Ausgabe 
2.2.1881
 
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sein Nachsuchen, mit Wirkung vom 1. April 1881 an, am 8. J^n. 1881 den vortragenden Rath bei der Abteilung Les Ministeriums der Finanzen für Bauwesen Geheimen Oberbaurath Dr. Friedrich Müüer auf sein Nachsuchen in den Ruhestand zu versetzen.

Am 5. Januar wurde dle Lehrerin Elsse Wörner an der kath. Schule zu Bingen aus Nachsuchen unter Anerkennung ihrer langjährigen treuen Dienste in den Ruhestand versetzt.

14. Concurrenzeröffnungen. Erledigt sind: Eine LehrersteÜe an der Ge- metndeschule zu Griesheim mit einem nach dem Dienstalter des betr. Lehrers sich bemessenden Gehalt von 10001600 «X; eine Lchrerßelle an der eoang. Schule zu Lampertheim mit einem nach dem Dtenstalter des betr. Lehrers sich bemessenden Gehalt von 10001800 «X; die Lehrerstelle an der kath. Schule zu Eich mit einem nach dem Dienstalter des betr. Lehrers sich bemesienden Gehalt von 10001400 <x; die mit einem kath. Lehrer zu besetzende Lehrer­stelle an der Gemeindeschule zu Hainhausen mit einem Gehalt von 900 «X

Berlin, 30. Januar. Bekanntlich wurde kürzlich officiös gemeldet, daß das Reichsgesundheitsamt beabsichtige, eine sortlaufende öffentliche Berlcht- «rstattung für das deutsche Reich über das Auftreten derjenigen gemeingesähr- lichen Krankheiten herbeizuführen, welche der Anzelgepflicht unterliegen, nämlich über daS Auftreten von Cholera, Pocken, Unterleibstyphus, Flecktyphus, Masern, Scharlach und DiphlheritiS. Der Hauptgrund, weshalb diese Krank­heiten für die öffentliche Berichterstattung gewählt werden, ist, wie wir erfah­ren, der, daß das Reichsgesundheitsamt die Ausarbeitung eines Reichsgesetzes, betr. Maßregeln zum Schutze gegen Jnsections Krankheiten der Menschen, in Aussicht genommen hat. Es liegt dem Reichsgesundheitsamt bereits einiges darauf bezügliche Material vor, z. B. der von der Reichs-Cholera-Commisston am 22. August 1873 dem Reichskanzler überreichte Untersuchungsplan zur Er­forschung der Ursachen der Cholera und deren Verhütung. Die Durchführung des PlaneS, eine fortlaufende öffentliche Berichterstattung für das deutsche Reich über das Auftreten der genannten Krankheiten wird aber nicht laicht sein, da die schon seit Jahren geplanten Reichsgesetze, betr. die Leichenschau und die Anzetgepsiicht bet gemeingefährlichen Krankheiten, noch immer nicht erlassen sind und, wie verlautet, vorläufig nicht erlassen werden sollen. Darum will denn der preußische Cultusminister jetzt das Arzeigewesen auf bretteren Grundlagen regeln. In Preußen ist zwar die Anzeigepfiicht bei austretenden Krankheiten durch das Regulativ vom 18. October 1835 sestgestellt, allein die Bestimmungen dieses Regulativs find so mangelhaft, daß das Auftreten an- steckender Krankheiten, namentlich auf dem platten Lande, bisher selten oder gar nicht, oder doch erst bei größerer Ausdehnung der Krankheiten zur Kenntniß der Behörden gelangt ist. Dem Vorgehen des preußischen Cultus- Ministers werden auch andere Bundesregierungen folgen müssen, wenn der erwähnte Plan des ReichsgesundhettSamtes voll und ganz durchgefühlt wer­den soll.

Der deutsche Landwtrthschastsrath hat jüngst beschlossen, an die Reichsregierung das Ersuchen zu richten, über die Entwickelung und den Stand der land- und forstwirthschastlichen Production in den Vereinigten Staaten Nordamerikas und in Canada, über den Umfang der Enssuhr land- und forst- wirthschastltcher Erzeugnisse aus diesem Ländcrgebiete nach Deutschland und über die der deutschen Landwirthschaft aus solcher Concurrenz direct oder indirect drohenden Gefahren baldthunlichst eine Untersuchung anstellen und deren Ergebniß dem deutschen LanwtrthschaftSrath zugehen zu lassen. Der Vertreter der preußischen Regierung hielt die beantragte Untersuchung für sehr heilsam, zumal Preußms landwirthschaftltche Verwaltung schon lange diesen Weg betreten habe. Was nach der Untersuchung geschehen solle, sei eine spätere Sorge. Jedenfalls sei eine sehr eingehende Untersuchung übn die zu bebauende Ackerfläche, die Ernte, die Erzeugungskosten, den Verbrauch, die Art des land« wirthschaftlichen Betriebs in Amerika, die landwirthschastl'.chen Hülfsmittel der Amerikaner u. s. w. nothwendig Daß Amerika auf landwirthschaftlichem Ge­biet Europa überlegen tfl, sei ganz natürlich, der Amerikaner kenne keinen alten, von den Vätern ererbten Schlendrian, keine Tradition, sei an keinerlei Rücksichten gebunden, und somit concentrire sich seine ganze Thättgkeit darauf alle ihm durch die Technik gebotenen Mittel nach besten Kräften auszunutzen und Geld zu verdienen.

Berlin, 31. Januar. In der heutigen Sitzung des Abgeordneten­hauses verlangte Abg. v. Ludwig, der Präsident solle die Journalisten aus dem Hause weisen, welche die Berichte entstellten; das Abgeordnetenhaus koste über­haupt mehr, alS es einbrtnge. Der Prästoent rief v. Ludwig dreimal zur Ordnung und appellüte schließlich an das Haus, welches mit geringer Majo­rität beschloß, dem Abg. v. Ludwig das Wort zu entziehen. Abg. Löwe hat sich durch einen Fall eine ernste Knieverlctzung zugezogen.

Die Etatsstärke des deutschen Heeres beträgt nach dem Militäretat für 188182 im Ganztn 18,128 Officiere, 427,274 Mann (incl. Unterofficiere), 1698 Militärärzte, 784 Zahlmeister, 624 Roßärzte, 656 Büchsenmacher, 93 Sattler und 81,629 Pferde. Nach den Formationen und Waffen zählt die Armee 161 Regimenter Infanterie, 20 Bataillone Jäger, zusammen mit den Landwehrbezirks'Commandos 10,304 Officiere, 294,709 Mann; Kavallerie 93 Regimenter und 3 Reitinstitule, zusammen 2358 Officiere, 64,699 Mann; Artillerie 37 Regimenter Fel^artillerie, 15 Regime ter und 2 Bataillone Fuß- artillerie, zusammen 2527 Officiere und 51,100 Mann; Pioniere 19 Ba­taillone, 1 Eisenbahnregiment (Preußen), 1 Esser,bahnbataillon (Bayern), zusam­men 412 Officiere, 10,838 Mann; Train 18 Bataillone und 1 Compagnie (Hessen), zusammen 200 Officiere, 4908 M'nn; besondere Formationen 313 Officiere, 953 Mann; nicht regimentirte Officiere 1014. Die (Kontingente der Staaten betragen: Preußen 14,004 Officiere, 330,629 Mann; Sachsen 1137 bezw. 27,606; Württemberg 773 bezw. 18 815, Bayern 2214 bezw. 50,224 Mann. Gegen das Vorjahr ergiebt sich ein Plus von 901 Offietcren, 25,615 Mann und 1736 Pferden.

Metz, 30. Januar. Trotzdem von Seiten der zahlreichen Wohthäkig- keitsar.stalten in hiesiger Stadt eine umfassende Thättgkeit entwickelt wird, herrscht doch vielfach in Arbeiterkreisen entsetzlicher Nothstand. Die großen Befestigungsarbeiten in den ersten Jahren zogen Tausende von Arbeitern hierher, welche damals reichlichen Verdienst sanden. Inzwischen sind diese Arbeiten der Hauptsache nach vollendet worden. Da aber ein großer Tbeil der Arbeiter sich hier ansässig machte, so können zahlreiche Arbeitskräfte während der guten Jahreszeit nur spärlich, im Winter dagegen beim besten Willen keine Beschäf­tigung finden. Man begreift daher daß die hiesigen bureaux de bienfaisance mit Unterstützungsgesuchen förmlich bestürmt werden. Als besonders zweck­

mäßige, auch anderweitig zu empfehlende Einrichtung erweisen sich bei der gegenwärtigen Kälte die öffentlichen, aus milden Süssungen heroorgegangenen Wärmestuben, welche vom December bis April von Morgens 8 Uhr an den ganzen Tag geöffnet sind und den Zweck haben, arbeit^» und obdachlosen Be- dürftigen eine Zuflucht gegen die Unbilden der Witterung zu gewähren.

Hesterreich.

Wien, 31. Januar. Die Leichenfeier deS Cardinals Kutschker fand heute unter großartiger Betheiligung aller Schichten der Bevölkerung statt. Der Kaiser wohnte mit dem Erzherzoge der Feier bei.

Kossand.

Amsterdam, 31. Januar. Das General-Comüä in der Transvaal- Frage richtete eine Adresse an den König, worin es bittet, die niederländische Regierung möge bei England diplomatische Schritte thun, um den Krieg zu beendigen und die schwebenden Schwierigkeiten durch Wiederherstellung und Consolidirung der Unabhängigkeit der Boers beizulegen.

Schweiz.

St. Goar, 31. Januar. Heute Nachmittag 2 Uhr setzte sich das Rheineis in Bewegung. Das Wasser ist nicht zu hoch, der Eisgang nicht gefährlich.

Telegraphische Depeschen.

Waguer's telegr. Esrrespoutzerrr-Bureav.

Paris, 31. Januar. DieRepublique francatse" meint, Griechenland werde geduldig und vertrauensvoll bas Resultat der Bemühungen der Mächte bei der Pforte abwarten; die Pforte werde, zu einer richtigeren Auffassung der Dinae gelaunt, nackgeben.______

Vermischtes.

D armstadt, 28. Januar. Ein seltsamer Aufzug erregte gestern gegen Abend auf fcem Marktplatz die Aufmerksamkeit der Passanten. (Sm Schutzmann eßcottitte nämlich zwei Stromer nach dem Arresthaus, die aneinander gefcsielt waren und mit lautschallenber Stimme das LiedJetzt geht's nach Lindcnau, da tfl der Himmel blau" sangen. Die Burfchcn waren in trunkenem Zustande beim Bettel aufgegriffen worden.

Mainz, 27. Januar. Das mutelrhetnisebe Turnfest wird nach einem gestern gefaßten einstimmigen Beschluffe des Mainzer Turnvereins im Laufe dieses Jahres in Mainz ab? gebaltin.

[(SS totrb noch kälter.^ In Kauer's hundertjährigem Kalender heißt es:Am 8. Februgr kälter als je, in allen Meeren gefriert es, ebenso am 6 und 10, welche alle anderen an Kälte übertreffen, so daß vtele Menschen, Dieb und Vögel erfrieren." DerHamb. Corr " setzt dieser tröstlichen Mitthcilung die Bemerkung bet: Auch aus den großm Schaaren wilder Gänse, welche seit Kurzem die Gegend paisiren, und aus dem äußerst soliden Pelze der Hasen schließen Wetterpropheten auf große andauernde Kälte. Der inzwischen ctngetretene Umschlag des Wetters zeigt, was auf^ diese Prophezeihungen zu geben ist.

Straßburg. sWölfe im Reichslande.) Mit Eintritt des WinterS, bezw. der Kälte und des Schnees bieten die>fe ein «regelmäßiges Thema unserer Zettnngen. Zum großen Glück ist ihr Auftreten doch immer nur ein vereinzeltes und dabei entbehren sie gänzlich der Wildheit tdrcr russischen und polnischen Brüder. So hört man denn auch sehr selten etwas von Angriffen auf Havsthiere oder gar Menschen. Unter dem Wildstand richten sie aber natur lich bedeutenden Schaden an und so wird ihnen denn auch Seitens des Forst Personals eifrig nachgestellt. Das dichte Gestrüpp und Unterholz des lothringischen Waldes und der Umstand, daß aus den Ardennen immer frischer Zugang erfolgt, werden noch lange Jahre einer voll­kommenen Ausrottung dieses Raubzeugs hindernd im Wege stehen.

Straßburg. [Eisbahnen.j Ein hier früher nur wenig geübter und namentlich dem schönen Geschlecht ganz unbekannter Sport hat sich mit den Deutschen hier mehr und mehr eingebürgert, nämltch das nordische Vergnügen des Schlittschublaufens. Eine Retbe von scharfen Wintern, welche dieDttsche" oderSchwobe" oderPrussiens" mit in's Land ge­bracht haben, sind bicrbei sehr zu Statsen gekommen und so steht denn das Vergnügen auf dem Eise in diesem Jahre wieder in höchstem Flor. An vier fünf Stellen belustigt sich Jung und Alt, Männlein und Wciblein trotz Kälte und Schnee. Namentlich erfreut sich die Bahn des Schlittschuhläufer-Clubs, als deffen technische Directoren einige Jngenieur^Officterc fungiren, einer großen Frequenz. Eine spiegelglatte, woh! gepflegte Eisfläche, Musik, Feuerwerk bengalische Beleuchtung, Restauration mit obligatem Punsch und Pfannkuchen, bilden die Anziehungspunkte für ein distingutrtes, theilweiie elegantes Publikum.

Volkszählungsgeschichten. Aus Graz theilt die GrazerTagespost" m.hrere recht lustige Volkszählungs Kurtosia mit. Jnßb-sondcrr wurde die RubrikStand" statt mit ledig, verheiratbet, verwittwet oder getrennt meistens unrichtig durch Eintragung der Stellung oder des Berufszweiges in dieselbe ausqcfüllt. Ein Betbeiiigter trug sich darin mitverarmt" ein; ein noch unverehelichtes Paar schrieb in dieselbeBrautstand". Ein anderes unverehelichtes Paar setzte in die RubrikUmgangssprache"keine", scheint also Karthäuser-Regeln zu huldigen ; bet, einem Ehepaar dagegen spricht Der '^onn mit der Frau .Deutsch", diese aber mit ihm Böhmisch" ; ein Dicnstmann ..Steierisch". Ein Hausbesitzer füllte die RubrikNahrungszweig" mitwas die Steuern übrig lasten" und ein Bäckermeister die RubrikBeschäfttgung" beim Sohne mitFrist umsonst" aus Etn Gastwirth führte seine Kellnerin in der RubrikNah­rungszweig" alsMagd" und in der RubrikDienstverhältniß-, wahrscheinlich um jede gegentbeilige Vermuthung im vorhinein niederzuschlagen alssittlich" an. In der Rubrik Etwaige körperliche und geistige Gebrechen" wurden offenbar In der Meinung daß die vier Unterabtheilungen derselben nur beispielsweise vorgez-ichn t sind, alle möglichen Gebrechen ,inge- schrt'ben. Ein Betbeiligter schrieb etn:Zirgulationsstörung, Nervenschwäche, Lunqenkatbar, Herzklopfen und Sck'echbitich" (?).

[Ein archäologischer Trunks Kürzlich wurde in der Umgegend von Marseille ein römischer Kirchhof ausgcgraben. Das interestanteste der aufgedeckten Gräber war unstreitig dasjenige des Consuls Casus Septimus. Außer Waffen und Geldstücken enthielt dastelbe eine mit einer fast unleserlich gewordenen Inschrift bedeckte Amphore, welche zum viertrn Tl'kil mit einet röthlichen und dicken Flüssigkeit gefüllt war. Eine Autorität auf dem Gebiete der Archäologie, deren Wert bei der Akademie der Inschriften von großem Gewicht war, be­schäftigte sich mit der Inschrift und glaubte schließlich entdeckt zu haben, daß die ruthe Flüssige keit echter Falerner sei, Derselbe berühmte Falerner, den Horaz besingt. Es war einleuchtend, daß der Consul Kajus Deptimus zu feinen Lebzeiten ein Zechbruder gewesen, dem eine Am­pbore guten Weins tn'S Grab mitgegeben worden war. Ein Gelebrt:r behält eine solche Ent­deckung nickt für fick allein; Herr P. nahm die Amphore mit nach Paris und lud ein Dutzend feinet Coll,gen der Akademie zu einem Diner ein Man schenkte pietätvoll den historischen Falerner in kleine Gläier und trank ibn stehend in memoriam des Consuls und des Horaz. Kaum batte man die Gläser wieder auf den Tisch gesetzt als der Diener dem Hausherrn ein Telegramm überbrackte. Nachdem dieser sich entschuldigt, öffnete er dastelbe, wurde purpurroth, dann sckneeweiß und entfloh schließlick mit einem Schrei des Schreckens. Die staunenden Gäste hoben dao Telegramm auf und einer toen ihnen las es vor; es lautete:Paris Marseiile, 7 Uhr Abends. Trinken Sie nicht A^nphoreninbalt. Kein Falerner. Fanden Inschrift auf Sockel, die uns entgangen. Rothe Flüssigkeit ist eigener Körper Consul Cajus', verflüssigt durch Einbalsamirungsproeeß." Die unglucklicken Gelehrten batten den Consul aus der Flasche getrunken!

[Eleetrisckes Licht beim Pbotographiren.j Wie diePost" meldet, wurde vor einigen Tagen von dem Photographen Herrn von Ronzelen die Sonne zum ersten Male ihreS Amtes enthoben und statt derselben das electrische Lickt angewendet. Einige Bepreter der Presse waren , geladen worden, um sich von diesem neuesten Wunder des eleetrischen Lichtes persönlich zu überzeugen Eine große electrische Lampe warf ihr blendendes, violetweißes Licht auf eine mächtige, 5 Fuß im Durchmesser haltende weißzetünchte Schale, welche von' der Decke herabbina und als Reflector diente. Das electrische Licht wird dürck eine im Keller ausgestellte Maschine erzeugt, die aus einem von der Deutz-r Gasmotorenfabrik gelieferten Gasmotor, welcher von der Straße aus gespeist wird und aus einem electrifchcn Apparat von Siemen« und Halske besteht. Der Kern dieses Appacats ist ein; Rolle, bi* in einer Minute 680 Mal xotttt Vor dem Apparate des Photographen nahmen hinter einander drei Personen Platz, um bie vielversprechende Neuerung des Herrn von Ronzelen zu erproben- Schon nach sieben