Nr. S2
Donnerstag den 3. März
1881.
Meßencr Mmeiqer
AWgk- Iikblett für i?n Kreis Gießen
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GrZedttionAburea« : / (-chulüraße B. 18.
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Deutschland.
m. Darmstadt, 1. März DaS soeben erschienene Regierungsblatt vulliciit zwei vom 23. Februar d I datirte Gefeße in Betreff deS .Rechnungsjahre« für den HauS- bait der Provinzen und der Kreise und in Betreff deS 9technungsjahreS für den G-meindehauSbalt 9kach den Artikeln 1 beider Grstße beginnen die betreffenden Rechnungsjahre vom 1 April 1881 an mit dem 1. April und schließen mit dem 31 Mörz de« darauffolgenden Jahre« In ersterem Gcsetze ist weiter bestimmt, daß die Provinzen und die Kreise für die Zeit vom 1. Januar bi« 31. März 1881 den vierten Tbeil ber für da« Jabr 1880 vorgefebenen Beiträge von d«n Kreisen und den Gemeinden eiheben und daß da« m t der AuSfübiung de« GefeneS beauftragte Ministerium deS Innern und der Justiz insbesondere den Zeitpunkt der Aufstellung de« Voranschlags der muth- maßlichen Einnahmen und Ausgaben der Provinzial- und Kreiskassen, vorbehaltlich anderwe,ter Fixiinng bind) statutarische Anordnungen, bestimmen wird. Dem Ausschlag b'T Eommunolsteuern für da« erste Vierteljahr des JabreS 1881 wer den die Lteucr- kopitalien zu Grunde gelegt, b e für da« Rechnungsjahr deS Staate« 1880—81 ermittelt sind DaS Ministerium br« Innern unb bcr Justiz wird gleichfalls insbesondere die Fristen zur Vorlage und Einsendung deS Gemeind.Voranschlag« und zur Abgabe der Rechnungen allgemem, vorbehaltlich andermeiter Fixirung derselben durch statutarische Anordnung, bestimmen.
Berlin, 27. Februar. Mitten in den Festlichkeiten zu Ehren der Hochzeit eines Prinzen, von dem Jedermann hofft, daß er dermaleinst in glücklicheren Zeiten »um Segen M BaterlandeS den preußischen Königsthron zieren werde, schweigt der Etre t der politischen Parteien. Die Begrüßung der anmuthigen, lirbenswürdigen Braut am Brandenburger Thore durch die Stadtbehörden BerlitS bild«! für die Berölk.rung der ReiLSbauptstadt den wichtigsten Moment der ganzen Feier. Die kurze schlichte Rede deS Ober- bürgermeist rS v. Forckerbrck, die einfache freundliche Antwort der Pr'nzeffln, dazu die Tbränen freudiger Rührung in den Augen der Kronprinzessin, — eine her-l chcre Einführung d-r Schlekw g Holstkinischrn Herzog-.Tochter in Berlin als d.ffen künftige M lbürgerin, wäre r icht möglich gewesen. AlS ein gute- On en für seine liberale Zukunft wird die Zrffammensetzimg der auS dem Oblrbürgermeister und dem Stadtverordneten-Vorsteher und deren Strlloer- tretern bestehenden städtischen Empfang-.Deputation geltin: neben Obrrbür- gerwefster o. Forckenbeck der altliberale Bürgermeister Duncker, und die fortschrittlichen Abgeordneten Dr. Etraßmonn und Dr. Virchow, letzterer als Ltrllverireter des Ltadtverordneten-Vorstcherß. Die Bevölkerung Berlin- ist der zuversichtlichen Hoffnung, daß die freisinnigen Grundsätze, welche diese mittelbar und unmittelbar von der Bürgerschaft gewählten Männer in der Stadtverwaltung vertreten, in nicht zu weiter Zukunft in der Reichs- und Ltaatkregierung zur Geltung kommen müffen.
— Die Fortschritt-.Fraktion hat turch den Abg. Dr. Mendel den Antrag eingebracht: „Der Reich-tag wolle beschießen, die Wahlprüsungs« Eomo iiflon zu beauftragen, dem Reichstage über die am häufigsten vorkom- menten Verstöße gegen da- Wahlreglement vom 28. Mai 1870 und die mit Rücksicht darauf i.othwendig erscheinenden Abänderungen deS Wah'.reglements Bericht zu erstatten."
— Die kirchliche Trauung des Prinzen Wilhelm und der Prinzessin Augusta Victoria fand AbendS 7 Uhr in der Lchloßkapelle statt. Oberhofprediger Dr. Kögel mit der Hof- und Domgeistlichkeit empfing daS Brautpaar, welchem der Obrrstmarschall Fürst Salm, alle Kammer jut frr und Kammer- Herren vorauSschritren; d'e Mas-stäten mit sämmtlichen Mitgliedern deS König-bauseS und allen fürstlichen Gäste.-, in der leftgestellteu Ordnung folgten am Eingang der Kapelle nach und geleiteten dieselben vor den Altar. Prinz Wlb'lm trat zur Rechten der Braut. Die Majestäten mit den Mitgliedern de- Kön'gShauseS in b den fürstlichen Gästen traten im Halbkreise an das Brautpaar, links von demselben stand der Kaiser zwischen der Königin von Sachsen und der Mutter der Braut, eS folgten die Kronprinzessin zwischen dem Kronprinz von Schweden und dem Prinzen Christian von Schleswig. Holstein, der Erzherzog Kail Ludwig zwischen der Großherzogin von Sachsen und der Erbprinzesfln von Meiningen, die Prinzessin Albrecht zwischen dem Herzog von Edinburgh und dem Großberzog von Baden, der Großherzog von Sachsen zwischen der Prinzessin Heinrich der N'ederlande und der Herzogin Wilhelm von Mecklenburg, die Prinzessin Victoria von Baden zwischen dem Prinzen Arnulf von Bayern und Prinz August von Wü'tteu b<rg, die Prinzessin Friedrich von Hohenzollern zwischen den Prinzen Friedrich Karl und Albrecht, on welche sich der Herzog Paul von Mecklenburg und der Erbzroß- Herzog von Baden Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg, Herzog Ernst Günther von Schleswig-Holstein, Prinz Eduard von Anhalt, Prinz Ferdinand von Schleswig.Holstei,'.Glücksburg, Prinz Friedrich von Hohenzollern, Prinz Julius von Schleswig-Holstein und der Erbprinz von Hohenzollern anschloffen. Rechts vom Brautpaar stand die Kaiserin zwischen dem König von Lachsen und dem Prinzen von Wales; der Kronprinz zwrsch n der Prinzessin Christian von Schleswig-Holstein und dcr Großherzogin von Baden; Prinzessin Fr edrich Karl zwischen dem Herzog von Aosta und dem Glvß'ürst ÄlexiS; der Groß- herzog von Heffen zwischen der Landgräfin von Hessen und der Erbgroßher- zogin von Oldenburg; Prinzessin Karolme Mathilde von Schleswig-Holstein zwischen dem Großherzog von Mecklenburg und dem Prinzen Karl; Prinz Heinrich zwischen der Prinzessin Elisabeth von Sachsen und der Prinzessin Elisabeth von Heffen, an welche sich nach der Mitte zu Prinz Llex'-nder von Preußen, der Herzog von Coburg, der Landgraf von Heffen, die Erbprinzen oon Anhalt, Meiningen, Prinz Friedrich von Anhalt ansäloffen. Oberhof-
paii^cr Dr. Kögel hielt eine kurze Traurede und ertheilre sodann dem Brautpaar den Segen. Während deS RingwechselS wurden im Lustgarten dreimal iwölf Kanonenschüffe gelöst. Nachdem daS Brautpaar in den Brandenburgischen und Rotben Kammern die Glückwüiffche der Majestäten und der Mitglieder deS Königshauses, sowie der Fürstenhäuser empfangen, sand große Cour im Weißen Saale statt, wobei der Kaiser und die Königin von Sachsen recht-, die Kaiserin und der König von Sachsen link- vom Brautpaare unter dem Thronhimmel Platz nahmen. Bei der hierauf folgenden Eeremonien-Tasel nahm das Brautpaar die Mrtte der Tafel ein; neben der Braut saß der Kaiser, dann die Königin von Sachsen; neben dem Bräutigam die Kaiserin, dann der König von Sachsen und die übrigen hohen Gäste in der oben angegebenen Reihenfolge. Nach der Suppe brachte der Kaiser die Gesundheit de- hohen DrauipaareS auS. Nach der Tafel fand tm Weißen Saale Fackeltanz statt. Der standesamtliche Act war um halb 7 Uhr durch den Minister de5 königlichen Hauses v. Schleinitz vollzogen worden.
tzngkand.
Dublin, 28. Februar. Gott schütze mich vor meinen Freunden, mag der irische Agitator Parnell ausgerusen haben, als er abermals den Wander- stab ergriff, um in Paris eine Heimstätte zu finden. Unter den Führern der irischen Bewegung ist ein heft ger Zwist ausgebrochen. Parnell hat sich durch seine Verbrüverrrng mit Rochefort seinen Landsleuten verdächtig gemacht. Der Erzbischof von Dublin wendet sich gleichfalls von ihm ab. Da Parnell Pro- testant ist, sah ihn von jeher b-t katholische Geistlichkeit mit mißtrauischen Augen an ; sie haßt in ihm den Concurrenten in der Gängelung der VolkS- maffen. Jetzt vernür.scht der Erzbischof ihn mit feierlichen Worten. Auch der zweitpopuläre Irländer Shaw kehrt sich gegen Parnell. Er verurth-ilt die in Irland waärgeruf«ne Bewegung mit ihrear anarchischen unb terronfh« scher-Zreiben ganz und gar unb bezeichnet die Agitatoren al- eine gewiffenlose Bande von Do'.kSverführern, die bei dem erfhn Zeicken der Gefahr sich davon schleichen und in Sicherheit bringen und daS von ihnen mißleitete Volk in den Händen einer entrüsteten Klaffe unb der strafenden Regierung laffen. Mr. Shaw verzweifelt daran, daß Irland diesmal die nothwendigen Reformen erhalten werde, weil die Agitatoren die Nutzlosigkeit von Zugeständnissen erwiesen hätten. Von der Hgltung der irischen Bevölkerung, die im Hinblick auf die bevorstehende Verkündigung der Diktatur einigermaßen abgekühlt zu sein scheriit, wird es cbhängen, ob die englische Regierung die ZwangSbtll mehr alS Schreckmittel, denn als Waffe zu gebrauchen, oder ob sie gar statt derselben zu pofit ven Maßregeln, zur Deratbung der Dodenbiü übergehen wird.
ilrlegraphische Depeschen.
Wolff'- telegr. (-Orrespoubenz-Boreau.
Berlin, 1. März. Prinz unb Prinzessin W lhelm empfingen heute Nachmittag den Präsibenten unb die beibcn Vicepräsibentcn deS Reichstags, sowie bie Schriftführer, die Abgg. Mörmg. 8emaib6, Richter (Meißen), Wichmann, Graf Klefft unb Die AbtheilungSvorsitzenben v Bennigsen, Bermuth, v- Zcttau, Löwe (Berlin), v Schwarze unb v. Heeremann. Präsident v Goßler sprach die Glückwünsche des Reichstags aus unb äußerte, bie Ehe sei Die Quelle unb Grundlage alles Glücke-, dieses Gluck unb das GoUoertrauen gebe bem Mann unb ber Frau die ftrah zu gedeihlicher Wirksamkeit- DaS edelste Vorbild der Neuvermählten seien die Urgroßeltern detz Prmzen, welche in dem GoUoertrauen und in btm Glück ber Ehe bi* Kraft gesunden, in einer Zeit, wo daS Vaterland barniederlag, sich und daS Vaterland aufrecht zu halten Der Prinz dankte und versicherte, er werbe bestrebt sein, in bie Fußtapfen seines Vorfahren zu treten, er hoffe. eS weide ihm gelinaen, denselben Bahnen folgen zu können- Darauf empnng batz prinzliche Paar die Glückwunfchbeputation des Magisirats und der Stabt- verorbnet-n, sowie die Ehrenjungfrauen von Berlin, bann die Deputation aller größeren Stabte der Moi.archie, Namens deren ber Obeidürgermcifter v. Forckenbeck die Ansprache hielt, und zahlreiche andere Deputationen.
London, 1. März. Zur Feier der Vermählung des Prinzen Wilhelm von Preußen gab die Königin gestern Abend im Schloß Windsor em Gala» tiner, an welchem die Prinzessin von Wales, die Herzogin von Edinburgh, der Herzog ui.b die Herzogin von (Eonnaugbt und der Herzog von Cambridge, außerdem Lord Beaconsfield, Lord Granville Lord Spencer, der deutsche Botschafter Graf Münsier und grau Gladstone theilnahmen,
— General Rober:s ist zum Nachfolger Colley's als Höchstcommandi- rrnber im Tran-vaal-Laude und zum Gouverneur von Natal ernannt worden. Don Bermuda, Bombay und Colombo find neue Verstärkungen, bestehend auS 2 Regimentern und 6 Compagnien, nach dem Transvaal-Lande dirigirt worden. — 3u6 Ballinrobe meldet man die Ermordung eines Agenten der Landliga.
Paris, 1. März. In dem beute abgehaltemn Ministerrathe wurde über daS Projekt der Durchbohrung des Simplon berathen; der Arbeitsmmi- fter trug den Stind der Frage vor, eine Entscheidung wurde aber noch n-d)t getroffen. — Drouin de l'Huys, welcher von Napoleon III. zu wiederholten Malen mit der Leitung des MmisteriumS des Auswä tigen betraut war, '.st gestorben.
Kopenhagen, 1. März. In der dem Reichstage zugeganzenen Budgetvorlage wird die Bewilligung von 1400 Kronen für eine größere Jngen'.eur- Excursion von 30 Studirenden des hiesigen Polytechnikums nach Kiel, Hamburg unb Huium beantragt. Für die biefig? Unloerfität werden an Stelle ber bisherigen 50,000 Kronen 138,000 Kronen gefordert.
Haag, 1. März. In der ersten Kammer «beantwortete der Minister


