Nr ‘283. Freitag den 7 Oktober insi.
chichener Hlnzeiger
Anskige- und Amtsblatt für drn Lrris Girßrn.
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Amtlicher H y e i l.
B e k a n n t m ci ch u n g.
Abgesehen von dringenden fallen und selbstverständlich von Vorladungen stnd die Amtsrichter nur Mittwochs zu sprechen. Anträge bei unseren Gerichtsschreibereien können Mittwochs und Samstags, Vormitlags zwischen 10 und 12 Uhr, an den übrigen Wochentagen Nachmittags zwischen 3 und 5 Uhr gestellt werden.
Gießen, den 4. Oktober 1881. Großherzogliches Amtsgericht Gießen.
Langsdorfs.
Deutschland.
Berlin, 5. Octobir. Zufolge Anordnung deS Reichskanzler- werden am 31. d. MtS. sämmtliche BuitdeSregierungen bet den öffentlichen Kaffen fest- stellen lasten, welche B.träge an Emthclerstücken, an Reichsgoldmünzen und an Slldermü'i^en vorhanden sind. Diese Feststellung hat ledigl ch den Zweck, ein Unheil über daS Berhältniß, in welchem der Umlauf der ReichSgoldmünzen zu demjei.igen der Gtlbermünzen stebt, und üsbrsondere darüber zu gewinnen, wie fich das Berhältntß der Einthalerflücke zu den Reichsgoldmünzen im Verkehr gestaltet hat.
— Die in ® rlüi erscheinende parlamentarische Cvrrespondenz der deutschen Fortsärrittspartei bringt In ihrer Rümmer 9 vom 28. September folgenden Artikel: Z rischen der Fortscb ittspartei und der Secesflonlstenpartei find die über einzelne Landidaturen btsteheneen Differenzen beinahe sämmtlich auS- geglichen worden. Die Fortschrittspartei ist allerdings der Secefffonlsteupartei in einzelnen Fällen weit intgegengekommen. Auch in Bezug auf die zrrei ode^ drei Wahlkreise üb:r welche noch Verdandlungen schweben, wird hoffentlich bei ent'prechei dem Entgegenkommen der Secesstomstm eine Einigung erzült werden, so d ß dir Secesfiomste: Partei und dir Fortschrittspartei alsdann schließlich überall bei den Wahlen für gemeinsame Kandidaten auftreten können. Die Zahl der Wahlkreise, In welchen Eandidaten ansgestellt stnd, die flch entweder der Fortschrittspartei oder der Sccesstonisttiipartei zuzählen oder sich den Bei- tr tt zu einer dieser Parteien Vorbehalten, dürste 150 erreichen.
— Daß die Verbreitung der deutschen Sprache in Frankreich seit zehn Jahren, namentlich in den d plomatischen, militärischen und Handelskreisen, auffallende Fortschritte gemacht, »st eine b, kannte Tbats.ache. Jedes größere franzöfi'che Geschäftshaus hat beute seinen deutschen Korrespondenten. In der diplomatischen Laufbahn ist t ie Kenntniß der deutschen Sprache Bedingung deS Fortkommen-. Und wie ernst man die Sache in den militärischen Kreisen ausfaßt, zeigt eine soeben vom franz Ri iegSn inister, General Farre, veröffentlichte Verordnung für daS französische Heer. Dieselbe verlautbart die Aufnahme-Bedingungen in die RriegShockschule. Jeder den Besuch dieser Schule anstrebende Officier bat fich einer 4 Tage dauernden mündlichen und schriftlichen Prüfung zu mUerziehen. Davon ist der dritte Tag ausschließlich der Prüfung in bar deutschen Sprache gewidmet. Der aspirirende Officier hat die volle Geläufig- feit in der Übersetzung auS dem Deutschen in d^s Französische und umgekehrt darzuthun; bei der schriftlichen SuSarbettui'g darf fich der Officier eines Wörterbuches bedienen. Nach der Aufnahme in die Kriegsschule, deren Absolvirung die Bedingung zur Eintheilung in den Gencralstab b ldet, gehört die deutsche Sprache zu den obligaten Lehrgegcnständen so zwar, daß bet der Schlußprü- fung die Abiturienten sich keine- Wörterbuches mehr bedienen dürfen.
— Die Vorverhandlungen über den Zollanschluß Bremens sollen demnächst hier beginnen und dieffeit- hauptsächlich durch den Finanzminister und den Secretär de- Schatzamt-, Sdioh, geführt werden, und zwar so, daß der Reich-tag damit bereits in seiner Herbstsession befaßt werden kann. Bekanntlich soll auch der Kostenanschlag für den Anschluß Hamburgs dem Reich-tage mit dem Etat zugehn. Für die Berufung des Reichstages ist die Zeit vom 10. bl- 13. November in Auificht genommen. Ls scheint, daß die endgiltige Beschlußfaffunz über den Termin von dem Ausfälle der Stichwahleu abhängig bleibt, welche allem Anscheine nach die-mal besonder- sehr zahlreich werden dürften.
Berlin, 4. Oktober. Als die fremden Ofsiciere, welche den Manövern des 11. französischen Armee-Eorps beigewobnt, sich verabschiedetem, richtete der commandirende General Zent- einige Worte an dieselben, über die ich Folgendes vernehme- Sich zu den deutschen Officieren wendend, bemerkte General Zents, daß Deutschland eine große Natron sei, gleich ausgezeichnet durch Knee-thaten wie auf den Gebieten des Friedens. Er hoffe, daß die sog. Erbfeindschaft zwischen Deutschland und Frankreich immer mehr verschwinden und einem immer befferen Einvernehmen zwischen den beiden großen Nachbarvölkern Platz machen werde. Er wünsche die- um so aufrichtiger, als auch er ein Sohn des Landes an den Uftm _deS Rheins sei. General Zents ist ein geborener Elsässer. Den schwedischen Officieren gegenüber betonte der General die frühere Waffenbrüderschaft, wie die häufigen Allianzen zwischen Frankreich und Schweden und meinte scherzend, daß manche seiner Landsleute sogar Karl XII. für einen Franzosen hielten.
AranLreich.
Pari-, 4. Octbr. Die Franzosen haben in Tuni- einen schweren Schlag durch eine Niederlage ihrer Verbündeten, der tunesischen Truppen unter Ali Bty erluten. Freilich verschweigen die pieisten französischen Bläuer da- gictuni noch beharrlich, nur die „Republ qre francaise" Gambrita's besitzt den M uh, eie Thatsache vollinhaltlich zu bestätigen. Nachdem die Araber am 24. un5 25. September lie tunesischen Truppen erfolglos angegriffen hatten, wiederholten sie oct 26., nachdem bedeutende Verstärkungen angelangt waren, auf'- Neue den Sturm. Auf beiden Seiten waren die Verluste sehr groß, Ali Bty verlor 4 Kanonen und wurde Zuletzt fast vollständig ring'schloffen. So weit diese Depesche.
— Obgleich die Regierung über den Ausgang der Kämpfe, d<e Ali Bey gegen die Ausstäi.dischen gehabt bat, genaue Kenntniß besitzen muß. so hält sie die Zeit doch immer nicht für gekommen, daS was sie weiß, der Otffenllichkerr mitzulheilen; daß es aber mit dem tumsischen Feldlagei schlecht steht, erhellt auS verschiedenen Privatdepeschen, die hier eingetroffen sti d und in denen der Verlust der Kanonen und die Umzingelung de- LagerS nicht nur zugegeben, sondern auch hinzugesügt wird, duß Ali B(Y fich den Aufständischen ergeben habe. Lttz'er s beruht allerdings nur noch auf Gerüchten, daß die Regierung aber gegen diese die Telegraphen Cei.sur nicht angewandt hat, macht die Sache i och wahrscheinl'cher, zumal wenn man bedenkt, daß flch sehr viele unzuverlässig e Truppen bei Ali B<y befinden, deren Sympathien durchaus auf Seite der Aufständischen find. Die tunefischen Truppen, die man jetzt al- Verstär- ku: g nachsendet, bestehen aus aufgegriffenen Deserteuren und sti d daher noch unzuvcrlässiger al- die anderen, von denen eine Compagnie nach Meldung Ali D'y'S nut Sack und Pack zum gante übergegangen ist. Bl- g'stern Mittag laaen noch immer keine Depischtn vor, welche das Naben franzöfijcher Verstärkungen melden, obgleich man deren Entsendung doch für daS Natürlichste und Nächstliegende halten sollte, zumal täglich frische Truppen au- Frankreich eii.treffen.
— Neueren Nachrichten aus Tunis zufolge herrscht dort in Folge der Vorgänge in Ouedrargua große Erregung. Auf Ersuchen des Ministerpräsidenten Roustan h-ben fich der englische und der italienische Konsul nach Zarglina begeben, um an den dort von den Behörden vorzunehmenden Untersuchungen theilzu- nehmen. — Die Gerüchte über die gegenwärtige Lage Ali Bey^s werden al- übatrieben bezeichnet. Ali Bey sei keineswegs in die Flucht geschlagen und habe auch keine Geichütze verloren. General Logerot habe ihm mehrere Bataillone als Verstärkung gesandt, dam't er die Offei.fioe wieder ergreifen könne. Wie es heißt, stände ter Beginn der Operationen gegen Se.rouan unmittetbar bevor, da alle Vorbereitungen beendet seien. Man glaubt, daß die Executiv- Maßregeln am 12. d. Mts. in volle Wirksamkeit treten würden. General Sausfier wird persönlich den Oberbefehl über die für Zaghuan bestimmte Co- lonne übernehmen. Eme Feldeisenbahn soll von Soufa nach Keirouan gebaut werden.
AtaNm.
Rom, 4. October. Bei Gelegenheit deS Ende November abzuhaltenden ConfistoriumS soll eine päpstliche Allocutivn erfolgen, in welcher sich der P pst über die Bezieh mgen des heiligen Stuhles zu den Mächten auSsprechen wird. Neue Cardinal-stellen werden vor dem Ausgangs December abzuhalten- drn Consistorium nicht creirt werden.
Telegraphische Tepeschen.
Wolff'S telegr. Korrespondenz-Bureau.
Berlin, 5. October. Anläßlich des Geburtstags der Kaiserin bringt die „Prov.'Corresp.E einen Leitartikel, welcher die Kaiserin als erste Frau Preußens und Deutschland- in den Werken der mildthätigen Liebe feiert. Die Vereinigung des rothen KreuzeS in Deutschland stehe als ansehnliche Macht der Liebe neben der Macht des Heere-, und sei ein Werk der Kaiserin, wie jene ein Werk des Kaisers.
— Der ^ReichS-Anz." veröffentlicht die Ernennung Tiedemanns zum Rezierungs'Präfidenten von Bromberg.
BreSlau, 5. October. Wie der „Bresl. Ztg." aus Schweidnitz ge- meldet wird, fand daselbst heute früh 7y4 Uhr eine bedeutende Gasexplosion


