Ausgabe 
3.3.1881
 
Einzelbild herunterladen

des Auswärtigen, Baron v. Lynden, eine Interpellation bezüglich der Haltung der Regierung gegenüber dem Kriege im Transvaal-Lmde dahin, die Regie, rung müsse im Interesse der Niederlande Neutralität beobachten, irgend eine Vermittlung sei ohne Mitwirkung der Kriegführenden nicht statthaft. Die Regierung werde aber nicht aufhören, ihren Einfluß bei dem englischen Crbinet zur Beendigung des Krieges geltend zu machen, das englische Cabinet wisse, daß die Regierung der Niederlande bereit sein würde, aus die Erreichung diese- Zieles hinzuwirken.

Athen, 1. März. Dte Deputtrtenkammrr sprach heute zu der vom Minister-Präsidenten Komunduros am Sonnabend den Vertretern der Mächte erthetlten Antwort einstimmig ihre Zustimmung aus und ging dann zur Tages- ordnung über. Es geht hier das Gerücht, daß dte albanesische Liga die Autorität der türkischen Behörden in Prisrend und Dervend beseitigt und diese Städte besetzt habe.

Eine neue englische Niederlage.

Die Ereignisse in Südafrika entwickeln sich mit überraschender Schnelligkeit In den letzten Togen des November versuchte ein Boer in Potchefstroom die repu­blikanische Flagge aufzuhissen, ein englischer Officier schoß ihm durch den Arm. Das war das Zeichen zur Erhebung. Kaum sind drei Monate seitdem verflossen, und schon befindet sich, mit Ausnahme von sieben Garnisonorten, das ganze Transvaal, das doch so groß ist'wie Deutschland, im Besitz der Boeren- Die nördliche, ausschließllch von Solländern bewohnte Hälfte von Natal befindet sich im gehei lten Aufstande gegrn die ngländer, indem alle waffenfähigen Männer nach Transvaal abgerückt sind, und wenn der Oranje-Freistaat sein Loos nicht bereits mit dem seiner Brüder in Transvaal ver­knüpft hat, so ist dies blos dem Einfluß des vorsichtigen Präsidenten Brand zu danken. Die englische Presse, die sich zu Anfang des Krieges in gehaltloser Prahlerei, in Ruhm­redigkeit und Verleumdungen erging, erkennt jetzt widerwillig einerseits die Stellung der Boeren als kriegführender Partei, andererseits ihre humane Handlungsweise gegen­über den Verwundeten an. Einzelne Blätter, und wir nennen in erster LinieDaily News", thun dies auch in einem hock achtungswerthen Zuge von Selbsterkenntniß Auch die englische Politik hat sich bereits mit dem Gedanken vertraut gemacht, den Boeren wenigstens einen Theil ihrer Unabhängigkeit zurückzugeben. Trotzdem sind die Friedensunterhandlungen gescheitert, und zur großen Verwunderung Derer, die an ihrc.t Erfolg glaubten, hat Präsident Krüger von Transvaal in einem an den Volks­rath des Oranje-Freistaates gerichteten Briefe die Freiheit Südafrikas vom Zambesi bis zur Simons-Bai in Anregung gebracht. Alles dies hat sich, wie oben erwähnt, in der kurzen Spanne Zeit von drei Monaten vollzogen. Das wichtigste Ereigniß für Südafrika aber waren innerhalb dieser drei Monate die vier aufeinanderfolgenden Niederlagen der Engländer. In der schnellen Entsendung von Verstärkungen haben die Engländer ganz Außeroidentliches geleistet; der Führung der Truppen auf dein Kriegsschauplatz läßt sich dagegen kaum dasselbe Lob spenden. Ungerechnet jene letzte Niederlage, von der wir heute hören, Haven die Engländer bisher mindestens 600 Mann an Todten und gewiß ebenso viel an Verwundeten und Gefangenen verloren, während die Boeren blos verschwindend kleine Verluste erlitten. Es ist das erste Mal seit dem Krimkriege, daß die englische Armee ihre Kräfte im Kampfe gegen einen Feind europäischen Stammes erprobt, und die Ergebnisse können in Anbetracht des Umstandes, daß der Feind weder Geschütze noch militärische Schulung besitzt, ganz gewiß nicht als aünstige betrachtet werden. Den englischen Soldaten erwächst daraus kein Vorwurf, denn sie scheinen sich wie die Löwen geschlagen zu haben.

Was nun die militärische Lage kurz vor diesem letzten Treffen anbelangt, so hatte der kürzlich in Südafrika eingetroffene General Sir Evelyn Wood dem in seinem Lager von Langs Nek eingeschlossenen englischen Oberbefehlshaber glücklich etwa 1500 Mann Verstärkungen zugeführt. Weitere Verstärkungen waren auf der Strecke Durdan- Maritzburg-Newcastle in Anmarsch. Die Zahl der zur Zeit in Newcastle und Colley's Lager vereinigten Truppen mochte sich auf 2500 bis 30U0 Mann belaufen. Es hieß nun, daß auf zwei Linien gegen Transvaal vorgegangen werden solle; Colley wollte abermals versuchen, den Paß von Langs Nek zu erzwingen, während Wood über den Büffelstrom gegen Wakkerstroom vorrücken und solchergestalt die Bauern durch Um­gehung zum Aufgeben ihrer Stellung nöthigen sollte. Ob Wood bereits mit einem Theile der Truppen abgerückt war, ist unbekannt, aber nicht wahrscheinlich, da es hieß, er habe sich nach Maritzburg begeben, um zunächst weitere Verstärkungen herbeizuführen. Inzwischen hatte Colley, sei es auf eigene Verantwortung hin, sei es nach gemeinsamer Berathung, einen abermaligen Angriff unternommen, der abermals unglücklich für die Engländer abgelaufen ist. Der Angriff scheint mit zwei Infanterie Regimentern oder vielmehr Bataillonen mit Artillerie nnd jedenfalls auch nut einer starken Zugabe von Cavallerie ausgeführt worden zu sein, und man kann kaum amubmen, daß weniger als 1500 Engländer im Feuer aewesen sind. Von diesen hat das 60. Regiment, das schon beim ersten Angriffe auf Langs Nek so gioße Verluste erlitt, sich glücklich durch­geschlagen, die 59. Hochländer aber, die erst kürzlich von Afghanistan (wo sie mit General Roberts den denkwürdigen Marsch nach Kandahar ausgeführt) eingeti offen sind, sollen gänzlich vernichtet fein. Ob der englische Oberbefehlshaber s lbft gefallen, steht noch nicht fest.

Es wäre sehr zu wünschen, daß die Engländer nickt hartnäckig auf dem Ge­danken der Eroberung von Transvaal besteben. Daß sie die Mittel dazu besitzen, steht auch jetzt noch ziemlich außer Zweifel; es fragt sich blos, ob die Opfer des Preises werth sein werden. Kürzlich gelangte eine interessante Mittheilung zur Capstadt, die nämlich, daß Krüger ein paar Matebele-Fürsten, u. a. der älteste Sohn des Zulnkönigs Moselckatze, bei sich habe, um durch ihren Einfluß den Boeren, falls sie geschlagen würben, eine neue Heimath nördlich von Transvaal im Matebelen-Laude zu gewinnen. Und dabei möchten wir zum Schluffe fragen: Sollte nicht die deutsche Reichsregierung wenigstens in einer neuen Heimath den Boeren ihren Schutz angedeihen lassen, nach­dem dieselben sich schon mehrmals Anknüpfung suchend nach Berlin gewandt haben?

(Köln. Ztg.)

Lokales.

Gießen, 2. März. Der Fastnackt-Dienstag vertief im Ganzen ziemlich ruhig. Außer einer Anzahl Schauergestalten, welche auf Der Straße die liebe Jugend nach sich zogen, war von Maskenscherz nickts zu verspüren. Dagegen schien der gestrige Tag und die verflossene Nacht gewissen Grs'üsckaftskreisen willkommene Gelegenheit zu sein, Ihrer gegenseiligen Zu­neigung Ausdruck zu geben. Gestern Nachmittag und heule Nacht setzte es in verschiedennr Straßen richtige Hiebe ab und wurden die ^rügellustigen sämmtlich von der Schutzrnannschast abgefaßt und demgemäß zur Anzeige gebracht.

Ein Studiosus, welcher verflossene Nacht bei einer Uebertretung betroffen wurde und dabei seinen Namen verweigerte, hatte das Vergnügen, sich die neue Arrestzelle in der Weidengaffe von innen zu betrachten.

Vermischte-.

^Zerstreutheit.) Zu den zerstreutesten Menschen gehörte der Gothaiscke Eoncert- meister Benda. Er war es, der, als er ein Clavier in dem Gothaischen Schlöffe stimmte, plötzlich aufsprang und in's Vorzimmer lief, um zu bäten, wie das Clavier anschlage. Er ging, nachdem et schon seit vier Wochen eine andere Wohnung bezogen batte, nach einem fröh­lichen Gastmahle in seine alte Wohnung und versetzte die n-ue Bewohnerin, weiche eben in ihr Bett steigen wollte, in nickt geringen Schrecken. Er sagte seiner Tochter, d:e ihn am Todestage seiner Gattin nach Der Anordnung des Begräbnisses fragte: ,,Loltchen, frag Du die Mama.'' Er ging auf s Sckloß, wohin er gerufen wurde, indem ex den Stiefelknecht un er den Atm nahm, den er für eine Partitur hielt.

R Frankfurt a. M., 28. Februar. In Dm heutigen VerwaliungSratbs - Sitzungen Der Versicherungsgesellschaft Providentia und Der RückversicherungSgesellschaft Providentia kamen die Geschäftsabschlüffe pro 1880 zur Vorlage. Dieselben liefern seht veftieDigende Resultate, indem die erstgenannte Gesellschaft eine Dividende von 32 JL pro Actie = 182 3 o 0 (gegen 25 JL = 14 ?/12 o/o im Vorjahr), die RückversicherungSgesellschaft für den dreiviettel- jährigen Betrieb eine Dividende von 14 per Actie = 9 V3 % pro anno vertheilen wird.

Berlin, 25. Februar. Welche seltsamen ErwerbSzweige das vielgestaltige Leben ter Großstadt producirt, kam gelegentlich einer Verhandlung zur Sprache welche, wie Die Staats­bürger.Zeitung mitiheilt, Dieser Tage vor dem Charlottenburger Schöffengericht geführt wurde. Ein Mann, welcher beschuldigt wurde, Leimruthen für den Vogelfang ausgelegt zu haben, behauptete, daß er nicht Vögel, sondern Frösche habe fangen wollen, und entpuppte sich unter Berufung aus Das Zeugniß Des Dt. Hermes als Haupt-Froschliesetant deS Berliner Aquariums. Derselbe lebt ausschlleßlich vom Froschfang und hat im Winter ein wohlaffortirtes Lager von etwa 10,000 Fröschen, welche zum Füttern Der Schlangen an das Berliner Aquarium abge­liefert und im Dulchschnitt pro Stück mit beinahe 3 H, pro 18 Dutzend mit 6 bezahlt werden. Em anderer Lieferant bat, wie weiter zur Sprache kam, Dem Aquarium nichts als Regenwürmer zu liefern, welche pfundweise bezahlt werden und so viel wie gutes Rindfleisch kosten.

Internationale Ausstellung für Ledet, Lederwaaren, Gerbstoffe und Rauchwaaten in Frankfurt a. M. 1881. Das Iaht 1881 wird für Frankfurt a. M bekanntlich ein an Aus stellungen sebt reiches sein. Neben einer Allgemeinen Patent« und Musterschutz-Ausstellung, einer Frankfurter Lokalgewerbe-Ausstellung, einer Balneologischen und einer Deutschen Gartenbau Ausstellung findet nunmehr auch eine Internationale Ausstellung für Leder, Lederwaaren. Gerb­stoffe und Rauckwaaren statt, die folgende Gruppen umfaffen wird:

1. Ledet aller Art, vermittelst vegetabilischer oder anderer Gerbstoffe hergestellt, auch gefärbtes, lackirtes u. s. w.

2. Lederwaaren aller Art, als Schuhwaaren, Riemen, Sattlerarbeiten (auch Iagd- artikcl, Reiseutensilien :c.), Wagenbauarbeiten, Portefeuillewaaren, Handschuhe, Militair^Aus­rüstungs-Gegenstände, Secklerarbeiten u. s. w.

3. Erzeugnisse Der Kürschnerei unD Rauckwaarenfätberci.

4. Lohgare und halbfertige LeDet, in- und ausländische Häute, Felle und Rauchwaaten.

5. Gerbstoffe, Chemikalien, Fettstoffe, Lacke, Farben, Appreturmittel und ConsetvitungS - materialien.

6. Gegenstände aus Abfällen Der Leder- oder Lederwaaren-Fabrikation hergestellt, als rohe und gewaschene Borsten und Wollen, sowie Gespinnste daraus, Roßhaare und Roßhaar gespinnste, Kuh- und Kälbethaare und Daraus gefertigte Gegenstänve, Leim, Kunstleder u. s. w.

7. Ledet-Imitationen als Ledertuche, Wachstuche, lackirte Neffel, imitirte Pergament? u. s. w.

8 Sämmtliche in bet Gerberei, bei bei Lederverarbeitung, sowie bei bet Fell- uno Rauchwaarenverarbeitung, ßcimbereitung re. zur Verwendung kommenden Maschinen, Motoren, Werkzeuge, Utensilien unb Fournituten

9. Fachliteratur, Modelle und Pläne

10. Gegenstände der Industrie, zu denen Ledet mit verarbeitet worden, als lederbezogene Möbel, Tapeten aus Ledet u. s. w.

11. Gegenstände von historischer Bedeutung aus Leder angefertigt ober sich auf die, auf Der Ausstellung vertretenen, Gewerbe beziehend.

12. Alle unter 1 11 nicht benannten Gegenstände, die in die auf dieser Ausstellung vertretenen Fächern einschlagen.

Die Betbeiiigung Der Industriellen an dieser Ausstellung verspricht eine sehr bedeutende zu werden, da schon eine große Anzahl von Anmeldungen aus dem Deutschen Reiche und dem Auslände vorliegen. In dem Programme, welches bet AuSstellungs-Vorstanb ausgegeben hat, wirb ganz besonbers betont, baß nicht sogenannte Schaustücke, sondern nur solche Maaren, wie sie bet Fabrikant wirklich in Der Regel liefert, zur Ausstellung gelangen sollen, wie überhaupt die ganze Tendenz bet Ausstellung bahin geht, Dem Fabrikanten neue Absatzgebiete, bem Consu- menten neue Bezugsquellen zu erschließen. Es ist deshalb für een Aussteller auch Aussicht vorhanden, die mit bet Beschickung verknüpften Ausgaben bald vielfach wieder eingebracht zu sehen. Hervorragende Aussteller sollen mit goldenen, silbernen und broncenen Medaillen prämiirt werden, n obel aber immer Rücksicht darauf genommen werden soll, nur solche Firmen auszu- zeichnen, Die keine Schaustücke, sondern marktgängige Maaten vorsühren

Anmeldungen zur Ausstellung werden vorerst nock unbeschränkt angenommen.

731) Ueber die Höhe der Kosten, welche die Einrückung einer Anzeige in eine oder mehre Zeitungen verursacht, wird man sich niemals enttäuscht sehen, wenn man von der Annoncen - Expedition von IIA ANB.XSTEltU *<_ VOGLER in Frankfurt a M. (Karlsruhe, Stuttgart oder München) zuvor Auskunft einfordert, die auch hinsichte der für den jeweiligen Zweck geeigneten Blätter auf Grund reicher Erfahrungen und gründlicher Beobachtungen zuverlässigen Rath ertheilL

Allgemeiner Ausverkauf«

1389) Da ich mein Ladengeschäft nur noch einige Monate beibehalte, verkaufe um rasch zu räumen mein jetzt vollständig assortirtes Lager in s/<, 11/s> 6/<. 10/4 und l2/< Leinen und Halbleinen, Madapolam, Cretonne, DowlaS, Hemdcntuch. Hemdenetnsätzen, Kragen und Manschetten, Handtüchern, Ltschreug, Taschentüchern rc., sowie Bettwaaren, Bettfedern und Daunen, weißen Gardinen, schw. Cachemir rc., zu bedeutend ermäßigtem Preis und bitte um geneigten Zuspruch.

Auch habe vorzügliches Maschincngarn stets in allen Nummern vovrathig. Mit Hochachtung

Herrn. Aug Müller, Schulstr-ße. Das Geschäft ist in der R gel Mittags von 121/*2Vi Uhr geschlossen.

Die fürbcrci u. chemische Waschanstalt

von (721

vis-ä-vis dem < Sonnenstraße

Clubgebäude B. 60

empfiehlt sich tm> Waschen und Färben der Damen- und Herren- Garderobe (unzertrennt), Fußteppiche, Möbel- und Dorhangstoffe.

Anzeiger.

Manntnmdjung.

'325) Sämmtliche verfallenen Pfänder müssen längstens bis zum 20. Mär; d. Js auSgrlöst oder prolongirt werden, andernfalls solche ;ur öffentlichen Versteiqerung kommen. ____________K. Grünebaum.

Auswanderer ""ME- nach Ainerika erhalten billigste unv reellste Beförderung mittelst Post-Dampfer des Norddeutschen Lloyd in Bremen, durch die Agentur von 1069

J. M. Schulhof.

UeberfahrtSpreis von Bremen nach SO Dtark,

________u___________2______'1_ Baltimore 90__ Stiihtifcfje Xjanöcfe Sdjufe (pknstonal) in Marktbreit a. Main. Die Reisezeugniffe berechtigen zum einjährig-sreiwill'gr'n Dienste. Beständige Aussicht; mäßiges Honorar. (93g