Haden, ihm eine Kuh für den Preis von 222 JL ab- zukaufen, währe d sie höchstens einen Werth von 150 at halte, dadurch, daß er ihr der Wahrheit zuwider versichert habe, die fragliche Kuh sei ntumelfcnb. Das Landgericht zu Leipzig hat untenn 16 Mai d I den Angeklagten von der Anklage detz Betrugs frei gesprochen. Etz ist thalsächlich festgestellt, daß die L-, welche am liebsten eine Kuh mit dem Kalbe gekauft, als ft die fragliche Kuh im Stalle des Angeklagten besichtigte, die Versicherung von diesem erhielt, etz sei eine neumelkende und gute Milchkuh Q tn neben der Kuh angebundenes Kalb ßebi nicht dl fer sondern war dem K-, wie er zugicbt, nur einnwcilen do? einem Fleischer zur Aufbewahrung übergeben worden Die verwittwete Milchhändlerin L erwarb die Kuh für 222 JL — K. hatte dieselbe einige Zeit vorder als Schlachtvieb für 205 at 50 H gekauft — allein schon am ersten Tage gab die Kuh nicht mehr als erne Kanne Milch, während nach dem Gutachten deS Sachverständigen eine neumelkende Kuh täglich mehr als zwanzig Kannen Milch gibt. Durch den Letzteren wurde im Uedrigen auch festg.'i.ellt, daß Kühe noch 3 Monate nach dem Kalben als neumelkend bezeichnet werden. Das Gericht erachtete deßbalb nicht die Vorspiegelung einer falschen Tbatsache für gegeben. Die von der Staatsanwaltschaft gegen dieses srelsprechende Eikenntniß eingcwendete Revision beantragt Aushebung des Urtheils und Zurückverweisung der Sache an die vorige Instanz. Der Angeklagte habe die Kuh altz yute Milchkuh, als eine solche, welche vte'l Milch albt, bezeichnet, während eS in Wirklichkeit eine mild)arme Kuh war; daß eine solche geringwerthiger sei, alS eine milchreiche, sei selbstverständlich, mithin iet die L- getäuscht und an ihrem Vermögen beschädigt worden. Der Reichsanwalt hält die Revision für begründet und hebt das Reichsgericht das Uitbcil auf Tie Entscheidung bi6 ersten Gericht- beruht insofern auf einer Gesetzes-Verletzung, als dasselbe lediglich mit der Erörterung der Frage beschäftigt, ob bie Kuh noch als ncumclfenb habe betrachtet werden können, und weil es in dieser Beziehung zu einer bejahenden Entscheidung kam, bie Anklage wege i versuchten Betrugs für hinfällig ansieht, während
doch ausdrücklich festgestellt ist, daß der Angeklagte die äruh auch für eine gute Milchkuh ausgegeben hat und daß diese Angabe dem wirklichen Sachverhalt nicht entspricht da die Kuh überhaupt nicht altz Milchkuh, sondern als Schlachtkuh zu bitrachten sei.' Indem nun das Gericht sogt, daß es der Erörterung dieser Frage nicht näher gelriten sei, weil die Anklage nicht in dieser Beziehung erfolgt sei, gibt es zu erkenn.«, daß es die Aufgabe des erkennenden Gerichts verkannt hat, die durch den $ 263 der Straf proceßordnung demselben geser-t ist und welche dahin geht, die Thal, so wie sie nach rem Ergebnisse der Hauptverdandlung sich darstellt, zum Gegenstand der Urtheilssindung zu machen.
Literarische-.
Der Orient, geschildert von A v. Sch weigrr - Lerche nfel d («. Hart- leben's Verlag in Wien. In 30 Lieferungen i 30 fr. ö. W — 60 jp. Dieses vorzügliche, prächtig autzgestatlele Werk hat einen tüchtigen Schritt nach Vorwärts gemacht; es ist bis zur 15 Lieferung gediehen, so daß das bisher Erschienene die Hälfte des umfangreich angelegten Buches repräfentirt. Wir lernen nun auch eine anbe-.e, als die hellcnisch-c assische Eulturwelt kennen — die semitifch.movlemische, deren höchste Potenz bekanntlich die Kal.fenherrlichkcit von Bagdad war. In her Thal ist Alles, was unS der Verfasser in dieser Richtung mittbeilt, interessant, zum Theile sogar bestrickend, läge der Conttast nicht gar so nabe! Man vertiefe sich nur in die ougt- neüen Schilderungen von den schiitischen Passionsstätten Äerbela und Redsches, man verfolge im Geiste die Todesspur der „persischen Leichenkarawanen", und halte Umschau in den Brutnestern jenes starren Fanatismus, wie er der Seele Schia eigen ist: und man wird sofort die Illusion von dem herrlichen Kalifentraum verlieren. Der Verfasser bat es trefflich verstanden, derlei Gegensätze zum Bewußtsein zu bringen. ES ist ein merkwürdiges Schattenspiel, stünde man nun entweder auf den Ruincnhügelu von Susa, um auf die zahllosen „Heiligengräber" hinabzublicken, oder am „Strome der Arader", um die entsetzlich berabgefommene Bassora — einst eine Leuchte des Islam, eine Weltstadt — zu durchwandern Was hieran schließt, entbehrt nicht minder der lebendigen Darlegung, führte uns nun der Verfasser die kriegerischen Wahabiten mit ihren piunkliebenden „Ketzer-Kalifen", ober die elenden Perlenfischer im Persergolfe, oder die wilden Küstenbewohner des Hadomaut vor. IkbcraU prägt sich eine seltene Kiafl der Sch lderung, eine wahre Virtuosität in der plastischen Darstellung aus. Der illustrative Schmuck ist in den letzten Heften ganz besonders interessant. Die Sujet« der Zeichnungen sind durchaus neu und unbekannt, die Scenenbllder interessant, die Leisten und Vigneten sehr charakteristisch und geschmackvoll.
Handel und Verkehr.
ftrantfuri, 6. Juli. (Marktbericht ) Der heutige Heu- und Srrvhmarkt ncrr gut befahren. H:u kostete ;t nach Qualität der Etr. ac 4.00—5.50, Sttyh ac 4 00 4.25, Butter 50 Kilo at 80-00, im Detail 1. Qualität das Pfund ac 1.15—00, 2. Dualität daS Pf. 1 05- 00, Eier das Hunderts 4.50-5.50. Ochscnflrgä. per Pfund 60 0 H,
Kuh , Rind und Farrenfleisch 40 - 55 , Kalbffeilch 35—55 H, Hamw:.flrisch
40—65 Schweines?eilch 6t»- 70 em Hadn ac. 1.50—2 00, ein Hu'w ac 1.80 2 3u,
eine Ente at 2 50 3 00 ein» Staube 50-0 ' , junge Gans al 4.0«)—8 00, Hasen
da« Stück a*. 1 >0-2.00. Poularden JL 2.30—3 Redbock das Pfd. 00—00 4, Kapaunen vtt 3.00—< . »Wälscher Hai.n ai. 9—12, Kartoffeln s00 Ko at O.ou—0.00, Kohlkraut 20 Blumenkohl l St. 50-70^, Wirsing 20-00 Gelberüben 1 Bund 10-00^, Zwiebeln 1 Bund 0 H Sellerie das Stück 30—00 Meerretltg I Stück (»0—00, Sparr ei das Pfund 30—00 Noma» -Salat 40 H, Endivien 00 , Rotbkraut 40—50 Wrifkraut
40 Ärnichokeii 50^, Erbsen baß Pfd. 30—50 Bohnen baß Hundert JL 0.90—1 00 neue Kartoffeln raS Pfd. 16-18 oaS Matter JL 14.—i'0, Kopf-Salat 3-5 Spinat
30—40 Schnittlauch datz G'bund 3 Gurke 20—30 Kohlrabi 5—8 baS Stück, Kirschen das Pfund 19 — 20 H.
Limburg, 6. Juli (Fruchtmarkt.) Rother Weizen JL 20.10, Weißer Weizen JL 20.—, Korn. 17.—, Gerste JL. 41 30 Hafer JL 8.55, Erbsen JL O.tiO, Kartoffeln k 50 Kilo JL 0.00. (Durchschnittspreis pro Matter.)
Arbtilsversteigerung.
M ontag den 11. Juli,
Vocu.ttlagö 10 Uur, sollen auf dem Bureau der Bürger» meistcrei Beuern nachverzeichnete, bei Erbauung eine- neuen Pfarrhauses daselbst erforderlichen Arbeiten und Lieferungen öffentlich unter den im Termin bikmnt gemacht werdenden Bedtrgungen in Äccord gegeben werben. 1. Maurerarbeiten verai.schlaat zu
8431.30 M. 2 S'einhauerarbeitet: in Lungsteineu, veranschl. zu 2291.59 M. Steinbauerarbeiten in Sandsteinen, veranschl. zu 81.63 M.
3. Zimmerarbeiten R „ 3320.— „ 4. Dachdeckerarbeiten, veranschlagt zu
475.50 M.
5. Schreinerarbeiten, veranschlagt zu 2177.83 M.
6 Schlofferarbeiteu, veranschlagt zu 900.46 M.
7. Glaserarbeiten, veranschlagt zu 483.27 i.
8. Weisbinderarbeiten, veranschlagt zu 1161.60 M.
9. Spenglerarbeitm, veranschlagt zu 232.— M.
Weiter werden nach dieser Versteigerung vergeben:
1. Chaujsirarbtit, veranschlagt zu 307 50 M.
2. Planirarbeit, veranschl. zu 70.— „ 3. Sreinlieserurg w „400.— „
Großen.Bu.'eck, am 6 Juli 1881. I. A. Großh. Bürgermeisterei Beuern.
L. Hahn, 4556) BezirkSbauaufseber.
Rosen.
Abgeschnittene Rosen empfiehlt 4403 Äarl Berger, Lmdenplatz.
150,000 Russensteine
verkauft (4391) H. Adam
Allgemeiner
Anzeiger.
Bekanntmachung.
4394) Die Tonnenabfuhr tn hiesiger Stadt soll im Submission«. r?ege an einen Unternehmer vergeben werden.
Die Bedingungen sind auf dem Bürgermelsterei-Bureau dahier zur Ti.> sicht offen gclegt und si ch Offerten bis zum 15. Juli 1881 dorthin einzu- reichen.
Gießen, den 28. Juni 1881.
Großhcrzogltche Bürgermeisterei Gießen.
A. Bramm.
Herren-Wäsche:
Weis e und bunte Jocmben, Ara gen, Manschetten, Chemisetten, ^vemdeu-Einsätze, Taschentücher, sowie seidene, wollene und daumwollene 2in1crjau.;ß. Unterhosen, bocken. Sters das Neueste in schwarzen und farbigen StzUpsen, Hosenträgern, Htaco- und Sommer-Kandschuhen, Regenschirmen fiir Damen und Herren rc. empfiehlt in reicher Auswahl zu billigen Preisen
II. ISübsamen.
NB. Herren-Hemden nach Maaß unter Garantie des Gut-Paffens liefere zu billigen Preisen. (3400
Limburger Käse ”
prima fette Waare in Pergamenlpapier pr. Kiste 9 Pfd. Netto M. 3, 3 Kisten M. 8.40 zollfrei und franco gegen Poslnachnahme Verpackung frei. Nichtconvenirende Qualitäten nehme gegen Nachnahme zurück.
Nortorf in Holstein. A* JL« Mohr Aachf\
Tapeten.
4452) Durch die U.blrnahme ein eß großm Lagerbestandes habe ich viele Muster zurückgesetzt und verkaufe solche als Reste (für ein'ge hundert Zimmer tn allen Größen bis zu 25 Rollen) bedeutend unter dem früheren Preis.
Die Muster fi.rd durchaus geschurackvoll und nur in guter Waare, und werden Glanz* und Goldtapeten von 40 Pfg. an und Niturelltapeten von 15 Pfg. an per Rolle abgegeben.
Bei größerem Bedarf, wie Neubauten re., bietet diese Gelegenheit außer- ordentliche Vortheile, worauf ich ganz beirnders aufmerksam zu machen mir erlaube.
Heiarich Hochstätter.
4538) FUegenholz, ^Urpenpapier, Fliegenleim empfiehlt Gg. Wilh. Weivig.
Ein Bikrzapf-Appsral billig zu verkaufen. Näheres in der Er- pebition ds. Bl. (4545
Dienstag den 12. Juli, Nachmittags 2 Uhr, soll auf dahiesigem Ortsgericht auf freiwilliges Ansuchen die den Konrad Krausch Eheleute gehörige Hofraithe
Flur 1/824 665 Mtr. Hofraithe in der Schloßgasse,
1/825 406 Mtr. Grabgarten daselbst meisib'.etend versteigert werden.
Gießen, den 6. Juli 1881. Großherzogliches Ortsgericht.
4548) Müller.
Arliktlsvergetmlig.
Die bei Erbauung eines Wohnhauses vorkommenden
s) Maurerarbeiten mit Matertal- Lieferunz, überschläglich berechnet zu rot. M. 11700 d) Zimmerarbeiten, desgleichen zu rot. M 3800 sollen im Submisfionsweg vergeben werden.
Zeichnungen, Kostenüberschlrg und Bedingungen sind bei dem Unterzeichneten etnzusehen, woselbst auch die Offerten bis
Dienstag den 12. d. MtS.
einzureichen sind.
(Sieben, den 7. Juli 1881.
gerb. 93roel, Dautechniker.
Hotzverfteigerung
in der Obersörsterei Krofdorf.
Mittwoch den 13. Juli d I.,
Vormittags um 10 Uhr,
werden zu Salzböden bei Wirth Weißbrot) aus dem Königlichen Forste nach- stebend beze-cbnete Holz-Sortimente öffentlich meiüb'etend omteg rt:
Schutzbezirk Salzböden:
Distrikt 85, Schlag IV. Eichen: 13 rm Klafter-Nutzholz (Wannhol;), 59 rm Knüppel I. El., 62 rm Knüppel II. Cf- und 925 rm Reiser, alles Schälholz.
Krofdorf, den 6. Juli 1881. Der König!. Oberförster.
4557) Müller.


