Vermischtes.
Darmstadt, 1. April. sPostpersonalnachrichten.s 1. Ernannt sind: der kommissarische Postrath Bcnnezet in Darmstadt zum Poftrath und der mit Verwaltung einer Postkassirerstelle beauftragte Ober PostdirectionSsecretär Gö.ke ebendaselbst zum Postkassirer^ 2 Versetzt fino; bet Postsrcrelär Seibert tn Mainz nach Eibrrfrld behufs Uebernahme einer Ober Postsecretär- stelle; der Postsecretär Hieronimuß von Langen nach Darmstadt, sowie die Postverwalter Scbwebel von Altenstadt nach Gietzen und Colin von Groß-Umstadt nach Darmstadt behufs Uebernahme von Postsenetärsiellen.
durch Verthetlung auf die verschiedenen Kriegsschauplätze zersplitterten und so auch einen durchschlagenden Erfolg derselben verhinderten. Beim Friedens, schluß begünstigte Rußland die Bulgaren und Serbcn auf jede möglir-e Weise, Rumänien würbe aber sehr ung ädig behandelt. Rußland nahm tbm sogar | das fruchtbare Bessarabien ab und gab ihm dafür die unwirthliche Dobrudscha. Wenigstens erlangte Rumänien seine Unabhängigkeit. Rußlands Undank hat in den Herzen der meisten Rumänen große G bilterung erzeugt, welche Rußland bei feinen Zukunftsplänen noch sehr viel zu schaffen machen könnte. Haben die Rumänen bereits durch die Waffen ihre militärische Tüchtigkeit bc- wiesen, so werden sie noch sehr viel zu thun haben, ehe sie auch auf wirth. fchastlichem Gebiete sich eine Stellung errungen haben, welche der jetzt ange- nommenen Würde entspricht. An Thäligkelt, an wirthschafllicher Umsicht und Initiative laffen die sonst nicht unbegabten Rumänen noch immer sehr viel zu j wünschen übrig. Das kann man schon aus l em Druck erkennen, unter dem die israelitische Bevölkerung erhalten wird, aus den häufigen Judenhetzen. Wo | Judenverfolgungen möglich find, da liegt auf der andere. Sette immer wirth- ' fchaftliche Uutüchtigkeit vor. Bet fleißigen, sparsamen Völkern mit Initiative in wirtschaftlichen Dingen kann eine Judenhetze niemals auskommen. Ebenso schlimm, wie in Rumänien, sieht eS in dieser Beziehung in den slaoischen Für- stenthümern der Balkan-Halbinsel aus, die sicher durch die R mgerhöhun^ ihres Nachbarn in große Aufregung gebracht werden. T^e neue Würde des Königs K-rl wird Milan von Serbien und Alexander von Dulgar-ien nicht schlafen laffcn, und wir können uns auf den Versuch gefaßt machen, daß das Bukarester Beispiel in Belgrad und Sofia Nachahmung findet.
Feutschland.
Berlin, 2 April. Reichstag. Der Abg. Löwe (Berlin) erklärt vor der Tages- ordnuna, seine neuliche Bemerkung über Männer, welche über ihre Uebcrzeugung hinaus die Regierung unterstützen, sei nickt gegen Tre.tschke gerichtet gewesen. Bn der fortgesetzten Berathung des Unfallversicherungsgesetzes stimmt Richter lHagen) -war der in der Vorlage enthaltenen Idee einer Arbeiteroersicherung principiell bet, nn Uebrigen erscheine ihm die Vorlage aber bedenklich und verhängnißooll, gleichwohl werde er an dem Versuch theilnehmen, in der Kommission den brauchbaren Kern der Vorlage berauszuschälen. Fürst Bismarck hofft, die Unfallversicherung werde sich trotz der großen Schwierigkeiten auch auf die landwirthschaftlichen Gewerbe ausdehnen lasten. Wenn im Gegensatz zum Grundgedanken der Vorlage eine Revision und Erweiterung des Lastpflichtgesetzes gefordert werde, so möge man nur angeben, wie das anzufangcn sei. Die Vorlage habe keine sozialistische Tendenz, sondern sie sei eine Forderung des practischen Christenthums. Fürst Bismarck entwickelt sodann die Vorgeschichte der Vorlage, deren Realisirung er für unabweisbar hält. Man solle die Vorlage nicht au? irgendwelchem Parteistandpunkle und nicht aus der Losung „Fort nut Bismarck beurtheilen, dann werde man auch finden, daß die Vorlage die Großindustrie nicht protegire. Daß der Volkswirthschaftsrath die Sympathien Richter? und Bambergers besitzen werde, daraus habe er von vornherein nicht gerechnet.
Der Abg. Stumm erklärt sich Namens der deutschen Relchspartei für die Vorlage im Prinzip, aber gegen die Beitragspflicht des Reichs, die Beiträge müßten die Arbeitgeber und Arbeitnehmer ausschließlich tragen. Der Abg. Lasker ist gegen den ganzen sozialistischen Theil der Vorlage und erkennt den berechtigten Kern der Vorlage nur insoweit an, als dieselbe das bestehende Haftpflichtgesetz durch das Institut der Versicherung ergänze. Fortsetzung Montag.
München, 2. Apru. Die Kaiserin von Oesterreich traf heule Vormittag 9 Uhr mittelst Exirazuges von Paris hier ein. Auf dem Bahnhofe wurde die Kaiserin von der Königin-Mutter, der Prinzessin Gisela, dem Prinzen Leopold und den Herzögen Ludwig und Karl Theodor, sowie von dem öfter- retchtschen Gesandten empfangen. Heute Abend wird die Kaiserin die Reise nach Wien sortsetzen. — Großfürst Paul Alexandrowttsch traf heute Morgen hier ein und setzte nach kurzem Aufenthalte die Reise nach Italien fort.
Schweiz.
Zürich, 2. April. Die „Neue Züricher Ztg." spricht sich gegen ein etwaiges Verbot des Socialisten.Congreffes in Zürich aus, da das für den- selben veröffentlichte Programm ungefährlich sei. Ueberhaupt dürfe die Schweiz von den Rechten, welche dem Bürger durch die Verfaffung garanttrt find, dem AuSlande zur Liede Nichts verletzen, sonst komme sie auf eine schiefe Ebene. — Die „Baseler Nachr." bekämpfen die Idee, die Asylfrage auf internatio' nalem Wege zu regeln, hauptsächlich wegen der Frage der politischen Der- brecher, welche den republtkantschm Princtptm gemäß nicht ausgeliefrrt werden können.
Arankreich.
Pari-, 2. April. Nach einer hier eingegangenen Meldung aus Algier sind vier Eingeborene von der Mission des Obersten Plätters, der für den Bau der durch die Sahara projectirten Bahn Aufnahmen mochte, am 28. März mit der Meldung nach Ouregla gekommen, die Mission sei fast vollständig vernichtet worden. Sie erzählten, die Mission sei vier Tagereisen von Haiirer im Süden von Assimu überfallen worden, Oberst Plätters und die sämmtlichen Mitglieder der Mission seien getödtet. Einem Mtlgliede Namens Dtav.ous und einem Unterofficier Namens Pobeguin mit 63 Mann gelang es zu entkommen, sie schloffen sich den Touaregs von Hozgar an, welche versicherten, daß sie an dem Blutbade nicht theilgenommen hätten. Sie boten den Flücht- tigen Datteln an, die aber vergiftet waren. In Folge deffen starben Dtanous und 28 Mann. Pobeguin mit 30 Mann setzten auf dem Rückzüge den Kampf fort, wurden aber vier Tagereisen südlich von Meffeguem emflefdjloffen. Die vier Eingeborenen, welche mit dieser Meldung tn Ouregla ankamen, sind von Pobeguin gesandt worden. Es wurde unverzüglich Hülfe geschickt, aber es ist wenig Hoffnung vorhanden, die 30 Überlebenden zu retten, da sie in dem Moment, wo fie umzingelt wurden, nur noch wenig Lebensmittel und Munition besaßen.
Paris, 2. April. Nach einer Meldung aus Constaniine haben die Tunesen einen französischen Mtlitärpoften angegriffen und dabei einen Corpora! und drei Mann getödtet; es ist sofort em Bataillon Zuaven mit einer Ab- thkilung Artillerie und Ambulanzen nach der tunesischen Grenze abgegangen.
— Nach weiteren Nachrichten au5 Algier ist es gestern an der tunesischen Grenze zu keinem neuen Kampfe gekommen. Der vorgestrige Zusammen- stoß war sehr ernsthaft, derselbe dauerte 11 Stunden; 6 TnbuS der Khrumirs nahmen an dem Kampfe Theil; mehrere Tribus zögern noch, sich mit den Angreifern zu verbinden, doch versichert man, daß alle Grenzstämme geneigt find, sich beim ersten Signal zu erheben. Die französischen Truppen haben Verstärkungen erkalten, MunittonSvorräthe werden in Elajelsum aufgespeickert.
— Das „Memorial diplomatique" corstatin, daß bis jetzt bei der französischen Regierung noch kein officieller Schritt gemacht worden sei, über gemeinsame Maßregeln gegen den Mißbrauch des Asylrechtes zu berathen. Daffelbe
Blatt fügt hinzu, im Prmcipe sei eS sicher, daß keine europäische Regierung die Verpflichtung von sich weisen könne, zu verhindern, daß ihr Territorium Königsmördern und deren Genoffen Schutz gewahre.
Kußland.
Petersburg, 1. April. Der Beginn des ProceffeS gegen die am Attentat vom 13. März d. Js. Betheiltaten ist nunmehr amtlich auf den 7. Aprl festges-tzl. Ais Ang'k.agte werden aufgeführt: Der Kleinbürger Nikolaus Ruffakoff, die dem Bauernstände angehörigen Andreas Jeliaboff und ThimotheuS Michaiioff, die Kleinbürgerin Heffe Helfmann und die dem Adelsstände angehörige Sophie Perowskaja.
Petersburg, 2. April. Die fortgesetzte Untersuchung wegen des Attentates vom 13. Mär< gegen die noch nicht gerichtlich belangten Bethei- l'.gten führte, wit der „Reg'erungsbote" m Iber, zu der Ueberweisung deS Sohnes eines Priesters, Namens N kolai Kibaltsch sch, an die Gerichte. Derselbe legie während der Untersuchung ein volles Geständig'ß ab und sagte u. A. aus, daß Sprengeschofie, wie die am 13. März geschleuderten und auch in der Teleschnasa-Straß! aufgefundenen, von ihm angefertigt worden seien. — Der „Golos" erfährt, in diesen Tagen sei eine Verfügung, belr. daS Verbot der Einfuhr von leicht entzündbaren Stoffen, erfolgt.
Selrgraphischr Depeschen.
Wolff'» telegr. C-rrespo»be»r-««r<ao
Nom, 3. April. Die zur Fortsetzung dec Unterhandlungen z vischen Rußland und der Curie hier etngetroffenen rufst,chen Abgesandten Moffolow und Buteneff wurden gestern vom Papste und dem Card.nal-StaatösecretLr Jacobini empfangen. Der Papst unterhielt sich mit denselben etwa eine halbe Stunde lang, gab wiederholt seiner Theilnahme und seinem Abscheu über da» Petersburger Attentat Ausdruck und sprach die Hoffnung aus, daß e n festes Einvernehmen zwischen dem Vatikan und Rußland noch vor dem nächsten Feste der slaoischen Apostel Cyrillus und Methodius, welche von den Lateir e n wie von den Slaven gleich sehr verehrt würden, wiederhergestellt werden möge. Der Papst sprach schließlich den beiden Abgesandten seinen Dank aus, daß der Kaiser von Rußland diesen versöhnlichen Schritt unternommen habe.
Washington, 3. April. Der nordamerikanische Gesandte in Berlin, Andrew White, hat dem Präsidenten Garfield sein Eiitlaffungsgeiuch einge- reicht, dir Ernennung seines Nichsolgers gilt für unmittelbar bevorstehend.
Petersburg, 3. April. Anläßlich der gegen politische Meuchelmörder allgemein stattfindenden Kundgebungeci sagt die „Agence Ruffe"^ Rußland werde Niemand Zwang vnihun, die Gefahr sei eine allgemeine, die L>oli,^arität sei eS ebenfalls. Wer wolle, werde sich den Mißregeln anschließen, die man auf dem internationalen Gebiete für nothwendig erachten würde. — In Bezug auf die angebliche Ablehnung der in Konstantinopel vorgeschlagenen Grenzlinie durch Griechenland bemerkt die „Agence Ruffe", btt griechische Regierung habe die Vorschläge der Mächte nicht ablehnen können, weil dieselben ihr noch gar : nicht mttgetheilt seien. Das Einvernehmen der Reaierungen sei auch ein so I vollständiges, daß man für die Annahme der Vorschläge in Athen so gut wie I tn Konstantinopel einen Druck ausüben könne.
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Lokales.
Gießen, 4. April. Schwurgrrichiö»erhandlung am 2. April b. I. gegen Avam Schmidt von Nieder-Efchbach wegen Meineids.
Im Jahre 1878 hotte der Maureimctstcr Hemiich Gruber von Rieder Sickbach für den tyDam Sckmibt von da verschiedene Maurerarbeiten in dessen Hofraithe verrichtet und war Letzterer hierfür dem Ersteren einen erheblichen Betrag sckuldig geworden.
Von diesem Betrage stand zu Anfang deS Jahres 1880 noch ein Rest au«, welchen Gruber auf 58 37 berechnete. Da di« Zahlung diese« ResteS in Güte von Sä>mldt
nicht zu erlangen war, so erwirkte Gruber einen Zahlungsbefehl gegen denselben. Schmidt erhob fedoch Einspruch und wurde hierauf von Gr. Amtsgericht Vilbel Termin zur mündlicher Verhandlung der Sacke auf den 19. Octobir v. I. anbrraumt. In diesem Termine bemängelt' Schmidt insbesondere einen Posten der Klagcrechnung von 5 JL 20 zu dessen Begründunp angeführt war, daß zwei Mann einen Tag im Stalle des Schmidt gearbeitet hatten Schmid, behauptete dieser Begründung gegenüber, es habe nur 1 Mann im Stalle bei ihm gearbeitet und es könne daher auch nur die Hälfte deS Betrags von 5 JL 20 in Ansatz kommen
Gruber schob bicrauf dem Schmidt über den beanstandeten Posten unter Aufrechterhaltung desselben den Haupteid zu, welchen Schmidt sofort acceptirte und auch noch in dem nämlichen Termine wie folgt aussckwur:
„Hch schwöre bei Gott dem Allmächtigen und Allwistenden, daß es nicht wahr "ist, daß noch ein zweiter Mann im Stall gearbeitet hat, so wahr mit „Gott helfe."
Gruber "machte wegen dieser Eidesleistung Meincidsanzeige gegen Sckmidt und nuit' in Folge dessen das vorbercit>nde Verfahren und hiernachst die Voruntersuchung gegen Letzteren
Schmidt ist 39 Jahre alt, evangelisch, verheirathct und noch unbestraft.
Derselbe behauptete zwar bei seiner Vernehmung durch Gr. Amtsgericht Vilbel, sowie auch später bei dem Untersuchungsrichter, er dabc den betreffenden Eiv der Wahrheit gemä^ abgeleistct, da in der Thal nur ein Mann in seinem Stalle gearbeitet, es ist jedoch das Gegen« theil durch 2 unbescholtene und vollkommen glaubwürdige Zeugen erwiesen.
Die Grsckwornen konnten sich indeffen nach dem Resultat der heutigen Verhandlung von der Schuld des An ieki.-gten nicht überzeugen und erklärten denselben für nichtschuldig, worauf Sckmidt von Strafe und Kosten freigeiprocken wurde.
Kiepen, 4. März. Die wahrend der Ostelfeiertage stattfindende Ausstellung d«r bieffaen Vereins für Geflügel- und Vogelzucht verspricht dieSmal eine überaus reichhaltige zu werden da die dafür bereits eingelaufenen Anmeldungen auS allen Theilen Deutschlands, Oestere'ick Jialim und Holland rc. über alles Erwarten zahlreich sind, so daß jedenfalls die nach dem'festgesetzten Termine, 5. d. Mts., noch e.ntreffenden Anmeldungen unberücksichtigt dleiben müff ^^ser außerordentlichen Bethriligung nicht zum kleinen Tbeil daS durch die Vereine geweckte größere Jntereffe bet, io dürften doch auch die für die heurige AuSstellunz für die ersten Preise bestimmten Geld Prämien manchem verlockend gewesen sein. Mag dea jedoch sein, wie ibm wolle, auf jeden Fall wirb dem besuchenden Publikum viel schöneS Geflügel *c. geboten werden.
Auch diesmal wird durch die damit verbunden« Verloofung die Gelegenheit gegeben sein, für geringe« Geld sich die Aussicht auf einen mehr oder weniger großen Gewinn zu verschaffen.
— Heute Morgen gegen 10 Uhr stürzte ein Weißbinder-Lrhrling mit einem Speißkübe! von einer Leiter an einem Hause in den Neurnbäuen. Schwer verletzt wurde «r in di« Klinik verbracht


