FeutlHland.
Berlin, 30. Mar. Die heutig Frühjahr-.Parade der hiesigen ®ar» r.ifon vor dem Rauer auf dem Tempelhofer Felde nahm bei herrlichem Wetter einen glänzknden Verlauf. Der Knler, der Kronprinz, die übrigen Prinzen drs königlichen Hauses und sämmtliche Prinzessinnen, welche mit der Großber- zogm-Mutter, der Großherzogin und der Erbg^oßherzogin von Mecklenburg. Schwerin der Parade zu Wagen beiwohnten, wurden auf dem Hin- und Rückwege von der in den Straßen massenhaft angesammelten Bevölkerung mit jubelnden Zurufen begrüßt. Zu dem im Weißen Saale heute Nachmittag stat sii der.den Paradediner sind 370 Einladungen ergangen. Großhrrzog und Elbzroßherzog von Mecklenburg nehmen an demselben Theil.
AranLreich.
Paris, 30. Mai. Nachrichten aus Rom behaupten, eS hätten vertrauliche Vorverhandlungen zwischen der deutschen Reichsregierung und dem Vatican stattgesunden, um die Frage der Ernennung eines CapitularvicarS für die
' mit Jrtd )en. k-SK. 1.
D.
Sbdjtn sucht eten.
Exvedition
5 Zimmel lli 111 80; Mrich.
SSrnFtn ör ift prr n. öieinstraßk.
Ift otoc^p
Jlojiä ao' tbm.
l?v ni
r Damr m
mchl Stelle nemyotgut
^prbition
seilen bei wpp, er, ebberg, erber. b:t en, roerb'rr fferten >ub -Expeblwn
läbchen auf
m gflbtn- n bit gtbrt Zchreiner _ Amädchen, vcn'ehen ist, g $ lit inde •rn dauernd [berühmtes scheu wate.
»r die (3.<S
■aunschweig-
send.
Tie S«' da vieler, man NF 1 izeigew- vMund n llschungr» ht unnut wir. & | tinSe'p-
In biticn vÄ>E fatytaU (tränte ff ©eite su- obiqt. * eridjicne« , veri^?; eitet teile te.
E- nde Lande, trbtiihi”8-
ach*
anj>—
«r. 127.
Freitag den 3. Juni
1881
Meßmer Hlmeiaer
Anikize- n»b AmtsdlM für Örn Kreis Kieken.
flurcau t Schuistratze B. 18.
Erscheint täglich mit Ausnahme deS Montag#.
Preis viertelsSkiVllch 2 Mark 20 Ps mit Vriny-rleh Durch bie Poft bezogen vierteljährlich 2 Mark 50 Ps.
Amtlicher HHeil.
B c k a ii ii t m a ch u n q.
tm G.°ßb?r7^hum'Hche7«t^ bn h-t der «öln.sch.n Uvfall.Brrfichrn,ng«.«cIiaigrsrll,ch°fi ,u R6ln bk Srlavbniß
(Biegen, am 1. Juni 1881. GroßherzoglicheS KreiSamt Gießen.
________________________________________________ Dr. Boekma n'n.
zum Geschäftsbetriebe
Bekanntmachung.
k . _ ..au6n»ben f6t «'»kamt bereit- bestehenden beiden Zahltaarn - Dienstag und Samstag - »erben vom 1. Juni Ifb. I«. ab aud> nod> an «N bU*u7r"v^nomm?n°' § tbm EK'ttwoch, Donnerstag und Freitag, jedoch an diesen nur Vormittags von 9-12 Ubr, Kaste.Geschjste jeder (Bteßrn, den 28. Mai 1881. Großherzogliche- Rentamt Gießen.
____________________________Gchltep hake.
Betr... Sang dkl DekanatSbokn. Lang.Gön«, den 1. Juni 1881.
Das Großherzogllche evangellsche Dekanat Gleßen
an sämmtliche Pfarrämter des Dekanats.
Der nächste Gang de- Dekanat-boten findet Mittwoch den 8. und Donnerstag den 9. Juni statt. _____________ Strack.
Eine Utopie gegen eine andere.
Man diSputitt gegenwärtig „)ur Lösung der Handwerkerfrage* die Wie- | drreinrtchtung obligatorischer Innungen, oder doch wenigstens von Innungen, i zu denen der Beitritt durch gewisse wichtige Vorrechte, die man den Mitglte- dern zu geben gedenkt, tndirect erzwungen wird. Was durch solche Innungen wirklich bewirkt werden map, bleibe dahingestellt. Tie Lösung der Handwerker- . frage oder auch nur eine allgemeinere Besseistellung der Handwerker-Existenz I fördern sie aber sicher nicht.
Die zunehrnei.de Roth des Handwerke- resultirt nicht auS der Auflösung I der früheren Handwerkerverbände, sondern, wie diese, aus der Umwandlung 1 der ProducuonSformm auS dem isoltrttn Betrieb in die cooperative, fabrik- mäßig.kapitalistische Arbeit-weise. — Man mag die Zahlen der noch selbstständigen Gewerbetreibenden noch so geschickt zusammenstellen und künstlich vergrößern I durch die Zahl von solchen, deren Selbstständigkeit nur ein Schein ist, die Thatsache ist nicht Hinwegzudeuteln, daß der Kleinbetrieb dem Großbetrieb er- i liegt und logischer Weise auch erliegen muß: D'e Anforderungen, welche der Productiv»-stand und die Markt- und Handel-gestaltung der modernen Social- exoche an die Gewerbetreibenden stellen, find um so besser zu erfüllen, je mehr Eapit^lskrast und kaufmännische Umsicht und Energie di.sen zur Versügu g steht; und eben darum wird der H ndwerker in der Corcurrenz mit der großen Industrie immer im Nochlbetl sein und e- beständig mehr werden, je weiter wir in der Entwickelung der Großwinhschaft fortschrciten. Dieser Halt zu gebieten, ist nicht möglich, und wäre eS möglich, so würde es unzulässig । sein, weil nur e ne entwickelte Großproduktion höhere Consum Gewohnheiten erzeugen und zugleich befriedigen kann. Nur wei n es ge'änge, die Handwerker mit denselben Kräften auSzustatten, wie sie da- Capital und die kaufmännisch ! geleitete Industrie besitzt, wäre es denkbar, daß eine Löiuna der Handwerker, frage bewirkt würde; avderr.falls besteht die Lösung in der Auflösung des ‘ Handwerks.
DaS einzige Mittel, den Handwerkern bie Möglichkeit einer erfolgreichen Toncurrenz mit dem privaten Großkapital in die H^nd zu geben, wäre die Cooperation der Handwerker, nicht in Innungen, wohl aber in producirenden Verbänden, und bie Ausstattung dieser Veibände mit großen, nötigenfalls i staatlicherseits hergeschoffenen Mitteln. — Die Consequenz eines solchen Ver- fahren- wäre aber die Arbeiter-Productiv-Genoffenschaft überhaupt, denn es ist nicht einzusehen, wesdalb die Selbstarbeit nur im Handwerker und nicht auch I im allgemeinen Arbeiter unterstützt und gefördert werden sollte. Wirthschaft- liche Cooperationen der Handwerker, deren Leistungsfähi^ke t durch staatliche Hülfe geschaffen und gesichert ist, führen zweifellos zur Arbeiter-Productiv- । Genoffenschaft.
Immerhin werden die Wege zu erörtern sein, die zu solchen Organi- i fatsonen der Handwerksarbeit und damit zu dem ewngen Mittel führen, : dieselbe vor der Aussaugung durch die kapitalistische Industrie zu schützen. Sls । kin solcher Weg möchte folgender zu beachten sein: Die Handwerker der näm- . üchkn Stadt treten zusammen, und errichten ein gemeinschaftliches, gut kaukwän- - nisch geleitetes Vertriebsgeschäft. - In demselben finden alle Daaren ihrer Arbeit Aufnahme und nach Möglichkeit entweder volle Bezahlung oder eine prov. Bezahlung durch Voischüffe in geeigneter Höbe. — Tie Leitung des Vertriebs- geschäftes hätte denn auch die Beschaffung der Rohmaterialien unter den Mgeu Chancen des Großbezugs zu bewirken und ihre Vertheiluna unter die einzelnen Mitglieder der Corporation entweder gegen Baarzahlung Credit oder ms Grund eines Conto Corrents zu besorgen. (Einen Anfang hierzu haben, wenn wir nicht fein irren, die vereinigten Schuhmacher in Gießen schon gemacht. Die Red?>. Ihr fiele auch die Aufsammlung und Verwerthung der
Abfälle zu, die sie, weil tm Großen und kaufmännisch, vorthetlhafter bewirken kann, als der Einzelhandwerker. — Zwischen den Geschäften der verschiedenen Orte könnte nützlich auch ein Geschäftsverkehr derart stattfinden, daß die localen Conjuncturen den verschiedenen Orten zu Gute kommen, und Waarenmangel an bem tmtn aus dem Waarenübetfluß eines anderen Ortes Bedeckung findet.
Leicht zu bewirken wäre eine Verbindung dieser Productiv- und Vertriebs- Genoffenschaften mit den Zwecken von Consumveretnen zur Beschaffung billiger TebrnSmittel. Zu vervollkommnen wäre die Institution dadurch, daß der Ver- band für eine gemeinschaftliche und für Alle ausreichende centrale Betriebskraft sorgte und die nöthigen und vortheilhaften Arbeitsmaschinen anschaffte, die alS- dann den Mitgliedern in der jeweilig geeigneten Weise und gegen den paffenden Entgelt zur Verfügung zu stellen wären. — Die Folge einer solchen Ausdehnung der Wrrkungsthätigkeit der Genoffenschaft wäre die räumliche Concentration deS localen Handwerks und die Herrichtung von Werk- und Wehnungsräumen um den Centralmotor durch den Verband.
Die Vortheile einer solchen Einrichtung find augenfällig. Sowohl in Production alS im Vertriebe erlangt durch dieselbe der einzelne Handwerker und Arbeiter die Derfssgung über dieselben günstigen Dedlngungen, M die Jndustr e dem Handwerke jetzt überlegen machen.
Die Frage der Mittelbeschc.ffung ist die heikelste in diesem Project, wenn daffelbe allgemeiner zur Durchführung gelangen sollte. — Man hat in biß zu bedenken, daß eine gewiffe objectire Sicherheit der in solchen Unternehmungen angelegten Capitalien einmal durch die Waarenerzeugung der Affo- ciation und durch die dabei möU'che eventuell staatliche Controle und andererseits durch die Verbildung ter localen Genossenschaften eine- ganzen Laute- gegeben ist, welche letztere gestattet, die Production dem Bedürfniß aozupafien und übermäßige Ueberproductionen zu verhindern. ES wäre darum nicht aus- geschloffen, daß das Capital auf dem Wege einer privaten Finauzlrung gewon- nen würde, »umal da eint sichere, wenn auch billige Verzinsung deffelben möglich ist. Im Nothfnlle würde eine staatliche Garantie, resp. die Herschießuna ftaat» licher Mittel ersprießlich sein.
Sin solches Project mag utopistisch erscheinen, allein noch viel utopistischer, wenn man dabei im Ernst an die Lösung der Handwerkersrage denkt, und dab-i völlig nichtig ist die vermeinte Wirkung der ZwangSinnungen; und wenn man sich einmal in Utopien bewegt, so mag man sich auch einmal eine solche vorführen lassen, die, wenn sie sich doch möglich erwiese, wenigstens den ihrer Idee zu Grunde liegenden Zweck erfüllen könnte.


