St*. 140» Samstag den 2 Juli 1881.
Aießener ÄMger
Aiffige- ttnl Amtsblatt fit Öen Kreis Gießen.
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Amtlicher Hheil.
Bekanntmachung.
Wir sehen unS veranlaßt, nachstehendes Localreglement mit dem Anfügen wiederholt zur öffentlichen Kenntniß zu bringen, daß daS AufstchtSperfonal angewiesen ist, auf das Strengste auf Handhabung dieser polizeilichen Bestimmungen zu sehen und Zuwiderhandlungen unnachsichtlich zur Anzeige zu bringen. Gießen, den 29. Juni 1881 Großherzogliche Polizetverwaltung Gießen.
F r e s e n t u S.
«bichrift. Local-Reglement.
Betreffend: Sas Aufiiewahren größerer Holrvorräthe innerhalb Der Stadt Gießen.
Zur Lerhülung uon FeuctSgtsahr w^ro au, Antrag der LocalpoNzeibehörde, nach Anhörung diS Stadtvorstandes und mit Genihmigung Großherzog- ltch.n Ministeriums des Innern vom 9. l. Mis. zu Nr. M. d. I. 11,165 auf Grund des Ari. 149 des Polizeistrasgesetzes für die Stadt Gießen folgendes verfügt:
1) In den Höfen dürfen von Gewerbetreibenden, welche mit Holz, Steinkohlen rc. handeln, oder welche zu ihrem Gewerbe größere Mengen Brenn-
Materialien gebrauchen und aufbewahren müffen, z. B. Bäcker, Bierbrauer rc-, nicht mehr al- 6 Stecken Holz, oder nicht mehr al- 300 Wellen
aujbewahrt werden. Größere Mengen von Holz, als die angegebenen, müffen mindestens 50 Fuß von Wohngebäuden entfernt niedergelegt werden.
2) Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen unter pos. 1 werden in Gemäßheit des Art. 149 des Polizeistrafgesetzes mit 1 bis 10 Gulden
bestraft.
Gießen, den 15. October 1867. Großherzogliche- Kreisamt Gießen.
gez. Dr. Goldmann.__________________________________________________________________
Berlin, den 3. März 1881.
Bekannt m a ch u n g,
Groß-Gerau
„ Goddelau.
Lampertheim,
17. August
Abtheilung für das Remonte - Wesen.
Gras Klinckowströrn.
von Rauch.
19.
20.
22.
den 7. Juli . 16. „ „ 18. „
Die von der Remontr-Ankaufs-Commilsion erkauften Pferde werden zur Stelle abgenommen und sofort gegen Quittung baar bezahlt.
Pferde mit solchen Fehlern, welche nach den Landesgesetzen den Kauf rückgängig machen, sind vom Verkäufer gegen Erstattung de- KaufpreiseS der Unkosten zurückzunrhmen, auch sind Krippensetzer vom Ankauf auSgeschloffen.
Die Verkäufer sind ferner verpflichtet, jedem verkauften Pferde eine neue starke rindlederne Trense mit starrem Gebiß und eine Kopfhalfter Leder oder Hanf mit 2 mindestens 2 Meter langen starken hänfenen Stricken ohne besondere Vergütung mitzugeben.
Um die Abstammung der vorgeführten Pserde sestftellen zu können, ist es erwünscht, daß bic Deckscheine möglichst mitgebracht werden.
Kriegs-Ministerium,
in AlSfeld,
„ Nidda,
„ Nieder-Wöllstadt,
den Remonte-Ankauf pro 1881 betreffend.
Zum Ankauf von Remonten im Alter von vorzugsweise drei, und ausnahmsweise vier Jahren, find im Bereiche des GroßherzogthumS Heffen dieses Jahr nachstehende, Morgen- 8 Uhr beginnende Märkte anberaumt worden, und »war:
den 18. August in Bickenbach, Groß-Bieberau,
sür
und
von
Secundärbahnen und Vicinalwege.
Einer der Hauptgründe, weShalb für unsere Landwirthschast die Con- currenz der awerikantschen Körner- und Viebproduction so schwer verhängmß- voll sich gestalten konnte, liegt einerseits in der rastlosen Emsigkelt, mtt der in Nordamerika sür die Herstellung eil es billig sunctionirenden Verkehrsnetzes und Transportwesens gesorgt wird, und andererseits in dem schleppenden und schwerfälligen Fortschritte dieser selben Veranstaltungen bei uns. In Amerika folgen thcttsächUckr der Eisenbahn und dem Kanäle der Landwirth und die Agricultur; der Verkehrsweg ist sozusagen die Avantgarde, der bahnbrechende $iOLttr für die Landwirthschaft, die hinter ihm hermarschirt. Bei uns folgt selbst dem fistfitzenden Landbau der Verkehrsweg nur unendlich langsam und widerwillig. — Man kann fast behaupten, daß der ferne Westen der Vereinigten Staaten seine Produkte mit den nämlichen Kosten auf den europäischen Markt werfen kann, als die vom Verkehre abgeschlossenen landwirthschaft- lichcn Distrikte Deutschlands, Oesterreichs u. s. w.
Zwar haben wir ein ziemlich reich entwickeltes Netz von Hauptbahnen urd -Sttaßen, allein dieselben sind meist strategischen Rücksichten un£ der Vorsorge für die Industrie entsproffen, und es fehlen ihnen vielfach die Saug- adern m Form von Secundärbahnen und Vicinalwegen, welche die abgelegenen Gegenden, indem sie fie in den Culturverk«hr ziehen, zu lebendigerer Ausnutzung ihrer productiven und consumtiven Kräfte stimuliren. Ol;ne Secuudär- bahnen und Vicinalwege haben die Hauptbahnen und Cbauffeen immer nur einen partiellen Werth, eine Bedeutung nur für eine beschränkte Gruppe von Orten und gewerblichen Jntereffen, denen fie gerade und mit verhältnißmäßiger Mühe erreichbar find. — Namentlich die kleinere Landwitthschaft bedarf zu ihrer Hebung und leidlichen Rentabilität guter Verkehrsstraßen zweiten und dritten Ranges, weil ihr nicht genug und nicht genug kräftiges Zugviehmaterial, zu Gebote steht, um zu allen Jahreszeiten ihre Produkte aus den Markt zu sichren.
Man muß es nur sehen, unter welchen unsäglichen Mühseligkeiten auf unseren lehmigen und schlammigen Landwegen zu gewiffen Zeiten auch die kleinste Last befördert wird; der Weg, der kaum eine Stunde lang ist, wird dann zur Tagereise und absorbirt eine volle Tagesarbeit von Menschen und Vieh, einen Aufwand von Kraft und Zeit, welcher den landwirhschaftlichen Betrieb ansehnlich verteuert. Mangels von Secundärbahnen sind viele kleine
Landwilthe auf den Vertrieb ihrer Erzeugniffe nach den benachbarten kleinen Landstädtchen angewiesen, wo fie ohne Rücksicht auf den allgemeinen Marklprei- nehmen müffen, was ihnen geboten wirb. — Wenn man über den Kornwucher klagt, so möp.e man auch an dieses Moment denken, das ihn wesentlich verschuldet. — Nur indem man den kleinen Landwirth in Verbindung setzt mit größeren Marktplätzen, beugt man dem Schaden vor, der ihm erwächst, wenn er auf die Angebote nur einer beschränkten Käuferzahl angewiesen ist.
DaS Getreide kommt heute schon dU'ch den schwierigen Transport von den Productionsstätken entweder erheblich vertheuert, oder gewinnloS für den eigentlichen Producenten auf den größeren Markt, und gute Vicinalwege und billige Secundärbahnen find daS wirksamste Mittel, diesem Uebelstande zu struern urd zugleich auch zu verhindern, daß das einheimische Angebot ein stoßweises, von der Gunst der Witterung und der Wege abhängiges, ist.
Die vielbeklagte geringe Intelligenz unserer Landwirthe, die eine- der wesentlichsten Hemmnisse ogriculrureller Fortschritte ist fällt zum großen Thr'l der J'vlirung der specififchen La..dbaudiftricte vom großen Verkrhr zur Last, die wiederum nur durch den Bau von Dicinalbahnen und Vicinalstraßen gehoben werden kann.
Angesichts der brohmden Concurrenz der amerikanischen Landwirthschaft und der immer trauriger werdenden Lage der unseligen wird man demnach als eine der ersten Forderungen zu Gunsten unserer landbautreibenden Bevölkerung die zu erwägen und zu erfüllen haben, daß energisch und ohne Rücksicht auf einen nahen und directen Betriebsgewinn ein vielmaschige- Netz von Neben- bad'en und Nebenstraßen g-schoffen und unterhalten werde. _______
Deutschland.
Darmstadt, 29. Juni. Der Vorstand der deutschen Fortschrittspartei besckloß in seiner am 25 Juni stattgehabten Sitzung eine Versammlung von Vcrtrauentrnännern aus dem Wahlkreise Drrmstadt-Großzerau auf Sonntag, den 10. Juli, Nachmittags 3 Uhr, in dem Ritserl'schen Gartensaal einzuberufen, um die Eandidatur unseres bisherigen Re chstazS-Abgeordneten, Herrn Fabtt- km t Büchner aus Piungstadt, zu proclamiren und gleichzeitig die wetteren Schritte zu berathen, die behufs Agitation bei der beoorstehenden Wahl ge- schehen^ollen^ gu Abstimmung über da- Unfallverficherungsgesetz


