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Lokale-.
Gießen, 5. Dezember. Tagesordnung für die Stadtoerordneten-Sitzung Donnerstag, den 8. Dezember 1881, Nachmittags 4 Uhr:
1) Die definitive Besetzung einer Lehrnstrlle an der Stadtmädchenschule.
2) Unterirdische Telegraptzenleltung in Gießen.
3) Die Anlegunq der Wrtdenpflanzunqcn im UterSbrunn zu Wiesen.
4) Draintrunq der Grundstücke in F.ur 39 der Gemarkung Gießen.
5) Gesuch des SchretnermeisterS Georg Franz dahier um pachtweise Ueberloffuna städtischen Geländes.
_ Telegraphische Depeschen.
Wolff'- telegr (Korrespondenz-Bureau.
4. December. In einer heute Vormittag stattgehabten focla* ustlschen Wahlversammlung sprachen Liebknecht und Bebel. Äls Hasenclever als Redner auftreten wollte, erhob die Polizei Einspruch dagegen. Der Prä- ftdent schloß sodann die Versammlung und richtete die Aufforderung an die ^ocialisten, heute Nachmittag zu der von der Fortschrittspartei in Ausstcht genommenen Versammlung vollzählig zu erscheinen.
— Eine heute Nachmittag stattgehabte Wahlversammlung der Liberalen wurde wiederholt von den Socialdemokraten gestört. Adolf Philipps konnte seinen Vortrag nur mit Mühe beendigen; der Retchstags-Abgeordnete Träger war genöthigt, seine Rede abzubrechen. In Folge deffen wurde die Versammlung aufgehoben und der Saal von der Polizei geräumt.
Paris, 4. December. Gambetta gab gestern Abend den Mitgl-edern des diplomatischen Corps das erste Diner. Sämmtliche Botschafter und bevollmächtigten Minister, sowie die hier accreditirten Geschäftsträger waren zu dem- selben erschienen. Der Nuntius Msgr. Czackt nahm als Doyen den Ehrenplatz ein.
_ New-Nork, 4 December. Gerüchtweise verlautet, der Sohn deS Ltaatssecrekärs Blaine und Trescott hätten sich gestern in besonderer Mission nach Peru und Chili eingeschifft. Ferner heißt eS, die Regierung habe ein wichtiges Rundschreiben an dir amerikanischen Minister in Peru und Chili at-- sandt, worin der ernste Wunsch, die beiden Länder Frieden schließen zu sehen, ausgedrückt wird. ° '
6) Die Verbesserung des Mühlwegs.
Die Verbreiterung der Wetzsteingasse.
Grabenanlage von dem Garnisonlazareth nach dem Schoorgraben.
Antrag auf Straßenanlage hinter der Kirche.
Den Oberlachgraben.
Gesuch des Stationsassistenten August Zöckler dahier um Bauerlaubniß. Desgleichen des Fuhrmanns Karl Euler I. dahier.
13) Kostendekreturen.
Großen, 5. Dezember. sDlls Concert vom 4. Dezembers. Wir können das aestriae Concert als eines der bedeutendsten und getrost als das reichhaltigste der bisherigen Saison bezeichnen. Franz Sch über t's Symphonie in C-dur eröffnete dasselbe und brachte durch ihre vortreffliche eine Stunde währenoe GesammtauSführung den größten Effect hervor Was ich in einem Urtheil über die Schubert'schen Symphonien auS dem Jahre 1830 las' daß dieselben da« Publikum weniger fesselten, als dessen Lieder, gilt durchaus nicht mehr für unsere Jetztzeit. Man urtheilt, seit der v-rbesserten und wesentlich erweiterten Jnstrumentiruna die auch in Schuber t's Symphonien jetzt zur Geltung kommt, ganz anders und entschieden günstig über dieselben. Der zweite Satz der obigen Symphonie, das stereotype „Andante^ welches, selbst B e e t h o v e n'sche Symphonien nicht ganz ausgenommen, gar häufig das Sites kind ist aus dem man nicht viel zu machen weiß, ist hier reich an tiefinneren Empfindungen und ausgezeichnet durch eine Fülle von drastischen Responsionen zwischen Violmen und Blasinstrumenten, die sich oft zu dem höchsten Affect der Leidenschaft steigern, bis sie bann wieder durch bic v-rmittelnde und so sympathisch klangvolle, gleichsam begütigende Sprache der Cellos zum Frieden gerufen werden. Das Scherzo gewann sich besonders Beifall und sicher mit Recht. Das Finale resümirt noch einmal die fast durchweg Helle Klangfarbe des meist in C-dur gehaltenen Stückes, Licht und Schatten gleichmäßig vertheilend und oft durch die frischen Naturtone der Posaunen zweckmäßig unterstützt. Cherub in t's Ouvertüre zu .Faniska" aefiel durck Grazie, Verständlichkeit und Durchsichtigkeit der Int nttonen, tote sie dessen Eompositionen eigen ist. Spo hr's Recitativ und Arte aus der Oper „Faust", die mit Glanzpunkt des Abends war wurde von Herrn Staudtgl, Hofopernsänger aus Karlsruhe, der eine unvergleichliche Baß-' und Baritonstimme besitzt, tn brillantester Weise wiedergegeben, ebenso die übriaen Lieder wurde ihm zu Theil. Möge Herr Stau oig l die dankbaren Gießener im ®d>ad)M behalten und uns bald wieder durch seine vorzüglichen Leistungen hocherfreuen Fraulem Emma Groß cur th aus Kassel, Schülerin Liszfs, wie ich höre, spielte Beet Hovens fünftes Concert für Piano in Es-dur durchweg coulant und geschmackvoll Dasselbe gilt für die übrigen von ihr vorgetragenen Stücke. In dem ihr gespendeten reichen Beifall prognosttcirt sich für die jugendliche Dame eine recht schöne Zukunft ihrer künstlerischeu Lauf- " ' —er.
C£ r —Heute Morgen entwendete ein junger Mensch von auswärts aus der Kasse in einer hiesigen Wirthschaft ein 5-Mark-Stück. Er wurde ertappt und bei seiner Visitation hatte er dasselbe im Munde versteckt. v
/an .^"Ausgaben des Etats für die Verwaltung des Reichsheeres, Cao. 17 Franz darauf aufmerksam, daß noch immer katholische
Soldaten zum evangelischen Gottesdienst zu gehen gezwungen würden.
iSi «f V . * . —0 _ " . . ,yi - . einen Zwang in Abrede.
Den katholischen Soldaten würde der Besuch des Gottesdienstes fteigesteUt.
dauern möge die augenblickliche Handhabung in dieser Beziehung fort-
<=;nrk„.?„bfl^^inbl60rft. &ält Jür cine der Mllllär-V-rwaltung, ba6 bem Soldaten Seelsorge geboten würde. Es müßte dies gelingen, wenn sich der K ieas- mimster mit dem Cultusminister jn Verbindung setzte. ®
. ®ei d/n Ausgaben für «ubtt.ure wünscht Slbg. Marcarb, bah bin älubiteuren dieselben militärischen Ehren bezeugt mürben, wie ben Mililärärzten.
Ausgaben der Militärverwaltung werben hieraus, soweit sie nicht b-r Com Mission überwiesen sind, ohne wesentliche Debatte bewilligt
rathung des Etat^^ M ba§ ^au§ auf Montag 2 Uhr (Fortsetzung der zweiten Be-
Schluß 43/< Uhr.
Wild.
7909) Hafen, Reh-und Hirschbraten empfiehlt Ebel, Wildbändler.
7830) Tägl ch irische Rosen, Deinen und andere Schnittblumen, AuSffelluna tn feinen Phantasie-Artikeln.
Thüringer Blumen-Bazar.
Reichensand-Bahnhofstr.
Aba. Hartmann. Der Schutz des Rechtes sei eine Hauptaufgabe des Staates. Man müsse deshalb jedem Bürger die Möglichkeit geben, diesen zu erlangen. Jedoch schwieriger als die Frage der Gerichtskosten sei die der Rechtsanwaltskosten. Diese müßte zunächst zum Abschluß kommen.
Abg. Gerwig. Wenn das Volk zufriedengeftellt werden sollte, so müßte eine starke Herabsetzung erfolgen.
Abg. Schröder hält eine schleunige Revision für umsomehr angezejgt, als die Agitation im Wahlkampfe sich der Frage bemächtigt habe. Eine zu billige Justiz halte er jedoch nicht für angezeigt, weil eine solche die Prozeßsucht steigere.
Abg. Payer wird dem Beispiel des Reichskanzlers folgen und immer wieder die Herabminderung der Gerichtskosten beantragen Er wundere sich, daß noch nicht die Reichs-Militär-Strafprozeßordnung uusgearbeitet und dem Reichstage vorgelegt sei, die bisherige Gesetzgebung auf diesem Gebiete widerspreche geradezu den Prinzipien der heutigen Reichsgesetzgebung. Eine Reform derselben sei also durchaus nothwendig. Es verlaute in der Presse, daß das Reich bisher eine solche nicht habe anleiten können, weil es über den Widerstand des Bundesstaales Bayern nicht hinweggekommen sei. Das müsse er bedauern, müsse jedoch bitten, daß die Prozesse auf diesem Gebiete mindestens der Oeffentlichkcit übergeben werden.
Staatssekretär v. Schelling bittet sich in diesem Falle an einen Bevollmächtigten der Mililäi Verwaltung zu wenden.
Bundeskommissar des Kriegsministeriums erklärt, daß eine Militär-Strafprozeß- ordnung bereits ausgearbeitet sei, da sie aber über die Kommission noch nicht hinausgekommen sei, so könne er über den Inhalt derselben nichts mittheilen.
Abg. Sonnemann bittet um eine baldige Reform der Aktiengesetzgebuung. Man sei wieder in eine Gründungsepoche eingetreten und müßte doch die Erfahrungen der ersten auf dem Gebiete der Gesetzgebung zur Anwendung bringen. Das Publikum habe durch die traurigen Erfahrungen des letzten Jahrzehnts wenig gelernt, umsomehr aber die Gründer neuer Aktien Gesellschaften, die die Schneide des Gesetzes jetzt ausgezeichnet zu umgehen verstünden. Redner geht dann näher auf die Mängel unserer Aktiengesetzgebung ein und macht Vorschläge zur Abschaffung derselben. Zwei Grundsätze möchten hierbei befolgt werden: sowohl bei Konftltuirung als auch während der Wirksamkeit einer Aktiengesellschaft müßte die wahre Lage derselben dargelegt werden und außerdem der Gesellschaft volle Verantwortlichkeit übertragen werden. Er hoffe daß die Reform noch im nächsten Frühjahre dem Reichstage zugehe.
Staatssekretär v. Schelling: Die Reform der Aktiengesetzgebung, welche noch der Bearbeitung unterliege, stimme in ihren Grundzügen mit denen welche der Vorredner dargestellt habe, überein.
Abg. Oechelhäuser setzt die Grundsätze auseinander, welche seiner Meinung nach der neuen Aktiengesetzgebung zur Basis dienen müßten Nur die Gleichgültigkeit der Aktionäre habe bisher an den schlechten Erfolgen vieler Gesellschaften schuld.
Abg Perrot bestätigt, daß das Prioatpublikum sich täuschen lasse, glaubt jedoch nicht, daß diesem Uebelstande durch ein Gesetz werde abgeholfen werden können. Die Prinzipien, welche Abg. Sonnemann entwickelt habe, seien schon in England angewendet worden, jedoch ohne Erfolg. Redner glaubt, daß nur damit dem Actienschwindel mtt Erfolg entgegengetreten werden kann, wenn der Reichstag bestimme, daß keine Aktiengesellschaft gegründet werden dürfe. (Beifall rechts.)
Abg. Eysold wünscht, daß die Militärstrafprozeßordnung sobald als möglich dem Reichstage vorgelegt werde und fragt an, wie weit die Ai beiten bezüglich des bürgerlichen Gesetzbuches für Deutschland vorgeschritten seien.
Staatssekretär von Schelling versichert, daß nur finanzielle Schwierigkeiten dem ersten Entwürfe entgegenständen, daß das schwierigste Stadium beim zweiten überwunden sei und der letztere nach einem oder zwei Jahren vorgelegt werden könne.
Abg. Lasker wendet sich gegen die Ausführung des Abg. Perrot, bat die Actien überhaupt verboten werden sollten. Eine neue Creditform müßte doch dafür geschaffen werden. Die Schulze'schen Genossenschaften seien nicht im Stande, sie zu ersetzen, auch nicht dre Commanditgesellschaften. Entweder leugne man den Existenzgrund der Actien- Gesellschasten ober man schaffe für dieselben eine neue Creditform. Ems von beiden aber müsse geschehen. Die Actien seien eine unentbehrliche Creditform und müßten deßhalb beibehalten werden.
Abg. Lohren wirft der Partei, welcher der Abg Schultze angehört vor, daß sie die Innungs-Genossenschaft, n mit frevelnder Hand zerstört und statt dieser socialen nur mechanische Gelbgenossenschaften geschaffen habe.
Abg. Parisius: Ich hatte erwartet, daß der Herr Präsident den Vorredner zur Ordnung rufen würde, als er meiner Partei vorwarf, mit frevelnder Hand die Innungen zerstött zu haben.
Vicepräs. Ackermann: Der Redner hat die Fortschrittspartei nicht direct angegriffen, sondern kann auch eine Partei außerhalb des Hauses gemeint haben
Abg. Hänel: Dem Ausspruch des Präsidenten muß ich mich natürlich fügen ich kann aber nur sagen, daß der Vorwurf des Abg. Lohren auf mich keinen Eindruck gemacht hat.
Abg Rittinghausen konstatirt, daß aus allen Reden hervorgehe, daß eine sociale Reform nothwendig fei.
Vicepräsident Ackermann conftatirt, daß nach dem Stenogramm der Abg. Lohren die Fortschrittspartei gemeint haben konnte. Hätte er die Worte des Abg Lohren dahin verstanden, so würde er ihn zur Ordnung gerufen haben.
Es erhebt sich hierauf eine längere Discussion über die Auslegung der Bestimmung der Geschäftsordnung, daß ter Präsident einen Redner nur unmittelbar nach emer Äußerung zur Ordnung rufen dürfe, die den Schluß hat, daß der Präsident bei seiner Ansicht beharrt.
Ein Schlußantrag wud abgelehnt.
Nachdem Abg. Perrot feine Ansicht aufrecht gehalten und nochmals vcrtheidigt hat, werden die Ausgaben für das Reicds-Justizamt bewilligt.
Bet Tit. 11 der Ausgaben für das Reichsgericht (Miethzins für die zur Unterbringung des Reichsgerichts b stimmten Räumlichkeiten - 32,080 a<) nimmt Aba. Stephani Veranlassung, den Vertreter der Regierung zu fragen, wann eine Position für ein neues Reicksgenchtsgebäude in den Etat eingesetzt werden würde?
o t i -<Assecretär p. Schelling gibt zu, daß ein neues Reichsgerichtsgebäude in ^eipM nothig sei, jedoch befinde sich das Reichsgericht noch in einem Uebergangs- könne noch nicht conftatirt werden, ein wie großer Platz für ein solches @e&öube notbig fei. Auch sei noch kein Platz in Leipzig für bas Gebäube gefunbew c„a Kutschbach fragt den Staatssekretär, ob die Gerüchte begründet wären, daß das Reichsgericht von Leipzig nach Berlin verlegt werden sollte.
UnterIagetaat^CCrCtär Stelling: Alle diese Gerüchte entbehren jeder begründeten
V“ bcn Aufenthalt des Reichsgerichts ,u Leipzig für durchaus Ä? Ä me ,/U(b eiJ*c" monumentalen Bau für dasselbe. Man könne alle Ge- Leipzig^baue ^cr c^unß dadurch widerlegen, daß man das Reichsgerichtsgebäude zu t a g s g - bä u d - s " r ha l t en 'm ü tbe"" dne Vorlage über ben Bau des Reichs-
k lapa?^^ccrc^r<- D- Bötticher hofft, daß eine solche Vorlage noch vor Weihnachten
dem Reichstage zugehen werde. (Beifall auf allen Seiten.)
,,, Abg- Windthorst besteht daraufi daß auch sobald als möglich zu Leipzig in demselben Tempo gebaut würde wie zu Berlin. 8 u
, . Nachdem sich diesem Wunsche Abg Stephani angeschlossen, werden die Ausgaben und Einnahmcii der Reichs-Justizverwaltung bewilligt, desgleichen ohne Debatte die Ausgaben und Einnahmen des Etats für den Rechnungshof.^
7973) Dem hiesigen und anSwärttgen Publikum zur Nachricht, daß ich auf hiesigem Platze eine Hefe-Handlung betreibe. I
3ch empfehle täglich frifche Bierhefe, sowie auch Getreide-Preßhefe von vorzüglicher Güte. Abgabe in kleinen Gebinden nach Auswärts wird pünktlich besorgt. Achtungsvoll
J. Klingelhöffer, Wallthorstraße 140.1
7^1- Ueber die Höhe der Kosten, welche die Einrückung einer Anzeige in eine oder mehre Zeitungen verursacht, wird man sich niemals enttäuscht sehen, wenn man ron der Annoncen - Expedition von HAASEIVSTE11V & VOGLER in r?nukfU.rJ a‘ (Karlsruhe, Stuttgart oder München) zuvor Auskunft einfordert, die auch hmsichts der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blätter auf Grund reicher Erfahrungen und gründlicher Beobachtungen zuverlässigen Rath ertheilt
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