Ausgabe 
5.11.1881
 
Einzelbild herunterladen

Nr. 2S8. Samstag den 5. November L88I.

Kichener MnMger

Anzeige- und Amtsblatt für den Kreis Gießen.

Bureau: Schulflr-ß- B. 18. erscheint täglich mit Ausnahme des Montag». ?rf8 2 SIar' 2° « a3rin9rr[?»"-

Durch die Post bezogen oiertelMriich 2 Mar? 50 Pf.

Deutschland.

Au- dem Großherzogthum Hessen, 2. NovLr. Den gegen« wärtigen Landtag erwartet unter andern Ausgaben auch die Prüfung zweier Anträge, welche auf eine Aenderung des Wahlgesetzes für die beiden Kammern hinzielen. Der eine dieser Anträge, vom Abg. Metz gestellt, läuft auf völlige Umgestaltung des schon durch d'.e VersafsungSui künde und neuerlich durch das Wahlgesetz von 1872 bestätigten Zustandes der Bildung des Landtags durch zwei Kammern im Sinne des Einkammersystems hinaus, während der »weite der Hauptsache nach dir Einführung dir ec ter Wahlen auch bet den Landtagswahlen erstrebt. Der letztere Antrag geht von den Ultramontanen aus, die nebenbei auch die Beseitigung der Bestimmung erstreben, wonach die Sttmmberechtigung von demjenigen nicht ausgeübt werten kann, der mit der Entrichtung seiner schuldigen Einkomrnei steuer für das laufende Jahr sich im Rückstände befindet. Diese Art der Beschränkung des Stimmrechts, welche sich ebenmäßig in den neuen hessischen Verwaltungsgesetzen bei den dort behandelten Wahlen findet, wird namentlich auf Grund deS ReichSwahlgesrtzes, dem die­selbe fren-d ist, angefochten. (Köln. Ztg.)

m Darmstadt, 3. November. In dem neuen Etat des Ministeriums der Finanzen sind unter der RubrikLocal bau beamten" 13 Kreisbaumeister (gegen seither 15) mit einem Gesammtgeholtsbezug von jährlich 47.300 JL (gegen das vorige Budget weniger 6100 ^M) vorgesehen; ebenso sind anstatt der seitherigen 16 Ztreis- bauaufseher-Gehalte jetzt deren nur 14 mr Gesammtdetrage von 19,800 «4L ( 2,800 JL) vorgesehen worden. Dagegen werd n für zwei Wasserbau-Jnspectoren Gehalte von je 4400 JL, für zwei Wasserbaumeister solche von 2800, refp. 3300 Jt, und für zwei Dam mm et st er solche von durchschnittlich je 1400 JL angefordert läuternd bemerkt bie Regierung zu diesen Positionen, daß bei den Verhandlungen der Stände auf vorderen Landtagen wiederholt die Frage wegen Trennung des Territorial- ftuß- und Dammbau von dem Hoch- und Stiaßenbari in den Localftellen angeregt und die Anstellung besonderer Wosserbaumeister in Vorschlag gebracht worden sei. Muilerweilc habe sich auch bei den technischen Hochschulen die Trennung der Fach­studien für Architekten und Ingenieure vollzogen und in der Verordnung vom 31. Juli 1879, betreffend die allgemeinen Staot-prüfungen in dem Finanzf^ch und den tedjntfcben Fächern, Berücksichtigung gefunden. (5s sei deßhalb diese Frage einer reif­lichen (Erwägung unterzogen worden. Bezüglich d^r Organisation der Localstellen für den Territorialstuß- und Dammbau könnten verschiedene Einrichtungen in Betracht kommen; eine sorgfältige Erwägung der einschlägigen Verhältnisse habe es am räth- lichsten erscheinen lassen, zwei Wa sser bau - In s p e ct l one n am Rbein, mit den Sitzen in Worms und M ainz, zu b lden. Sorgfältige Erhebungen über den Um­gang der Geschäfte, welche seither bei den Kreisbauämtern bezüglich des Teiritorial- Kameral-Fluß- und Dammbaus, sowie der Unterhaltung der Schiffbrücken und fliegenden Brücken besorgt worden sind, ergaben die Nothwendigkeit der B'ldung einer Wasserbau-Znspection aus folgenden Beamten: 1. einem Wasscrbau-Inspector als ersten Beamten; 2. einem w sseuschastlich gebildeten Assistenten. Wasserbaumeister; 3. einem Darnmmeister von der Oualification eines Kreitzbauaufseders und Straßen­meisters; 4. einem auf Tagegelder angenommenen Kreisbauaufseher, refp Damm­meister-Aspiranten. Die Grenz.' der beiden Wasserbau Infpcctionen soll bei Oppen­heim und fo gezogen werden, daß der Infpecuon Mainz noch die Unterhaltung der lleberfabrt bei Oppenbestn zufällt Die Verbindung der Verwaltung der Weiden­anlagen zc. mit dem Territorial Fluß- und Dammbau wird als unerläßlich erachtet und diese Verwaltung, sowie die der betreffenden Gräsereien, Fischereien :c. in den seitherigen 5 Baubezirken am Rhein und Unter-Main soll auf die Wufferbau-Inspcct onen Wo.ms und Mainz derart übergehen wie solche die Grenztheilung bei Oppenheim ergibt. Die Flußbaugeschäfte am Neckar sollen dem Kreisbauamt Erbach Derb-eiben. Bei etwa nöthig werdenden besonderen Neuanlagen und in Fällen, wo btfonbere Specialkenntnisse im Flußbau erfoi derlich sind kann die Wosserbau-Inspection Worms Mitwirken. In Anbetracht der bestehenden Verbältniffe erscheint eine Abtrennung der Geschäfte des Wasserbaues von den Geschäften des Hoch- und Straßenbaues im Bau­bezirk Offenbach nicht erforderlich und würde auch einen höheren Kostenaufwand verursachen. Würden zeitweise größere Flußbauarbeiten im Baubezirk Offenbach noth- wenbig werben, so könnte b e Flußbau-Inspection Mainz, welcher auch der untere Main zugetheilt werden soll, hierbei Mitwirken. Es ist Aussicht genommen, baß ben Wasser- bau-Infpectionen in Worms unb Mainz auch ein Tbeil der an den Rhein angrenzenden Straßen, welche tdeilweise auch als Landdämme dienen, in Unterhaltung überwiesen unb b e betreffenden Straßenmeister diesen Inspectionen unterstellt werden. Durch diese Einrichtung kann erreicht werden, daß ben Wafferbau-Inspectwnen zur Zeit von Gefahren bei Hochwasser und Eisgängen ein größeres Dienstpersonal zur Verfügung Neht Weiter sagen die Erläuterungen:Durch die Abtrennung des Wasserbaues von dem Straßen- und Hochbau werden auf der rechten Rheinfeite die Kre,sbauämter Bensheim und Groß-Gerau entlastet. Diese Kreisbauämter waren aber seither über­lastet und es konnten die laufenden Geschäfte von den angestellten Beamten iKreis- daumeister und Kreisbauaufseher nicht ohne ständige Aushülfe von Bauaccessisten und Bauaufseher-Aspiranten besorgt werden. Die Unterhaltung der Staatsstraßen, die Unterhaltung der zahlreichen unb umfänglichen Hof, Central-, Kameral-, Forst- und Erundlasten-Gebäude, die Aufstellung der Wirthschastsrechnungen, die Anfertigung von Projecten für Neu- und Umbauten, sowie die sehr zahlreichen Requisitionen der be­treffenden Kreisämter wegen technischer Begutachtungen u s. w., bieten ein solches Matz von Arbeiten, daß die Kreisbauämter Bensheim und Groß-Gerau auch ferner­hin fortbestehen müssen. Dagegen besteht die Absicht die Kreisbauämter Bingen und Worms aufzudeben und deren Geschäfte für das Hochbau- und Straßenbau­wesen an die bestehen bleibenden Kreisbauämter Mainz und Alzey angemessen zu vertheilen.

Berlin, 2. Novbr. Dem Bundesrathe ist eine Vorlage zugegangen, welche neue Bestimmungen über die zollamtliche Behandlung von Mineralölen ie Vorschlag bringt und namentlich die Verwendung des Aräometers bei der Dringlichketts'Bemeffung regeln will. Die bisher in Gebrauch befindlichen Aräometer waren ungeaicht und ergaben sich aus diesem Umstande mancherlei Schwierigkeiten, wenn nicht sogar Ausfälle für die Zollkaffe. In Zukunft sollen nur Aräometer in Gebrauch kommen, welche durch die Norrnal-AichungS- Tommisfion geprüft find.

In Folge einer weiteren erheblichen Zunahme des Güterverkehrs ^aben die König!. Eisenbahn-Directionen sich genöthigt gesehen, die Ladefristen

nunmehr auch für bedeckte Güterwagen auf 6 Tagesstunden ungerechnet die Mittagspause herabzuletzen. Da der Güter-Wagenpark der Reichs- und der preußischen Staattbahnen, wie man uns mittheilt, im lausenden Jahre mit einem Kostenauswande von nahezu 4 Mill. v4t bereit- um etwa 1900 Güterwagen vermehrt worden ist, so haben wir Grund zu der Abnahme, daß diese Maßregel nur für kurze Zeit nothwendig sein wird. Wir hoffen indkß, daß die in der letzten Zeit beobachtete, bi- dahin kaum erlebte sprung­weise Steigerung des Verkehts bald einer ruhigeren, stetigen Entwickelung Platz machen wird, und erfahren, daß die Regierung, von der gle'chen Er- Wartung ausgehend, eine weitere umfassende Vermehrung des Locomotiv- und Wagenparks in die Wege leitet.

Von 14 neuen Wahlkreisen, welche die Secessionisten neu errungen haben, gehörten biS dahin 5 den Nationalliberalen (ben Abgg. Werner, Reinecke, GareiS, Forkel und Hall, von denen die meisten nicht mehr als Candidaten ausgetreten waren); dagegen sind die übrigen 9 Wahlkreise sämmtlich den "Conservativen abgerungen worden, und zwar 5 der deutschen Reichspartei und 4 den Deutschconservatioen. Von 13 Wahlkreisen, in welchen Secessionisten zur engeren Wahl kommen, stehen denselben nur in 3 Kreisen nationalliberale Candidaten (BoretiuS, Schöttler, v. Cuny) gegenüber, dagegen 7 conservaNve (3 Reichspartei und 4 deutschconservative). Der größere Theil der secessioni- pischen Eroberungen war also bis dahin konservatives Gebiet.

Gestern Vormittag fand vor dem Kaiser eine große Parade der hie­sigen Feuerwehr statt. Ter Commandeur der letzteren, Major a. D- Witte, besand sich während derselben an der Seite des Kaisers, welcher dem Schau- spiele von dem zweiten Eckfenster seines Palais zusah und sich von dem Commandeur die erforderlichen Erläuterungen geben ließ, nachdem der Polizei- präsidi^t nlä oberster Chef den Rapport überreicht hatte. Wie berichtet wird, hat Se. Majestät sich anerkennend über die Leistungen ausgesprochen. Wie nicht erst h'nzugefügt zu werden braucht, hatte trotz der erforderten Absperrung ein zahlreich's Publikum sich eingefunden. Die Feuerwehr besteht jetzt 30 Jahre und wurde bis vor 6 Jahren von dem nunmehr im Ruhestand lebenden Branddirector, Geh. Regierungsrath Scabell, (einem Baumeister) ge­leitet, während jetzt die Leitung in den Händen eines bewährten früheren Ingenieur Officier- lügt, der schon viele Verbeffrrungen eingeführt hat.

Berlin, 2. November. Das Reichspostamt hat die Obe^post-Directio- nen angewiesen, auf die Einrichtung aufmerksam zu machen, der gen äß die Landbriefträger verpflichtet sind, aus ihren Bestellgängen auch eingtschriebene und Werthbriese anzunehmen und die Annahme in einem ihnen mitgegebenen Buche entweder selbst zu vermerken oder durch den Absender vermerken zu laffen. Grund der Bekanntmachung ist die Wahrnehmung, daß diese den Landbewohnern zu Gute kommende Einrichtung von diesen nur so wenig benutzt wird.

Verschiedene Zeitungen brachten vor Kurzem die Mittheilung, daß am 9. December d. IS. eine Viehzählung im deutschen Reiche statlfinden werde. Diese Mittheilung beruht, wie das Königl. Statistische Bureau jetzt bekannt giebt, auf eh ern Jrrthurn. Es ist weder im Kaiser!. Statistischen Amte, noch im Kögl. Preuß. Statistischen Bureau von der Anordnung einer solchen Zäh- kung etwas bekannt und find auch keinerlei Vorbereitungen getroffen.

Schweiz.

Bern, 2. November. Letzten Samstag war in Luzern der Verwal- tungörath der Gotthardbahn - Gesellschaft versammelt. Unter anderen geneh- nehmigte er den DirectionS-Antrag, den Gütertarif auf Grundlage des deut­schen Reformsystems festzustellen. Auch ermächtigte er die Direction, den auf 30. Juni 1882 noch ausstehenden Capitalrest einzufordern. Die Jnbetrieb- setzung des großen Gotthardrunnels vom 1. Januar und der durchgehenden Linie vom 1. Juni 1881 an wurde dem Verwaltungsrath in dieser Sitzung von der Direction osficiell angekündigt.

In der Schweiz haben am Sonntag die Wahlen zum Nationalrath stattgefunden. ES find bis jetzt 129 Resultate bekannt. Es fielen 78 Wahlen auf die demokratisch-freisinnige Partei, 30 Wahlen auf die Ultramontan- Conservativen und 19 Wahlen auf die conservative Centrums-Partei. Die demokratisch - freifinnige Partei erhielt einen beträchtlichen Zuwachs.

Helierreich.

Wien, 2. Nooemb-r. Der Eindruck, welchen das italienische Königs­paar hier hinterlaffen, erweist sich alS ein sympathischer. Was aber die hie­sigen Kreise besonders freudig berührt, ist, daß auch die Stimmen aus Italien sich in voller Harmonie befriedigt über die Ergebniffe dieser Reise äußern; dies ist für unS von um so größerem Werthe, als wir daraus ersehen, daß König Humbert, deffen spontanem Entschluffe, n"ch Wien zu reisen, die denk­würdige Entrevue zuzuschreiben ist, sich in vollem Einklänge mit der italieni­schen Bevölkerung befindet. H'erin liegt für uns eine Bürgschaft für die segensreichen Wirkungen dieser Monarchen-Begegnung, welche durch die nur ganz vereinzelt erscheinenden Stimmen, die fich gegen dieselbe erhoben, nicht getrübt werden können.

Irankreich.

Paris, 2. November. Der Correspondenr des ^Gaulois", der den