ausfallen möge, derselben widersetzen. Wenn eine Spaltung eintrrten sollte, so werde dies nur eine Rivalitat in Bezug auf die Pflichten sein, nicht eine solche in Bezug auf die Herrschaft. - Die Rede Gambetta's wurde mit großem Beifall ausgenommen.
Frankfurt, 6-Augufr. (ErflcieU.) Der Deutsche Kaiser besucht übermorgen, Montag früh, die Patent-Ausstellung.
Lokales.
Gießen, 6. August. In Bezug auf bie allgemeine Lage der Bierbrauereiindustrie wirb in dem Jahresbericht unserer Handelskammer erwähnt: „Mit den Zollen auf , Getreide ist das deutsche Reich nun einmal beglückt. Die Bierbrauereien Deutschlands zahlen den Betrag dieser Zölle in den Ankaufspreisen der einheimischen Gerste und des einheimischen Malzes 311m weitaus größeren Theile. Dies ist nicht gerade die schlimmste Wirkung derselben. Weit höher schlagen wir die Beschränkung an, welcher . die Bierbrauereien in der Wahl der Rohstoffe und Halbfabrikate darnach unter;
Die Verkaufspreise des Bieres konnten und können nicht erhöht werden. Auf dem Be- zua der vortrefflichen böhmischen und mährischen Gersten- und Malzsorten haften schon sehr hohe Frachtsätze, so daß für Mitteldeutschland die Verwendung derselben sich nunmehr verbietet- __ So lange diejenigen Landflächen Deutschlands, welche qualitätvolle Sorten
von Gerste erzeugen, gute Ernte erzielen und dieselben ohne Witterunasschäden em- heimsen ist das ausländische Product für die feinere Biere darstellenden Bierbrauereien au entbehren, anders aber gestaltet sich die Sache in dem entgeaengesetzten Falle. Hohe Frachtsätze, Zölle und die Unmöglichkeit, diese Kosten in dem Verkaufspreis des Bieres wieder vergütet zu erhalten, bringen den ohnehin schwierigen und kostspieligen Bier- brauereibetrieb in Situationen, in welchen von der Erzielung eines angemessenen Gewinnes kaum noch die Rede sein kann. Tritt dazu noch die in der Luft schwebende Braumalzsteuer, so wird es um die Existenz aller nicht gut fituirten Brauereien traurig genug aussehen, wenn nicht entweder der Bierpreis erhöht, ober bas Bier geringhaltiger hergestellt wirb. Eines von beiben würben sich bie Consumenten gefallen lasten mÜ^Cn*5)ie hiesige Actienbrauerei theilt uns mit, baß sich bie Probuction unb ber Absatz dieses Etablissements gegen bas .Vorjahr etwas vergrößert habe. Die Preise von Gerste, Malz unb Hopfen waren gegen 1878/79 wesentlich höher. Der Absatz beschränkt sich, abgesehen von kaum nennenswerthen Versenbungen nach Italien, auf bas Deutsche^Rnchobuc^on sammtlicher Brauereien in Gießen stellte sich nach Maßgabe des versteuerten Malzes i 50 pro Hectoliter «ier gerechnet auf:
44392,5 Hectoliter 40285 Hectoliter
bazu Einfuhr 3085 „ 3621 „
In Summa 37477,5 „ 43906 „
Ausfuhr 16986,2 „ H944 „
Verbrauch in Gießen 30491,z „ 31962 „
— lieber bie Cigarren- unb Rauchtabakfabrikation im Bezirk ber Handelskammer
heißt es im Jahresbericht: _
Ein uns zugehender Bericht sagt: Das Geschäft in Cigarren war wahrend des Jahres ein recht schleppendes, außerordentlich wenig lohnendes unb litt unter einer Reihe empfinblich schäbigenben Einflüssen, deren fühlbarste Consequenz in einer enormen Abnahme des Consums zu Tage trat. Die Unzufriedenheit ber Fabrikanten und Händler war daher allgemein, zumal die Auspicien für späterhin sich nur immer schlechter gestalteten.
Auf der einen Seite war es die bedeutende Erhöhung des Rohtabakszolles, welche nach einer vorübergehenden Lebhaftigkeit des Geschäftes andauernde Stagnation herbeiführte. Und doch kam der neue Zoll nur mit einem kleinen Bruchtheil seiner Steigerung in den Preisen des Fabrikates zum Ausdruck, weil die Fabrikanten theil- weise seither noch von zu altem Zollsatz versteuerten Rohtabakslagern arbeiteten. Sind» aber diese Bestände aufgebraucht, so dürfte eine neuerliche Preiserhöhung unumgänglich, damit aber auch ein weiterer Consumrückgang zu befürchten sein.
Auf ber anderen Seite ist es die Straßburger Manufactur, welche durch ihr mißbräuchliches, von der öffentlichen Meinung längst verurtheiltes Gebühren das Absatzgebiet ber Privatinbustrie stetig mehr unb mehr einzuengen unb ihre Fäden mit ber Seit burch ganz Deutschlanb zu ziehen trachtet.
Die Unsicherheit enblich, welche durch die von ber Regierung ber Idee bes Monopols gewibmeten Aufmerksamkeit immer wieber von Neuem wachgerufen wirb, gesellt sich auch noch bazu, ber kräftigen äßleberentfaltung unserer Jnbustrie ein Hemmniß
zu fein.
Wenn man biese Verhältnisse im Auge hat, ist wirklich kaum zu verstehen, wie Seitens ber Relchsregierung zugegeben werben kann, baß die ohnehin so stark geschädigte, durch die mehrjährige Zollcampagne wahrhaft gehetzte und terrorifirte Tabaks- Industrie durch eine ihr aus dem Staate selbst erwachsene Gegnerschaft so sehr beiiachtheiligi werden darf. Man kann sich, eingedenk dieser unb anberer Anzeichen, welche in fast täglicher Wieberkehr darauf hinbeuten, wie ber Reichskanzler mehr benn je an ber Verwirklichung seines Jbeals, des Monopols, arbeite, der Annahme nicht erwehren, daß die Straßburger Manufactur dazu dienen soll, einerseits die Fabrikanten gefügig zu machen und andererseits die zukünftigen Monopolbeamten heranzubilden.
Andere Berichte aus derselben Branche stimmen im Wesentlichen mit obigen Ausführungen überein. Dieselben conftatiren noch, daß die Straßburger Tabaks- Manufactur am hiesigen Platze und in unserem Lande noch keinen Boden gewinnen konnte, machen aber darauf aufmerksam, daß die hiesigen Fabrikanten mit ihrem Gelde der Manufactur nicht selten in die Hände arbeiten, indem sie durch längere Credit- gewährung an ihre Kunden diese in den Stand setzen, versuchsweise größere Posten des Straßburger Fabrikats per cass» zu kaufen.
— In hiesiger Stadt hat sich in letzter Zeit ein Verein von Kaufleuten gebildet, welcher den Zweck hat, durch einmüthigeS Zusammenstehen sich gegenseitig vor schädlichem Kredit» geben zu schützen. In größeren Städten bestehen solche Vereine schon lange mit großem Erfolg und dürfte es auch für unsere kiesigen Geschäftsleute nur von größtem Nutzen sein, sich recht lebhaft für die Sache zu interessiren. Wie wir hören wird ver junge Verein demnächst mit einer Einladung zur Brtheiligung an di« Oeffentlichkeit treten.
fertigen ließ, mittelst desien er Zeug« der Z.rstörung deS P aneten zu sein hofft, ohne daS Schicksal seiner Einwohner zu rheilen. Auf dieser Lustreise wird er eingemachtes Fleuch, Cognac, Sodawaffer, Rothwein und andere Lebensrnitteln in hinreichenden Ouanuiäten mitn«hmen, um feine Bebürfniffe für drei Jahre zu decken, um welche Zeit, roie er berechnet, sein Leden ein natürliches Ende gefunden hoben dürfte. Er ist der Meinung, daß sich unter den Trümmern der Welt sich irgend rin großes Fragment brsinden werde, auf welches er im Stande sein werbe im geeigneten Augenblicke herabzustelgen und eine Zuflucht für seine wenigen üorigen Jahre zu finden. Er beabsichtigt, seinen Waldhüter, einen alten und treuen Diener, mirzu nehmen, aber bat denselben, ber erst 52 Ja. re alt ist. gewarnt, baß, wenn die Lebensmittel in dem Ballon erschöpft sind, er für sich zu sorgen haben werde und sich in drei Jahren ohne Subsistenzmittel befinden dürfte. Nachdem er alle diese Vorkehrungen getroffen, soll der alte Herr in aller Gemüthsruhe geäußert haben: „Ich werde mich bester ohne die Welt als mit derselben befinden.-
Auszug aus den Standesamtsregistern des Standesamts Gießen.
Vom 30. Juli bis 6. August 1881.
Aufgebote.
Den 30. Juli. Schirmmacher Gottfried Friedrich Franz Schneider mit Barbara Köhler, Tochter ded verst. Lokomotivführers Johannes Köhler von Gietzen. Den 3. August. Bahn arbeiter Heinrich Christ, Wittwer, von Groß Linden mit Margarethe Schmidt, geb. Weimer, Wittwe des Taglöhners Ludwig Schmidt V. von Alt-Buseck. 3. Kaufmann Friedrich Wilhelm Christian Jacob Ludwig Fuhr von Neu-Ulrichstein mit Emma Franziska Margarethe Lohmann, Tochters des WerkführerS Dietrich Heinrich Lohmann von Gießen.
Eheschließungen.
Den 3. August. Der Heizer an der Main-Weser-Bahn Philipp August Scheerer, Wittwer von Königsberg mit Regine Scheide!, Tochter de« verst. Fuhrmanns Johanne» Scheide! von Ludwigshafen.
Geborene.
Den 27. Juli. Dem Lehrer Dr. Ed. Molly eine Tochter, Wilhelmine Mathilde Louiie FranziSka. 28. Ein Sohn von auswärts, Karl. 29. Dem Schlaffer LouiS Pfaff eine Tochter. 29. Dem Fuhrmann Ludwig Leukel eine Tochter. 30. Dem Schuhmacher Philipp Kinkel eine Tochter, Sophie Clara. Den 1. Au ust. Dem Bahnarbetter Avam Schomber ein Sohn, Philipp August. 2. Dem Kaufmann Gustav Kautz ein Sohn.
G e st 0 r b e n e.
Den 1. August. Gcrichtsaccessist Georg Emil Ferdinand Strack. 22 Jahre alt. 1. Char» lotte Lips, 62 Jahre alt. 2. Ofenputzer Philipp Laudon, 48 Jahr alt. 2 Sine Tochter von auswärts Emilie, 24 Tage alt. 3. Rosalie Simon, geb. Wallach, 35 Jahr alt, Ehefrau deS Kaufmanns Victor Simon von Magdeburg.
Auszug aus den Kirchenbüchern der Stadt Gießen.
Evangelische Gemeinde.
Getraute.
Den 29. Juli. Christoph Hahn, Magazinarbeiter dahier, des Ackermanns Philipp Hahn zu Nieder Ohmen ehel. Sohn und Katharine Schmidt, geb. Wöll, Wittwe des verst. Taglöhners Johann Wilhelm Schmidt in Laubach.
Den 31. Juli. Karl Bernhard Müller, Eisendreher dahier, des zu Großgartach, verst. Schneiders Christoph Friedrich Müller ehel. Sohn und Christine Schultheiß, deS Taglöhners Johann Heinrich Schultheiß zu Stangenrod ehel Tochter.
Den 3. August. Philipp August Scheerer, Hilfslokomotivführer dahier, des Meffer- schmteds in Königsberg bei Gießen Karl Schee-er ehel. Sohn und Regine Scheidel, des verst. Frachtfuhrmanns tn Ludwigshafen Johannes Scheid«! ehel. Tochter.
Getaufte.
Den 30. Juli. Dem Fabrikanten Louis ümmeliuS ein Sohn, Ludwig Ernst, geboren den 9. Mai.
Den 31. Juli. Dem Bahnarbeiter Friedrich Wenzel eine Tochter, Elisabeth Katharine, geboren den 20. Juli.
Denselben. Dem Schutzmann Balthasar Müller eine Tochter, Anna Elisabeth, geboren den 8. Juli.
Denselben. Dem Bäcker Ludwig Kroneberg ein Sohn, Kan Ludwig Wilhelm, geboren den 7. Juli.
Denselben. Dem Metzger Georg Möhl ein Sohn, Georg Philipp LouiS, geboren den 24. Juni.
Denselben. Dem Fuhrmann Peter Dönges ein Sohn, Wilhelm, geboren den 12 Juli.
Den 2. August. Dem Schaffner Johann Friedrich Runkel ein Sohn, Johann Bruno Bertram Theodor, geboren den 4. Juli.
Beerdigte.
Den 30. Juli. Elisabeth« Bertram, geb. Arzt, Eoefrau d«s Locomitivführers Joharn Ludwig Bertram, alt 54 Jahre, 8 Mon. 12. Tage, gestorben den 28. Juli.
Den 31. Juli. Marie Bay, geb. Koppberger, Ehefrau deS Fuhrmanns Michael Bay dahier, alt 45 Jahre 7 Mon. 3 Tage, gestorben den 29. Juli.
Den 3. August. Georg Emil Ferdinand Strack, Gertchtsaccessist dahier dahier, lediger Sohn des evang. Dekans und Pfarrers zu Lang-Göns, Lic. Karl Strack, alt 22 Jahr 7 Mon. 25 Tage, gestorben den 1. August
Denselben. Cbarlotte Lips, ledige Tockter deS verst. Stavtschreibers zu Groß-Umstadt, Karl Lips, alt 62 Jahre 3 Mon. 27 Tage, gestorben den 1. August.
Den 4. August. Philipp Laudon, Ofenputzer, alt 48 Jahre 6 Mon. 1 Tag, gestorben den 2. August.
Verzeichnis
der Mittelpreise der gewöhnlichsten Verbrauchsgegenstände in der Stadt Gießen
vom Monat Juli 1881.
Je 50 Kilogramm kosten Mark und Pfennig«.
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17)50 25
13-
72 90
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375
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3t Kilogramm kostet Mark und Pfennige.
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Vermischtes
Frankfurt, 6. Juli. Der Catalog der Frankfurter historischen Kunstausstellung ist jetzt erschienen, und wenn er auch etwas auf sich hat warten lassen, so ist er dafür auch eine recht verdienstliche Arbeit geworden. Namentlich wird die jedem Künstler vorangeschickte biographisch« Notiz den Besuchern willkommen sein, weil eben dadurch die wichtigste und inte- reffanteste Seite der Ausstellung, die historische, sofort deutlich zu Tage tritt. Auch die vielfach hinzugefügten kurzen Erklärungen Der Bilder sind eine dankenswerthe Zugabe, weil sie dem Laien das Berständntß wesentlich erleichtern. Die große Frequenz, der sich die Kunstausstellung vom Tag« ihrer Eröffnung an erfreut bat und bie täglich im Wachsen ist, dürfte jetzt, wo ein so guter Catalog den Besuchern zur Verfügung steht, voraussichtlich noch bedeutender werden.
— Die Frankfurter Firma Louis Marburg & Söhne hat an den König von Holland fünf ihrer ausgestellten Oefen (sogen. Crown Juwel) verkaufe, nachdem S. M. sich bei seinem neulichen Besuche sehr anerkennend über die Construction jener Oefen geäußert hatte.
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Nchitrnbe richt. Mitgetheilt von dem Agenten deS norddeutschen Lloyd
E. W. Dietz In Gießen.
Bremen, 3 August. sPer transatlantischen Telegraph.) Der Postdampfer Hohenstaufen, Cape. F. Himbeck, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 20. Juli von
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-90 -
Mainz, 6. August. Im Anschluffe an die kürzlich veröffentlichte Uebersicht der anläßlich deS FesteS von den Eisenbahn verwaltungen für Mitglieder deS Turnvereins bewilligten Fahrpreisermäßigungen, ist nock Folgendes nachzutragen:
Die FahrpreiS-SrmLßigung, welche DerrtnSmitgltedern in der Anzahl von 30 Personen auf den preußischen StaatSbabnen gewährt wird, ist im Allgemeinen an die Bedingung geknüpft, daß die Fahrt noch Mainz in geschloffener Gesellschaft erfolgt und die Btllete für die ganze Gesellschaft von einer Person zeitig vor Abgang deS Zuges genommen werden. Die Rückfahrt kann in aufgelöster Gesellschaft stattfinden. — Die Direktion der Main-Neckarbahn hat auf Ersuchen des Festausschusses bie Vergünstigung gewährt, daß Vereine, welche sich von einer Station mit mindestens 30 Personen betheiligen, in der Zeit vom 13.—16. August einfache Fahrbillete, die bis zum 16. August einschließlich zur freien Rückfahrt gültig sind, erhalten.
Für den Schnellzug sind SchnellzugSblllete, resp. Zusatzbillete zu lösen; einzeln reisende Turner mit LegitlmationSkarten erhalten Retourbtllete mit Gültigkeitsdauer bis zum 16. August incl., die ohne Preisaufschlag in beiden Richtungen in den Schnellzügen benutzt werden können.
— Sin excentrtscher 83jähriger G.eiS in Lincolnshire ist, wie eS heißt, so fest von dem , |Mu|(n, —o- v-—... ——----......
nahe bevorstehenden Ende der Welt überzeugt, daß er sich einen so ungeheuren Luftballon an- \ Bremen abgegangen war, ist gestern 6 Uhr MorgenS wohlbehalten in Newyork angekommen.
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