Ausgabe 
5.10.1881
 
Einzelbild herunterladen

Abendblatt derNordd- Allg. Ztg." bringt wieder emen vierjpalr.gen Artikel für das Tabaksmonopol. In Altona kam eS gestern bet einer Versammlung zur Besprechung des Tabaksmonopols zu blutigen Schlägereien und zu Der- Haftungen.

DieMetzer Zeitung" meldet, daß die Anwesenhett Sr. Majestät des Kaisers demnächst in Metz zu erwarten stehe. In der nunmehr auf ; Sonntag, 16. October, festgesetzten Einweihung der dortige» neuen Gar, ison- kirche würde Seine Majestät zugleich mit dem Kronprinzen an die,em Tage j Morgens gegen 9 Uhr in Metz eintreffen uud um 10 Uhr der Einweihung beiwohnen. Wie verlautet, würde der Kaiser auch am Montag. 17. Oktober, in Metz verweilen und erst am Abend die,es Tages die Rückreise nach Baden-Baden antreten. DieMetzer Zeitung" gibt diese Notiz mit allem

Vorbehalt.

Die russischen Panslavisten sind entweder bescheiden geworden und machen gute Miene zum bösen Spiel, oder sie wiffen, daß ihr Einfluß ge- sichert, auch wenn er scheinbar zurückgedrängt wird- DerRußein Blatt Aksakoff's, schreibt:Ein neuer, kühner Czar sitzt auf dem Throne; neue Leute find in der Verwaltung und unter ihnen wenn auch nicht an der Spitze der auswärtigen Geschäfte Graf Jgnaticff, deffen Name eng ver­bunden ist mit der nationalen Richtung der äußeren Politik. Auch neue Sorgen, neue Combinationsarbeiten für Europa, besonders aber für den deutschen Reichskanzler, sind damit geschaffen worden. Das alte Sy iem, die alten Mittel haben sich augenscheinlich als untauglich erwiesen. Bismarck wußte sehr gut, welcher Art die Dienste waren, die er Rußland in seiner Eigenschaft alsehrlicher Makler" erwiesen hat, und er konnte daher getrost annehmen, daß auch die neue russische Regierung sie nach Gebühr zu schätzen wiffe- Dieser geniale scharfslickende Staatsmann vermochte am allerwe^gsten sich bei dem Gedanken der scheinbaren Schwäche Rußlands zu b-rudigen. Obschon ein g'vßer Theil unserer Preffe nicht aufhörte, Namens Rußlands Jeremiaden erklingen zu laffen und obschon viele unserer StaaiSmänncr ihnen diese Klagelieder nachbeteten und fortfuhren, von einer bevorstehenden der­artigen inneren Thätigkeit zu reden, die es uns unmöglich mache, unsere äußere politische Stellung und Bedeutung zu wahren, so sah der deutsche Kanzler doch wohl ein, daß das russische Volk lebt und lebensfähig ist und daß ein so großes historisches Volk, wie das russische, nicht auf einmal mir nichts dir nichts von dem Schauplatz abtreten und seine Weltrolle aufgeben kann."

Wie derTimes" unterm 29. v. M. mitgelheilt wird, hat Präsident Arthur den Postmeister in Deadwood, Dakota, seines Amtes entsetzt wegen der Mitschuld an den Veruntreuungen auf der Star Route. Man betrachtet dies als ein Zeichen dafür, daß der Präsident die Absicht hat, dem Vorgänge Garfield's in Bezug auf die Heilung dieser Mißstände zu folgen. Der Fond für Frau Garfield beläuft sich nunmehr auf 325,000 Dollar. Der Districtsauwalt in Washington hat die letzten vorläufigen Schritte getha», um die Anklage gegen Guiteau in nächster Woche erheben zu können. Wie es heißt, werden die Behörden von New-Jersey auf ihr Recht dem Mörder Guiteau den Proceß zu machen, nicht bestehen. (Dieses Recht stützt sich darauf, daß Präsident Garfield in diesem Staate gestorben.)

Krankreich.

Pari-, 2. Oktober. In der beute von den revolutionären GomitöS wegen der Angelegenheiten in Tunis abgehaltenen Prtoat-Vrrsammlung wurde die Einberufung eines großen Meetings beschlossen, das beauftragt werden soll, das Ministerium in Anklagestand zu versetzen. Nachrichten aus Tunis melden, der Ministerresident Roustan fit mit allen zur Regelung aller schweben­den Fragen erforderlichen Vollmachten nach Tunis zurückgi-kehrt. Der Marsch nach Kairuan soll gegen den 12. d. M. beginnen, die Vorbereitungen dazu werden sehr lebhaft betrieben. Es ist einiger Regen gefallen, der Ge­sundheitszustand der Truppen bat sich g'bessert. Nach Meldungen aus der Provinz Oran ist die Lage daselbst eine fortgesetzt günstige.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S telegr. Korrespondenz-Bureau.

Baden-Baden, 3. Oktober. Se. Majestät der Kaiser ertheilte heute dem ruff. Reichskanzler Fürsten Gortschakoff Audienz; zur heutigen Tafel hatten die hier anwesenden Mttglüder des diplomatischen Corps Einladungen erhalten. Nachmittag- unternahm Se. Majestät eine Spazierfahrt und machte eine Pro- menade nach dem Kurplatze. Die Frau Großherzogin und der Elbgroßherzog von Baden haben sich heute nach Karlsruhe zurückbegebm. Gestern Abend fand zu Ehren Sr. Majestät eine Illumination des Promenadeplatzes statt, für heute Abend ist ein großes Festkonzert in Aussicht genommen. Am Sonn­abend wurde Baron Rothschild vom Kaiser tn Audienz empfangen und zur Tafel gezogen.

Nordhaufen, 3. Oktober. Ihre K. K- Hoheiten der Kronprinz und die Kronprinzessin trafen heute Nachmittag mittelst ExtrazugeS von Trier hier ein und wurden am Bahnhofe von dem Landrathe v. Davur und dem Ober­bürgermeister Riemann empfangen. DaS zahlreich anwesende Publikum begrüßte die Herrschaften mit enthusiastischen Zurufen. Nach dem Souper, welches im Bahnhofe eingenommen wurde, erfolgte um 6*/4 Uhr die Weiter­reise nach Potsdam.

Paris, 3. Oktober. Die Meldung desGauloiS" von dem Aus' bruch emes Ausstandes in Mckla wird seitens der hefige i türkischen Botschaft formell für unbegründet erklä t

Kopenhagen, 3. Oktober. Der Reichstag ist heute ohne Thronrede eröffnet und nach Vornahme der Präsidentenwahl, wob-i das frühere Präsidium wiedergewählt wurde, auf den 29. k. M. vertagt worden.

Petersburg, 3. Oktober. Wie derPorjadok" erfährt, würde der Schah von Persien im April nächsten Jchres einen Besuch am hiesigen Hofe abstatten, um den Kaiser Alexander persönlich zu begrüßen; von einer Aus' dehnung der Reise an andere europäische Höfe sei in Teheran bis jetzt nichts bekannt.

Chur, 3. Oktober. Der internationale Soztalistenkongreß ist gestern durch den Buchdrucker Conzett aus Graubünden bter eröffnet worden.________

Lokale».

Gießen, 4. Oktober. Wie un8 mitgetheilt wird, ist von Seiten des Arbeiter- standcS (waS beißt das? wer ist der Arbeitnstand? soll wohl richtiger heißen von einer An­zahl Arbeiter. Anm. d. Red.) der ReickstagSabgeordnete Wilhelm Liebknecht wiederum a'.S Candidat für den ersten hessischen Wahlkreis ausgestellt worden.

vermischte*.

Darmstadt, 1. Oktober. ^Postpersonalnachrichtenj. 1) Angestellt ist der Postassistent Wagner in Altenstadt alS Postverwalter; 2) Versetzt sind die Postsecretäre Trmpf von Bingen und Mühlpforth in Lauterbach. Hesien. nach Mainz und der Postseeretär Hu eg von WormS nach Braunschweig.

Kassel, 2. Oktober. Die streng verbotene und schon fo häufig in Prefie und Pub­likum ernst gerügte Unsitte, auf die Tnttbretter der Eisenbahnwaggons tu springen und so noch die M'tfahrt erzwingen zu wollen, während der Zug bereits im Abfahren begriffen ist. hat beute Morgen auf Station Gensungen wieder einmal cm sehr btklagenSwerth'S Unglück zur Folge gehabt. Ein Pasiagier gerieth bei solchem wagehalsigen Beginnen durch Abrutschen vom Trittbrett mit einem Bein zwtsckest die Räder deS WaggonS und wurde so eine Strecke mitgeschleift, bis eS gelang, den Zug wieder zum Stehen zu bringen. Außer anscheinend inneren Verletzungen und Quetsckung-n wurde dem Unglücklichen daS Bein abgefahren. Der Ver unglückte soll ein Butterhändler auS Lohre sein, der unsere Stadt besucht hatte und auf der Heimreise begriffen war.

fDer Vater den Sobn erstochen.^ DaS Schwurgericht zu Meiningen verhandelte am 28. September argen den Einwohner Job. Müller auS RückerSwind, 58 Jahre alt, welcher angeklagt war am 1. Juni d. I. seinen Sobn, der 13jährigen Nicol Müller, vorsätzlich körper­lich mißhandelt zu baben, und zwar mit töotlichem AuSgang. Der Angeklagte kehrte am genannten Tage vom Viebbüten beim. Sein 13jähriger Sobn Nicol, der ihm begegnete, schimpfte auf den Vater und warf ibn zu Boden, den 58jäbrigen Vater! AlS der Alte sich wieder erhoben, wurde er von Neuem durch den ungeratbenen Jungen beleidigt und mißhandelt. Da griff der Vater zum Meffer und hielt e8 geöffnet mit vorgestrecktem Arm vor; der Sohn stürzte sich entgegen und verletzte sich derartig, daß er zu Boden fiel; er sprang wieder auf, verwundete sich mm zweiten Mal und war gleich darauf eine Leiche. Die Geschworenen vcrnernten die Schuldfrage, der Gerichtshof sprach den Angeklagten frei.

lieber einen se'tiamen Sport wird demNürnb. Korrekv." auS Langdorf (Nieder bahrn) berichtet: Wie mir anderwärts die MuSkelstärke durch Fingerbakeln und dergleichen Kraftübungen erprobt, so wird hier die Festigkeit des HirnkastenS geprüft. Besonders merk würdig sind in dieser Hinsicht die Leistungen eme8 gewissen Kronauer; derselbe ist im Stande d'e stärkste Zimmerrbür mit seinem Schädel durchzustoßen. Beim Wirth Kronschnabel stieß der selbe da8 Hofthor durch und ein hiesiger Wirth, der sich einst mit dem Kronauer meffen wollte, erhielt einen derartigen Stoß, daß er wie vom Blitze getroffen nach hinten überstürzte und sein Lebtag daran drnken wird.

Nack englischen Blättern dürste billigeres Fleisch alsbald in Aussicht stehen. ES wird nämlich australisches Flei'ck für die Folge selbst in der hnßesten Jadrekzrit eingeführt werden können, da sämmtlich; Dampfer der Orientllnie unverzüglich mit Gefrterkammern ver sebcn werden sollen. Alle bröber angestellten Versuche, australisches Fi-'isch in gefrorenem Zu- stand berüberzubringen, baben sich glänzend bewährt, indem dasselbe einen reinen guten Geschmack bebält und von frisch geschlachtetem kaum zu unterscheiden ist

[Die Bienen als Wetterpropheten.s Mehrjährige Beobachtungen haben unS gelehrt, daß wenn die Bienen bis spät in d«e Dunkelheit hinein fortarbeiten, eS am nächsten Tage regnet. Ist bet schöner Witterung ihr Flug irrend und unsicher, daß m*n g'auben sollte, sie können daS Flugloch nicht treffen, fo erfolgt gewöhnlich auch R'gen. Lausen sie bei der Rück kcbr vom Felde ängstl'ch vor dem Flugloch Mn und ber, daß man annehmen möchte, die Völker seien zweifellos, so erfolgt gewöhnlich Näsie. Das frühe Abtreiben der Drobnen kann alS sicheres Zeichen entweder von anhaltender Nässe, oder auch von großer Trockenheit anaeseben werden. Daß die Bienen die Witterung, welche die nächsten Tage m't sich bringen, im DorauS füblen, wird allgemein angenommen, daß sie aber schon im zeitigen Herbst.' ein Vorgefühl über die Beschaffenheit des bevorstcbenden Winters laben, daS wollen Viele noch bezweifeln

Und doch hatte man oft schon Gelegenheit gehabt, zu bemerken, daß daS starke Verkitten der Fluglöcher als ein sicherer Vorbote eines strengen Winters betrachtet werden kann. Ebenso hat die Erfahrung gelehrt, daß, wenn die Bienen frühzeitig Brut etnichlagen, ohne daß sie durch Fütterung, öftere Störung, durch die Wtntersonne und milde Witterung dazu angeregt worden sind man auf ein günstiges Bien'njahr zählen darf. Sehen sie hingegen nur wenig Brut an, so ist em Hungerjalr zu befürchten.

Aus Köln roiTD derSocla'.Corr" geschrieben: Während der Sommrrmonal' hakte die Auswanderung nach Amerika etwas nachgelassen. Seit Beginn deS September 1>*81 ist dieselbe aber so stark wie nie zuvor. Es scheint ein wahres AuSwanderungSfieber in, Oker lande zu her, scher. Jeden Tag kommen hier in Köln 5060 Auswanderer auf Dampfschiffen an, welche über Antwerpen oder Bremen nach Amerika fahren. Außerdem passiiten Köln in den letzten beiden Wochen je zwei Extradampfboote mit mindestens je 100 Personen auf der Fahrt nach Rotterdam und Amsterdam Die meisten Auswanderer sind dem Anscheine nach wohlhabende Leute. In der vorigen Woche brachte ein Extradampfboot Auswanderer, welche nach der Aussage deß Restauratcurs sehr flott auf dcm Schiffe lebten und mancher Flasche Cbampagner den Ha!S brachen. Fragt man die Leute, waS sie veranlaßt, ihre H'imakh zu verlassen und sich m weiter Ferne in unb-fanntem Lande eine neue zu jucken, so erhält man zur Antwort, daß unsere unsicheren w,rthsckaftlicken Verhältnisse daran Schuld trügen. Nament lick klagen die Auswanderer auS der baieriscken P.rn'z und auS Baden, welche bisher T'dak pflanzten, über die Erbebungsw?ise der Tabaksteuer und über die trostlose Zukunft, welcher d>e Bewohner der tabakbauenden Gegenden in Folge deS in Aussicht stehenden Tabaksmonopo S entgegenseben.

NchlflTetberictit. Mirgetheilr von Dem norddeutschen Llovd in Bremen.

Bremen, V Oktober [Per transatlantischen Telegraph.^ Der Postdampfer Köln, Capt. Tb. Jüngst, vom Norddeutschen Lloyd in Bremen, welcher am 11. September vcn Bremen abgegangen war, ist gestern Nachmittag wohlbehalten in Baltimore angekommrn.

Handel und Verkehr.

Aieycn, 4 Oktbr. Auf dem beuHgen Wockenmarkcr kvttere JL 1.12,

bis 1.15, Hühnereier 1 Scück 67 H 2 Stück 0 H, Enteneier per Stück 0 2 Stück 00 H Käse ver Stück 58 Käsematt? per <d:Üu 3 0 J», Erd'.ei. 1 Liter 22 Linsen 1 Liter 26 H Tauben OaJ Pa 0 500.70, Hübner ; Sr. X 0.851 3 ' Hahnen p. St. JL 0.50-0.90, Enten per Stück 1 30 1.60, Gänse per Pfund 5060 H Welsche per Stück JL 0.0, Ockienfk lch 1 00 H per Pptz. Kuh. und Rindfleisch 4n bil 5<) H, Kalbfleisch 44 - 48 H, Hammeliln'ch 50 60 Sckweinest6400 H, Karroffel per WO KiU) X 3 00 5.00, Zwu In er 'Xt\ X 78, Milch per Liter 16 und le* H Wnßkrauc 1 St. 1030 Zwetschen per Centner 6 7 X

731) Ueber die Höhe der Kosten, welche die Einrückung einer Anzeige in ein- »der mehre Zeitungen verursacht, wird man sich niemals enttäuscht sehen, wenn mar. zon der Annoncen - Expedition von MANE\$6TJElX «V VOGLER io Frankfurt a M. (Karlsruhe, Stuttgart oder München) zuvor Auskunft eintordcri, di' auch hinsichte der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blätter auf Grund reicher Erfahrungen und gründlicher Beobachtungen zuverlässigen Rath ertheilt

Temperatur in Gicpen.

September 1881.

Niederste 0,5 o r.

Mittlere 4- 10,04 ,

Mittel früherer Jahre 4- 11,0® »

Höchste...........+ IM

Niederschlag an 11 Tagen 1,33 Par. Zoll.

im Mittel früherer Jahre an 12 Tagen . 1,75 ,

Erster Reif..............25. September.

im Mittel früherer Jahre 21. September.

welche am Tage der Aufgabe erscheinen sollen, bitten wir bis längstens DovmittagS 10 Uhr an uns gelangen zu lasten- Im Interesse der rechtzeitigen Fertigstellung unseres Blattes find wir zu dieser wiederholten Bekanntgabe genöthigt.

Die Expedition desGießener Anzeigers"

Inserate,