Fürsten Bismarck conferlrcn. Die Botschafter aller Mächte werden in Kon- pantinopel in gleicher Richtung und übereinstimmend auftreten.
— In der am 3. d. Mts. unter dem Vorsitze des Staatsministers v. Bötticher abgehaltenen Plenarsitzung des Bundesraths erfolgte zunächst die Mtttheilung, daß von Sr. Durch!, dem Fürsten Reuß älterer Linie an Stelle des Wirk!. Geh. Raths, Regierungspräsidenten Faber, besten bisheriger Stellvertreter der Geh. RegierungSrath v. Geldern-Crispendorf zum Bevollmächtigten zum Bundesrath ernannt worden ist. Die Präsidial-Anträge wegen Aenderung der Bestimmungen des Etsenbahn-Betriebs.Reglements über den Transport von Zündhütchen und Sprengkapseln und betr. die Vergütung für die Erhebung und Verwaltung der Tabakssteuer wurden den zuständigen Aus- schüsten überwiesen, wogegen eine weiter etngegangene Uebcrstcht über den Stand der Bauausführungen und der Beschaffungen von Betrtebsmatertal für die Eisenbahnen in Elsaß-Lothringen lediglich zur Kenntntß genommen wurde. Hiernach genehmigte die Versammlung dem Gutachten der mit der Vorprüfung befaßten Ausschüsse entsprechend — mehrere Gesuche um Zulaffung von Steuerleuten zur Schifferprüfung auf große Fahrt und eines Angehörigen der Reserve der katserl. Marine um Zulaffung zur Ausübung des Steuermanns-Gewerbes. Weitere Beschlüffe bezogen sich auf Zollangelegenhetten. Von der Festsetzung eine- Stückzolles für Petroleum soll bis auf Weiteres Abstand genommen werden; der königl. preußische Finanzminister wurde ermächtigt, in Lübeck aus- nahmsweise auch für Sesamöl, gemeine fette Seife und Wallrath Privat- Transitlager ohne amtlichen Mttverschluß zuzulaflen, wenn ein Verkehrsbedürfniß anzuerkennen ist und im Jnterefle der Zollstcherheit Bedenken nicht entgegenstehen; die Zollbegünstigungen, welche den von der Ausstellung in Melbourne zurückkommenden deutschen Gütern gewährt werden sollen, wurden im Einzelnen geregelt; mehrere Eingaben, betr. a) die Gewährung von Erleichterungen in der Zollcontrole von metallenen Schtffsbaumaterialien, b) die Anfertigung von Kisten in der Zollveretnsntederlage zu Hamburg, sollen ablehnend beschieden werden. Der Entwurf eines Gesches für Elsaß-Lothringen zur Ausführung deS ReichsgesetzeS vom 23. Jnnt 1880 über die Abwehr und Unterdrückung von Viehseuchen, über welchen der 4. und 9. Ausschuß Bericht erstatteten, gelangte mit geringen Aenderungen zur Annahme. Den Schluß bildete die Vorlegung von Eingaben und die Regelung ihrer geschäftlichen Behandlung.
London, 4. Februar. Der Polizeigerichtshof von Bow Street hat angeordnet, daß Davitt die 14jährige Zwangsarbettsstrafe, zu welcher er im Jahre 1870 verurtheilt worden war, vollständig verbüßen soll.
Konstantinopel, 4. Februar. Eme Truppenabthetlung von mehreren Bataillonen soll mit einer großen Menge Munition und mit beträchtlichen Geldmitteln nach Salonichi gesandt werden, wohin sich auch Derwisch Pascha nach einigen Tagen begeben wird.
Paris, 4. Februar. Der Senat beschäftigte sich heute mit dem An- trag Baragnon's, wonach der Vorsitz im Conslictsgertchtshofe künftig nicht mehr dem Justizminister zustehen soll und hat es abzelehnt, den Antrag in Erwägung zu nehmen.
Kuxhafen, 4. Februar. Heute früh sand bei Kugelbaak ein Zusam- wenstoß zwischen dem Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Kronprinz Friedrich Wilhelm" und dem Dampfer „City of Dublin" statt. Der letztere ist ge1un> ken, 6 von der Schiffsmannschaft sind ertrunken, die übrigen gerettet. Paffa- qiere sind nicht an Bord gewesen. Der Dampfer führte eine Zuckerladung, die von Hamburg nach Bristol gestimmt war.
London, 3. Februar, Abends. Unterhaus. Nachdem verschiedene Interpellationen erledigt waren, machte Harcourt die Mittheilung von der Verhaftung Davitt's. Parnell richtete darauf die Frage an die Regierung, ob Davitt irgend welche Bestimmung des Entlassungsbefehls (ticket of leave) verletzt habe. Es wurde hierauf keine Antwort ertheilt. Gladstone, welcher seine Resolution gegen die Obstruction beantragte, wurde inmitten seiner Rede von Dillon unterbrochen, der einen Ordnungsruf gegen den Premier beantragte. Da Dillon nicht zum Schweigen gebracht werden konnte, so wurde er vom Sprecher zur Ordnung gerufen und alsbald seine Suspension mit 395 gegen 33 Stimmen beschlossen. Dillon weigerte sich, dem Beschlüsse Folge zu leisten und mußte mit Gewalt inmitten äußerst tlürmischer ©eenen entfernt werden. Als Gladstone darauf von Neuem das Wort nehmen wollte, unterbrach ihn O'Donnoghue mit einem Anträge auf Vertagung der Discussion. Der Sprecher erklärte, Gladstone habe das Wort. Letzterer erhob sich daraus, wurde aber sofort von Parnell unterbrochen, der verlangte, daß dem Premier das Wort entzogen würde. Der Sprecher bezeichnete diesen Antrag als eine Verletzung der bestehenden Ordnung und als eine hartnäckige Obstruetion. Da Parnell bei seinem Verlangen beharrte, wurde er vom Sprecher zur Ordnung gerufen und seine Suspension unter Stimmenthaltung der Homeruler mit 405 gegen 7 Stimmen beschlossen. Parnell weigerte sich, den Saal zu verlassen und wurde von dem Sergeant at arme und dessen Beamten gewalsam entfernt. Beim Verlassen des Saales brachten die Homeruler ihm eine Ovation. Nachdem aus ähnlichen Anlässen auch Finigan erst zur Ordnung gerufen und dann mit 407 gegen 2 Stimmen suspendirt war, wurde der Antrag gestellt, die 27 Homeruler zu suspen- btren, weil dieselben sich weigerten, mitzustimmen und dadurch sich ungehorsam gegen den Sprecher zeigten. Die Suspension von 29 Homerulern wurde mit 410 gegen 6 Stimmen beschlossen. Die Homeruler wurden, einer nach dem andern, zum Verlassen des Sitzungssaales genöthigt. Hierauf wurde noch gegen mehrere andere irische Depu- tirte die Suspension ausgesprochen. Die Zahl aller Suspendirten beträgt 36. Um 8V2 Abends begann Gladstone die Begründnng einer Resolution gegen die Obstruction.
Lokales.
Gießen, 5. Februar. Wir erhielten nachstehende Zuschrift-
Dem Herrn Antikritiker, der mit „billigen und schlechten" Witzeleien sich über das Lob ereifern kann, das ich der Oberon-Ouvertüre zollte und der von dem „musikverständiqen" Publicum aufgefordert i?) sein will, meinen geringen DcifaK, den ich dem letzten Concert, namentlich mit Rücksicht auf „unseren berühmten Solo Geiger" (sic!) gespendet haben soll, zu berichtigen, sei bemerkt, daß ä tempo übereinstimmend auch ein andercs hiesiges Blatt hervorbob, daß das Programm des Herrn E. diesmal nicht, „auf der Höhe seines Tulcnt-s" uno seiner Kunst stand und daß dies überall m den Kreisen, die compctent sind, im Einklang mit dem einmüthigen Urtbeil der Presse, anerkannt wurde Daß ich Herrn Sauret's Spiel zu gering anschlage, kann Niemand aus meinem Referate vom 30. Januar entnehmen wollen.
Auszug aus denLlanörsamtsrrgistern des Standesamts Gießen
Dom 31. Januar bis 6. Februar 1881.
Aufgebote.
2^' Januar. Frachlfuhrmann Karl Chrtstlan Jughard von Gießen mit Elisabethe Buch, Tochter dcS Handelsmanns Johannes Buch IV., von Roßbach. Den 3. Febr. Klempner geTbinanb Max Emil Schulz von Potsdam mit Elise Wr.ngel, Tochter des verst. Müllers Jacob Wrmgel 111., von Ober-Hmlen. 1
Eheschließungen.
^^der Heinrich Bartsch zu Gießen mit Anna Gertrude Rose, Tochter des Bäckermeisters Johann Philipp Rose, von Zlerenberg. Den 2. Februar. Oer MnÄ rt"n'r b'r,.Db"l,,(1'<f|en B°hn BEIM«- W..bn.-r, Mttwrr. ®eu«tn mit anna Katharina Klingelhöser, Tochter des verst. Schneiders Anton Klingelhöfer, von Caldern.
Geborene.
Kwi<. 2.?- Januar. Dem Arbeiter Ludw. Roth von Rodheim, Kreis Nidda, eine Tochter, 94 i "a- ?‘nC $od)tct von,auswärts, Elisabethe. 24. Eme Tochter von auswärts, Rosine.
Eine Tochter. von auswärts, Marie. 26. Ein Sohn von auswärts, Franz. 27 Ein A t’Ons.lu8tyartd' 9l)a,P- 28 Dem Schmelze Heinrich Sehrt eine Tochter, Elisabethe. in o H°^'ich Knettenbroch ein Sohn, Georg Martin. 29. Dem Dachvecker-
n°nl8 ®tnm Schwalb Zwillingstöchter, Lina Anna und Minna Auguste. 29. Dem R-rbn Ä™ra0 Strippe! eine Tochter, Marie 30. Dem Schlosser bei der Main-Wsicr-
Ä,leln4 nI 2orf£cr' Katharine Henriette. 30. Dem Diener tm physikalischen Cabtnet Achter, Maria Elisabethe. 31 Ein Sobn von auswärts. Den 1. Febr. 9 Houvsckuhfabrikant Ferdinand Riekau eine Tochter, Henriette Katharina Luise Auguste 2 Dem Maurer Johannes Leicht ein Sohn, Johannes Pettr Friedrich. 81
Gestorbene.
Januar Lina Johanna, 1 Jahr alt, Tochter des RcallchrerS Ludwig Seipp. £l‘?be $e ^?n!Lr“6' 21 Jahre alt, von Groß-Dusick 29 Nätherin Therese
U^0t? -s 1’ Dieimann. 67 Jahre alt, Wittwe des Philipp Siückrath. 30. Ein Sobn von ^nnR^°<?fQteftQ L b". Margarethe, 2 Jahre alt, Tochter dis K'cisbauaufseher-Asplrantcn Heinrich Ludwig 1 Jahr alt, Sohn des Schuhmachers Konrad Seipp. 31.
8 '^.DnQtc Qlt Tockter des Büchsenmachers Karl Albert Schultz. Den 1. Febr Qimm^bC6^mmC1™ 29 3ahre alt, Ehefrau des WetßblndermeisterS Karl
flCb- 79 3°hre alt, Wittwe des Bäck-rmctsters Georg
S J ' ,2 alt. Tochter des Hülfsboten Georg Philipp Zink. 4. Statt?
M) N d^d Mmann 9cb' U^- 73 Jahre alt, Wittwe des Metzgerm?tstcrS Konrad Rullmann,
Handel und Verkehr.
5 , ^luf dem heutigen Wochenmarcte kostrr. ■ Butter per Pst>. je 0.80
99 Hühnereier 1 Stuck 7-8^, 2 St. 00 Gänseeter 1 St. 11-12 V Käse per Stück 4—10^, Kä,«matte per Stück 3 —0 Erb en t Liter 20 A, Linsen 1 Liter 24 A äaubm P" t Wnet & St- l 2ü-1-7« 13O-13oX“^.
Psd. 50—60 Enten per Stuck JL 0 CO 2 00, Ochienfleisck 66 - t 0 ver 9lfh L wt 4-,-50 4, AÄ 54 -°6?r DlwLilI Q 0 Kartoffeln per 100 Kilo 4.00—0.00, Zwiebeln p. Etr JL 10—0 Milch per Llte^lb^unb^^^^Leißkraut 100 Stück JL 0.00—Q.QO, Enteneier per 1 Stück 8-9
r, gebe ich dem Herrn Gegner die Versicherung, daß für ihn und sein kurttS
musikalisches Verstandmß Weber wenigstens nicht seine obenerwähnte hochromantische Oper beschrieben hat. Es fehlt leider meinem Gegner jegliches Sensorium für poetisches Anemviinden characteristischen Musikstücken gegenüber. derselbe
Vl”. «®e^tnclaüiatulJ , und deren Affecttonen die ich und viele Andere gerne acceptire ^bbesattete „Gefühlsclaviatur", die mir viel schlimmer zu sein dünkt als jene andere, denn auf ihr durften gewisse Tondichter nicht gerne spielen wollen' — Aber am beklagenswetthesten ist, daß unser Mann den Eingang m.tnes Referates nicht zu interpretiren verstanden und daß er zwischen den Ze,l<n nicht lesen konnte, daß es mit dem zu engen Klub-
Absolut Nicht mehr so weiter gehen kann und daß derselbe nicht ferner geeignet ist iUr Hnbttät fi°nh bK bcr ausgedehnten Gesellschaft einigermaßen entsprechen sollen-
Und damit sind wir andererseits unserem Gewäh'-smann dankbar, er uns indirect wieder äC©AIu6ie2e6 ?efÜ^tC ^Efn.ß aufs Nachmückltchstc wiedeebolt zu betonen GrO?F k lb r.Tfl^^ fctm H'^n Pseuoo-Kriliker, - denn auf eme besser «ein sollende Kritik lief ja doch sein Elaborat binaus — sich in Blattern w,e Tribüne" ooer Rätin.,ni nurUauf ÄU.nflbchrid)te ^Zusehen und er wird ßnden, daß dort d.e Sprache" sich nicht pflegt b n ^ra bevorzugten Leinpfad alltäglicher und hausbackener Diction zu bewegen bloßen, 5. Februar Die Strafkammer des husigen Landgerichts verurthttltc aellern 3Cucb?baC!;8RQnn toDn ^8 Gons, welcher die letzten Brände daselbst veranlaßte, zu 7 Jahren
Berichtigung: In dem Standesamtsauszug vom 30. vor. Mts muß es unter Gestorbene heißen: Lauer anstatt Bauer.
17.
Denselben. Dem Architekten Ludw Huhn eine Tochter, Lisette Johanna, geb. den 5 Dec
Den 3 Februar. Dem Photographen Franz Gerbode eine Tochter, Emma, geb. den November. 0
Auszug aus öen Kirchenbüchern der Stabt Gießen.
Evangelische Gemeinde.
Getraute.
29- 3<niuar. Heinrich Bartsch, Schneider dahier, bc8 Güterarbeiters Georg in Zierenberg^ehel T^chttt bf8 Bäckermeisters Johann Philipp Rose
^rehUaTV Daltbasar Wießncr, A.agazindiener dahier, ein Wittwer, und Anna Kathannc Klingelhöfer, des verst. Schneiders Anton Klingelhöfer in Ealdern ehel. Tochter.
Getaufte
Den 30. Januar. Dem Pumpcnmacher Friedrich Ludwig Weber eine Tochter, Anna iLKarif, geb. den 10. Januar.
Denselben. Dem Handschuhmacher Friedrich Wilhelm Wirsig eine Tochter, Anna Marie Auguste, geb. den 3. Januar ' n
19. Dettmber^"' ^der ®icbl eine Tochter, Christine Johannette, geb. den
0 De" 3J; Januar. Dem Hülfsgcrichtsschretber beim Landgericht der Prov. Oberheffen Ludwig Schudt em Sohn, Friedrich Alfred Ludwig, geb 12. December
. k De» 2 Februar. Dem Bremser Heinrich Lehrmund eine Tochter, Anna Margarethe, geb. den 21. December. ° 7
Beerdigte.
®tn,,3' «tfc'“Qr' M°->- «ämm-i-r. fltb. Ock-I, Eh,fr.» b<6 L-cktr-rS Statt Stimm««, alt 28 I. 11 M. 29 T., gest. den 1. Februar.
«S- Das Museum des historischen Vereins (im Rachhaus) ist jeden Montag von 11-12 Uhr den M tgl.edern des Vereins geöffnet.
Allgemeiner Anzeiger.
I>i«Ä & Wayss9
TTntemehmer von. Gement -Arbeiten
Frankfurt a. M., grosse Gallusgasse 17.
empfehlen sich zur Ausführung von Bodenbelägen für Fabriken, Bierbrauereien Magazine, Keller, Trottoiranlagen rc., Betonirungen von Gebäude- und Maschincn- fundamenten, Gewölben, Turbinenanlagen, Mauern rc., Herstellung wasserdichter Räume. Bestehende Keller, in welche bei höherem Grund- oder Fluthwasfcr- stand Wasser cindringt, werden unter Garantie trocken gelegt (825
Bauer scher Gesangverein.
Sonntag den 13. Februar 1881: ibendünterhaltiing im Saale des „Prinz Carl“. Anfang 1 Uhr.
,,n m Der Vorstand.
mb. Nur gegen Vorzngu-ig der Karten ist der Eintriti gestattet.


