W». LOS. Freitag den 2. September 1881.
Kichener Wnzeigcr
Anscige- nnb AmtsdM für btu Kreis Gießen. ------- — . ............' ” erd#~t>icrUWr(i4 2 «ort 20 Pf. mit Vrmgerlohn. Im tun I Schvlslraß« B. 1*. •rf($etat täglich mit AuOnatzm« dkl V dntagO. Durch die Post bezogen viertel jährlich L Mark 50 Pl.
Amtlicher Hheil.
Gießen, am 31. August 1881.
Betreffend: Statistische Ermittelungen der Personen, welche der Armenpflege anhrimgefallen find. Das Großhcrzoglichc Kreisamt Gießen an die <8roßber;oglicben Bürgermeistereien des Kreises.
OTi. «uSickreiben vom 3. c. — Anzeiger Nr. 181 — bestimm«» wir hierdurch, daß die hiernach «inzusmdmdm Nachwtsiungen aus
der 4. ®dte uM.Vmit Datum und^Unterschrift zu versehen sind. Hat ein Eintrag nicht staitzufinden, so ist dies au, der Nachweisung, nicht In besonderem Berichte, zu bescheinigen. n„ m ._____
141 von
Koland.
Utrecht
des Steuersolls
2250 Gemeinden
von über
201—300, 500 pEt.
Z-eutschland.
Darwstadt, 31. August. Seine Königliche Hoheit der Großherzog nahmen heute militärische Meldungen entgegen und empfingen den Reallehrer Haller von Bingen, sowie den Pfarrer Werner auS Ober.Mosiau^-um^or^
ZUM 2. September 1881.
Nicht allein die Socialdemokratir, der UliramontaniSmuS, der Par- tikuloriSmus, sondern auch der politische Jndifferentismus stellen fich feindlich einer Feier deS schönsten Elinnerung-tages der neuesten Geschichte Deutschlands gegenüber; zum Thril sind auch die Börsen, weniger patriotisch alS die Leipziger Sausmannschast, bemüht, den glorreichen 2. September aus der kleinen Anzahl der deutschen patriotischen F'sttage zu stre chm. Derselbe nivellirende Zug, der dem Volke bereit- bin Sonntag halb geraubt hat, versucht nunmehr auch, einen nationalen Gedenktag zu stürzen, und immer und immer wieder werden die clten Gründe, welche gegen die Feier von dengelnden eine- einigen Deutsch« land- angeführt worden sind, ausgewärmt. Man will eben AlleS in den Staub de- Alltagsleben- herabziehen.
Aber der Sedantag ruft stet- mit neuer mächtiger Gewalt da- Gerächt- vtß an eine hehre That des Volkes in Waffen zurück, und wenn der Morgen anbricht, nimmt die patriotische Erinnerung, jenes köstliche Erbgut eines gesunden und kräftigen Volke- doch immer wieder von Neuem die Herzen gefangen, und so lange eben In den Herzen da« Gesübl für die Großthaten deS „Volkes in Waffen" lebt, wird alle kleinliche Mäkelei die Scdanfeter nickt von der Tagesordnung absetzen. Ist es denn zu viel verlangt, daß zu Ehren jenes welthistorischen Aktes, aus dem Grundstein, der zur Einigung des deutschen Volke-, zur Kaiserkiönung und zum ehrenvollen Frankfurter Frieden gelegt wur.e, ein Lhcral am f,ührn Morgen ertönt, die Glocken läuten und daS Wort der Seelenhirten bie andächtige Gemeinde an die Bedeutung des Tage- mahnt? Run wohl, wenn die leb nde Generation nickt mehr die Zett übrig bat, einen Tag ernes patriotischen Jubels und selbstverständlicher Dankbarkeit für die gütige Vorsebung. die unS im harten Kampfe wider den Erbfeind den Steg verlieben, zu feiern, so mag sie der fröhliche Gesang der Schulkinder, der Klang der „Wacht am Rhein", da- leuchtende Auge der jungen Welt belehren, daß, wo- der Verstand der Verständigen licht mehr sieht, ein kindlich Gemüth in Einfalt übt.
Gerade weil heutzutage die Bisten im Volke sich befehden, gerade weil eine Verrohung der Sitten durch Verhetzung im Innern droht, weil endlich die innere Zwietracht im Reiche gegenwärtig so groß geworden ist, wie sie kaum größer gedacht werden kann, so 'st e- eine Art Seelenerqwckung, der Zeit zu gedenken, in welcher die ganze Nation fich einig und opferwillig zeigte, eine Überraschung säst sür unser Volk, ein Gegenstand der Bewunderung für alle Völker. Der Sedantag ruft jene Zeit in das Gedächtniß zurück, und nicht die Erbauung an der damaligen Dolksstimrnung allem, sondern die cm. dringliche Mahnung der Weltgeschichte, daß unser Glück und unser Wohlstand nur erblühen kann, wenn wir einig und damit stark bleiben, das leiht der nationalen Feier den hohen Werlh. Ja, es ist ke.n Zweifel: Ebe nicht dem ältesten und schlauesten, dem verderblichsten Feinde Deutschlands, der Zwietracht im inneren Lande, ein Sedan bereitet ist, eher kann Deutschland nicht voll und ganz die Segnungen des Friedens genießen, in welchem es glücklicherweiie seit einem Jahrzehnt mit den Nachbarvölkern lebt.
Nach einem solchen Sedan mag unseretwezen irgend ein anderer Festtag, eine Verfaffungsseier, an die Stelle de- Sedantages treten. So lange aber den inneren Feinden des Reiches, seiner Versaffung, seines Territorialbestandes, seiner Errungenschaften und seiner weiteren gedeihlichen Entwickelung das „Sedan im Innern" nicht geschlagen ist, so lange wollen wir unter dem Rufe: Hoch Kaiser und Reich! Hoch die deutsche Einigkeit, Cultur und Sitte! — und mit dem Wunsche, daß bald dem Vaierlande der Friede innerhalb der Lande-grenzen auf dem socialen, religiösen ui.d politischen Gebiete erblühe, wo» durch wir erst berechtigt werden, in Wahrheit von den „Segnungen des Friedens" zu sprechen, den Sedantag auck ferner feiern, dem Kaiser, der Armee, dem Volke zu Ehren und zum Gedächtniß an eine unvergeßliche, große Zeit. _______________________________
trag bei; Staat-minister Frhrn. v. Starck, ben Ministerialprästdenten Schleier- macker und den Geheimen Eabinet-rath Dr. Decker.
Darmstadt, 29. August. In dem Entwurf des neuen Staatsbudgets, welches den im Herbst zusammentretenden Ständen vorgelegt wird, find gutem Ver. ehrnen nach sehr erhebliche Summen für Beschaffung anderweitiger De- trieb-mittel der Oberhesstschen Bohnen und der dringend gebotenen Erweiterung de« Bahnhof- in Gießen vorgesehen, Ausgaben, welche das sehr minimale Er- aebniß jener Bahnen vorau-fichtlich aus längere Zeit absorbiren dürften. (F. Z.-
Berlin, 30. August. Heute Vormittag 10 Uhr sand die große Herbst, parade des Gardecorps vor dem Kaiser statt. Die Prinzen und Prinzessinnen des Königlichen Hauses waren zu dem Behufe aus Potsdam herübergekommen und begaben sich vom Potsdamer Bahnhof direct nach dem Tempelhofer Felde, wo sie den Kaffer begrüßten. Eine ungeheuere Menschenmenge bildete vom Halleffchen Thor an bis zum Paradeplatz Spalier und begrüßte den vorbei- fahrenden Kaiser mit stürmischen HurrahS. Tie Parade selbst, welche vom besten Wetter begünstigt war, verlief auf's glänzendste.
München, 30. August. DaS königl. bayerische Staatsministerium des Innern weist unterm 7. d. Mts. daraus hin, daß die ungünstigen wirthschaft- licken Zeitverhältntffe strengste Sparsamkeit auf allen Gebieten deS gemeind, licken HauShalis erheischen. Namentlich find die StaatSaufsichts.Behorden angewiesen, in jedem einzelnen Falle sorgfältig zu prüfen, ob und in welchem Grade die in Frage stehenden Aufwendungen, Errichtungen und Unternehmun. gen im Jnteresie der Gemeinde nothwendig oder nur wünschenSwerth find; in welchem Veihältniß der Kostenaufwand zur Leistungsfähigkeit der Gemeinde steht • ob der erstrebte Zweck nicht mit einfacheren Mitteln und billiger zu erreichen ist; ob eS nicht thunlich erscheint, die Ausführung auf günstigere Zriten zu verschieben u. f. w. Es sei hierbei hervorgehoben, daß nach den im Jahre 1879 gepflogenen statistischen Erhebungen, die in sämmtlichen Gemeinden Bayern- tm Jahre 1878 erhobenen Gemeinde-Umlagen durchschnittlich 70,13 pEt.
• ‘ betrugen; von 8035 Gemeinden des Königreich- erhoben: bis zu 50, 2616 von 51 — 100, 1615 von 101—200, 435 301—400, 54 von 401 — 500, 31 Gemeinden
Utrecht, 28. Aug. Da- Niederländische Eentral-Comitö für Trans- v°al bat untnm 20. August folgend« Danksagung veröffentlicht:
An dar Volk von England! Mtl großkv Befriedigung haben wir er. fahren, daß die südafrikanische Republik ihren ursprünglichen Bründem zurück, gegeben ist. Im Namen de« Volke« der Ntederlande gestalten wtr unS deshalb, unseren Dank und unsere Huldigung Eurer Negierung darzubringen, welche dieses Weik der Gerechtigkeit und Großherzigkeit vollzogen hat, an erster Stelle aber Euch deren Wünsche die Regierung ausgeführt hat. England hat bannt einen Anspruch auf die Achtung und die Sympathie aller derer gewonnen, welche die Verbrüderung der weißen Raten tn Südafrika als eine wesentliche Bedingung sür das Glück und die friedliche Entwickelung dieses Gebietes St« trachten. Daß dir M cht Englands mehr w.« hinreichend war, eme so kleine Nation zur Unterwerfung zu bringen, haben wir niemals bezweifelt. Ihr yavt die Mackt nickt gebrauchen wollen, sobald Ihr Euch überzeugt hattet, daß Ge- rechtigkeit die Rückgabe ton Freiheit und Unabhängigkeit an Transvaal ver. langte. Ihr habt so einen moralischen Sieg errungen, großer als ihn lemals brutale Gewalt hätte erreichen können. Ihr habt btt Ächtung der Edelsten und Besten unter allen Völkern gewonnen und Ihr habt em Bnspiel gegeben, da« sicher die heilsamsten Folgen haben wird, indem es das Gluck und dm Fortschritt der Menschheit besö-dert.
Telegraphische Depeschen.
Wolff'« telegr. Eorrespondenz - Bureau.
Berlin, 31. August. Auf der Rückreise Sr. M. S. „Vineta" von Singopore nach der Capstadt hat sich der Commandant, Etpitän zur See Zirzow , veranlaßt g-s-h-n, im Jnteresie d.r G-sundhnt der Besatzung dm Hafen von Port Elisabeth an d.r südafrtkanischm Küste anzulausm. Beim Eintritt des Schiffes in die kühleren ®«graben stellte sich eine leichte Ruhr. Evidemit .in, welche allmälig zunahm und wenn auch nicht gefahrdrohmd^o


