Vermischtes.
Mainz, 1. Februar, [golcen der Juvenhctze Im Laufe der vorigen Woche meldeten wir daß in der'Gemeinde Parkenheim die Judenbetze in wahrhaft empörender Weile getrieben worven wäre und daß dieserhalb, ihrer p.-rsönlichen Sicherheit wegen verschiedene Israeliten aus Partenheim Weggehen würden. Die Ltaatsanwaitschaft sah |id) in Folqe dieser * nt- theiluna veranlaßt, Untersuchung einzuleiten und so befand sich vorgestern die hiesige Staats bebörde in Partenheim, um die nöthigen Schritte zur Feststellung der Tbater zu thmi. AlS die Staatsanwaltschaft den Ort verlasien hatte, brach der Scandal wieder von Neuem los und in der darauffolgenden Nacht wurden fast sämmtliche Obstbäume, welche den dortigen Israeliten gehören, ihrer Rinde beraubt. In Folge dieses Falle« der an SchändUchkclt alles bisher Geschehene hinter sich läßt, sind nunmehr umfangreiche Untersuchungen einzeleNet. Leute in Partenheim bedenken wohl nicht, daß nach einem in Kraft bestehenden Gesetze der aanze Schaden der Gemeinde zur Last fällt und von dieser den Geschädigten auSbezahlt werden muß. — Auf gleiche Weise wurden in verfloffener Nacht tn Essenheim einem JSracliten 11 Obstbäume theils ganz abgehauen, tbeils stark beschädigt. — Don der Schiff 'ücke Heute Morgen wurde damit begonnen, die Schiffbrücke wieder aufzuschlagen Es werden indeß e.mge Tage vergeben ebe dieser Verkehrsweg zwischen Mainz und Eastel wieder vollständig hergestellt worden ist — Der Telegraphist, welcher durch unrichtige Angabe am Donnerstag Abend den Zusammenstoß auf der Station Gustavsburg veranlaßte, ist seines Dienstes enthoben und m Änklagezustand versetzt worden.
Handel und Verkehr.
Limburg, 3. Februar. (Frachtmarkt ) Rother Weizen X 19.20, Weißer Wetzen 00.00, Korn X 16.35, Gerste X 10.40, Hafer X 7.18, Erbsen X 00 00, Kartoffeln
X 0.00. (Durchschnittspreis pro Malter.)
Irischdäcker in Gieyen.
Sonntag. Den 6. gtiruar. ®aniel Rühl, Marktstraße. Eduard Roll, Marktstraßc. Emil 3toll, Löwengasse.
Kirchliche Anzeigen
der evangelischenGemeinde ruGießen.
Gottesdienst:
Sonntag, den 6. Februar.
Morgens 9*/2 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann.
Großh. Ministerium deS Innern und der Justiz hat den Jahresbericht des Kaiserl. Deutschen Consulats tn Odessa eingeschickt, welcher werthvolle Winke für Die deutschen nach Rußland arbeikenden Exporteure enthält. Namentlich wird darin hervorgehoben, daß die Annahme irrig sei, es komme darauf an, möglichst billig zu liefern, wenn auch Qualität und Aussehen darunter leiden. Bei Differenzen mit Importeuren sei es geraihen, lieber eine kleine Forderung fallen zu lassen, um die russischen Häuser nicht zu veranlassen, sich an coulantere englische oder französische Firmen zu wenden rc. Dem Berichte sind gutachtliche Aeußerungm angesehener Odeffaer Kaufleute angefügt, welche eine Reihe intereffanter Einzelheiten enthalten. — Die Kammer beschließt, den bett. Bericht 4 Wochen lang in dem Bureau deS Vorsitzenden, Herrn Ed. Silbereisen, zur Einsichtnahme aufzulegen.
Einem Gesuche der Handelskammer Offenbach an die Reichsposiverwaltung, betr. den Neichsposttartf, soll beigetreten und gleichzeitig daS weitere Gesuch beigefügt werden, daS früher statthafte Format für Mustersendungen wieder herzustellen.
Laut Mitthei'.ung Großb. Ministeriums des Innern und der Justiz ist der Freundschafts- und Handelsvertrag zwischen dem Zollverein und Mexico gekündigt worden.
Seit längerer Zeit schon erleiden die von Bremtn, resp. Bremerhafin abgehenden Ladungen Petroleum eine große Verzögerung in Folge des dort herrschenden Wagenmangels. Von bicfigcn Interessenten wurde erklärt, daß Abhilfe nur möglich sei, wenn wahrend der Wintermonale auch die Verladung in kleineren Waggons (von 100 Ctr. Tragt,aft) ohne Erhöhung des Tarifsatzes gestattet würde. Die Kammer beschließt, eine in Dietern Sinne ab- gcsaßte Eingabe an den Minister für öffentliche Arbeiten zu richten.
Der von Großh. Ministerium genehmigte Umschlag auf die Mitglieder des HandelS- standes behufS Bestreitung der Kanzleikosten ist im vorigen Jahr- nicht rechtzeitig eingehoben worden. In Folge deffen ergab sich bei Uebetnabme des Präsidiums durch den derzeitigen Vorsitzenden, daß die Kaffe der Handelskammer gänzlich erschöpft war, ja, daß der frühere Präsident noch eine Forderung von ca. 30 X an die Kaffe halte. Der Vorsitzende tpeilt mit, raß er sofort beim Großh Steucr-Cornmiffariate Gießen Die nöthigen Schritte zur Erhebung der betr. Beiträge gethan habe. Di , . .
Auf Anfrage hat die städtische Verwaltung der Handelskammer ein SitzungSlocal in dem alten Rcalschulgebäude gegen eine Jahresrniethe von 100 X zur Verfügung gestellt. Die Kammer erklärte sich damit einverstanden.
Am Sckluff.' der Sitzung wurden die eingelaufenen Bewerbungen um dre erledigte Handelßkammerseeretärstelle verlesen. Die darauf vorgenommene Wahl fiel auf Herrn Dr. jur.
Jul. Engelmann.
Gießen, 4. Februar. In der gestrigen Versammlung des „Vereins zur Förderung der Sonntagsfeier", welcher auch eine größere Anzahl von Gasten aus dem Gewerdestande beiwohnt', wurde über den Sonntag der Lehrlinge verhandelt. Im Allgemeinen wurde betont, wie Noth es thue, daß die ganze Gesellschaft, m erster Vinte aber die Lehrhericn, sich der jungen Leute, die zum größeren Theil nicht von hier stammen und darum des Rückhalts ihrer Familie entbehren, ernstlich annehmen und einen guten erziehlichen Enfluß aus sie üben. Von großer Bedeutung hierfür sei die rechte Benutzung des Sonntags. Es wurde constatirt, daß es den Lehrlingen im allgemeinen nicht an der genügenden Freiheit des iLonntags fehle, daß wenigstens bet gutem Willen der Meister und der Lehrlinge selbst, in den meisten Fallen tchon em Besuch des Morgengottesdienstes möglich fet, daß es aber an der ernsten Anleitung und Ueberwachung für die Erholung am Sonntagnachmittag und Abend mang5le und daß darin große Gefahren für die jungen Leute liegen. Es wurde daher der Vorschlag gemacht, für die Lehrlinge in ähnlicher Weise, wie es der Volksb'.ldungsverein mit so gutem Erfolg für zwei Wochenabende gethan, auch am Sonntagabend ein Lokal zu eröffnen, in welchem sie gute Bücher und Zeitschriften zum Lesen unterhaltende Sp'ele Gelegenheit zum Briefschreibcn und gemüthliche anständige Unterhaltung stndcn und in dem ihnen so ein gewisser Ersatz für das ihnen entweder ganz fehlende oder ihnen doch nicht genug Anziehung gewährende Familienleben finden. Der Vorschlag wurde ein- stimmig angenommen und der Vorstand beauftragt, die Ausführung noch für diesen Winter in Angriff zu nehmen. Obwohl naturgemäß bei diesem Unternehmen das gemüthliche und gesellige Element mehr in den Vordergrund tritt wahrend der Volks- bildungsverein, bei seinen Wochcnabenden seiner Aufgabe entsprechend die geistige Wortbildung in erste Linie stellt, so würde doch, weil beides einander ja nicht ausschl-etzt, beschlossen, mit dem Volksbildungsverein, sow.e mit dem Gewerbcoerem wegen gemeinsamen Vorgehens in Verhandlung zu treten. Um auch Seilens des „Vereins zur Förderung der Sonntagsfeier" eine finanzielle Grundlage zu gewinnen, wurde beschloßen, alsbald die noch rückständigen Beiträge einzuziehen und den Mitgliedern anheimzugeben, ob sie nicht auch für das Jahr 1880, für welches ursprünglich von einem Beitrag abgesehen war, freiwillig eine Nachzahlung leisten wollen.
ö Gießen, 4. Februar. Bei der Reichsbank ist seit einigen Tagen wieder der Privatdisconto eröffnet.
Wällen auf der Ostftont eine Mine von 125 Pud Pulver gesprengt welche mehrere inn Tefintm verschüttete. Die Explosion der Minen war das Signal für die Kolonnen Kuropatkin's und Koselkoff's zum Beginn der Attake. Beide Explosions- vunkte wurden nach 10 Minuten besetzt. Es begann em blutiges Handgemenge. Der ^eind hielt sich hartnäckig auf den Mauern, der Kampf auf dem Walle dauerte gegen eine Stunde; von den Reserven wurden 2 Bataillone ""d 4 >Komvagnien Infanterie voraewgen. Das Samur'sche Bataillon erstürmte mittelst Lestern den unzerstotten der feindlichen Mauer zwischen den beiden in Folge der Explosion emgeftürzten
Stellen alle Ver"heidiger^auf den Wällen wurden nach verzweifeltem Widerstande weder gern acht. Nachmittags erkletterte die Kolonne Gaidaroff's mittelst
L itern dm südwestlichen Theil der Mauer. Der Kampf begann rm Innern der Festung Um 2 Uhr Nachmittags wurde die, die ganze Festung beherrschende Hugelredoutc Dengiltepe besetzt und wurden wir vollständige Herrscher der Festung. Der §einb flüchtete ließ das Lager sowie seine Habe und ferne Familien zurück. Zur Verfolgung der Geflüchteten rückten eine Division Dragoner, vier Sotmen Kosaken, sechs Kompagnien Infanterie, vier weittragende Geschütze und ein rettendes Grbirgspeleton vor. Der Festid wurde auf eine Strecke von 15 Werft verfolgt und niedergemetzelt Außer m den Gräben, welche mit Leichen überfüllt waren und den wahrend der Mrfolbung der Kavallerie Niedergemetzelten, wurden im Innern der Festung über 4000 Zeichen des Leindes aufgefunden Die Verluste des Feindes sind, nach den frischen Grabern zu urtheilen und nach den eingezogenen Erkundigungen wahrend der ganzen Belagerungs- zeit und während der drei Ausfälle sehr bedeutend gewesen. Wir erbeuteten eine große Anzahl Gewehre, darunter unsere Berdaufl-nten, viele Geschütze, Munstlonsvorrathe, mehrere Fähnchen, eine bebeutexbe Anzahl Kibitken, Vorrathe an Mehl unb Fourage. Viertausenb Familien, barunter brei Jmamfamilien würben oesilngen, außerdem ca. 700 Perser. Unser Verlust in allen Kämpfen vom 1. Januar bis L4. Januar betrug: todt 16 Offiziere 267 Soldaten, verwundet 42 Offiziere 647 Soldaten, kontuftomrt 13 Offiziere 123 Soldaten, 143 tobte unb 121 verwundete Pferde.
Amerika.
Washington, 2. Februar. Der Präsident Hayes hat an den Cou- areß eine Botschaft gerichtet, tn welcher er ein Schreiben bes Sekretärs der Marine mittheilt, daß die Bewilligung eines Credites behufs Errichtung von Marinestationen auf dem JsthmuS von Panama empfiehlt.
San Francisco, 2. Februar. Die Regengüsie dauern unablässig f0Tt, die Ueberfchwemmung in den vom Sacramento und San Joaquim durchströmten Thälern^nimmt immer größere Dimensionen an.
Selegraphtsche Aepeschetr.
Wolff'- telegr. Correspondeuj-Gureün.
Görlitz, 3. Februar. Oberbürgermeister Gobbin, Mitglied des Herren- hauses^^ gestorb n ^^5. Die conseroativen Mitglieder des Unterhauses werden heute bet Lord Beaconsfield zu einer Versammlung zusammentreten, um sich in Betreff der von ihnen zu beobachtenden Haltung gegenüber den von Gladstone beantragten Resolutionen schlüssig zu machen. — Dec Zustand Th°" Berlins 3? Februar Das Abgeordnetenhaus genehmigte in dritter Lesung nach fünfstündiger, aber im Ganzen unerheblicher Debatte den Rest des Etat? unverändert und nahm ebenso das Etatsgesetz an. Jm Lanfe bei Debatte erklärte der Cultusminister sein Einverständnitz damit, daß bet der An stellung von Schulinspectoren den confefflonellen Verhältniffm Rechnung grtra- aen werde' die katholische Geistlichkeit werde nicht principiell von der Schultnspection ausgeschlosien, wie die Verhältnisse im Liegnitzer Bezirk bewie- sen wo allerdings auch das Verhalten der Geistlichkeit gegen die Staatsgesetze' ein anderes sei, als im Regierungsbezirk Oppeln. Was ben Religionsunterricht in deutscher Sprach? angehe, so sei der Regierungsbezirk Oppeln auf dem Sprachgebiete von bedenklichen antinationalen Bestrebungen großpol- niscker Natur nicht ganz frei geblieben Die Regierung muffe verhindern, daß der Bezirk ganz in diese Bewegung hineingerathe. Die Politik der Regierung h-b-ln der^ortigen Gegend ,-hr ersreulühe Cul.mfor.schritte b.« rkt und d e Oppelner Regierung habe mit ihrer Verfügung betreffs des R-lrgwnsuu er- rtchis durchaus die Grenzen der pädagogischen Nothwendigkeit innegehalte«. Bei der Berathung des Verwendungsgesetzes svrach sich Abg- v. Gneist gegen die Vorlage aus und schlug Verweisung an eine besondere größere Commission vor. Der Abg. v. Wed-ll-Malchow tritt für die Vorlage ein und entwickelte den Sieuerresormplan der conservativen Partei, wonach die untersten Stufen der Klaffensteuer ausgehoben und von 9000 M. abwärts eine regressive und von 9000 M. auswärts eine progressive Steuer bis 4 pCt. eingerichtet weisen soll. Die Gewerbesteuer muffe resormirt, die Captialrentensteuer zur Srletch- terung der Grund- und Gebäudesteuer eingesuhrt werden. Nächste Sitzung und
’ — Der permanente Ausschuß des Dolkswirthschastsraths hat heute über die Beitragspflicht der nach dem Unsallgesctz zur Beitragsleistung Heranzuziehenden b-rathen. Di- Vertreter des Arbeiierstandes sprachen sich durchweg kür die Beitraasvfiicht der Arbeiter aus. , m
Petersburg, 3. Februar. In militärischen Kreisen verlautet, General Skobeleff habe Asckabat besetzt und Kavallerie nach Annau dirigirt.
Düfseldorf, 3. Febr. Wie in Folge ergangener Anfrage von authentischer Seite mitgetheilt wird, find die Meldungen r^dttCT,.rrbeär*mC.Tn
gegen einen Sohn des Erbprinzen von Hohenzollern Hierselbst verübtes Verbrechen gänzlich unbegründet. ,, ,, *
Dublin, 3. Februar. Der Stifter der Agrarliga, Davitt, welcher auf freien Fuß gesetzt, aber unter polizeiliche Ueberwachung gestellt worden war, ist heute srüb wieder verhaftet worden, weil er die Bedingungen verletzt habe, unter we'chen 'hm die Fretlafiung gewährt worben sei.
Düsseldorf, 3. Februar. Der «Dusseld. Anzeiger meldet Gestern Morgen um 6 Uhr wurde der Sohn des Erbprinzen von Hoh^ollern, der präsumtive Thronfolger M Fürsten von Rumänien, von drei Männern aus d-m ©arten des Jägerhofschloffes gewaltsam entsührt tn - neu bereitstehenden Wagen gebracht und bei Volmerswerth über den Rhein gesetzt. Bet Stürzel- berg gelang es dem Prinzen, welchem unterwegs das Haar abgeschnitten und die Kleider ausgezogen worden waren, sreizukommen. Derselbe kehrte am Nachmittage zurück. Die Tbäter sind unbekannt. _ .
Lokales.
Gießen, 4. Februar. Sitzung der tzrotzherzoglichen Handelskammer am 251 ^AnwefE'ieHerren: Ed. Silbereifen, Vorsitzender, L. Georgi, Sigrn.Heickel-
Der Vorsitzen^! bringt SEingänge zur Kenntniß der Kammer, welche dieselben tbeilS
C , 2000 aaranttrt worden. Laut Mittheilung der ReichSbankbauptstelle n
LÄL'Lkw h°.sig7n »gentur für das Jahr 1880 645 X 96 s°
(Feier deS hl. Abendmahles.) Nachmittags 5 Uhr: Gymnasiallehrer Stamm.
Freitag, den 11. Februar, Abends 6 Uhr, im Gymnasium: Bibelstunde: Pfarrer Dr. Naumann.
Die Pfarrgefchäfte für die Woche vom 6. Februar bis 12. Februar besorgt Pfarrer Dr. Naumann.


