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-rr. *20». Crrfieg Blatt. Sonntag den 4 September issi.

Kietzener DnMger

Alljkige- nab Amisdlitt sir bta Kreis Gießen.

Erscheint tAßlid) mit Äuino^mr brt Montags.

Preis vterfeljährfich 1 Warf »0 Ps. mit Vrmgkrlohn.

Durch die Post bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Pi.

Betreffend: Zeichenkursus für DolkSschullehrer. Gießen, am 3. September 1881.

Die Großherzogliche Meis-Schul-Commisfion Gießen

an die Schulvorstande des Greises.

Born 26. September an soll em lOtägiger Zeichei kurfus unter Leitung des Herrn Professors Kump a tn Darmstadt abgehalten werden. Lehrer, die nicht auf eigne Kesten oder durch Unterstützungen aus Gcmeu.den, Sparkassen oder anderen öffentlichen Anstalten anwohnen können, erhalten Ersatz ihrer Reisekosten und 4 JL Diäten per Tag aus StaatSm tteln.

Sie wollen die Lehrer Ihrer Gemeinden hiervon in Kenntniß setzen und dahin bedeuten, daß vorzugsweise solche Lehrer berücksichtigt werden, die noch keinem EursuS angewohnt haben.

Anmeldungen sind unfehlbar innerhalb 8 Tagen an uns einzusenben.

Dr. Boekmann.

mehrere Schlüffel, 1 Kinder - Strohhut. Gießen, den 3. Sipttmber 1881

Großherzogliche Polizeiverwaltung Gießen. Fresenius.

Gesuttde » c Gegenstände:

1 bunteS Taschentuch, 1 Medaillon, 1 Shl p-, 1 Cigarrenetui, 1 Stück rothseidenes Band, 2 Kinder-Strohhüte (auf der Wiesecker Ktrchweihe gefunden),

Vin Blitz auö heiterem Himmel.

TumS ist beruhigt", daS un.r in letzter Zeit so die stehende Phrase in den französischen Zeitun-en, mit der die letzteren diegroße französische Na­tion", die dies Meisterstück fertig gebracht halte, beglückwünschten. Wäre die Schreiberei noch einige Zett so » eiter gegangen, so wäre man wahrscheinlich zu dem Resultat gelangt:Tu- - ist durch bte französische Civilisauon besiegt morden." Den Franzosen ist ja Alles zuzutrauen und in Re. ommagen waren sie von jeher ganz besonders groß. F.eilich haben sich die Soldaten der Republik inFieunbe-lanb", denn man führte ja nur Krieg uut den LhrunwS bekanntl ch. jedoch nich: mit den Tuiuseu, nicht brsonderS durch große Ciotli- sation ausgezeichnet, auf ein wenig Brennen und Plündern ist es ihnen durch- ave nicht anpetommen, aber das thut natürlich der Gloire keinen Abbruch weiter. Tunis war also b.ruhigt, Niemand dcchte ernstlich mehr daran, Gam- detla und die Wahlen bildeten allein das Tagesgespräch. Da plötzlich mit einem Male kornu en ganz abionb«rliche Nachrichten von der Nordküste Afrika-, die beweisen, daß dort daS Werk noch lange richt gethan dc,h roch viel aus- zusühren ist, bis w eder Frieden im Lanle herrschen wird. Nach den früheren Nachrichten wußte men allgemein anrehrren. daß d>e französischen fliegenden ttclonren alle größere Trupps von Bewaffneten zerstreut hatten, daß das Schreckgespenst Bou Amei a in d>e Wüste zuiückgetneben, kurz, daß ein nen- nenSwerther Gegner überhaupt iuchi mehr vorhanden sei. Einzelne Räuber­banden durchstreiften wohl da- Land, und mordeten und plünderten, doch koi nie man diesen Guerillakrieg kaum noch mit einer allgemeinen Volkserhebung verwechseln. Jetzt ist daS auf di mal mit einem Schlage anders geworden, an vielen Orten des Lande- tauchen plötzl ch wieder mit einem Schlage große Trupp- bewaffneter Araber auf und reisetzen die fiege-gewiffen Franzosen, die an einen Fdnd überhaupt nicht ehr dachten, in die peinlickste Verlegenheit, dre um so größer ist, a!S sie sich auf ihreBundesgenossen", die tunesischen Truppen, fast gar nicht ver'affeu können. Die Ursache dieser plötzlichen Er­hebung ist etwa- unklar. Es ist möglich, daß die u,.bedachte Thar des fr am »-fischen Obersten Nsgrier, welcher das Grabmal d's heiligen Sidi Scheik zerstören ließ, diese gewaltige Aufregung im Lande verursachte, wahrscheinlicher ist aber noch, daß die Franzosen es hier mit einem lange rorbereiteren Aus­stand zu thun babm, der vielleicht eine Artsicilianische BeSper" für die Fremden werden sollte. Daß die Situation sehr ernst ist, geht jedenfalls daran- hervor, daß die Städte jetzt sorgfältiger bewacht werden, und scharf auf die Einwohner geachtet rdrb. Ein bestimmter Plan scheint jedenfalls bei der Erhebung der Eingeborenen Vorgelegen zu haben, denn es find verschiedene franzöfische Eolonnen zu gleicher Zeil übeif .llen worden. Der Aufstand, der jetzt durch den Fanatismus in Folge *ber Zerstörung deS Grabdenkmal- eine bedeutende Ausdehnung gewonnen hat, kann ungemein gefährlich werden, denn, wie gesagt, selbst die Truppen deS Bcy find ihren Landsleuten freundlicher gesinnt, al- den Franzosen. ES gilt allem Anschein nach einen vorläufigen EntscheidunpSkampf, wer Herr in Tunis sein soll, der Bey oder die Republik, der kaum sehr schnell beendet werden dürfte, und der vor allen Dingen nie «als ganz ruhen wird, so lange die Mischberrschaft in Tunis, und damit ein B«v, noch existirt. Der Bey und feine Minister mögen ihren Unterthar.en Vorreden, so viel fie wollen, um ihren begre flick zu machen, daß die Franzosen nur die Verbündeten deSH'rru des L chtS" und wie d.e Titel des Bev alle beißen mögen, find, die Araber werden nur ihren Lugen und nicht ihren Ohren trauen, und in den Fremdlingen stets nut ihre Unterdrücker sehen, Vie das in Algier sckon der Fall -.st. Was bleibt da weiter den Franzosen schließlich übrig? Das einzige Mittel, welches nach und nach allem zur völligen Beruhigung beitragen kann, ist die Entthronung des Bey, und die Einverleibung Tunefiens an Frankreich. Davon will man freilich officiell in 'Frankreich ebenso wenig etwas wiffen, wie in Oesterreich-Ungarn von der An­nexion Bosniens und der Herzegowina, aber ein anderer Ausweg dürfte kaum -übrig bleiben, weil dieser nur allein Macht zu völlig freiem Handeln giebt.

EL wird bann noch schwere Kämpfe kosten, aber schließlich wird der Zustand doch noch ein weit erträglicherer werden, als jetzt. Man hat in Paris ein Unternehme»» begonnen in dir Occupation von Tunis, deffen Tragweite auf den erstin Bl ck gar nicht abzusehe.» war, daS aber vielleicht den französischen Politikern deshalb so sehr b»hagle, weil sie durch daffdbe gewifferrnaßen noth- gedrui gin in den Besitz von TuniS zu kommen hoff.en. Und hier wird dem Wunsche bald b\t Thai folgen, die Frucht reift zusehends.

FeutschlLUd.

Darmstadt, 2. Septbr. Seine König!. Hoheit der Großherzog haben Allergnädigst geruht:

Am 27. August d. Js. den Finanz-Aspiranten Ludwig Müller ous Richen zum Registratur-Asststenten bei der Registratur oes Ministerium- der Finanzeu zu ernennen.

Großherzogliche- Ministerium des Innern und der Justiz hat be­stimmt, daß bim Unterrichte in ber beatschen Rechtschreibung in den Schulen fortan das ui dem Commisstoi s'.erlag von Arnold Bergsträßer zu Darmstadt erschiinende Büchlein zu Grunde gelegt werde:

Regeln und Wörterverzeichniß für die deutsche Rechtschreibung."

Herauögegeben im Auftrage deS Königl.ch Preußischen Ministeriums der geistlichen, Unteirickts- und Medicinal-Angelegenheiten. In den Schulen des Großherzogthum Hiffen eingeführt durch Verfügung Großherzoglichen Ministe- lium deS Innern und ber Justiz.

Hesterreich.

Ragusa, 1. Skplbr. Die Melbung von ber Einäscherung beS DorfeS Kaitza buich die türkischen Truppen, bei Gelegenheit der Räumung der dritten Zone des von der Türkei an Griechenland abgetretenen Gebiet-, stellt sich nach den an Oit und Stelle eingezogene.» Eikundizungen als unbegründet heran-. In Wirklichkeit handelt es sich dabei um daS Niederbrennen mehrerer Baracken, die die türkischen Soldaten errichtet hatten und die Bewohner deS Dorfes selbst waren es, w-lche Feuer an die Baracken legten.

Telegraphische Depeschen.

Wolff'S telegr- borrespondenz-Bureau.

Berlin, 2. Septbr. Die Sedanfeier tourte hier in gewohnter Weise festlich begangen. Die Stadt ist reich beflaggt, die Straßen find vom Morgen ab durch eine festlich bewegte Menge belebt, die meisten Bureau- und viele Geschäfte find gefchlofien. Ja den Schulen fa den Vormittag- Festacte statt, um 1 Uhr ertönte F stmufik vom Ratdhau-thurme. Für den Nachmittag und Abend find Festversaa.mlungen von zahlreichen Vereinen und Korporationen in AuSfiLt fltaommen.

Hannover, 2 Septbr. Se. Maj. der Kaiser fuhr heute Vormittag 9Vi Uhr in offenem Wagen zum Paradefeld bei Bemerode und wurde in den Straßen der Stadt und auf dem ganzen Wege dorthin von der zahlreichen Menschenmenge mit freudigen Zurufen begrüßt. Se. K. K. Hoheit der Kron­prinz hatte sich eine Viertelstunde vorher in offener Equipaze nach dem Parade­feld begeben. Das Wetter ist trocken, ber H mmel jedoch bezogen.

Hannover, 2. September. Tie große Parade des 10. Armeecorps bei Beme­rode batte einen sehr glänzenden Verlauf. Hunderttausende von Zuschauern aus der Stadt und der Provinz Hannover hatten sich aus dem Par adeselde etngefunben, nament­lich waren sämmtliche Kriegervereine der Provinz Hannover mit ihren Fahnen an­wesend. Se. Maj. der Kaiser, welcher in Bemerode zu Pferde gestiegen war, traf um IQi 4 Uhr auf dem Paradefelde ein und wurde von der versammelten Menge mit enthusiastischen Zurufen begrüßt. Ihre Kgl- Hoheit die Frau Prinzessin Albrecht wohnte der Parade in einem sechsspännigen Wagen bei. Nachdem Se. Kgl. Hoheit Pnnz Albrecht den Frontrappon überreicht hatte, ritt Se. Majestät die Fronten der m zwei Treffen ausgestellten Truppen ab. Das erste Treffen, welches General-Lieut«ant